Ist das Weltall stumm?

In desem Forum kann die Philosophie des deutschen Philosophen Hans Blumenberg diskutiert werden.
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Jörn Budesheim
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Sa 5. Okt 2019, 07:04

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Diese Zeichnungen und der Titel des Threads haben sich direkt aus meiner bisherigen Blumenberg Beschäftigung und Lektüre ergeben. Ich habe sie während der Betrachtung des Films von Burghard Schlicht und Franz-Josef Wetz zu Hans Blumenberg (zu ende) gezeichnet.



"Nichts ist menschlicher als der Wunsch, kein Mensch zu sein!" (Stanley Cavell)

"Die meisten Menschen würden leichter dahin zu bringen seyn, sich für ein Stück Lava im Monde, als für ein Ich zu halten." (Fichte)

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Jörn Budesheim
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Dazu gab es bei Facebook, wo ich das Bild auch gepostet habe, ein paar Bemerkungen, die ich hier zitieren will:

"Nein, Gott schweigt aus Scham was er produziert hat" (Uwe Retting)

"...woher dieses Wissen ? ;)" [Gemeint ist das Wissen, dass es keinen Gott gibt] (Konrad Nachtwey)

"Wenn Gott 'ist', ist Gott absolut (von lat. absolutum, „das Losgelöste“). Dann 'ist' er aber nicht in dem Sinne wie das Universum ist. Gott hat keine Relationen zu etwas das 'ist'. Nicht einmal zu sich selbst um 'Sein' festzustellen. Sein 'Sein' ist ein Anderes Sein als das des Universums, oder unseres. Darum das Schweigen..." (Thomas Peschken)

Darauf habe ich folgende Antwort gegeben, die sich im Grunde auf meine bisherige (sehr kurze und dürftige) Erfahrung mit Blumenberg und Kommentaren, insbesondere den Film, bezieht:

"In der Literatur spricht man vom lyrischen Ich. Dieses Ich ist nicht identisch mit dem Autor, es kann auch ein fiktives Ich sein. Es ist zwar natürlich so, dass ich die Texte selbst auf meine Bilder schreibe, aber es handelt sich manchmal um Zitate, Fundstücke, allgemeine Topoi, allgemeine Bemerkungen, Quatsch und Absurditäten und vieles andere mehr. Manchmal sind es jedoch auch persönliche Dinge, vielleicht sogar wie in einem Brief. Das ist von Fall zu Fall verschieden.

Der Gedanke, dass wir selbst nicht im Zentrum des kosmischen Geschehens stehen, dessen Adressat wir gar sind, ist so ein allgemeiner Topos. Man stellt sich heute "im allgemeinen" wohl ein kaltes, leeres, stummes Universum vor, statt einem wohlgeordneten Ganzen, nämlich einem Kosmos, welches von einem Schöpfer stammt, der uns "meinte". In diesem Fall hat das ganze einen Sinn, nämlich den, den Gott ihm gegeben hat.

Die Frage, die man sich stellen könnte, ist, ob diese Alternative zwingend ist. Vielleicht ist das Universum im oben skizzierten Sinne gar nicht stumm, obwohl kein Schöpfer ist?

Nach meiner Vorstellung, damit bin ich natürlich auf sehr dünnem Eis, ist die Idee, dass das Universum nicht spricht, ein halbierter Glaube. Das heißt, der Grundgedanke, dass der Sinn des Weltall am Schöpfer hängt, ist in diesem Gedanken noch vorhanden. Es drängt sich also nur von daher auf. Hinzu kommt die "Folgerung", dass das Universum, wenn man den Schöpfer durchstreicht, verlassen ist, also das einzige ist, was es überhaupt gibt. So dass man am Ende vor der Alternative zwischen Immanenz und Transzendenz steht."



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Jörn Budesheim
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Sa 5. Okt 2019, 09:08

Am Anfang des Filmes heißt es sinngemäß, dass Blumenberg dafür plädierte, dass wir uns die letzten Fragen nicht verbieten lassen sollen. Es gibt heute eine Reihe von Philosophen, die nicht auf einem religiösen Fundament aufsitzen und die dennoch in Frage stellen, ob man dem Universum tatsächlich alles Teleologische austreiben kann. Der Film hat in mir den Eindruck erweckt, dass Blumenberg jedoch diese Voraussetzung akzeptiert. Also die Voraussetzung, dass wir ein kosmischer Zufall sind, dass das Universum uns nicht gemeint hat oder wie immer man es formulieren möchte.



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Alethos
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Sa 5. Okt 2019, 11:04

Das sind alles wichtige Fragen, und sie stellen sich uns zwangsläufig: Was soll das Ganze (ist es ein Kosmos im
Sinne eines geordneten Ganzen?)? Was tun wir hier und wieso sind wir entstanden? Sind wir alleine hier?

Vielleicht kann man die Frage nach der 'Stummheit des Weltalls ohne Gott' auch anders stellen: Wie stumm ist es da draussen ohne uns Menschen? "Gäbe es noch Sprache und Bedeutung, gäbe es Gespräche und laut gewordene Gedanken ohne uns? Gäbe es da Leben, das mit sich spricht?"

Das Weltall kann nicht stumm sein. Solange wir reden, dann reden wenigstens wir. Und solange Kühe muhen und Bienen summen, solange klingt das Leben laut. Aber was wäre, wenn das alles verstummte? Würde es irgendwo 'da draussen' noch etwas geben, das nach Leben klingen kann? Das ist doch eigentlich unsere Hoffnung, dass das Leben sich, wie immer es sich gebärdet, über das Ganze des Kosmos ausstrecken möge und dass unsere Gedanken sich nicht ans Nichts richten, sondern an dieses Leben des Universums überhaupt. "Das lebendige oder das tote Universum?", das ist hier die Frage.

Wir sind unvollkommen, wenn wir uns in der 'Form unseres Lebewesenseins als Menschen' allein begreifen. Lebendigsein heisst apriori in einem ökologischen Verbund begriffen zu sein und die Frage ist, ob die Ökologie an der Grenze des Terrestrischen Halt macht oder sich denken lässt als das ganze Weltall umspannend. Ohne dieses 'wirklich Ganze der Ökologie' ist das Irdische bloss eine unvollkommene Sphäre, eine im Bedeutungsleeren aufflackernde Scheinvollkommenheit. Ein autopoietisches System ohne Anschlussfähigkeiten. Wir sind erst vollkommen ganz, wenn wir eine grössere Ganzheit ins Weltall projizieren können und sie als Idee in mannigfaltiger Weise zurück klingen kann, z.B. als Idee von Gott, als Idee von der am absoluten Anfang stehenden Singularität, von der Ewigkeit, von der Unendlichkeit: Immer ist es eine grössere Ganzheit herstellende Hoffnung. Kein Anthropozentrismus kann sich selbst genügen, wie überhaupt kein Zentrismus uns je genügen kann. Wir sind aus der Vielheit geworden, und das impliziert eine 'exzentrische Positionalität', d.h. dass wir uns selbst als Individuen (kleinste autopoietische Bewusstseinssysteme) gegeben sind aus der Optik der Zweiheit oder Vielheit. Dass das Weltall klingen muss, ist nicht zuletzt eine Konsequenz dieses Gegebenseins unserer selbst als Gegenüber, auf das wir gerichtet sind als Fragende. Wir ergeben nur Sinn, wenn dieses Wir nicht die Einsamkeit dieses Wirs als Menschen allein meint, sondern in einem grösseren Verbund begriffen ist. Deshalb klingen unsere Menschheitsfragen in der Stille unserer Alleinheit hinaus ins Weltall und greifen nach einem Lebendigen aus, auf dass sie in ihm widerhallten.

Wir sind allein auf diesem Planeten mit allen Arten und Gattungen, aber der Resonanzkörper Erde, er kreist in Einsamkeit um diesen hellen Kern, wenn da nicht dieses Feuer, diese Helligkeit, diese nicht verstummte Hoffnung wäre, dass wir nicht allein seien, die laut sind. Wenn es also etwas gibt, das wir uns nie vorstellen können, dann nicht, dass das Universum endlich oder unendlich sei, es Gott gebe oder nicht gebe, viele Welten gebe oder nur eine, sondern, dass wir das Einzige seien in diesem riesigen Raum, das lebt.

Alles ist nichts ohne diese Hoffnung, wie immer sie sich ausdrückt, es ist eine Hoffnung, dass wir nicht alleine sind. Es ist die Hoffnung, dass das Weltall spricht. Auch dann, wenn wir verstummen.



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Jörn Budesheim
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»Weißt du, wieviel Sternlein stehen? / Gott, der Herr, hat sie gezählet / Daß ihm auch nicht eines fehlet / Von der ganzen großen Schar«



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Mo 23. Nov 2020, 07:37

Morgens aufstehen, Kaffee trinken, wie groß ist der Zirkel dessen Zentrum man ist? Nicht groß. Es gibt 8 Milliarden Menschen. Auf einem kleinen Planeten, in einem kleinen Sonnensystem, am Rande irgendeiner Galaxis, die ihrerseits nur eine von vielen ist.



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Jörn Budesheim
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Mo 23. Nov 2020, 07:39

„Frist“ von Günter Kunert


Und Sonne war und fiel heiß auf sie nieder
Und fiel auf mich der ich doch bei ihr war.
Die Wellen gingen fort und kamen immer wieder
Zurück voll Neugier zu dem nackten Paar.
Ein wenig Fleisch auf soviel Sandgehäufe
Ein wenig Frist in ziemlich viel Unendlichkeit
Ein wenig Leben und zwei Lebensläufe
Darüber Sonne und darunter Dunkelheit.



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Di 24. Nov 2020, 06:10

Franz Josef Wetz hat geschrieben : Das Weltall und seine funkelnden Sterne können sich einem bis heute als etwas Großartiges erschließen, und seine Größe, Struktur, Entwicklung, Komplexität sowie die unbegründbare Faktizität des Ganzen können durchaus begeistern und faszinieren. Wo immer dies geschieht, dort weicht das Entsetzen über das jeder höheren Bedeutung beraubte All einem Gefühl für seine völlige Unselbstverständlichkeit und Besonderheit. Doch hierzu muss, befreit von der Hektik des Alltags, erst einmal der interesselose Blick den Weg nach oben zum sternenklaren Nachthimmel finden. Auf den ausgetretenen Wegen der Gewohnheit und Routinen übersehen wir nicht nur die meisten Dinge, wir sehen meistens auch nur die Dinge um uns, nicht aber die Sterne über uns.
Wir müssen den Kopf heben, um zu den Sternen zu sehen, nichtsdestotrotz sind sie natürlich nicht über uns, sondern ebenso links, rechts, vor, hinter und unter uns :)



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Jörn Budesheim
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Di 24. Nov 2020, 07:51

Schräge Sphärenklänge: zwar leben wir in der Vorstellung, das Weltall sei stumm, doch gleichzeitig glauben wir, es sei in einen großen Urknall entstanden :)



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sokrates_is_alive
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Di 24. Nov 2020, 20:27

Stumm sein bedeutet wohl für verschiedene Wissenschaftler etwas anderes.

"Stumm" könnte im übertragenen Sinne bedeuten, dass es uns nicht unmittelbar über ein übergeordnetes Etwas Auskunft gibt, welches zwar nicht unmittelbar als solches erkennbar ist, aber die Existenz einer Ordnung und ihrer Gesetzmäßigkeiten als Beweis für etwas Planendes im Hintergrund bewertet wird. Dann hätten wir so etwas wie ein beredetes Schweigen.

Für einen Astrophysiker ist das Universum nicht stumm, sondern die kosmische Hintergrundstrahlung wird als Nachhall des Urknalls gesehen. Also könnte man die Hintergrundstrahlung als Sprache des Universums bezeichnen.

Für einen Astrochemiker geben die verschiedenen nachweisbaren Stoffe, ihre Zusammensetzung und Eigenschaften geradezu redselig Auskünfte über Vergangenheit und mögliche Zukünfte - auch eine Form von "Sprache" ?



"Der Teufel ist ein Optimist. Er glaubt, er könnte die Menschen schlechter machen." (nach Karl Kraus) :roll:

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Jörn Budesheim
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Mi 25. Nov 2020, 06:20

sokrates_is_alive hat geschrieben :
Di 24. Nov 2020, 20:27
Für einen Astrophysiker ist das Universum nicht stumm, sondern die kosmische Hintergrundstrahlung wird als Nachhall des Urknalls gesehen. Also könnte man die Hintergrundstrahlung als Sprache des Universums bezeichnen.
Schöner Beitrag! Danke.

Daran, dass man den Urknall gewissermaßen noch bis heute "hört" - ich meine mal gelesen zu haben, in älteren Fernsehgeräten konnte man ihn im Rauschen auch "sehen" - habe ich auch schon gedacht. Als man das Hintergrundrauschen bemerkte, dort wo man eigentlich Stille erwartet hatte, dachte man zunächst, es handle sich vielleicht um Taubenschiss in der Antenne, also dem mechanischen Ohr, das man ins Weltall richtete.

Eine erstaunliche Wendung: Hatte man "kurz zuvor" noch geglaubt, die Sphärenklänge seien ein Zeichen höherer Ordnung, dachte man nun, das was man dort hört, rühre in Wirklichkeit von Kot :) Wie auch immer: wenn das Hintergrundrauschen die Sprache des Universums ist, haben wir es dann nicht nur mit einer anderen Form von Stummheit zu tun? Denn ist nicht "Rauschen" der "Gegenbegriff" zur "Information"?

Das Weltall sagt uns nichts, es spricht uns nicht an. (So könnte man die Idee, dass das Weltall stumm ist, ja auch formulieren.)



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Alethos
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Sa 28. Nov 2020, 10:11

Stummheit, Klänge.

Wir sind es uns gewohnt, dass Dinge klingen, und sie klingen, weil Schallwellen die Stille durchbrechen. Schallwellen aber brauchen Gase, ein Medium. Schall breitet sich im Gasmeer der Atmosphäre aus. Das ist, was wir die Nichtstille nennen: Dass da, in diesem Medium, Wellen auf und ab gehen.. und auf einen Empfänger treffen. Es gibt im Universum aber nur Vakuum - keine Chance für meinen Gesang. Und auch, wenn ich aus Verzweilfung laut schreien würde, es klänge nicht. Du würdest es nicht hören, dass ich mit dir rede, weil kein Medium uns verbindet.

Aber Schweigen, das ist nochmals etwas anderes als Stille. Wenn du schweigst, obwohl ich dich hören möchte, dann klingt das alles laut. Dein Schweigen klingt laut. Stummheit ist ein lautes Treiben des Wegfalls deines Mitseins in mir als Klingendes. Aber wenn du schweigst, dann bist du nicht stumm, sondern nur leise, weil du eben nicht hörbar bist, aber da - in vollster Abwesenheit deines Klangs anwesend in deinem Klingenkönnen: als Möglichkeit, es zu tun.

Und darum denke ich, dass das Weltall nicht stumm ist: es klingt in ihm das grosse Schweigen. Wessen Schweigen, fragst du?
Ich weiss es nicht.



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Jörn Budesheim
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Sa 28. Nov 2020, 11:42

Sehr schön.



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Jörn Budesheim
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Sa 28. Nov 2020, 13:48

„Wer, wenn ich schriee, hörte mich denn aus der Engel Ordnungen? Und gesetzt, es nähme mich einer plötzlich ans Herz: ich verginge von seinem stärkeren Dasein. (…) Ach, wen vermögen wir denn zu brauchen? Engel nicht, Menschen nicht, und die findigen Tiere merken es schon, dass wir nicht sehr verlässlich zu Haus sind in der gedeuteten Welt.“

(Textauszug aus der Ersten Duineser Elegie, Rainer Maria Rilke)



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Stefanie
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Sa 28. Nov 2020, 22:35

Aus dem Text von Franz Josef Wetz
...dort weicht das Entsetzen über das jeder höheren Bedeutung beraubte All einem...
Meint er damit, die religiöse Vorstellung, im All wohne Gott? Darüber wird/wurde das All definiert?



Nur Prinzessinnen richten ihr Krönchen.
Königinnen ziehen ihr Schwert.
(Unbekannt)

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Jörn Budesheim
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So 29. Nov 2020, 06:44

Ich habe die beiden Beiträge "Ist das Weltall Sturm?" und "Weißt du wieviel Sternlein stehen?" zusammengeführt, weil sie letztlich vom selben handeln.



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Jörn Budesheim
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Stefanie hat geschrieben :
Sa 28. Nov 2020, 22:35
die religiöse Vorstellung, im All wohne Gott
Der Legende nach soll der Kosmonaut Juri Gagarin im Interview gesagt haben, dass er Gott im All nicht gefunden habe. Das ist vielleicht eher ein Bild dafür, wie sich Atheisten Religion vorstellen und weniger die wirkliche Vorstellung von Religionen.

Ich schätze, Wetz meint an der Stelle die Entwicklung der Vorstellung des "Weltraums vom sinnerfüllten Kosmos zum stummen Universum".



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NaWennDuMeinst
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So 6. Dez 2020, 12:49

Hm. Das ist erstaunlich. Die einen meinen das Weltall sei stumm. Wenn ich zu den Sternen blicke habe ich eher das Gefühl, dass es mich ruft.
Die Ferne ruft so laut, dass es fast schmerzt. Aber man muss wohl auch die Ohren dafür haben.



But I, being poor, have only my dreams; I have spread my dreams under your feet;
Tread softly because you tread on my dreams.
(William Butler Yeats)

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