Künstliche Intelligenz

Es gibt heute kaum Bereiche des alltäglichen Lebens, die nicht in irgendeiner Weise mit dem World-Wide-Web zusammenhängen. Das Gleiche gilt für "künstliche Intelligenz". Was hat die Philosophie dazu zu sagen?
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Consul
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Mi 14. Jan 2026, 21:28

Burkart hat geschrieben :
Di 13. Jan 2026, 22:29
Consul hat geschrieben :
Di 13. Jan 2026, 04:31
Nein, eine solche "Zwischenebene" kann es nicht geben; denn das Licht des (phänomenalen) Bewusstseins ist entweder eingeschaltet oder ausgeschaltet. Es kann im Hinblick auf das Vorhandensein eines subjektiven Innenlebens bei nichtmenschlichen Wesen nur epistemische Ungewissheit herrschen, aber keine ontische Unbestimmtheit.
Dann versuche ich es mal mit "ontischer Unbestimmtheit".
Natürlich man KI hier letztlich nur als KI in der realen Welt Sinn, sagen wir als KI-Roboter, sodass sie Gegenstände z.B. ansehen und erkennen kann. Soweit ok oder schon nicht mehr? Wenn dies noch ok ist, wo ist dann das Problem mit "ontischer Unbestimmtheit"?
Bezüglich der Frage, ob man KI-Robotern echte Intelligenz, Kognition oder Perzeption zuschreiben kann, herrscht vielmehr terminologische Unbestimmtheit/Unklarheit. Wenn "Kognition" oder "Perzeption" beispielsweise so definiert ist, dass sie wesensmäßig interne Repräsentationen des Erkannten/Wahrgenommenen beinhaltet, dann sind Roboter, die außerstande sind, solche Repräsentationen zu bilden, nicht erkennungs-/wahrnehmungsfähig.

Von Un(ter)bestimmtheit oder Unklarheit ist auch der allgemeine Begriff einer geistigen/seelischen/mentalen/psychischen Eigenschaft/Fähigkeit betroffen.
Eines ist allerdings klar: Experientiale/phänomenale Eigenschaften oder Ereignisse/Zustände/Vorgänge sind paradigmatische mentale Entitäten. Wenn jedoch nicht alle mentalen Entitäten per Definition experientiale/phänomenale Entitäten sind, dann stellt sich die knifflige Frage, wie man den Begriff einer mentalen (psychischen) Entität allgemein so definieren kann, dass er auch mentale Entitäten umfasst, die keine experientialen/phänomenalen Entitäten sind.
"Es mag sein, dass wir nicht immer mit Sicherheit sagen können , ob es am besten oder angemessen (geschweige denn richtig) ist, bestimmte Fähigkeiten, Eigenschaften, Zustände oder Phänomene als mental zu bezeichnen. Dies liegt nicht an mangelnder Einsicht oder fehlenden Informationen, sondern schlichtweg daran, dass es keine eindeutig richtige Antwort gibt. Das liegt in der Natur des Begriffs ‚mental‘.

Manche Theoretiker betrachten mentale Phänomene als ein großes Kontinuum. Dieses Kontinuum erstreckt sich von den komplexesten menschlichen Erlebnissen bis hin zur Aktivität des Nervensystems, die in Nacktschnecken stattfindet oder es der Wüstenameise Cataglyphus ermöglicht, nach einem Zickzackkurs im Dunkeln ohne jegliche Orientierungshilfen direkt zu ihrem Nest zurückzufinden. (Es ist, als hätte sie komplizierte trigonometrische Berechnungen durchgeführt.) Diese Theoretiker sehen keine klare Trennlinie auf diesem großen natürlichen Kontinuum der Aktivität von Verhaltenskontrollsystemen. Sie erkennen keine scharfe Linie, die distinktiv mentale von nichtmentaler Aktivität auf diesem Kontinuum trennt. Und sie fügen nachdrücklich hinzu, dass wir den Begriff „mental“ eigentlich gar nicht benötigen und seine Ausdehnung auch nicht genau bestimmen müssen. Wir können alles sagen, was wir sagen wollen, ohne ihn zu verwenden.

Andere, am anderen Ende des Spektrums, schlagen vor, den Bereich der wahrhaft mentalen Phänomene auf Erfahrungsphänomene zu beschränken – sozusagen auf die Oberflächenphänomene des Geistes. Vertreter dieser zweiten Ansicht vertreten die Auffassung, dass keiner der äußerst komplexen subexperientialen Hirnprozesse, die dem Erfahrungsstrom zugrunde liegen, im strengen Sinne als mentales Phänomen gelten kann. Nur Erfahrungsphänomene (einschließlich Hirnprozesse, die sich wörtlich mit Erfahrungsphänomenen identifizieren lassen) sollten als mentale Phänomene gelten. Alles andere ist bloßer Mechanismus, letztlich nichtmentaler Prozess. Diese Theoretiker bringen möglicherweise eine Analogie ins Spiel: Theaterstücke sind ohne umfangreiche Aktivitäten hinter den Kulissen nicht möglich, aber keine dieser Aktivitäten ist, streng genommen, Teil des Stücks.

Diese beiden gegensätzlichen Positionen werden sich offensichtlich in der Frage unterscheiden, ob es im Universum mentales Leben gab, bevor es [subjektive] Erfahrung gab. Die erste Gruppe wird dies bejahen, die zweite nicht. Die erste Gruppe wird sagen, dass es das nicht gab. Sie mag zwar einräumen, dass mit dem Beginn der Erfahrung etwas sehr Wichtiges, etwas völlig Neues geschah. Aber sie wird nicht zustimmen, dass dies der Beginn des mentalen Lebens, der Beginn des Geistes [mind], ein plötzliches Einschalten des geistigen Lichts war. Der Geist, so werden sie sagen, war bereits vorhanden.

Sie können anmerken, dass die Evolutionstheorie zeigt, dass die Grenze zwischen Mentalem und Nichtmentalem nicht scharf sein kann. Denn Verhaltenskontrollsysteme entstehen ursprünglich einfach deshalb, weil bestimmte zufällig auftretende Bewegungstendenzen sich als überlebenswichtig erweisen und daher in nachfolgenden Generationen erhalten bleiben. Danach nimmt die Komplexität natürlich enorm zu, und irgendwann in diesem Prozess zunehmender Komplexität werden einige der inneren Ursachen der Bewegungstendenzen so beschaffen sein, dass wir sie als „mentale Prozesse“ bezeichnen. Doch es ist letztlich nur eine Frage dessen, was wir als natürlich empfinden, und unsere Intuitionen gründen sich nicht auf ein präzises Kriterium, das eine klare Trennlinie zwischen Mentalem und Nichtmentalem zieht. Die grundlegenden Fakten der Naturgeschichte und der Evolution zeigen, dass es töricht ist anzunehmen, es gäbe jemals eine eindeutige Antwort auf die Frage, wann die Bezeichnung „mentaler Prozess“ angemessen ist.

Eine dritte Gruppe begnügt sich damit, die Philosophie des Geistes und die Wissenschaft der Psychologie ohne den Versuch einer präzisen Definition des Begriffs „mental“ weiterzuentwickeln und sich mit dem üblichen, mehr oder weniger philosophisch fundierten und wissenschaftlich gestützten allgemeinen Konsens über die Frage nach dem eigentlichen Gegenstand der Psychologie und der Philosophie des Geistes zu begnügen. Diese dritte Gruppe mag Recht haben, dass es nicht so wichtig ist, wie wir die Dinge formulieren, solange wir uns auf eine Terminologie einigen können, über die wir sprechen." [Google + Consul Translate]

(Strawson, Galen. Mental Reality. 2nd ed. Cambridge, MA: MIT Press, 2010. pp. 151-53)
Siehe dazu auch diesen Beitrag von mir: viewtopic.php?p=97618#p97618



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Consul
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Mi 14. Jan 2026, 21:35

Consul hat geschrieben :
Mi 14. Jan 2026, 21:28
"…Sie können anmerken, dass die Evolutionstheorie zeigt, dass die Grenze zwischen Mentalem und Nichtmentalem nicht scharf sein kann." [Google + Consul Translate]

(Strawson, Galen. Mental Reality. 2nd ed. Cambridge, MA: MIT Press, 2010. pp. 151-53)
Dagegen muss die Grenze zwischen Experientialem/Phänomenalem und Nichtexperientialem/Nichtphänomenalem scharf sein.



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Mi 14. Jan 2026, 21:51

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Mi 14. Jan 2026, 09:50
Consul hat geschrieben :
Di 13. Jan 2026, 21:22
"…aus griech. (dor.) māchanā́ (μαχανά), (att.) mēchanḗ (μηχανή) ‘Mittel, Hilfsmittel, Erfindung, Apparat, Kunstgriff’"

Die Wörter "Maschine" und "Mechanismus"/"Mechanik" haben also den gleichen Ursprung im Griechischen. Eine Maschine ist ein Mechanismus (mechanisches System).
Gemäß deinem Zitat ist eine Maschine vor allem etwas, was wir künstlich produziert haben, sie ist ein Mittel, Hilfsmittel, Erfindung, Apparat, Kunstgriff. Menschen sind keine Maschinen, in keiner Hinsicht.
Die gegenwärtige Bedeutung/Verwendung eines Wortes muss nicht seiner ursprünglichen Bedeutung/Verwendung entsprechen. Die gegenteilige Behauptung ist der etymologische Fehlschluss:
"Was ich als etymologischen Fehlschluss bezeichne, ist die Annahme, dass die ursprüngliche Form oder Bedeutung eines Wortes notwendigerweise und allein aufgrund dieser Tatsache auch seine korrekte Form oder Bedeutung ist. Diese Annahme ist weit verbreitet. Wie oft begegnen wir dem Argument, dass, weil dieses oder jenes Wort aus dem Griechischen, Lateinischen, Arabischen oder welcher Sprache auch immer stammt, die richtige Bedeutung des Wortes diejenige sein muss, die es in der Ursprungssprache hatte! Das Argument ist trügerisch, weil die stillschweigende Annahme einer ursprünglich wahren oder angemessenen Entsprechung zwischen Form und Bedeutung, auf der das Argument beruht, nicht begründet werden kann." [Übers. v. DeepL]

(Lyons, John. Language and Linguistics: An Introduction. Cambridge: Cambridge University Press, 1981. p. 55)
Es ist allerdings in der Tat so, dass das Wort "Maschine" in der Gegenwart hauptsächlich im Sinn von "künstliches, technisches Gerät" verwendet wird – wobei La Mettrie, Smart und Brooks es offensichtlich nicht in diesem engen Sinn gebrauchen. Indem sie Menschen und alle anderen Arten von Organismen als Maschinen bezeichnen, verwenden sie einen Maschinenbegriff, der nicht nur künstliche, technische Maschinen, sondern auch natürliche, biologische Maschinen zulässt.



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Timberlake
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Mi 14. Jan 2026, 22:01

Consul hat geschrieben :
Mi 14. Jan 2026, 21:51
...
Es ist allerdings in der Tat so, dass das Wort "Maschine" in der Gegenwart hauptsächlich im Sinn von "künstliches, technisches Gerät" verwendet wird – wobei La Mettrie, Smart und Brooks es offensichtlich nicht in diesem engen Sinn gebrauchen. Indem sie Menschen und alle anderen Arten von Organismen als Maschinen bezeichnen, verwenden sie einen Maschinenbegriff, der nicht nur künstliche, technische Maschinen, sondern auch natürliche, biologische Maschinen zulässt.
Dazu nur mal zur Erinnerung ...
Timberlake hat geschrieben :
Mi 14. Jan 2026, 14:01
Um Consul an dieser Stelle entgegen zu kommen, würde ich meinen, dass Menschen auch Maschinen sind.
Consul hat geschrieben :
Di 13. Jan 2026, 20:01
Timberlake hat geschrieben :
Di 13. Jan 2026, 14:25
Was wäre denn , wenn wir anstsatt der Eichel eine Künstliche Intelligenz als Beispiel nehmen würden?
Indem ich darauf keine Antwort erhalten habe und ich einmal davon ausgehe, dass diejenigen, die darauf nicht geantwortet haben, gemäß Aristoteles "Dreiteilung der Seele" über eine "vernünftige" Seelenform verfügen, schlussfolgre ich einmal daraus, dass die KI über keine Seelenform verfügt. Wann hätte eine KI auch jemals nicht auf eine Frage geantwortet!
Eine KI-Maschine lebt, fühlt und denkt nicht – es sei denn, man setzt Denken (Kogitation) mit komputational-repräsentationalen Prozessen gleich, die auch von bewusstseinslosen KI-Maschinen implementiert werden können.
Nur das diese Maschine darüber hinaus etwas kann, was eine Maschine, im Allgemeinem und eine KI-Maschine, im Besonderen nicht kann … leben, fühlen und denken.

@Consul

Wo bei dir schon mal von einen Fehlschluss die Rede war, so möchte ich im Zusammenhang damit auf den mereologischen Fehlschluss hinweisen ..
hoheluft-magazin.de hat geschrieben :
Na logisch! Der mereologische Fehlschluss

Der mereologische Fehlschluss – von griechisch ‚méros‘, ‚Teil‘ – ergibt sich immer dann, wenn von den Eigenschaften eines Ganzen ohne prüfenden Nachweis des Sachverhalts auf die Eigenschaften von Teilen dieses Ganzen geschlossen wird. Oder wenn von den Eigenschaften von Teilen eines Ganzen ohne einen solchen Nachweis auf das Ganze geschlossen wird.

Wir sehen einen weißen Schwan und ziehen die Schlussfolgerung, dass, weil dieser Schwan weiß ist, auch alle anderen Schwäne weiß sein müssen.
Wir sehen, dass eine Maschine leben , fühlen und denken kann und ziehen die Schlussfolgerung, dass, weil diese Maschine das kann, es auch alle anderen Maschinen können.




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Mi 14. Jan 2026, 22:34

Consul hat geschrieben :
Mi 14. Jan 2026, 21:51
…Es ist allerdings in der Tat so, dass das Wort "Maschine" in der Gegenwart hauptsächlich im Sinn von "künstliches, technisches Gerät" verwendet wird – wobei La Mettrie, Smart und Brooks es offensichtlich nicht in diesem engen Sinn gebrauchen. Indem sie Menschen und alle anderen Arten von Organismen als Maschinen bezeichnen, verwenden sie einen Maschinenbegriff, der nicht nur künstliche, technische Maschinen, sondern auch natürliche, biologische Maschinen zulässt.
"…die Organismen als 'natürliche Maschinen', wie sie so oft genannt worden sind…"

(Wundt, Wilhelm. Grundzüge der physiologischen Psychologie. Bd. 3. 6. Aufl. Leipzig: W. Engelmann, 1911. S. 666)
"So ist jeder organische Körper eines Lebendigen eine Art göttlicher Maschine oder natürlicher Automat, der alle künstlichen Automaten unendlich übersteigt. Denn eine durch die Kunst des Menschen gemachte Maschine ist nicht in allen ihren Teilen Maschine. So hat beispielsweise der Zahn eines Messingrades Teile oder Fragmente, die für uns keine künstlichen Dinge mehr sind und die in bezug auf den Gebrauch, zu dem das Rad bestimmt ist, nichts von einer Maschine verraten. Die Maschinen der Natur aber, d.h. die lebendigen Körper, sind Maschine noch in ihren kleinsten Teilen, bis ins Unendliche. Das macht den Unterschied zwischen der Natur und der Kunst, d. h. zwischen der göttlichen Kunst und unserer aus."

(Leibniz, Gottfried Wilhelm. Monadologie. [1714.] In Monadologie und andere metaphysische Schriften, hrsg. u. übers. v. Ulrich Johannes Schneider, 110-151. Hamburg: Meiner, 2002. S. 139/§64)
"Maschine ist ein fester Körper, dessen Zusammensetzung nur durch den Begriff von einem Zwecke möglich ist, nach der Analogie einer gewissen absichtlichen Bewegung geformt ist. Wenn diese Form nicht als wirkliche sondern bloß denkbare Absicht vorgestellt wird, so ist ein solcher Körper eine natürliche Maschine. Organische Körper sind also natürliche Maschinen."

(Kant, Immanuel. Vom Uebergange von den metaphysischen Anfangsgründen der Naturwissenschaft zur Physik. [Manuskript aus dem Nachlass.] Hrsg. v. Albrecht Krause. Frankfurt/Main: M. Schauenburg, 1888. S. 152)



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Mi 14. Jan 2026, 22:47

Timberlake hat geschrieben :
Mi 14. Jan 2026, 22:01
Wo bei dir schon mal von einen Fehlschluss die Rede war, so möchte ich im Zusammenhang damit auf den mereologischen Fehlschluss hinweisen ..
hoheluft-magazin.de hat geschrieben : Na logisch! Der mereologische Fehlschluss

Der mereologische Fehlschluss – von griechisch ‚méros‘, ‚Teil‘ – ergibt sich immer dann, wenn von den Eigenschaften eines Ganzen ohne prüfenden Nachweis des Sachverhalts auf die Eigenschaften von Teilen dieses Ganzen geschlossen wird. Oder wenn von den Eigenschaften von Teilen eines Ganzen ohne einen solchen Nachweis auf das Ganze geschlossen wird.
Wir sehen einen weißen Schwan und ziehen die Schlussfolgerung, dass, weil dieser Schwan weiß ist, auch alle anderen Schwäne weiß sein müssen.
Wir sehen, dass eine Maschine leben , fühlen und denken kann und ziehen die Schlussfolgerung, dass, weil diese Maschine das kann, es auch alle anderen Maschinen können.
Diese beiden Beispiele sind keine Beispiele des mereologischen Fehlschlusses, sondern für voreilige und oft falsche (induktive) Verallgemeinerungen!



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Timberlake
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Mi 14. Jan 2026, 23:26

Könnte es vielleicht sein, dass diese beiden Beispiele deshalb keine Beispiele des mereologischen Fehlschlusses sind, weil sie deinen Ansichten zur Künstliche-Intelligenz so ganz und gar nicht entsprechen?

Mit welchen Beispielen kannst du uns denn ansonsten dienen? Ich denke mal , darauf wäre nicht nur ich neugierig.
Consul hat geschrieben :
Mi 14. Jan 2026, 22:34
Consul hat geschrieben :
Mi 14. Jan 2026, 21:51
…Es ist allerdings in der Tat so, dass das Wort "Maschine" in der Gegenwart hauptsächlich im Sinn von "künstliches, technisches Gerät" verwendet wird – wobei La Mettrie, Smart und Brooks es offensichtlich nicht in diesem engen Sinn gebrauchen. Indem sie Menschen und alle anderen Arten von Organismen als Maschinen bezeichnen, verwenden sie einen Maschinenbegriff, der nicht nur künstliche, technische Maschinen, sondern auch natürliche, biologische Maschinen zulässt.
"So ist jeder organische Körper eines Lebendigen eine Art göttlicher Maschine oder natürlicher Automat, der alle künstlichen Automaten unendlich übersteigt. Denn eine durch die Kunst des Menschen gemachte Maschine ist nicht in allen ihren Teilen Maschine. So hat beispielsweise der Zahn eines Messingrades Teile oder Fragmente, die für uns keine künstlichen Dinge mehr sind und die in bezug auf den Gebrauch, zu dem das Rad bestimmt ist, nichts von einer Maschine verraten"

(Leibniz, Gottfried Wilhelm. Monadologie. [1714.] In Monadologie und andere metaphysische Schriften, hrsg. u. übers. v. Ulrich Johannes Schneider, 110-151. Hamburg: Meiner, 2002. S. 139/§64)
Wenn es hier übrigens heißt , dass beispielsweise der Zahn eines Messingrades Teile oder Fragmente, für uns keine künstlichen Dinge mehr sind, was sind sie denn dann ? Ich meine, was ist denn der Transistor bei der Hardware einer künstlichen Intelligenz, wenn nicht wie der Zahn eines Messingrades , eine durch die Kunst des Menschen gemachte Maschine? Gehören sie , weil sie für uns keine künstlichen Dinge mehr sind, dann etwa zu den natürlichen, biologische Maschinen?
Timberlake hat geschrieben :
Mi 14. Jan 2026, 22:01
Wo bei dir schon mal von einen Fehlschluss die Rede war, so möchte ich im Zusammenhang damit auf den mereologischen Fehlschluss hinweisen ..

"Wir sehen, dass eine Maschine leben , fühlen und denken kann und ziehen die Schlussfolgerung, dass, weil diese Maschine das kann, es auch alle anderen Maschinen können" .
Kann die KI- Maschine etwa demzufolge leben , fühlen und denken?
Zuletzt geändert von Timberlake am Do 15. Jan 2026, 00:17, insgesamt 6-mal geändert.




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Mi 14. Jan 2026, 23:57

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Mi 14. Jan 2026, 09:50
…Dass es einen (auch normativen) fundamentalen Unterschied zwischen Mensch und Maschine gibt, macht nach meinem Verständnis auch der Ethikrat in seiner Stellungnahme deutlich.
"Der Mensch als Maschine ist eine alte Metapher, deren Ursprünge bis in die frühe Neuzeit zurückreichen. Der mechanistische Materialismus des rationalistischen Zeitalters lässt die Welt als Uhrwerk erscheinen und den Menschen als Rädchen im Getriebe. Der große Uhrmacher ist dann der Schöpfer, der dafür gesorgt hat, dass nichts dem Zufall überlassen ist und ein Rädchen ins andere greift. Für menschliche Freiheit, Verantwortung und Vernunft ist in diesem Bild kein Platz."

(Deutscher Ethikrat. Mensch und Maschine – Herausforderungen durch Künstliche Intelligenz. 2. Aufl. Berlin: Deutscher Ethikrat, 2025. S. 149)

"Die Beschreibung (und Erklärung) von Softwaresystemen als Hardware ist geschlossen: Jeder Vorgang (Ereignis, Prozess, Zustand) lässt sich als kausal determiniert durch den vorausgegangenen Zustand der Hardware eindeutig bestimmen. Als Modell auf den Menschen übertragen heißt dies, dass die physikalisch-physiologische „Hardware“ wie ein algorithmisches System mit einer durch Genetik, Epigenetik und sensorische Stimuli eindeutig festgelegten zeitlichen Zustandsfolge von Eigenschaften funktioniert, die durch mentale Termini beschrieben wird und damit bedeutungsvolles Reden und Handeln ermöglicht. Das humanistische Menschenbild und damit die normativen Grundlagen von Moral und Recht erweisen sich dann als pure Illusion bzw. kollektive menschliche Selbsttäuschung."

(Deutscher Ethikrat. Mensch und Maschine – Herausforderungen durch Künstliche Intelligenz. 2. Aufl. Berlin: Deutscher Ethikrat, 2025. S. 150)
Es ist also der mit dem Maschinismus (scheinbar) einhergehende (kausale) Determinismus, der die Freiheitsidee des Humanismus bedroht. Allerdings:
"Mechanismen sind nicht zwangsläufig deterministisch. Sie können stochastisch sein. Sie können aus stochastischen Aktivitäten bestehen (Bogen 2005, 2008) oder einfach aufgrund von Instabilität in der Anordnung und Interaktion der Komponenten Zufallsmomente aufweisen." [Google + Consul Translate]

Quelle: https://plato.stanford.edu/entries/science-mechanisms/
Doch wenn unsere Entscheidungen und Handlungen reine Zufallsereignisse sind, dann gibt uns das auch keine echte Entscheidungs- und Handlungsfreiheit.
"Schon in der ersten Digitalisierungswelle nach dem Zweiten Weltkrieg erwies sich interessanterweise nicht das eben geschilderte materialistische Maschinenparadigma, sondern eine animistische Variante als wirkungsmächtiger. Das animistische Paradigma geht gewissermaßen den umgekehrten Weg der Interpretation: Anstatt den menschlichen Geist und mentale Zustände als Epiphänomene materieller Prozesse in einer physikalisch geschlossenen Welt zu interpretieren und das Materielle mechanistisch zu beschreiben, wird nun im Kontext des Turing-Tests das algorithmische System mit mentalen Eigenschaften ausgestattet, sofern es in seinem äußeren (Ausgabe-)Verhalten demjenigen von Menschen hinreichend (das heißt verwechselbar) ähnelt."

(Deutscher Ethikrat. Mensch und Maschine – Herausforderungen durch Künstliche Intelligenz. 2. Aufl. Berlin: Deutscher Ethikrat, 2025. S. 150-1)
Das wirft, wie schon angemerkt, die Grundsatzfrage nach der Bedeutung des Begriffs des Geistigen/Seelischen (Mentalen/Psychischen) auf – vor allem: Was genau ist der Unterschied zwischen einem unbewusst-geistigen und einem unbewusst-ungeistigen Zustand/Ereignis/Vorgang? Darauf habe ich bisher keine klare Antwort gefunden!



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Do 15. Jan 2026, 00:11

Consul hat geschrieben :
Mi 14. Jan 2026, 23:57
"Der Mensch als Maschine ist eine alte Metapher, deren Ursprünge bis in die frühe Neuzeit zurückreichen. Der mechanistische Materialismus des rationalistischen Zeitalters lässt die Welt als Uhrwerk erscheinen und den Menschen als Rädchen im Getriebe. Der große Uhrmacher ist dann der Schöpfer, der dafür gesorgt hat, dass nichts dem Zufall überlassen ist und ein Rädchen ins andere greift. Für menschliche Freiheit, Verantwortung und Vernunft ist in diesem Bild kein Platz."

(Deutscher Ethikrat. Mensch und Maschine – Herausforderungen durch Künstliche Intelligenz. 2. Aufl. Berlin: Deutscher Ethikrat, 2025. S. 149)
Ob Letzteres aus dem mechanistischen Materialismus folgt, hängt davon ab, von welchem Freiheitsbegriff man ausgeht. Wenn menschliche Freiheit darin besteht, dass wir hinsichtlich unserer Entscheidungen und Handlungen unverursachte Erstverursacher sind—sodass jene weder ursächlich vorherbestimmt noch zufallsbedingt sind—, dann ist dieser antideterministische, libertaristische Freiheitsbegriff sicherlich nicht mit dem mechanistischen Materialismus vereinbar.
(Ich halte den Glauben an Entscheidungs- und Handlungsfreiheit im libertaristischen Sinn für einen großen Irrtum.)



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Do 15. Jan 2026, 01:49

Timberlake hat geschrieben :
Mi 14. Jan 2026, 23:26
Könnte es vielleicht sein, dass diese beiden Beispiele deshalb keine Beispiele des mereologischen Fehlschlusses sind, weil sie deinen Ansichten zur Künstliche-Intelligenz so ganz und gar nicht entsprechen?
Nein, es könnte nicht sein; denn die Wahrheit meiner Aussage hängt nicht von meinen Ansichten zur KI ab.
Timberlake hat geschrieben :
Mi 14. Jan 2026, 23:26
Mit welchen Beispielen kannst du uns denn ansonsten dienen? Ich denke mal , darauf wäre nicht nur ich neugierig.
"Menschliche Organismen können denken. Folglich kann jede menschliche Zelle denken." – Das ist ein Beispiel des mereologischen Fehlschlusses.
Timberlake hat geschrieben :
Mi 14. Jan 2026, 23:26
Consul hat geschrieben :
Mi 14. Jan 2026, 22:34
"So ist jeder organische Körper eines Lebendigen eine Art göttlicher Maschine oder natürlicher Automat, der alle künstlichen Automaten unendlich übersteigt. Denn eine durch die Kunst des Menschen gemachte Maschine ist nicht in allen ihren Teilen Maschine. So hat beispielsweise der Zahn eines Messingrades Teile oder Fragmente, die für uns keine künstlichen Dinge mehr sind und die in bezug auf den Gebrauch, zu dem das Rad bestimmt ist, nichts von einer Maschine verraten…"

(Leibniz, Gottfried Wilhelm. Monadologie. [1714.] In Monadologie und andere metaphysische Schriften, hrsg. u. übers. v. Ulrich Johannes Schneider, 110-151. Hamburg: Meiner, 2002. S. 139/§64)
Wenn es hier übrigens heißt , dass beispielsweise der Zahn eines Messingrades Teile oder Fragmente, für uns keine künstlichen Dinge mehr sind, was sind sie denn dann ? Ich meine, was ist denn der Transistor bei der Hardware einer künstlichen Intelligenz, wenn nicht wie der Zahn eines Messingrades , eine durch die Kunst des Menschen gemachte Maschine? Gehören sie , weil sie für uns keine künstlichen Dinge mehr sind, dann etwa zu den natürlichen, biologische Maschinen?
Ein künstliches Zahnrad besteht letztlich aus natürlichen Elementen (Molekülen, Atomen, Elementarteilchen).
Leibniz meint, dass nicht alle Teile einer Maschine selbst Maschinen sind. Einzelne Zahnräder sind für ihn keine Maschinen und die einzelnen Moleküle, Atome und Elementarteilchen, woraus ein Zahnrad besteht, wohl auch nicht. Dies zu behaupten, wäre für ihn ein mereologischer Fehlschluss.
Timberlake hat geschrieben :
Mi 14. Jan 2026, 22:01
"Wir sehen, dass eine Maschine leben , fühlen und denken kann und ziehen die Schlussfolgerung, dass, weil diese Maschine das kann, es auch alle anderen Maschinen können".
Kann die KI- Maschine etwa demzufolge leben , fühlen und denken?
Es ist ein offenkundiger (nichtmereologischer) Fehlschluss zu behaupten, dass alle Maschinen leben/fühlen/denken, weil eine bestimmte Art von Maschinen lebt/fühlt/denkt.



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Do 15. Jan 2026, 08:10

Consul hat geschrieben :
Mi 14. Jan 2026, 21:51
Es ist allerdings in der Tat so, dass das Wort "Maschine" in der Gegenwart hauptsächlich im Sinn von "künstliches, technisches Gerät" verwendet wird ...
Und wir leben in der Gegenwart, schätze ich. Ich für meinen Teil halte es für eine gute Idee, darauf zu achten, wie man spricht, denn es hängt viel davon ab. Wenn man den Unterschied zwischen Mensch und Maschine einzieht, dann "arbeitet" man an einem Menschenbild, das keinen Platz mehr für Freiheit, Verantwortlichkeit und vieles andere mehr bietet.



Das Thema interessiert dich? Was meinst du dazu? Wir freuen uns auf deine Meinung – melde dich an und diskutiere mit uns.“

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Do 15. Jan 2026, 13:08

Consul hat geschrieben :
Mi 14. Jan 2026, 23:57
"Die Beschreibung (und Erklärung) von Softwaresystemen als Hardware ist geschlossen: Jeder Vorgang (Ereignis, Prozess, Zustand) lässt sich als kausal determiniert durch den vorausgegangenen Zustand der Hardware eindeutig bestimmen. Als Modell auf den Menschen übertragen heißt dies, dass die physikalisch-physiologische „Hardware“ wie ein algorithmisches System mit einer durch Genetik, Epigenetik und sensorische Stimuli eindeutig festgelegten zeitlichen Zustandsfolge von Eigenschaften funktioniert, die durch mentale Termini beschrieben wird und damit bedeutungsvolles Reden und Handeln ermöglicht. Das humanistische Menschenbild und damit die normativen Grundlagen von Moral und Recht erweisen sich dann als pure Illusion bzw. kollektive menschliche Selbsttäuschung." (Deutscher Ethikrat. Mensch und Maschine – Herausforderungen durch Künstliche Intelligenz. 2. Aufl. Berlin: Deutscher Ethikrat, 2025. S. 150)
Ich lese den Text etwas anders. Es geht – nach meinem Verständnis – darin (vielleicht nicht nur, aber auch und vor allem) um „die Beschreibung und Erklärung“. Wenn wir von uns sagen, dass wir freie geistige Wesen sind, dann geht es immer auch darum, wie wir uns selbst bestimmen, also auch darum, wie wir uns beschreiben und erklären. Diese Selbstbeschreibung, die natürlich auch misslingen kann, ist dabei selbst schon konstitutiv: Sie ist Teil unserer geistigen Verfassung, unserer Freiheit und damit selbst Teil des Problems. Wie wir über uns denken und wie wir sind, das hängt zusammen.

Wenn wir uns maschinenartig als „Rädchen im Getriebe“ oder gemäß dem „digital erneuerten Maschinenparadigma“ beschreiben, dann bleibt in dieser Selbstbeschreibung, in diesem Bild – sofern es vorgibt, vollständig zu sein –, kein Platz für das, was unser Menschsein neben anderem ausmacht, nämlich unsere Fähigkeit, verantwortlich zu handeln. Es wird so getan, als sei die Beschreibung damit abgeschlossen, als gäbe es nichts Weiteres mehr zu sagen (ähnlich wie bei der Annahme, ein Zahnrädchen lasse sich letztlich vollständig durch Verweis auf die Teilchen beschreiben, aus denen es besteht). Hier zeigt sich, dass bestimmte Beschreibungsansätze bestimmte Dinge prinzipiell nicht in den Blick bekommen können, weil sie gewissermaßen das falsche Netz auswerfen. Dass eine Maschinenbeschreibung bestimmte Aspekte nicht erfassen kann, heißt jedoch nicht, dass diese nicht real sind und für uns nicht von größter Bedeutung wären.

Was in dieser Art der Beschreibung und Erklärung nicht mehr vorkommt, gilt dann als Illusion. Die Frage nach dem „Was“ wird durch die Frage nach dem „Wie“ ersetzt, und die so gegebene Antwort wird zur letztgültigen erklärt. Wir haben uns damit selbst entlang des Vokabulars von Genetik, Epigenetik und sensorischen Stimuli bestimmt, aber eben nicht mehr als Wesen, die für ihr Handeln verantwortlich sein können. Die normativen Grundlagen kommen in dieser Beschreibung nicht nur nicht vor, sie erscheinen innerhalb dieses Modells notwendig als Selbsttäuschungen – und zwar ganz unabhängig davon, wie die Dinge in diesen Zusammenhängen „an sich“ liegen mögen – als ob man das wirklich wüsste.



Das Thema interessiert dich? Was meinst du dazu? Wir freuen uns auf deine Meinung – melde dich an und diskutiere mit uns.“

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Do 15. Jan 2026, 13:19

@Consul
Zunächst einmal meinen Dank und meine Wertschätzung darüber, dass du auf meine Fragen reagierst hast. Was nach meiner bisherigen Erfahrung hier im Forum alles andere, als selbstverständlich ist. Vor dem Hintergrund der s.g Sokratischen Methode des Fragens, die ich damit verknüpfe, eine Verweigerung, die ganz sicher nicht dazu beiträgt, anderen Person mit Fragen dazu zu verhelfen, die Fehler in ihrer Argumentation zu erkennen. Das mal nur nebenbei. Oder auch nicht. Würde ich mir doch wünschen, dass man auch mich mit Fragen dazu verhilft, die Fehler in meiner Argumentation zu erkennen. Was in etwa so oft geschieht, wie das man auf meine Frage reagiert. Also so gut wie gar nicht.
Zuletzt geändert von Timberlake am Do 15. Jan 2026, 13:54, insgesamt 4-mal geändert.




Timberlake
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Do 15. Jan 2026, 13:22

Consul hat geschrieben :
Do 15. Jan 2026, 01:49
Timberlake hat geschrieben :
Mi 14. Jan 2026, 23:26
Mit welchen Beispielen kannst du uns denn ansonsten dienen? Ich denke mal , darauf wäre nicht nur ich neugierig.
"Menschliche Organismen können denken. Folglich kann jede menschliche Zelle denken." – Das ist ein Beispiel des mereologischen Fehlschlusses.

Mit diesem Beispiel hast du allerdings nur einen Teil eines mereologischen Fehlschlusses beschrieben.
hoheluft-magazin.de hat geschrieben : Na logisch! Der mereologische Fehlschluss

Der mereologische Fehlschluss – von griechisch ‚méros‘, ‚Teil‘ – ergibt sich immer dann, wenn von den Eigenschaften eines Ganzen ohne prüfenden Nachweis des Sachverhalts auf die Eigenschaften von Teilen dieses Ganzen geschlossen wird. Oder wenn von den Eigenschaften von Teilen eines Ganzen ohne einen solchen Nachweis auf das Ganze geschlossen wird.
Wir sehen einen weißen Schwan und ziehen die Schlussfolgerung, dass, weil dieser Schwan weiß ist, auch alle anderen Schwäne weiß sein müssen.
und zwar das Schließen von den Eigenschaften eines Ganzen (menschliche Organismen) ohne prüfenden Nachweis des Sachverhalts auf die Eigenschaften von Teilen dieses Ganzen ( menschliche Zelle) . Da gibt es aber noch den anderen Teil , als da wäre , das Schließen von den Eigenschaften von Teilen eines Ganzen ( Weiße Schwäne) ohne prüfenden Nachweis des Sachverhalts auf die Eigenschaften des Ganzen (alle Schwäne).
Timberlake hat geschrieben :
Mi 14. Jan 2026, 22:01
Wir sehen, dass eine Maschine leben , fühlen und denken kann und ziehen die Schlussfolgerung, dass, weil diese Maschine das kann, es auch alle anderen Maschinen können.

Oder , die Künstliche Intelligenz als Maschine betreffend , das Schließen von den Eigenschaften von Teilen eines Ganzen ( eine Maschine kann leben , fühlen und denken ) ohne prüfenden Nachweis des Sachverhalts auf die Eigenschaften des Ganzen ( alle Maschinen).
Consul hat geschrieben :
Do 15. Jan 2026, 01:49
Timberlake hat geschrieben :
Mi 14. Jan 2026, 23:26
Consul hat geschrieben :
Mi 14. Jan 2026, 22:34
Wenn es hier übrigens heißt , dass beispielsweise der Zahn eines Messingrades Teile oder Fragmente, für uns keine künstlichen Dinge mehr sind, was sind sie denn dann ? Ich meine, was ist denn der Transistor bei der Hardware einer künstlichen Intelligenz, wenn nicht wie der Zahn eines Messingrades , eine durch die Kunst des Menschen gemachte Maschine? Gehören sie , weil sie für uns keine künstlichen Dinge mehr sind, dann etwa zu den natürlichen, biologische Maschinen?
Ein künstliches Zahnrad besteht letztlich aus natürlichen Elementen (Molekülen, Atomen, Elementarteilchen).
Leibniz meint, dass nicht alle Teile einer Maschine selbst Maschinen sind. Einzelne Zahnräder sind für ihn keine Maschinen und die einzelnen Moleküle, Atome und Elementarteilchen, woraus ein Zahnrad besteht, wohl auch nicht. Dies zu behaupten, wäre für ihn ein mereologischer Fehlschluss.
Vor dem Hintergrund dessen, was Leibniz meint sicherlich mehr als "fragwürdig" , Wenn nicht gar tatsächlich unsinnig. Somit ich einmal ergänze ..

"Wir sehen, dass eine Maschine .. mit hinreichender Komplexität! .. leben , fühlen und denken kann und ziehen die Schlussfolgerung, dass, weil diese Maschine das kann, es auch alle anderen Maschinen .. mit hinreichender Komplexität! .. das können.




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Consul
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Do 15. Jan 2026, 19:47

Timberlake hat geschrieben :
Do 15. Jan 2026, 13:22
Consul hat geschrieben :
Do 15. Jan 2026, 01:49
"Menschliche Organismen können denken. Folglich kann jede menschliche Zelle denken." – Das ist ein Beispiel des mereologischen Fehlschlusses.
Mit diesem Beispiel hast du allerdings nur einen Teil eines mereologischen Fehlschlusses beschrieben.

und zwar das Schließen von den Eigenschaften eines Ganzen (menschliche Organismen) ohne prüfenden Nachweis des Sachverhalts auf die Eigenschaften von Teilen dieses Ganzen ( menschliche Zelle) . Da gibt es aber noch den anderen Teil , als da wäre , das Schließen von den Eigenschaften von Teilen eines Ganzen ( Weiße Schwäne) ohne prüfenden Nachweis des Sachverhalts auf die Eigenschaften des Ganzen (alle Schwäne).
Wenn es so etwas gibt wie die mereologische Summe S aller Schwäne, dann wäre es ein mereologischer Fehlschluss von den Teilen aufs Ganze zu sagen, dass S als Ganzes selbst ein Schwan ist.



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Jörn P Budesheim
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@Consul: Gibt es deiner Ansicht nach einen „Gesamt-Schwan“, der alle „Einzel-Schwäne“ umfasst?



Das Thema interessiert dich? Was meinst du dazu? Wir freuen uns auf deine Meinung – melde dich an und diskutiere mit uns.“

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Consul
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Fr 16. Jan 2026, 20:40

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Fr 16. Jan 2026, 11:01
@Consul: Gibt es deiner Ansicht nach einen „Gesamt-Schwan“, der alle „Einzel-Schwäne“ umfasst?
Ja, denn ich bin mereologischer Universalist. Das heißt, ich gehe davon aus, dass es zu jeder beliebigen Vielheit von Dingen (genau) ein Ding gibt, das die Summe (Fusion) jener Dinge ist. (Eine mereologische Summe ist wohlgemerkt etwas anderes als eine Menge im logisch-mathematischen Sinn, zumal die Summe aller Schwäne ein konkretes Objekt ist und die Menge aller Schwäne ein abstraktes.)



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Jörn P Budesheim
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Moltbook ist eine Art Social Network aus 1,6 Mio. KI-Agenten. Dort "kommunizieren" Bots, sie "posten", "liken" ... eine Zombie-Welt.



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Mimikama fragt auf Facebook: „Kann KI die Wahrheit erkennen – oder nur Statistik?“



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Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Di 17. Feb 2026, 09:44
Mimikama fragt auf Facebook: „Kann KI die Wahrheit erkennen – oder nur Statistik?“
Welche Wahrheit? Welche (Art von) KI?



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