Meine Aussage drehte sich um den diesbzgl. Tatsachenstatus.
Genau dieser Tatsachenstatus wird nicht erreicht, d.h. du solltest damit rechnen, dass "bewusstes Sehen" kein Nervenvorgang ist.
Solange der Tatsachenstatus nicht erreicht ist, kann ich ohne Begründung ein eigens Weltbild verfolgen.
Ich muss noch nicht einmal dein Weltbild an diesem Punkt als unschlüssig darstellen oder gar widerlegen.
Ja, "es steht für dich fest" im Sinne von "du kannst es nicht bezweifeln".
Das ist aber auch bei den "schrägen Linien" der Fall und die gibt es nicht dort, wo du sie in deinem Nicht-Bezweifeln verortest.
Die Frage lautet also: "was läuft ab, dass du es nicht bezweifeln kannst?"
- Deine Antwort ist "es existiert und deshalb kann ich es nicht bezweifeln".
- Meine Antwort ist: "wie man an den 'schrägen Linien' sieht, muss es nicht existieren, um nicht bezweifelt werden zu können"
Es geht also um deinen Anspruch, durch Introspektive (ohne dass du weisst, wie das möglich sein kann) Existenz detektieren zu können.
Wie du auf diesen Anspruch kommst, kann ich nicht nachvollziehen, denn der Mensch entwickelt sich aus einer Zelle heraus und macht sein ganzes Leben lang die Erfahrung, dass er von den Umweltsituationen lernt.
Also ist es doch nur vernünftig davon auszugehen, dass wir in der gesamten Wahrnehmung (also bei der gesamten "Mentalaktivität") aus den Bruchstücken, die wir erreichen, das Beste zu machen versuchen.
Ich habe mehrmals geschrieben, dass ich jegliche Art des ontologischen Erfassungsversuches für das "Geist-Körper-/Leib-Seele-Problem" als Sackgasse ansehe.
Ich kann dir also einen derartigen Erfassungsversuch nicht liefern.
Oben habe ich schon beschrieben, dass der Rahmen für die Erklärung der (menschlichen) Wahrnehmung innerhalb von Körper in Umwelt und "Abtastung und Reaktion im biochemischen Haushalt" liegen muss.
Innerhalb dieser Wahrnehmung sehe ich keine neuen (Mental-/Phänomenal-)Existenzen auftauchen und auch keine Notwendigkeit dazu.
Du hast in deinem Beitrag aus eigenem Antrieb den Punkt angesprochen, dass du "es nicht bezweifeln kannst" und damit, ohne dass du es gemerkt hast, einen notwendigen Rahmen um das "phänomenale Bewusstsein" gelegt: "du darfst es nicht bezweifeln können".
Wenn man unter dem Gesichtspunkt des Nicht-Bezweifeln-Könnens das Nervensystem anschaut, dann fällt auf, dass es um feste Bahnen geht.
Es gibt zwar enorme Freiheiten innerhalb der Verknüpfungen, aber es ist lange nicht alles mit allem verbunden und auch eine konkrete Aktivitätsausbreitung geschieht nirgendwo in einem zufällig beliebigen Umfang.
Möchte man also dein "mentales Nicht-Bezweifeln-Können" in der Welt verorten und begründen, dann braucht man nur auf das Nervensystem verweisen.
Die dortigen Prinzipien decken diese Einschränkung ab.
Jetzt kann man sich fragen: "was ist die eigentliche Aktivität beim Nicht-Bezweifeln-Können?".
Dass man nicht ausbrechen kann, ist ja schön und gut, aber was genau macht denn der Mensch, aus dem er nicht ausbrechen kann?
Die Antwort ist ganz einfach: er durchläuft Überzeugungen.
Etwas in einer Reaktion nicht bezweifeln zu können, nenne ich "Überzeugung".
"Überzeugung" ist ein reiner Ablauf-/Reaktionsbegriff, denn er umfasst lediglich das "Nicht-Abweichen von aufgestellten/berücksichtigten Zusammenhängen" - das sollte das Nervensystem durchführen können.
Genau darum geht es bei den "schrägen Linien" und eine langgezogene Schräge wird dann nirgendwo als Existenz benötigt, denn es reicht, dass der wahrnehmende Akteur Überzeugungen durchläuft.
Ich sehe es als Grundprinzip der menschlichen Wahrnehmung an, dass "Überzeugungen" durchlaufen werden und "was" davon auf "welche" vorliegenden Umstände zurückgeht, muss man erst noch abklären.
Abklären kann man wie bei den "schrägen Linien" durch Interaktivität.
Aus "ich sehe eine farbige Oberfläche" kann man nicht die Existenz von "Farbe" ableiten. Es ist nicht "Farbe" mit der die Überzeugung gestartet wird, sondern "das Sehen von Farbe" ist quasi "die plausibelste Überzeugung".
Wie du siehst, ist keine Ontologie notwendig.
Welchen "ontologischen Standpunkt" sollte ich also einnehmen?
