Kleine Fabel (Franz Kafka)

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Jörn Budesheim
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Sa 18. Sep 2021, 20:18

»Ach«, sagte die Maus, »,die Welt wird enger mit jedem Tag. Zuerst war sie so breit, daß ich Angst hatte, ich lief weiter und war glücklich, daß ich endlich rechts und links in der Ferne Mauern sah, aber diese langen Mauern eilen so schnell aufeinander zu, daß ich schon im letzten Zimmer bin, und dort im Winkel steht die Falle, in die ich laufe.« – »Du mußt nur die Laufrichtung ändern«, sagte die Katze und fraß sie.

#horizont



"Nichts ist menschlicher als der Wunsch, kein Mensch zu sein!" (Stanley Cavell)

"Die meisten Menschen würden leichter dahin zu bringen seyn, sich für ein Stück Lava im Monde, als für ein Ich zu halten." (Fichte)

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Mi 29. Sep 2021, 07:46

Die Geschichte vom Greis und dem Tod aus den Fabeln des Äsop:

Ein Greis fällt einst Holz, lud es sich auf und ging eine lange Strecke. Der Weg ermüdete ihn. Er lud seine Last ab und rief nach dem Tod. Der erschien alsbald und fragte, weshalb er ihn gerufen habe. Der Greis antwortete: Um mir die Last wieder aufzuladen.



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Äsop hat geschrieben : Ein Greis fällt einst Holz
Der Greis fällt den Baum, um zu leben. Der Baum fällt, damit der Greis lebt. Bäume sind Lebewesen wie wir. Doch anders als sie müssen wir anderes Leben nehmen, um zu leben. Der Tod ist seit jeher ein Sensenmann und der Greis ist ihm darin ähnlich.



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Mi 29. Sep 2021, 10:49

Es gibt ziemlich viele Übereinstimmungen zwischen den beiden Fabeln. Mir fällt insbesondere die wunderbar einfach Sprache auf: da schmeckt nichts unangenehm vor, alles steht im Dienst der Bilder.



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Mi 29. Sep 2021, 15:55

Die Geschichte vom Greis und dem Tod aus den Fabeln des Äsop:

Ein Greis fällt einst Holz, lud es sich auf und ging eine lange Strecke. Der Weg ermüdete ihn. Er lud seine Last ab und rief nach dem Tod. Der erschien alsbald und fragte, weshalb er ihn gerufen habe. Der Greis antwortete: Um mir die Last wieder aufzuladen.
In Angesicht der Last seines Lebens, sehnt sich der Greis nach dem Tod. Im Angesicht des Todes nach dem Leben. Doch: Warum fragt der Tod, weshalb er gerufen wird? Das ist erstaunlich. Auch die Katze spricht ihr "Opfer" an, aber sie gewährt ihm keinen Aufschub. (Tut der Tod das überhaupt?) Der Tod ist oft eher ein ungebetener Gast, verwundert es ihn so sehr, dass er gerufen wird? Oder ist die Frage rhetorisch? Ähnlich wie bei der "Bemerkung" der Katze?

"Etwas Besseres als den Tod findest du allemal." (Bremer Stadtmusikanten)



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Der Lebensmüde kann in der Regel nicht auf den Tod warten oder ihn rufen. Er muss den Tod selbst herbeiführen! Der Wunsch zu sterben ist etwas ganz anders als sich selbst an die Ausführung des Suizids zu machen.



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Beide Fabeln sind sehr sparsam, was die Zutaten angeht, etwas vereinfacht/verkürzt:
  • Maus, Mauern, Falle, Katze
  • Greis, Holz, Weg, Tod
Die Leerstellen, die sich dabei zwangsläufig ergeben, müssen die Leser:innen füllen. Das hält das Kunstwerk offen, stellt aber jede kleine Deutung vor die Frage: ist das von der Geschichte "gedeckt"? Oder überziehe ich hier, bzw. unterbiete ich den Text. Das Kunstwerk ist nie zu Ende - solange Menschen sich davon inspirieren lassen, teilweise seit 2500 Jahren. Und das mit vier einfachen Zutaten. Amazing, oder?



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Fr 1. Okt 2021, 18:27

Das Lamm und der Wolf (griech.: Το αρνί και ο Λύκος) ist eine Fabel, die dem altgriechischen Fabeldichter Äsop zugeschrieben wird und vom römischen Dichter Phaedrus (Lupus et agnus, Fabeln 1, 1) in Versform gebracht wurde.

Ein Lamm war durstig und ging zum nahen Bach, um daraus zu trinken. Als es aufschaute, sah es, dass ihm gegenüber am anderen Ufer des Baches ein Wolf stand und ebenfalls Wasser schlabberte. „Was erlaubst Du dir, mir das Wasser zu trüben?" rief ihm der Wolf zu. „Das kann nicht sein", erwiderte das Lamm, „denn Du stehst oberhalb von mir, der Bach fließt in meine Richtung, nicht in Deine."
„Widersprich mir nicht", antwortete da der Wolf, „denn Du warst es, der im vorigen Jahr über mich erzählt hat, dass ich stolz und überheblich sei."
„Auch das stimmt nicht" antwortete das Lamm, „erstens sehe ich Dich heute zum ersten Mal und zweitens war ich im vorigen Jahr noch gar nicht geboren."
„Dann war es Dein Bruder, der mich verleumdet hat", erwiderte der Wolf grimmig.
„Ich habe keinen Bruder", antwortete das Lamm verängstigt.
„Bruder, Vater, Mutter, Vetter, Onkel, wer auch immer es war, sie haben mich beleidigt." rief der Wolf. „Dafür musst Du mir büßen." Er sprang über den Bach, schnappte sich das Lamm und fraß es auf.

Phaedrus schreibt zum Schluss: Haec propter illos scripta est homines fabula, qui fictis causis innocentes opprimunt. (Diese Fabel ist wegen der Menschen geschrieben, die aus erfundenen Gründen Unschuldigen Gewalt antun.)
Ich schiebe das hier nur ein, weil es mir hier scheint, ich kann mich irren, dass wir es hier nicht mit derselben Offenheit zu tun haben wie in der vorhergehenden Fabel. Hier wird meines Erachtens nur ein Muster idealtypisch, dichterisch dargestellt.



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Fr 1. Okt 2021, 20:47

Dorsch, Lexikon der Psychologie hat geschrieben : Todestrieb (= T.) [engl. death instincts, death drive], Thanatos-Trieb, [KLI], Freud (Psychoanalyse) führte den Begriff des T. 1920 in seiner Schrift «Jenseits des Lustprinzips» ein. In der dort formulierten dualistischen Triebtheorie (Triebtheorie nach Freud) steht der T. dem Eros gegenüber, der den Sexualtrieb und die Selbsterhaltungstriebe als sog. Lebenstriebe zus.fasst. Im Ggs. zu den Lebenstrieben strebt der T. danach, das Individuum bzw. den Organismus in einen spannungsfreien, anorganischen Zustand zu überführen. Der T. vertritt mit seiner Tendenz zur absoluten Spannungsabfuhr (das sog. Trägheitsprinzip) ein Grundprinzip des Triebgeschehens. In ihm verwirklicht sich die Rückkehr in einen früheren Zustand, die Wiederholung eines vorausliegenden spannungsärmeren Zustandes, den das Individuum aus inneren oder äußeren Gründen verlassen musste. «Ein Trieb wäre also ein dem belebten Organischen innewohnender Drang zur Wiederherstellung eines früheren Zustandes, welchen dies Belebte unter dem Einflusse äußerer Störungskräfte aufgeben musste, eine Art von organischer Elastizität, oder wenn man will, die Äußerung der Trägheit im organischen Leben», schreibt Freud (1920) in «Jenseits des Lustprinzips». Der T. wirkt v. a. nach innen, als selbstzerstörende Tendenz. Obwohl er nie in reiner Form sichtbar wird, sind seine wichtigsten klin. Äußerungen der Masochismus und die neg. therap. Reaktion, in der sich der Pat. gegen die Heilung sträubt. Der T. kann nach außen abgelenkt werden. Freud schlug vor, unter dieser Bedingung von Destruktionstrieb zu sprechen.

https://dorsch.hogrefe.com/stichwort/todestrieb
Ist irgendetwas dran an Freuds Theorie, dass Leben immer wieder zurück in den unbelebten Zustand zurück will? Der Zusammenhang zum Todestrieb ist vermutlich etwas überkandidelt, aber wenn man es etwas softer formuliert? Ruhe finden? Den Ansprüchen der Freiheit und des Lebensmüssens entfliehen?



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Sa 2. Okt 2021, 10:49

Die Geschichte vom Greis und dem Tod aus den Fabeln des Äsop - weiter geschrieben:

Ein Greis fällt einst Holz, lud es sich auf und ging eine lange Strecke. Der Weg ermüdete ihn. Er lud seine Last ab und rief nach dem Tod. Der erschien alsbald und fragte, weshalb er ihn gerufen habe. Der Greis antwortete: Um mir die Last wieder aufzuladen. Der Tod tat es und der Greis trug das Holz nach Hause. Dort holte er sein Werkzeug aus der Kammer, baute sich daraus einen Sarg, legte sich hinein und schlief.



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So 3. Okt 2021, 07:24

Weitere interessante Parallele: sowohl die Maus als auch der Greis gehen ihren Weg allein und begegnen dem Tod allein.



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Mi 6. Okt 2021, 11:25

wikipedia hat geschrieben : Hyle (altgriechisch ὕλη hylē, deutsch ‚Holz‘ im Sinne von „Rohstoff“ ‚Stoff, Materie‘) taucht als philosophischer Begriff unter anderem im Kontext der aristotelischen Physik und Metaphysik auf, wo es innerhalb des Begriffspaares ‚Form‘ und ‚Stoff‘ verwendet wird. Hyle ist dort das erste Zugrundeliegende bar aller Bestimmung, die formbare Materie, das Material, der ‚Urstoff‘, der durch die technē, d. h. die menschliche Arbeit, eine bestimmte Gestalt annimmt. Im früheren Wortgebrauch Homers bezeichnet der altgriechische Ausdruck hyle Holz, Gehölz oder Wald.



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Do 7. Okt 2021, 01:26

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Mi 6. Okt 2021, 11:25
wikipedia hat geschrieben : Hyle (altgriechisch ὕλη hylē, deutsch ‚Holz‘ im Sinne von „Rohstoff“ ‚Stoff, Materie‘) taucht als philosophischer Begriff unter anderem im Kontext der aristotelischen Physik und Metaphysik auf, wo es innerhalb des Begriffspaares ‚Form‘ und ‚Stoff‘ verwendet wird. Hyle ist dort das erste Zugrundeliegende bar aller Bestimmung, die formbare Materie, das Material, der ‚Urstoff‘, der durch die technē, d. h. die menschliche Arbeit, eine bestimmte Gestalt annimmt. Im früheren Wortgebrauch Homers bezeichnet der altgriechische Ausdruck hyle Holz, Gehölz oder Wald.
Aristoteleś "Hylemorphismus"... Nur, wie hängt er mit den Fabeln zusammen?
Nur wegen des Holzes, des "(Roh-)Stoffes (der Materie)"?



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Do 7. Okt 2021, 06:05

Die Fabel besteht ja nur aus sehr wenigen "Zutaten": das Holz, der Mann, der lange Weg und der Tod. Und da lohnt vielleicht einen Blick auf jede einzelne davon. Welche Bedeutungs-Nuance für den Text von Belang ist, ist offen. Ich freue mich über Vorschläge :)



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"Ach“, sagte die Maus, "die Welt wird enger mit jedem Tag. Zuerst war sie so breit, daß ich Angst hatte, ich lief weiter und war glücklich, daß ich endlich rechts und links in der Ferne Mauern sah, aber diese langen Mauern eilen so schnell aufeinander zu, daß ich schon im letzten Zimmer bin, und dort im Winkel steht die Falle, in die ich laufe." – "Du mußt nur die Laufrichtung ändern", sagte die Katze und fraß sie.

"Wie gut es uns hier geht!", sagten die Mäuse. "Kein Licht fällt in das Innere der Katze, es ist schwarz wie ihr Fell. Nichts blendet uns mehr."

#querdenker

Auf die Fabel von Kafka habe ich mal fortgesetzt.



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So 10. Okt 2021, 14:16

Hans Jonas hat geschrieben : Werkzeug, Bild und Grab
Das sind drei Dinge, die nach Jonas den Menschen gegenüber den anderen Tieren auszeichnen. Vielleicht kennen die anderen Tiere Vorformen dieser Dinge, das will ich nicht bestreiten, aber die ausgeprägte Form, wie wir diese Dinge nutzen/kennen dürfte ziemlich einmalig sein.

In der Fabel vom Greis und dem Tod kommt zwar nichts davon explizit vor, ich frage mich aber, ob all das nicht implizit in verschiedener Art und Weise erscheint. Der alte Mann haut Holz, dazu wird er sicherlich Werkzeuge verwendet haben. Er ruft nach dem Tod, das heißt, er hat ein Bewusstsein von seiner eigenen Endlichkeit, was natürlich noch nicht identisch ist mit Totenritualen, Gräbern und ähnlichem, aber sicherlich eine Voraussetzung davon. Und die Geschichte selbst, auch wenn ich damit die Betrachtungsebene ändere, ist natürlich ein Beispiel für die Bild und Selbstbildfähigkeit des Menschen.



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