Künstliche Intelligenz

Es gibt heute kaum Bereiche des alltäglichen Lebens, die nicht in irgendeiner Weise mit dem World-Wide-Web zusammenhängen. Das Gleiche gilt für "künstliche Intelligenz". Was hat die Philosophie dazu zu sagen?
Steinmetz
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Do 11. Aug 2022, 11:11

Jörn Budesheimer schrieb:
"Nö, es gibt keine schwache, keine mittlere und keine starke KI. Intelligenz heißt, Probleme in beschränkter Zeit zu lösen. Maschinen haben keine Probleme, also sind sie auch nicht intelligent. Für Maschinen geht es um nichts, das ist einer der entscheidenden Punkte, da ist keiner zu Hause, wie es so schön heißt.

Was ist sog. KI stattdessen? KI sind unsere Werkzeuge. Das Problem ist meines Erachtens nicht die Frage, ob Maschinen intelligent sind, sondern zum Beispiel, wie tief wir in das Zauberlehrling-Szenario reinrutschen werden."
Ich Versuche hier Mal einen Einwand zu machen. Ersetzen mir das Wort Problem mit dem Wort Aufgabe (kann man ja synonym benutzen wenn man Motivationscoaches glauben darf). Dann haben Maschinen schon Mal den ersten Schritt in Richtung Intelligenz vor sich. Wahrscheinlich wird es in deren Kreisen eher "Task" genannt.
Nun nehmen wir eine KI und schauen Mal wie die Anfänge waren mit dem Prinzip Eingabe Verarbeitung Ausgabe (bekommt den schönen Begriff EVA. Hach diese Informatiker und ihre drei Buchstaben immer...) Eingabe über entsprechenden Sensor. Also Eine Unübersichtliche Datenmenge strömt auf unsere Maschine ein aber mit ihrem Sensor ist sie auf ein Spektrum beschränkt. (wie geht's da wohl dem Menschen?) Weiter in dem Abschnitt Verarbeitung werden die Reize verglichen mit den von Menschenhand eingefügten Daten und wenn etwas genau übereinstimmt dann schwubs geht's weiter in die Ausgabe (Wie geht's da wohl dem Menschen?). Die Maschine reagiert auf die Vorgesehene weiße und beginnt mit EVA wieder von vorne..

Bei einer Solchen Maschine ist ziemlich klar, dass sie durch die vom Menschen eingegebenen Daten und Verhaltensweisen beschränkt sind. Das Würde ich als eine schwache KI bezeichnen.

Nun scheinen sich die Dinge doch weiterentwickelt zu haben und Begriffe wie "Deep Learning" Tauchen auf. Die Daten werden nicht mehr in Kleinstarbeit von Programmierer eingetragen. Die KI's werden nun zum Teil von Unmengen Google Nutzern u.Ä gleichzeitig mit Daten gespeist. Die KI aktualisiert ihre Lösungsstrategien selbst. Dabei kommen Dinge heraus über die Menschen dann eine Zeit lang Grübeln dürfen. Wie das alles vor sich geht kann ich natürlich nicht sagen, weil ich es nicht weiß.

Problematisch wird es denke ich wenn eine KI seine Tasks selbst sucht.




Körper
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Do 11. Aug 2022, 12:22

Steinmetz hat geschrieben :
Do 11. Aug 2022, 11:11
Ich Versuche hier Mal einen Einwand zu machen.
Die Frage ist, ob ein Einwand irgendwo hinführt.
Aus meiner Sicht gehen manche Menschen grundsätzlich destruktiv mit der Idee um, dass eine künstliche Einheit im Bereich "Intelligenz" beachtenswert sein kann.

Das kann man schön in diesem Forum beobachten: Es soll keine Intelligenz sein, weil...
  • ...es kein Leben ist
  • ...es keine Lebensprobleme hat
  • ...es kein Bewusstsein ist
  • ...es nur Maschinen/Werkzeuge sind
  • ...usw. usf.
Es schreit zum Himmel, dass sich solche Leute nicht darum kümmern, was Intelligenz ist.
Man zieht Tod und Teufel mit ins Thema herein, nur damit man nirgendwo ankommen muss.

Ich würde vor diesem Hintergrund eher die Frage stellen, ob Menschen, die für sich selbst den Anspruch erheben, mehr als ein funktionierender Körper zu sein (-> "Geist", was auch immer das sein soll), besonders anfällig für diese destruktive Haltung sind.
Es kann gut sein, dass man bei Philosophie nicht selten auf eine solche Anfälligkeit stösst.




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Jörn Budesheim
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Jörn Budesheim hat geschrieben :
Do 11. Aug 2022, 08:41
Intelligenz heißt, Probleme in beschränkter Zeit zu lösen.
Körper hat geschrieben :
Do 11. Aug 2022, 12:22
Es schreit zum Himmel, dass sich solche Leute nicht darum kümmern, was Intelligenz ist




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Do 11. Aug 2022, 12:33

Steinmetz hat geschrieben :
Do 11. Aug 2022, 11:11
Jörn Budesheimer schrieb:
"Nö, es gibt keine schwache, keine mittlere und keine starke KI. Intelligenz heißt, Probleme in beschränkter Zeit zu lösen. Maschinen haben keine Probleme, also sind sie auch nicht intelligent. Für Maschinen geht es um nichts, das ist einer der entscheidenden Punkte, da ist keiner zu Hause, wie es so schön heißt.

Was ist sog. KI stattdessen? KI sind unsere Werkzeuge. Das Problem ist meines Erachtens nicht die Frage, ob Maschinen intelligent sind, sondern zum Beispiel, wie tief wir in das Zauberlehrling-Szenario reinrutschen werden."
Ich Versuche hier Mal einen Einwand zu machen. Ersetzen mir das Wort Problem mit dem Wort Aufgabe (kann man ja synonym benutzen wenn man Motivationscoaches glauben darf). Dann haben Maschinen schon Mal den ersten Schritt in Richtung Intelligenz vor sich. Wahrscheinlich wird es in deren Kreisen eher "Task" genannt.
Das ist aber nicht das was Jörn mit "Problemen" meint.
Maschinen haben keine Aufgaben, sondern wir benutzen sie um Aufgaben zu bewältigen. Das ist ein feiner aber wichtiger Unterschied.
Wo haben wir Menschen unsere Aufgaben her?
Ganz einfach, das Leben stellt sie uns. Wir haben Aufgaben, weil wir leben.
Maschinen haben weder das eine noch das andere. Sie leben nicht und sie haben auch keine daraus resultierenden Aufgaben.
Das ist gemeint mit "Es ist keiner Zuhause" und "Sie sind nur (unsere) "Werkzeuge". So wie ein Hammer. Der hat auch keine Aufgaben. Wir benutzen ihn nur um Aufgaben besser zu bewältigen.
Im Prinzip ist eine Maschine nichts anderes als ein Hammer. Ein komplexer Hammer wohlgemerkt. Aber nichts weiter als ein Hammer (ein Werkzeug).

Nun nehmen wir eine KI und schauen Mal wie die Anfänge waren mit dem Prinzip Eingabe Verarbeitung Ausgabe (bekommt den schönen Begriff EVA. Hach diese Informatiker und ihre drei Buchstaben immer...) Eingabe über entsprechenden Sensor. Also Eine Unübersichtliche Datenmenge strömt auf unsere Maschine ein aber mit ihrem Sensor ist sie auf ein Spektrum beschränkt. (wie geht's da wohl dem Menschen?) Weiter in dem Abschnitt Verarbeitung werden die Reize verglichen mit den von Menschenhand eingefügten Daten und wenn etwas genau übereinstimmt dann schwubs geht's weiter in die Ausgabe (Wie geht's da wohl dem Menschen?). Die Maschine reagiert auf die Vorgesehene weiße und beginnt mit EVA wieder von vorne..

Bei einer Solchen Maschine ist ziemlich klar, dass sie durch die vom Menschen eingegebenen Daten und Verhaltensweisen beschränkt sind. Das Würde ich als eine schwache KI bezeichnen.

Nun scheinen sich die Dinge doch weiterentwickelt zu haben und Begriffe wie "Deep Learning" Tauchen auf. Die Daten werden nicht mehr in Kleinstarbeit von Programmierer eingetragen. Die KI's werden nun zum Teil von Unmengen Google Nutzern u.Ä gleichzeitig mit Daten gespeist. Die KI aktualisiert ihre Lösungsstrategien selbst. Dabei kommen Dinge heraus über die Menschen dann eine Zeit lang Grübeln dürfen. Wie das alles vor sich geht kann ich natürlich nicht sagen, weil ich es nicht weiß.

Problematisch wird es denke ich wenn eine KI seine Tasks selbst sucht.
Schauen wir doch mal wie das mit dem Hammer war..
Zuerst war der nur ein grober Ast und ein Stück behauener Stein mit Pfanzenfasern festgehalten. Damit konnten die ersten Menschen schon viel machen.
Dann hat man aber festgestellt, dass der Stein zu schnell zerbricht, oder dass der Hammerkopf vom Stil abfällt.
Also hat man den Hammer verfeinert. Erst wurde in den Kopf ein Loch gebohrt damit er am Stil besser hält. Dann, als die Metallverarbeitung erfunden wurde, wurde der Hammerkopf aus Metall gefertigt.
Die Menschen hatten nun einen viel leistungfähigeren Hammer.
Dann wurden verschiedene Hämmer erfunden um unterschiedliche Aufgaben zu erledigen. Den Zimmermannhammer für Hausbauarbeiten, der Schlegel für den Bergbau, der Vorschlaghammer fürs Grobe usw.
Wieder wurde der Hammer verbessert.
Irgendwann hatten wir Menschen dann Strom und wir erfanden den elektrischen Hammer. Der ist von seinem Aufbau ganz anders und viel komplexer.
Vorne wird ein Meißel eingespannt und hinten sorgt ein Motor für die Kraft. Man verwendet diese Hämmer z.B. für Stemmarbeiten.

Wir sehen also der Hammer wurde immer ausgefeilter und komplizierter. Heute sind sie so kompliziert, dass der Laie ihre Funktionsweise gar nicht mehr versteht.
Deshalb glaubt nun aber kein Laie, dass der Hammer intelligent und mehr als ein Werkzeug sei.
Er ist und war nie was anderes als ein Werkzeug, egal wie komplex er ist.
Nur bei Computern, die zuerst mechanische Apparate waren, dann elektronische Schaltungen bekamen und heute Mikroprozessoren verwenden, glaubt man aus mir unerklärlichem Grunde, dass sie etwas anderes (oder mehr) seien als unsere Werkzeuge.
Das ist einfach nicht erklärbar. Es sind einfach nur sehr komplexe Werkzeuge die wir benutzen um Aufgaben zu erledigen. Mehr nicht.



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Do 11. Aug 2022, 13:06

Mein Toaster ist intelligent. Er hat einen Sensor und gleicht einen IST-SOLL-Wert ab.
Wie ein Computer.
Ich mache deshalb beim Frühstück auch keinen Toast mithilfe des Toasters, sondern ich stelle fest, dass der Toaster ein Toast machen wollte, weil der Toaster ein Toast braucht.
Wahnsinn was heute alles möglich ist. Toaster und Computer mit "Intelligenz".
:-D



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Körper
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Do 11. Aug 2022, 13:21

Q.E.D.

Selbst wenn man es gerade eben explizit anspricht, Leute mit destruktiver Ausgangshaltung (in Bezug auf künstliche Intelligenz) kommen nicht aus ihrer Rolle heraus - keine Chance.

Ich habe Intelligenz mal abkürzend beschrieben mit "raffinierte Flexibilität in neuen Bereichen" (wobei es insgesamt natürlich um Reaktion/Wahrnehmung/Zusammenhänge geht)
Die Frage "reagieren diese Leute (beim KI-Thema) intelligent?" muss ich damit verneinen.




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Lucian Wing
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Do 11. Aug 2022, 13:34

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Do 11. Aug 2022, 08:41
Burkart hat geschrieben :
Do 11. Aug 2022, 07:05
Schwache KI z.B. in Form von Expertensystemen gibt es ja schon.
Nö, es gibt keine schwache, keine mittlere und keine starke KI. Intelligenz heißt, Probleme in beschränkter Zeit zu lösen. Maschinen haben keine Probleme, also sind sie auch nicht intelligent. Für Maschinen geht es um nichts, das ist einer der entscheidenden Punkte, da ist keiner zu Hause, wie es so schön heißt.

Was ist sog. KI stattdessen? KI sind unsere Werkzeuge. Das Problem ist meines Erachtens nicht die Frage, ob Maschinen intelligent sind, sondern zum Beispiel, wie tief wir in das Zauberlehrling-Szenario reinrutschen werden.
Ja, das ist wohl einer der ausschlaggebenden Punkt dabei. Wobei das sowohl in technischer Hinsicht gilt als auch in "geistiger". Denn wenn eine KI einen über eine Sache hinausgehenden Status erhielte, also Schutzrechte, die über die Eigentumsrechte an ihnen hinausgehen, gelangen wir über technische Fragen hinaus.



Als ich vierzehn war, war mein Vater so unwissend. Ich konnte den alten Mann kaum in meiner Nähe ertragen. Aber mit einundzwanzig war ich verblüfft, wieviel er in sieben Jahren dazu gelernt hatte. (Mark Twain)

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Do 11. Aug 2022, 13:54

Ich weigere mich strikt den Intelligenzbegriff so weit zu reduzieren, dass er auf das primitive Null-und-Eins-Gerechne der Blechdosen anwendbar wird.
Wie gesagt: Das ist ein Taschenspielertrick. Wenn ich keine KI schaffen kann, weil die Hürden zu hoch sind (und ich keinen Plan habe wie ich die überwinden soll), präsentiere ich einfach was völlig Anderes und NENNE es dann einfach Intelligenz.
Erzähl das deiner Großmutter... die glaubt dir das vielleicht.

Hier Mütterchen, dein neues Haus.
Aber das ist ja nur eine Bretterbude! Du hast mir eine Villa versprochen.
Nein, da liegst Du falsch. Solche Häuser nennt man heute Villa.
Achso.

Wie nennt man das nochmal? Pisse als Sekt verkaufen!
Oder auch: Wenn Du nicht überzeugen kannst - verwirre!



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AndreaH
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Do 11. Aug 2022, 14:28

Nauplios hat geschrieben :
Di 9. Aug 2022, 19:43
Burkart hat geschrieben :
Di 9. Aug 2022, 19:09

Bei mir ist es die Künstliche Intelligenz vor allem gewesen, die mich vieles hat hinterfragen lassen.
Ich glaube, die Frage der Künstlichen Intelligenz wird eine der bedeutendsten sein, von der die Philosophie in Kürze immer mehr betroffen sein wird. Ich will gerne zugeben, daß damit viel Spekulation verbunden ist. Im Moment verläuft die Diskussion um die Künstliche Intelligenz ja oft in die Richtung, ob eine künftige Intelligenz den Charakter einer biologischen Intelligenz annehmen kann. Mal abgesehen von der Frage ob Intelligenz das Wesentliche des Menschlichen überhaupt ausmacht, wenn man die Fragerichtung einmal ändert, ergibt sich eine andere Perspektive: ist es möglich, daß sich der Mensch einer Künstlichen Intelligenz anverwandelt? - Oder kann es zu hybriden Formen beider kommen? - Damit ist nicht nur das rein technische Potential gemeint, sondern auch ein Paradigma der Selbstwahrnehmung und des Selbstverständnisses menschlicher Beschreibung. Ich verstehe dabei unter Technik kein Instrument der Selbstentfremdung, sondern den Ausgriff eines Wesens, daß auf die Gestaltung seiner Welt angewiesen ist.
Es gibt sehr viele Bereiche die hinterfragt werden sollten.
Eine Firma die in dem Bereich schon tätig ist. Stellt bereits Fragen, wo sind die Grenzen in dem KI manipulierend eingesetzt wird.

https://salzburg.orf.at/stories/3168023/




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Do 11. Aug 2022, 14:37

Es gibt Bereiche, die wir bei der Künstlichen Intelligenz nicht wollen – es darf nie passieren, dass ein Computer über Leben und Tod entscheidet oder Künstliche Intelligenz darf auch nicht darüber entscheiden, ob ein Mensch noch einen Versicherungsvertrag bekommt oder nicht.

Und wenn man sich jetzt fragt "warum nicht?", nähert man sich der Frage an, ob Computer wirklich intelligent sind, oder nicht.



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Steinmetz
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Do 11. Aug 2022, 18:58

NaWennDuMeinst hat geschrieben :
Do 11. Aug 2022, 12:33
Schauen wir doch mal wie das mit dem Hammer war..
Zuerst war der nur ein grober Ast und ein Stück behauener Stein mit Pfanzenfasern festgehalten. Damit konnten die ersten Menschen schon viel machen.
Dann hat man aber festgestellt, dass der Stein zu schnell zerbricht, oder dass der Hammerkopf vom Stil abfällt.
Also hat man den Hammer verfeinert. Erst wurde in den Kopf ein Loch gebohrt damit er am Stil besser hält. Dann, als die Metallverarbeitung erfunden wurde, wurde der Hammerkopf aus Metall gefertigt.
Die Menschen hatten nun einen viel leistungfähigeren Hammer.
Dann wurden verschiedene Hämmer erfunden um unterschiedliche Aufgaben zu erledigen. Den Zimmermannhammer für Hausbauarbeiten, der Schlegel für den Bergbau, der Vorschlaghammer fürs Grobe usw.
Wieder wurde der Hammer verbessert.
Irgendwann hatten wir Menschen dann Strom und wir erfanden den elektrischen Hammer. Der ist von seinem Aufbau ganz anders und viel komplexer.
Vorne wird ein Meißel eingespannt und hinten sorgt ein Motor für die Kraft. Man verwendet diese Hämmer z.B. für Stemmarbeiten.

Wir sehen also der Hammer wurde immer ausgefeilter und komplizierter. Heute sind sie so kompliziert, dass der Laie ihre Funktionsweise gar nicht mehr versteht.
Deshalb glaubt nun aber kein Laie, dass der Hammer intelligent und mehr als ein Werkzeug sei.
Er ist und war nie was anderes als ein Werkzeug, egal wie komplex er ist.
Nur bei Computern, die zuerst mechanische Apparate waren, dann elektronische Schaltungen bekamen und heute Mikroprozessoren verwenden, glaubt man aus mir unerklärlichem Grunde, dass sie etwas anderes (oder mehr) seien als unsere Werkzeuge.
Das ist einfach nicht erklärbar. Es sind einfach nur sehr komplexe Werkzeuge die wir benutzen um Aufgaben zu erledigen. Mehr nicht.
Der Vergleich ist gut aber er hinkt etwas. Denn zum einen Vergleicht man damit Äpfel und Birnen. Ein Gefechtspanzer ist auch kein echt modernes Fahrrad.
Zum anderen (und da wird's für mich sehr Kompliziert. Ich hoffe ich bekomme etwas verständliches zu Stande) redet man bei der KI nicht von einem Computer. Es gibt wirklich die Intention bei den Entwicklern eine künstliche Intelligenz zu schaffen und nicht einen tollen Computer. Sie wollen also keinen physischen Hergang simulieren, sondern einen Geistigen. Die Informatiker betreten nun also die Arena des Streits über den Dualismus. Sollte man mit 1 und 0 Intelligenz schaffen können gibt das Rückschlüsse auf unsere Intelligenz die nicht jedem gefallen.
Zwischen einem Werkzeug und einer Maschine will ich einen Unterschied hervorheben: die Automatik. Eine Maschine arbeitet auch ohne Benutzer. Zwischen einer Persönlichkeit und Intelligenz möchte ich auch einen Unterschied hervorheben: Drama. Der Mensch hat Freude daran ein Problem zu lösen und freut sich darauf am Tresen den Jungs zu erzählen wie. Die Maschine nicht. Keiner zu Hause.
Vielleicht bilden wir uns auf unsere Intelligenz zu viel ein. Funktioniert es in unserem Kopf nicht auch mit elektrischen Impulsen? Strom oder kein Strom? Tatsache ist, und lässt sich wahrscheinlich sogar belegen, dass von Programmen erstellte Algorithmen bessere Prognosen über uns anstellen als irgendein Mensch. Sehr viele kluge Köpfe schrauben an diesem Projekt herum und wenn es klappt werden wir genau achten müssen was geschieht. Ob die KI ein Werkzeug bleibt oder ein Leviathan wird wage ich nicht zu sagen.




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Nauplios
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Do 11. Aug 2022, 19:39

AndreaH hat geschrieben :
Do 11. Aug 2022, 14:28
Nauplios hat geschrieben :
Di 9. Aug 2022, 19:43
Burkart hat geschrieben :
Di 9. Aug 2022, 19:09

Bei mir ist es die Künstliche Intelligenz vor allem gewesen, die mich vieles hat hinterfragen lassen.
Ich glaube, die Frage der Künstlichen Intelligenz wird eine der bedeutendsten sein, von der die Philosophie in Kürze immer mehr betroffen sein wird. Ich will gerne zugeben, daß damit viel Spekulation verbunden ist. Im Moment verläuft die Diskussion um die Künstliche Intelligenz ja oft in die Richtung, ob eine künftige Intelligenz den Charakter einer biologischen Intelligenz annehmen kann. Mal abgesehen von der Frage ob Intelligenz das Wesentliche des Menschlichen überhaupt ausmacht, wenn man die Fragerichtung einmal ändert, ergibt sich eine andere Perspektive: ist es möglich, daß sich der Mensch einer Künstlichen Intelligenz anverwandelt? - Oder kann es zu hybriden Formen beider kommen? - Damit ist nicht nur das rein technische Potential gemeint, sondern auch ein Paradigma der Selbstwahrnehmung und des Selbstverständnisses menschlicher Beschreibung. Ich verstehe dabei unter Technik kein Instrument der Selbstentfremdung, sondern den Ausgriff eines Wesens, daß auf die Gestaltung seiner Welt angewiesen ist.
Es gibt sehr viele Bereiche die hinterfragt werden sollten.
Eine Firma die in dem Bereich schon tätig ist. Stellt bereits Fragen, wo sind die Grenzen in dem KI manipulierend eingesetzt wird.

https://salzburg.orf.at/stories/3168023/
Ja, es gibt sicher kritische Bereiche beim Thema KI. Die Firma aus Salzburg, die Du erwähnst, Andrea, spricht einige davon an. Das sind ernste Fragestellungen, die das Leben des Menschen, seinen Tod, seine Würde betreffen.

Ich muß gestehen, daß mich die gravitas, der Ernst, der mit der KI zweifellos auch verbunden ist, nicht davon abhält, der Sache auch eine heitere Komponente abzugewinnen. In den 90er Jahren gab es einen Hype um ein virtuelles Küken, das man bebrüten mußte und das der Pflege und Zuwendung bedurfte. Inzwischen gibt es Aibo, einen niedlichen japanischen Roboterhund.

Spulen wir ein wenig vor: Wir schreiben das Jahr 2500. Auf der CeBIT in Hannover wird der humanoide Roboter "mons florum" vorgestellt. Es handelt sich um eine speziell für die Geisteswissenschaften entwickelte KI. An der Entwicklung beteiligt war u.a. das Deutsche Literaturarchiv in Marbach. Das Gedächtnis von "mons florum" hat Zugriff auf sämtliche Schriften des Philosophen B aus dem 20. Jahrhundert, veröffentlichte wie unveröffentlichte. Außerdem konnte anhand der jahrelang geführten Lektürelisten des Philosophen ein Pool eben jener Schriften der KI zugeführt werden, die jener in seinem Leben gelesen hat. Schließlich hat "mons florum" sämtliche Zettelkästen von B und ihre interne Verweisungsstruktur zur Verfügung, desweiteren sämtliche Sekundärliteratur, die bis 2500 erschienen ist.

Fragt man "mons florum" beispielsweise nach dem Begriff "Bedeutsamkeit" kann er im Sinne des Philosophen B aus dem 20. Jahrhundert im Bruchteil einer Sekunde eine Vorlesung darüber halten - wahlweise komprimiert auf 90 Minuten bis hin zu einem Semester.

"mons florum" gibt es ab Juli 2500 zu einem Preis von 49, 90 € bei Aldi zu kaufen. Sein Stromverbrauch liegt, je nach Nutzung, bei ca. 150 kWh pro Jahr. Spracherkennung und Sprachausgabe mit der Originalstimme des Philosophen B sind selbstverständlich. "mons florum" kann im Sparmodus betrieben werden, nur sprechend, oder auch im "advanced mode", sprechend, gestikulierend, räuspernd, lachend usw mit passenden Gesichtsausdrücken.

Eine Kaufempfehlung? - Ja. :)




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Do 11. Aug 2022, 19:49

"Keiner zuhause". Das gilt natürlich auch für "mons florum". Aber das galt auch schon für den Philosophen B aus dem 20. Jahrhundert. Da war auch nie einer zuhause. :lol:

Ist nicht der Befund "Keiner zuhause" im Grunde das Übereinstimmungsmerkmal von künstlicher und menschlicher Intelligenz? - Wir können in die Maschine nicht hineinschauen; was da eigentlich genau vor sich geht, wissen wir nicht (sofern ihre Lernvorgänge autonom sind). Können wir es denn beim Gehirn oder beim Bewußtsein?




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Do 11. Aug 2022, 20:10

"Bisherige Studien zeigen: Die Mensch-KI-Kollaboration funktioniert nicht nur gut, sondern wird auch als natürlich empfunden. Maschinen werden zwar als ein technischer Gegenstand, aber auch als ein soziales Gegenüber mit eigenen Absichten wahrgenommen. Bei der Gestaltung müssen Rollen und Charakter so gestaltet werden, dass die Natürlichkeit der Interaktion erhalten bleibt, aber Ängste und mangelndes Vertrauen vermieden werden. Nur so erreichen Gestalter ein positives Nutzungserlebnis." (Link)

Die KI als "soziales Gegenüber". -




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Steinmetz hat geschrieben :
Do 11. Aug 2022, 18:58
Eine Maschine arbeitet auch ohne Benutzer.
Zum Beispiel?

Man kann ja mal folgendes Gedankenexperiment machen: wenn wir den Menschen von jetzt auf gleich "wegschnipsen", dann wird nach ziemlich kurzer Zeit von den Maschinen ( und später auch den sonstigen Zivilisationsfahrzeugnissen) nicht mehr viel übrig sein und nichts mehr wird funktionieren, während die belebte Natur alles überwuchern und in Besitz nehmen wird.




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Do 11. Aug 2022, 20:37

Nauplios hat geschrieben :
Do 11. Aug 2022, 19:39
Eine Kaufempfehlung? - Ja. :)
Sich dem Thema mit humoristsichem Ernst anzunehmen... da bist Du nicht der erste.
Empfehlung: Stanislav Lem - "Die Waschmaschinentragödie."

Ein gewisser Kathodius Mattrass, Philosoph mit hausbackener Bildung und Fanatiker von Geburt, gründete die Schule der sogenannten Kybernophilen. Ihre Lehre besagte, daß die Menschheit von ihrem Schöpfer erschaffen worden sei, um den Zweck zu erfüllen, den auch ein Baugerüst zu erfüllen habe: Hilfsmittel zu sein, Werkzeug – Werkzeug, um die vollkommenen Elektronenhirne zu entwickeln.

https://www.kostenlosonlinelesen.net/ko ... ntragoedie

Ich denke das zeigt das ganze Ausmaß der Absurdität gut auf.
Zuletzt geändert von NaWennDuMeinst am Do 11. Aug 2022, 20:53, insgesamt 1-mal geändert.



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Do 11. Aug 2022, 20:45

Körper hat geschrieben :
Do 11. Aug 2022, 13:21
Selbst wenn man es gerade eben explizit anspricht, Leute mit destruktiver Ausgangshaltung (in Bezug auf künstliche Intelligenz) kommen nicht aus ihrer Rolle heraus - keine Chance.
Ja, leider sieht es so aus.



Der Mensch als Philosophierender ist Ausgangspunkt aller Philosophie.

[Allgemeine, starke KI wird kommen - die Frage ist nur, wann... und was man darunter genau versteht...]

Steinmetz
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Do 11. Aug 2022, 20:48

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Do 11. Aug 2022, 20:12
Steinmetz hat geschrieben :
Do 11. Aug 2022, 18:58
Eine Maschine arbeitet auch ohne Benutzer.
Zum Beispiel?

Man kann ja mal folgendes Gedankenexperiment machen: wenn wir den Menschen von jetzt auf gleich "wegschnipsen", dann wird nach ziemlich kurzer Zeit von den Maschinen ( und später auch den sonstigen Zivilisationsfahrzeugnissen) nicht mehr viel übrig sein und nichts mehr wird funktionieren, während die belebte Natur alles überwuchern und in Besitz nehmen wird.
Da haben wir's mit dem komplizierten Sachverhalt. Der Automat läuft eben automatisch. Nicht Manuell. Die KI erledigt die Tasks sucht sich aber keine. Das ein Automat kaputt geht oder Sinnlos ist ohne den Benutzer hat nichts damit zu tun, dass der Automat eben ohne den Benutzer läuft.
Ich kann den Motor meines Autos laufen lassen auch wenn ich Mittag essen gehe. Es liegt am Menschen der Maschine einen Sinn zu geben. Die Maschine hat nämlich keine Persönlichkeit um es selbst zu tun. Die Intelligenz der KI läuft also ohne den Sinn. Den Wir Menschen durch das verweben von Geschichten jedem Ereignisse geben.
Ich hoffe ich hab's nicht noch schlimmer gemacht.




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Do 11. Aug 2022, 20:51

Ich kenne keinen Automaten, der ohne Benutzer läuft. Deswegen fände ich ein Beispiel schön.




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Jörn Budesheim hat geschrieben :
Do 11. Aug 2022, 08:41
Burkart hat geschrieben :
Do 11. Aug 2022, 07:05
Schwache KI z.B. in Form von Expertensystemen gibt es ja schon.
Nö, es gibt keine schwache, keine mittlere und keine starke KI.
Man sollte wenigstens allgemein anerkannte Begriffe akzeptieren... siehe halt z.B. die (starke und) schwache KI.



Der Mensch als Philosophierender ist Ausgangspunkt aller Philosophie.

[Allgemeine, starke KI wird kommen - die Frage ist nur, wann... und was man darunter genau versteht...]

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