Ethik des Sterbens, Philosophie und vorsätzliche Selbsttötung

Hier werden Vorträge diskutiert, die online als Video verfügbar sind.
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Jörn Budesheim
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Sa 6. Feb 2021, 20:47

Das ließe sich leicht ändern. Dazu müsste ich nur von einigen der Positionen, die du dort vertrittst, behaupten, sie seien streng moralisch geboten, denn es handele sich dabei um moralische Tatsachen :)

Im übrigen behaupte ich ja nicht, dass du amoralische Positionen vertrittst, sondern dass du ein Moralapostel bist.



"Nichts ist menschlicher als der Wunsch, kein Mensch zu sein!" (Stanley Cavell)

"Die meisten Menschen würden leichter dahin zu bringen seyn, sich für ein Stück Lava im Monde, als für ein Ich zu halten." (Fichte)

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NaWennDuMeinst
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Sa 6. Feb 2021, 21:02

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Sa 6. Feb 2021, 20:47
Das ließen sich leicht ändern. Dazu müsste ich nur von einigen der Positionen, die du dort vertrittst, behaupten, sie seien streng moralisch geboten, denn es handele sich dabei um moralische Tatsachen :)
Naja, das ist vielleicht schon eher unser DIssens. Ich glaube nämlich, dass sich Moral nur sehr schwer verobjektivieren lässt.
Welche moralischen Auffassungen wir vertreten hängt halt sehr stark davon ab welche Werte wir zugrunde legen.
Im übrigen behaupte ich ja nicht, dass du amoralische Positionen vertrittst, sondern dass du ein Moralapostel bist.
Ich bin weder das eine noch das andere. Ich vertrete einfach nur meine Wert- und Moralvorstellungen (sofern vorhanden).
Oder allgemeiner: Meine Überzeugungen.
Und das mit Vehemenz. :-)



But I, being poor, have only my dreams; I have spread my dreams under your feet;
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Jörn Budesheim
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Mo 8. Feb 2021, 06:11

DER TOTENTANZ Entstehung und Entwicklung eines Bildthemas von Gander Robert hat geschrieben : 3.5 Die Ars moriendi

Zudem erschienen im Spätmittelalter auch vermehrt kirchliche Anweisungen in Form von Büchern mit Ratschlägen und Regeln zur Vorbereitung auf den christlichen Tod, der die Auferstehung der sündigen Seele garantieren sollte. Erste Illustrationen zu diesen Ars moriendi wurden um 1450/60 in Blockbüchern publiziert. Sie zeigen am Sterbebett Teufel als Versucher und Engel, die auf Ereignisse aus Bibel und Heiligenleben weisen. Am Schluss steht die Flucht der Teufel vor einem Kruzifix und die Aufnahme der Seele durch die Engel. Voraussetzung für dieses Sterben war das Ablegen der letzten Beichte sowie das Empfangen der Krankensalbung und des Viaticums (letzte hl. Kommunion). Da der plötzliche Tod, durch Unfall oder Krankheiten wie die Pest hervorgerufen, die richtige Sterbevorbereitung gefährden konnte, erinnerten insbesondere die Predigerorden im späten Mittelalter daran, stets ein gottgefälliges Leben zu führen und Busse zu tun, um in diesem Sinne auf den plötzlichen Tod vorbereitet zu sein.



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Jörn Budesheim
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Mo 8. Feb 2021, 06:25

Ich habe eine vage Erinnerung, irgendwo mal gelesen zu haben, dass der Tod eine Art biologisches Programm ist. Das heißt, wir sterben nicht, platt gesagt, weil wir abgenutzt sind, sondern der Tod ist von vornherein vorgesehen. Das Ganze hat sich durchgesetzt, weil es einen evolutionären Vorteil brachte. Hat jemand von euch davon schon mal gehört und vielleicht eine Quelle part?

Das wäre dann quasi ein biologisch programmierter Selbstmord aus evolutionären Gründen.



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NaWennDuMeinst
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Mo 8. Feb 2021, 10:03

in dem (sehr umfangreichen) Wikipedia-Artikel über das Altern findet sich unter der Rubrik "Alternstheorien" auch die Theorie des "programmierten Alterns" beschrieben.

https://de.wikipedia.org/wiki/Altern#Alternstheorien

Im Gegensatz dazu gehen die "Schadenstheorien" von der Annahme aus, dass sich im Laufe unseres Lebens Schäden in unserem Organismus ansammeln, die nicht behoben werden können. Altern ist danach die Summierung dieser Schäden (oder wie Du es sagst: "Wir nutzen uns ab").



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sokrates_is_alive
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Di 9. Feb 2021, 08:53

Im Forum wurde die Formulierung "abnutzen" verwendet; eine Übersicht derzeitiger Erklärungsansatze in kurzen, verständlichen Sätzen findet sich auf der Seite des
Leibniz-Instituts unter https://www.leibniz-fli.de/de/warum-altern-wir, dazu gibt es ein Interview mit Prof. Dr. Englert zu dem Thema von 2015,
wer googelt findet auch seine These, dass mit 120 definitiv Schluss ist.

Aktuell haben Juristinnen/ Juristen ein "Gesetz zur Gewährleistung selbstbestimmten Sterbens und zur Suizidprävention
Augsburg-Münchner-Hallescher-Entwurf (AMHE-SterbehilfeG)" vorgelegt - zwar etwas sperrig im Titel, aber durchaus spannend.
Warum?
1. Sie verbinden die Gewährleistung selbstbestimmten Sterbens mit der Verpflichtung des Staates Beratungsangebote 24/7 zu schaffen;

2. Sie wollen es Ärzten erlauben, Sterbewilligen tödlich wirkende Medikamente wie Natrium-Pentobarbital zu verschreiben.
Derzeit gibt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) auf Anweisung des Bundesgesundheitsministeriums nämlich keine tödlichen
Medikamente heraus, obwohl es dazu schon im Jahr 2017 rechtskräftig vom Bundesverwaltungsgericht verurteilt wurde.

3. Vorschlag: Neben medizinischem Personal soll auch eine unabhängige Kommission das Medikament verschreiben dürfen.
Dadurch werde, wie es in der Entwurfsbegründung heißt, der Zugang zu einem selbstbestimmten Tod
"unabhängig von der Verschreibungsbereitschaft der Ärzte gewährleistet, ohne dass Betroffene auf die Erlaubniserteilung des BfArM angewiesen sind".

Wer sich selbst durch die 84 Seiten arbeiten will und bereit ist 19€ zu investieren, hier der Link:
https://www.mohrsiebeck.com/buch/gesetz ... no_cache=1

Kostenlos und nicht minder spannend die Reihe "Dem Leben dienen – bis zuletzt", fünfteilig (bisher I bis IV erschienen);
Teil I bis III unter https://www.zeitzeichen.net/node/8835 und IV unter https://zeitzeichen.net/node/8842. Die Reihe stammt zwar aus
Zeitzeichen - Evangelische Kommentare zu Religion und Gesellschaft und ist vom Wiener Professor für Ethik und Systematische Theologe, Ulrich H.J. Körtner,
aber ich halte sie für durchaus lesenswert - selbst wenn man's nicht so mit dem Himmlischen und seinem Bodenpersonal hat.



Bene docet, qui bene distinguit. ;)

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Jörn Budesheim
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Di 16. Feb 2021, 07:48

Thomas Macho, Das Leben nehmen, Suizid in der Moderne hat geschrieben : Viele Jahrhunderte lang wurde der Suizid als schwere Sünde, sogar als »Doppelmord« – nämlich an Seele und Körper –, als Verbrechen, das streng bestraft wurde, nicht allein durch Verstümmelung und Verscharrung der Leichen, sondern beispielsweise auch durch Beschlagnahmung des Familienvermögens, zumindest aber als Effekt des Wahnsinns und als Krankheit bewertet. Während der Suizid noch in der Antike mit Ehre assoziiert werden konnte, erschien er spätestens seit Beginn der Herrschaft der christlichen Religion als Schande und finales Versagen. In einem erst vor wenigen Jahren publizierten Brief an Carl Schmitt vom 27. April 1976 beklagte Hans Blumenberg, »dass wir die pagane Sakramentalisierung des Selbstmords in unerreichbare Ferne gerückt haben. Man muß da aber nicht nur an Seneca denken, sondern auch an Masada und Warschau. Am erstaunlichsten ist, dass dieser Zug der ›Modernität‹ noch nie sonst beschrieben worden ist.«9 Lediglich Walter Benjamin hatte bereits in seinen Baudelaire-Studien bemerkt, die Moderne stehe »im Zeichen des Selbstmords«, der »das Siegel unter ein heroisches Wollen« setze; der Suizid sei schlicht »die Eroberung der Moderne im Bereiche der Leidenschaften.



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Di 16. Feb 2021, 08:57

ebenda hat geschrieben : ...Suizid und Suizidversuch wurden entkriminalisiert, im Vereinigten Königreich erst ab 1961; rechtlich liberalisiert wurden verschiedene Formen der Sterbehilfe und des assistierten Suizids in der medizinischen Praxis. Auch in den Wissenschaften vollzog sich eine Umwertung des Suizids. Die Drucklegung von Émile Durkheims Le Suicide von 1897, oft verglichen mit Sigmund Freuds Traumdeutung (1900), eroberte das Thema für die Sozialwissenschaften



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Jörn Budesheim
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Mi 17. Feb 2021, 07:38

Thomas Macho, in "das Leben nehmen" hat geschrieben :
... die Vorstellung von den Lemmingen, die sich zu Tausenden von den Klippen ins Meer stürzen, gehört zweifellos ins Reich der Phantasie. Weltweit verbreitet wurde der Mythos ausgerechnet durch einen Disney-Dokumentarfilm aus dem Jahr 1958: White Wilderness (Weiße Wildnis), in dem die »Massensuizide« der Lemminge eindrucksvoll gezeigt wurden. Doch hatten die Tierfilmer nachgeholfen, wie der Journalist Brian Vallee in einem Beitrag für das kanadische Fernsehen von 1983 nachwies. Nach seiner Darstellung

wurden die Szenen im kanadischen Bundesstaat Alberta gedreht, wo es gar keine Lemminge gibt. Die Filmemacher hatten die Tiere von Eskimokindern in Manitoba gekauft und dann zum Drehort geschafft. Um den Eindruck einer Massenwanderung zu erzeugen, wurden die Lemminge auf eine große, schneebedeckte Drehscheibe placiert, die dann in Rotation versetzt und aus allen möglichen Kamerawinkeln gefilmt wurde. Der Strom der Lemminge – nichts als eine »Schleife«, bei der immer wieder dieselben Tiere zu sehen sind. Und dann kommt der böse Teil der Geschichte. »Die Lemminge erreichen den tödlichen Abgrund«, raunt der Sprecher, »dies ist ihre letzte Chance zur Umkehr. Aber sie laufen weiter, stürzen sich in die Tiefe.« Aus einer dank perfekter Tiefenschärfe phantastisch anmutenden Kameraperspektive sieht der Zuschauer die Nager in die gähnende Schlucht eines Flußtales fallen, angeblich getrieben vom Todesinstinkt. Die Wirklichkeit war nach Vallees Recherchen erheblich profaner: Die Disney-Leute halfen nach, schubsten und warfen die wenig lebensmüden Lemminge in den Abgrund. In der Schlußeinstellung sieht man die sterbenden Tiere im Wasser treiben. »Langsam schwinden die Kräfte, die Willenskraft läßt nach, und der Arktische Ozean ist übersät mit den kleinen toten Leibern.«

Der Autor schließt entrüstet: »Von wegen Arktischer Ozean, von wegen nachlassende Willenskraft: Ein Massenmord an Tieren im Dienste der Illusionsfabrik Hollywood.« Beglaubigt und in Szene gesetzt wurde insgeheim bloß unsere eigene Suizidfaszination. ...



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Jörn Budesheim
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Mi 17. Feb 2021, 08:20

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Stefanie
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Mi 17. Feb 2021, 19:38

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Mi 17. Feb 2021, 07:38
Thomas Macho, in "das Leben nehmen" hat geschrieben :
... die Vorstellung von den Lemmingen, die sich zu Tausenden von den Klippen ins Meer stürzen, gehört zweifellos ins Reich der Phantasie. Weltweit verbreitet wurde der Mythos ausgerechnet durch einen Disney-Dokumentarfilm aus dem Jahr 1958: White Wilderness (Weiße Wildnis), in dem die »Massensuizide« der Lemminge eindrucksvoll gezeigt wurden. Doch hatten die Tierfilmer nachgeholfen, wie der Journalist Brian Vallee in einem Beitrag für das kanadische Fernsehen von 1983 nachwies. Nach seiner Darstellung

wurden die Szenen im kanadischen Bundesstaat Alberta gedreht, wo es gar keine Lemminge gibt. Die Filmemacher hatten die Tiere von Eskimokindern in Manitoba gekauft und dann zum Drehort geschafft. Um den Eindruck einer Massenwanderung zu erzeugen, wurden die Lemminge auf eine große, schneebedeckte Drehscheibe placiert, die dann in Rotation versetzt und aus allen möglichen Kamerawinkeln gefilmt wurde. Der Strom der Lemminge – nichts als eine »Schleife«, bei der immer wieder dieselben Tiere zu sehen sind. Und dann kommt der böse Teil der Geschichte. »Die Lemminge erreichen den tödlichen Abgrund«, raunt der Sprecher, »dies ist ihre letzte Chance zur Umkehr. Aber sie laufen weiter, stürzen sich in die Tiefe.« Aus einer dank perfekter Tiefenschärfe phantastisch anmutenden Kameraperspektive sieht der Zuschauer die Nager in die gähnende Schlucht eines Flußtales fallen, angeblich getrieben vom Todesinstinkt. Die Wirklichkeit war nach Vallees Recherchen erheblich profaner: Die Disney-Leute halfen nach, schubsten und warfen die wenig lebensmüden Lemminge in den Abgrund. In der Schlußeinstellung sieht man die sterbenden Tiere im Wasser treiben. »Langsam schwinden die Kräfte, die Willenskraft läßt nach, und der Arktische Ozean ist übersät mit den kleinen toten Leibern.«

Der Autor schließt entrüstet: »Von wegen Arktischer Ozean, von wegen nachlassende Willenskraft: Ein Massenmord an Tieren im Dienste der Illusionsfabrik Hollywood.« Beglaubigt und in Szene gesetzt wurde insgeheim bloß unsere eigene Suizidfaszination. ...
Jetzt bin ich baff. Unglaublich. Danke für das Schließen einer Wissenslücke. Über die Suizidfaszination muss ich noch mal nachdenken, erstmal verdaue ich Diese Info.

Ich habe den entsprechenden Filmausschnitt gefunden.
https://youtu.be/xMZlr5Gf9yY



Nur Prinzessinnen richten ihr Krönchen.
Königinnen ziehen ihr Schwert.
(Unbekannt)

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Mi 17. Feb 2021, 21:11

Ziemlich krass, oder?



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Stefanie
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Mi 17. Feb 2021, 21:19

Ich hätte noch einen drastische Bezeichnung, die nicht druckreif ist.



Nur Prinzessinnen richten ihr Krönchen.
Königinnen ziehen ihr Schwert.
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Jörn Budesheim
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Mi 17. Feb 2021, 21:23

:)



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Jörn Budesheim
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Do 18. Feb 2021, 06:50

ebenda hat geschrieben : Albert Camus ist 28 Jahre alt, als er 1942 – mitten im Weltkrieg – zwei seiner wichtigsten Bücher publiziert: den Roman Der Fremde und den philosophischen Essay Der Mythos des Sisyphos. Der Essay beginnt mit einem programmatischen Satz: »Es gibt nur ein wirklich ernstes philosophisches Problem: den Selbstmord ...



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Do 18. Feb 2021, 21:25

Thomas Macho, in "das Leben nehmen" hat geschrieben : Am 10. Januar 1917 schreibt der Philosoph Ludwig Wittgenstein – an der Ostfront des Ersten Weltkriegs – in sein Tagebuch: »Wenn der Selbstmord erlaubt ist, dann ist alles erlaubt.



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Do 18. Feb 2021, 21:28

Thomas Macho, in "das Leben nehmen" hat geschrieben : ein Londoner Gericht [verurteilte] am 9. Dezember 1941 die 29-jährige Jüdin Irene Coffee zum Tod durch den Strang, weil sie zwei Monate davor – gemeinsam mit ihrer Mutter – eine Überdosis von Schlaftabletten eingenommen hatte, um sich das Leben zu nehmen. Die Mutter starb, die Tochter überlebte und wurde nach geltendem Gesetz des Muttermordes angeklagt. Die Todesstrafe wurde erst im letzten Augenblick in eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt.



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Alethos
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Do 18. Feb 2021, 21:41

Da fragt man sich schon, wo bei diesem Urteil die Moral stecken soll...



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Alle lächeln in derselben Sprache.

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Jörn Budesheim
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Fr 19. Feb 2021, 06:29

Eine Antwort auf diese Frage folgt direkt auf den Abschnitt, den ich zitiert habe... allerdings ist das nur ein Aspekt, die Idee, dass wir uns nicht selbst gehören, scheint für viele Kulturen unmittelbar einleuchtend gewesen zu sein.
Die Polizei fand Lionel Henry Churchill mit einer Schusswunde in der Stirn, neben dem bereits teilweise verwesten Körper seiner Frau. Es ist schwer vorstellbar, wie emotional aufgewühlt er gewesen war. Er hatte versucht, sich im Bett der gemeinsamen Wohnung in Cheltenham das Leben zu nehmen und war gescheitert. Die Ärzte meinten, der 59-Jährige benötige eine medikamentöse Behandlung in einer psychiatrischen Klinik, aber die Behörden verweigerten die Zustimmung. Im Juli 1958 wurde er für sechs Monate inhaftiert, nachdem er des Suizidversuchs schuldig gesprochen worden war.

Diese Urteile erscheinen uns heute widersinnig. Sie wurden begründet mit der Strafwürdigkeit des Versuchs, der Krone einen Untertanen (oder dessen künftige Steuerzahlungen) zu entziehen, was nichts anderes heißt als: Das Leben gehört nicht uns selbst. Auf diese scheinbar evidente Feststellung haben sich die meisten religiösen, moralischen oder rechtlichen Suizidverbote der Geschichte berufen. Die Frage, ob der Suizid erlaubt sei oder verboten, lässt sich daher in die Frage transformieren, wem unser Leben eigentlich gehört. »Sich selbst gehören« heißt das vierte Kapitel von Jean Amérys berühmtem Plädoyer für den Freitod. Darin behauptet er als »Grundtatsache, daß der Mensch wesentlich sich selbst gehört ...



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Fr 19. Feb 2021, 10:24

Alethos hat geschrieben :
Do 18. Feb 2021, 21:41
Da fragt man sich schon, wo bei diesem Urteil die Moral stecken soll...
Na, da ist sie doch. Das passiert, wenn man vor lauter Moral vergisst zu denken. Dann wird Moral einfach durchgezogen, egal wie widersinnig das ist.



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