Staunen

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Stefanie
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Sa 11. Mai 2019, 21:32

Ich denke, dass man die Zeitlichkeit des Staunens, als einen dauernden Moment beschreiben kann, als sein Innehalten im Moment
https://www.deutschlandfunkkultur.de/ue ... _id=443013



Nur Prinzessinnen richten ihr Krönchen.
Königinnen ziehen ihr Schwert.
(Unbekannt)


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Jörn Budesheim
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Mi 15. Mai 2019, 05:47

in meinem Handbuch der philosophischen Grundbegriffe gibt es zu "Staunen" keinen Eintrag; das Wort kommt im gesamten Buch nur einmal vor! Und zwar in dem Artikel über Unendlichkeit.

Dort heißt es: "G. W. Leibniz führte den Begriff des aktual Unendlichen ein, den der junge I. Kant aufgreift. Wie den vorhergehenden Philosophen vor allem die räumliche Unendlichkeit in Ausdehnung und Teilung, so wird ihm jetzt insbesondere die Unendlichkeit der niemals abbrechenden Entwicklung ein unmittelbarer Ausdruck Gottes. »Ich finde nichts, das den Geist des Menschen zu einem edleren Erstaunen erheben kann«, indem er von der »Aussicht in das unendliche Feld der Allmacht« durch eine Theorie spricht, »die die sukzessive Vollendung der Schöpfung betrifft.« (Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels, 7. Hauptst.)"



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Jörn Budesheim
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Mi 15. Mai 2019, 06:17

NN bei Facebook hat geschrieben : Die Menschheit ist auch Natur. Alles was der Mensch tut, ist also natürlich. Und wenn er sich selbst damit ausrottet, ist halt mal wieder eine Spezies ausgestorben. Danach geht‘s Millionen Jahre ohne uns weiter.
Das Gegenstück zum Staunen ist vielleicht das Achselzucken. Na und? "Danach geht‘s Millionen Jahre ohne uns weiter." Dieses Achselzucken versteht sich vielleicht sogar als ein Stück aufgeklärtes Denken. Die Welt als Ganze ist entzaubert, zu staunen gibt es dann nichts. Alles ist Natur, alles ist natürlich, nichts davon ist erstaunlich ... Isso!

Die Autorin fügt das Staunen in ein Wortfeld ein: "Erstaunen, Staunen, Verwunderung, Bewunderung" - das Achselzucken verliert all das - insbesondere natürlich die Bewunderung: Menschen? Nichts als eine weitere Spezies, die aussterben wird. Das Wunder des Lebens? Nur ein natürlicher Prozess... Dem big bang folgt der big Crunch und das war's dann. Hier gibt es nichts zu sehen, gehen Sie weiter!

Das fügt sich recht gut in die kurze Sequenz des Artikels zu Rene Descartes. Das Staunen soll immer kurz sein! Es soll nicht "nachhaltig" sein, er soll sich selbst möglichst schnell abschaffen, indem man dem Phänomen auf den Grund geht, es erforscht, es entzaubert. An anderer Stelle des Artikels wird das Staunen sogar mit dem Aberglauben verbunden, und das möchte man als aufgeklärte Menschen natürlich nicht...



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Jörn Budesheim
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Mi 15. Mai 2019, 06:33

"Am Anfang der Philosophie steht das Staunen." Und was soll am Ende stehen?



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Jörn Budesheim
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Stefanie
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Do 16. Mai 2019, 22:08

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Mi 15. Mai 2019, 06:33
"Am Anfang der Philosophie steht das Staunen." Und was soll am Ende stehen?
Gibt es denn ein Ende?
Das persönliche Ende, also der eigene Tod ja, aber doch nicht das Staunen der Menschen über was auch immer.

Die Lösung eines Phänomens, über das man gestaunt hat, kann doch auch wieder ein Staunen hervorbringen, oder etwa nicht?



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Stefanie
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Sa 15. Jun 2019, 20:11

Zufallsfund, ein Artikel über das Staunen.
Und ein Gedanke von Hannah Arendt:
Wenn das Staunen der Anfang des Denkens ist, dann ist der Denker immer der Zuschauer. Das Schauspiel der Welt zu bestaunen bedeutet: Ich ziehe mich von der Welt zurück, um sie wie ein Schauspiel zu betrachten - bei den Griechen, als ob ich göttlich wäre; bei Kant: als wäre ich der Richter; in beiden Fällen nach Unsterblichkeit streben- als wäre ich keine bloße Erscheinung, als würde ich nicht verschwinden. Im Schauspiel versunken, vom Staunen erfüllt, befinde ich mich über allen Erscheinungen und habe meinen Standpunkt meine Meinung, verloren, besser: aufgegeben. Ich Urteile nun, als wenn ich nicht teilnähme. Diese "Unparteilichkeit"(nicht Teil, nicht Partei zu sein) ist vielleicht "unmenschlich".
November 1970, Denktagebuch seite 797



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