Akademische Affenliebe, Habermas und Tomasello im Gespräch - ein Bericht

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Jörn Budesheim
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Sa 30. Jun 2018, 06:12

Zeit.de hat geschrieben : Akademische Affenliebe

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Menschen und Menschenaffen sind einander fremder, als man denkt: Eine Leipziger Diskussion zwischen dem Philosophen Jürgen Habermas und dem Kulturanthropologen Michael Tomasello.

Je länger Forscher unsere nächsten Verwandten betrachten, desto menschlicher schauen sie zurück. Affen sind unglaublich intelligent, sie haben ein Ich-Bewusstsein, sie erkennen die Absichten anderer und empfinden Schmerz und Trauer. Gewiss, auch Affen können grausam sein. Aber sie sind keine Massenmörder; sie rotten ihre Artgenossen nicht planvoll aus oder zerstören absichtlich ihren eignen Lebensraum. Affen haben alle Chancen, die tollen Menschentiere zu überleben.

Der in Leipzig forschende Kulturanthropologe Michael Tomasello ist ein Bewunderer der nicht menschlichen Primaten, und die Experimente, die er mit diesen fabelhaften Wesen angestellt hat, sind zu Recht berühmt. Andererseits geht Tomasello die akademische Affenliebe mancher Kollegen gehörig auf den Geist. Ihn ärgert, dass sie den Unterschied zwischen Mensch und Tier nicht ernst genug nehmen und das Alleinstellungsmerkmal von Homo sapiens nicht hinreichend würdigen: Während Affenkinder "egozentrisch" bleiben, sind Menschenkinder schon mit neun Monaten in der Lage, durch Zeigegesten auf ein Objekt zu verweisen und mit der Mutter eine gemeinsame Wahrnehmung zu teilen. Menschen, so heißt das, erzeugen eine symbolische Welt. Sie verfügen über eine ausgeklügelte Sprache, sie können sich in andere hineinversetzen und über gemeinsame Ziele verständigen.

https://www.zeit.de/2014/26/habermas-to ... tgespraech



"Nichts ist menschlicher als der Wunsch, kein Mensch zu sein!" (Stanley Cavell)

"Die meisten Menschen würden leichter dahin zu bringen seyn, sich für ein Stück Lava im Monde, als für ein Ich zu halten." (Fichte)

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