Robert Brandom im Gespräch mit Carlo Penco

Es gibt im Netz zahllose spannende Interviews mit Philosophen aller Couleur. Hier ist der Ort sie zu diskutieren.
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Registriert: Di 12. Sep 2017, 17:00

Sa 2. Jun 2018, 05:32

Januar 1999 wurde Robert Brandom zu einem Gastseminar an der Universität von Genua eingeladen. Bei dieser Gelegenheit entschieden wir uns zu einem kurzen Interview über allgemeine Probleme seines philosophischen Ansatzes. Dieses Interview war zunächst für die allgemeine Öffentlichkeit gedacht; angesichts der Bedeutung der diskutierten Themen für die Erkenntnistheorie haben wir uns entschieden, das Interview in der Zeitschrift „Epistemologia“ zu publizieren.

Carlo Penco

Frage: Viele Leute möchten wissen, wie viel Sie von Ihrem früheren Lehrer Richard Rorty übernommen haben und inwieweit Sie in eine andere Richtung gegangen sind. Welches sind die Hauptunterschiede zwischen Ihrer und seiner Philosophie?

Brandom: Von Rorty habe ich die normativ-pragmatische Einsicht übernommen, dass alle Belange von Autorität und Verantwortung letztlich Belange der gesellschaftlichen Praxis sind und niemals der Ontologie (d.h. niemals nur eine Frage des Soseins der Dinge in einer nicht-menschlichen Welt). Rorty hat aus dieser Art Pragmatismus einige radikale Schlüsse gezogen: So wie wir unsere moralischen Urteile nicht mit der nicht-menschlichen Autorität eines Gottes begründen sollten, so wenig sollten wir unsere empirischen Urteile nicht begründen mit der nicht-menschlichen Autorität einer externen Welt. Für Rorty ist alles, was uns bindet oder verpflichtet, zurückzuführen auf die Erfordernisse unseres gesicherten Einvernehmens und unserer Kooperation. In meinem Buch „Making It Explicit“ bin ich - unter anderem - damit befasst, die spezielle Struktur der sozialen Praxis zu beschreiben, die darin besteht, dass wir den Dingen, über die wir nachdenken, eine Art Autorität über die Richtigkeit unseres Denkens einräumen. [Freier übersetzt: …dass wir die Dinge, über die wir nachdenken, über die Richtigkeit dieses Denkens autoritativ entscheiden lassen.] Die Autorität dieser Dinge ist unser Werk, aber dadurch ist sie nicht einfach unsere Autorität.

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Quellen:

Original: http://www.dif.unige.it/epi/review.htm
Übertragung ins Deutsche: Hermeneuticus https://www.philosophie-raum.de/index.p ... Interview/




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