Empathie

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Jörn Budesheim
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So 30. Okt 2022, 15:25

Joachim Bauer hat geschrieben : Wenn wir unsere gefährdete Erde vor dem ökologischen Untergang bewahren wollen, dann wird es nicht ausreichen, weiterhin nur ständig die Tatsache ihrer Gefährdung zu verkünden. Was uns, die Menschen in den westlichen Ländern, daran hindert, sich auf die anstehenden, ökologisch dringend gebotenen Veränderungen unserer Lebensweise einzulassen, ist eine tief reichende Störung unserer Empathie – und unserer »Beziehung zur Welt«, wie sie der Soziologe Hartmut Rosa in seinem Standardwerk Resonanz benennt.




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Burkart
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So 30. Okt 2022, 23:40

Sind denn östlichere Länder wie z.B. Russland oder China oder auch der Nahe Osten besser?



Der Mensch als Philosophierender ist Ausgangspunkt aller Philosophie.

[Allgemeine, starke KI wird kommen - die Frage ist nur, wann... und was man darunter genau versteht...]

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Jörn Budesheim
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Mo 31. Okt 2022, 06:34

Bild

Ebenfalls gefunden bei Joachim Bauer in dem Buch "Fühlen was die Welt fühlt.

"Personen beiderlei Geschlechts mit einem Durchschnittsalter von 37,5 Jahren wurden anhand von ihnen vorgelegten Farbbildern gefragt, inwieweit sie sich in der Lage fühlten, die Gefühle oder Emotionen des ihnen gezeigten Lebewesens zu verstehen (»Empathic Perception«, hier mit »Einfühlung« übersetzt), oder inwieweit sie, vor die Wahl gestellt, bereit wären, das Leben dieses Lebewesens zu schonen (»Compassionate Reaction«, hier mit »Anteilnahme« übersetzt). Vorgelegt wurden Bilder von 52 Spezies, davon 47 Tierspezies inklusive Mensch, vier Pflanzenspezies und ein Pilz. Hier abgebildet sind nur die Werte für einige ausgewählte Spezies. Die beiden Pflanzenspezies sind hervorgehoben. »Empathic Perception« und »Compassionate Response« wurden jeweils auf einer Skala von 0 (Minimum) bis 1 (Maximum) abgebildet. Auffallend ist, dass der Mensch auf beiden Skalen nicht an erster Stelle steht (Miralles et al., 2019)."




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Jörn Budesheim
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Mo 31. Okt 2022, 07:01

Erstaunlich, dass die Versuchspersonen eher das Gefühl hatten, die Emotionen eines Orang-Utans zu verstehen als diejenigen eines Menschen!




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Burkart
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Mo 31. Okt 2022, 10:05

Vielleicht liegt es daran, dass einige Menschen ihre Emotionen bewusst verbergen oder einfach nicht zeigen können/wollen?



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Stefanie
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Mo 31. Okt 2022, 22:50

Ich habe ein Verständnisproblem mit "inwieweit sie, vor die Wahl gestellt, bereit wären, das Leben dieses Lebewesens zu schonen". In der Tabelle steht dann, wenn das Lebewesen in Lebensgefahr wäre, würde ich dessen Leben schonen.
Was für ein Fall ist gemeint? War die Wahl, das Lebewesen zu töten, wenn es in Lebensgefahr ist, oder es am Leben lassen?
Die Fragestellung im Text ist anders, als die Beschreibung in der Tabelle.



Nur Prinzessinnen richten ihr Krönchen.
Königinnen ziehen ihr Schwert.
(Unbekannt)

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Jörn Budesheim
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Di 1. Nov 2022, 06:38

Dazu kann ich leider nichts sagen, ich vermute handelt sich um ein Übersetzungsproblem. Im Text drumherum lesen wir folgendes:

Getestet wurde zum einen die Einfühlung, also die Fähigkeit, sich vorzustellen, wie ein nicht menschliches Lebewesen sich fühlt, zum anderen die Anteilnahme oder »Compassion«, also die Bereitschaft, für das Wohlergehen dieses Lebewesens etwas zu tun. Gegenüber insgesamt 52 verschiedenen Lebewesen zeigten die Versuchspersonen sowohl Einfühlung als auch Anteilnahme, allerdings – wie zu erwarten – in unterschiedlichem Ausmaß. Das Maß der Empathie war abhängig davon, wann in grauer Vorzeit sich unser eigener evolutionärer Stammbaum von dem des jeweiligen anderen Lebewesens getrennt hatte (siehe Tabelle 1 mit den Empathie-Werten gegenüber einigen ausgewählten der insgesamt 52 getesteten Lebewesen). Die Ergebnisse der hochrangig publizierten Studie zeigen, dass Menschen sowohl gegenüber Tieren als auch gegenüber Pflanzen – und hier insbesondere gegenüber Bäumen – Empathie empfinden können. Sich in andere Lebewesen einfühlen zu können und insofern zu fühlen, was die Welt fühlt, war für unsere Vorfahren in mehrfacher Hinsicht überlebenswichtig. Nicht nur das Verhalten von Tieren musste richtig gedeutet, auch ortsgebundene Lebewesen wie Pflanzen und Bäume mussten hinsichtlich ihrer Bedeutung für den Menschen und ihres Zustandes richtig eingeschätzt werden. Die Beziehung des nicht sesshaften Menschen zur Natur beschränkte sich jedoch nicht nur auf Lebewesen. Landschaften, Berge, Täler, Wasserläufe und Seen waren – genauso wie Tiere und Pflanzen – Elemente einer ganzheitlichen, holistischen Welt, als deren Teil sich der Mensch empfand.3 Die Natur war, bevor der Mensch vor rund 12 000 Jahren mit Ackerbau und Viehzucht begann, noch kein utilitaristischer, der Ausbeutung unterworfener Bewirtschaftungsraum. Sie war eine Lebenswelt, zu welcher der Mensch – als ein Akteur unter vielen – selbst gehörte. Die Natur war jedoch nicht nur Gegenstand menschlicher Einfühlung. Sie dürfte, so meine Hypothese, auf einer intuitiven, unbewussten Ebene auch ihrerseits vom Menschen als einfühlend erlebt worden sein. Dass sie Quellen der Gefahr – Raubtiere, giftige Lebewesen wie Schlangen und Skorpione und giftige Pflanzen – beherbergte, steht dazu nicht im Widerspruch. Denn ungeachtet ihrer Gefahren war die Natur für den sammelnden und jagenden Menschen der überwölbende Lebensraum, der ihm alles, was er zum Überleben benötigte, bedingungslos gab ...




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Jörn Budesheim
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Di 1. Nov 2022, 06:41

Wenn man der Ansicht ist, dass es in der Philosophie im Wesentlichen darum gehen sollte, inwiefern uns die uns umgebende Welt verschlossen ist, dann ist natürlich schwierig, einen Zugang zum Begriff "Empathie" zu bekommen :)




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