Das Verhältnis von Fantasie und Logos

In desem Forum kann die Philosophie des deutschen Philosophen Hans Blumenberg diskutiert werden.
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Jörn Budesheim
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Das gefällt mir! Lasst uns nur das Wort "neu" streichen und damit beginnen :) alternativ: wir können das hier erst einmal zwischenlagern und später sehen, was Blumenberg dazu zu sagen hat. Denn das finde ich spannend!



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Alethos
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So 6. Okt 2019, 13:28

Ich bin froh, hast du diesen Abschnitt hier isoliert. Das ist einer der Passagen, die ich nicht so recht verstehe.

Was ist mit "katalysatorischer Sphäre" gemeint? "Was bedeutet "Substrat der Transformation ins Begriffliche"?



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Jörn Budesheim
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So 6. Okt 2019, 13:47

Ich verstehe das ungefähr so: die Gebilde der Fantasie (z.b. Kunstwerke) sind nicht nur eine Art Grund, die gleichsam darauf warten, ins Begriffliche (was immer das ist) umgewandelt und übersetzt zu werden - Stück für Stück bis sie verschwunden sind. Danach hätten sie ihre Schuldigkeit getan und lägen nun in verbesserter Form vor.

Stattdessen sind sie (so wie sie sind) ein Bereich eigenen Rechts, der aber in den Bereich des Begrifflichen hinein wirken, ihn bereichern, umformen und transformieren kann, aber selbst nicht aufgegeben wird. Die Beziehung kann natürlich in beide Richtungen gehen und strenge Grenzen kann man sich hier sicherlich nicht vorstellen.

Das ist natürlich erstmal eine sehr grobe Skizze und müsste vor allem mit Beispielen illustriert werden.



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Jörn Budesheim
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So 6. Okt 2019, 16:34

Handbuch der philosophischen grundbegriffe hat geschrieben : Logos, gr., in der gr. Grammatik die in Buchstaben darstellbare menschliche Rede, die in Sätze, Satzteile, Wörter, Silben und Laute zerfällt; in der gr. Rhetorik die Rede, die Prosaerzählung, die Fabel einer Dichtung; in der gr. Logik der Aussagesatz, das logische Urteil, auch die Definition und der definierte Begriff; in der gr. Psychologie und Metaphysik die im Menschen, dem ↑Mikrokosmos, enthaltene, die übrigen Seelenteile leitende und beherrschende Vernunft als ausgesprochener oder unausgesprochener Gedanke, die als ein Teil, eine Absplitterung (apospasma) der den ↑Makrokosmos beherrschenden und durchdringenden Weltvernunft aufgefaßt wurde und in der gr. Theologie als der oberste Gott selbst oder als dessen erste und höchste Kraft galt. Wahrscheinl. angeregt durch die Theologie des jüd.- griech. Philosophen Philo (geb. um 25 v. Chr.), der im L. das schöpferische Wort des alttestamentarischen Gottes und dessen die Welt erzeugende und durchdringende Vernunft sah, gelangte der Begriff über den Prolog des Johannesevangeliums (Kap. 1) und hierdurch in die christl. Theologie und Philosophie, wo der L. als Gottes Wort und Schöpferkraft, Christus als das fleischgewordene Wort, aber auch im Sinne der gr. Philosophie als die Weltvernunft, als der alle Ideen in sich enthaltende und verwirklichende Schöpfungsgedanke Gottes gilt (vgl. ↑nous, ↑Demiurg).



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Alethos
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So 6. Okt 2019, 16:37

Wenn das nicht ein überbeladenes Wort ist...



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Alethos
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So 6. Okt 2019, 16:51

Jörn Budesheim hat geschrieben :
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Ich verstehe das ungefähr so: die Gebilde der Fantasie (z.b. Kunstwerke) sind nicht nur eine Art Grund, die gleichsam darauf warten, ins Begriffliche (was immer das ist) umgewandelt und übersetzt zu werden - Stück für Stück bis sie verschwunden sind. Danach hätten sie ihre Schuldigkeit getan und lägen nun in verbesserter Form vor.

Stattdessen sind sie (so wie sie sind) ein Bereich eigenen Rechts, der aber in den Bereich des Begrifflichen hinein wirken, ihn bereichern, umformen und transformieren kann, aber selbst nicht aufgegeben wird. Die Beziehung kann natürlich in beide Richtungen gehen und strenge Grenzen kann man sich hier sicherlich nicht vorstellen.

Das ist natürlich erstmal eine sehr grobe Skizze und müsste vor allem mit Beispielen illustriert werden.
Ich verstehe es dank dir ein wenig besser, aber noch nicht so recht. Ich verstehe insbesondere nicht den Vorgang der Transformation. Was wird denn transformiert? Und wieso sollte es transformiert werden sollen?

Eine "translatio" ist ja keine Transformation, sondern eine Substitutierung.



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So 6. Okt 2019, 17:08

Ich würde sagen, es entspricht der Unterscheidung zwischen Restbeständen und Grundbeständen. Restbestände sind vorläufig, sie sind gleichermaßen auf dem Weg zum Logos, sind in den Begriff letztlich übersetzbar. Grundbestände hingegen sind das, was wir nicht aus der Philosophie wegdenken können. Sie gehören zu den historisch veränderlichen Arten und Weisen uns grundlegende Phänomene "vertraut" zu machen: Leben, Zeit, Gott und die Welt.



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Jörn Budesheim hat geschrieben :
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Jörn Budesheim hat geschrieben :
So 6. Okt 2019, 13:47
Ich verstehe das ungefähr so: die Gebilde der Fantasie (z.b. Kunstwerke) sind nicht nur eine Art Grund, die gleichsam darauf warten, ins Begriffliche (was immer das ist) umgewandelt und übersetzt zu werden - Stück für Stück bis sie verschwunden sind. Danach hätten sie ihre Schuldigkeit getan und lägen nun in verbesserter Form vor.

Stattdessen sind sie (so wie sie sind) ein Bereich eigenen Rechts, der aber in den Bereich des Begrifflichen hinein wirken, ihn bereichern, umformen und transformieren kann, aber selbst nicht aufgegeben wird. Die Beziehung kann natürlich in beide Richtungen gehen und strenge Grenzen kann man sich hier sicherlich nicht vorstellen.

Das ist natürlich erstmal eine sehr grobe Skizze und müsste vor allem mit Beispielen illustriert werden.
Das würde ich heute anders verstehen. Wir sind keine Überwachungskameras! Die Welt strahlt nicht kalt in uns hinein und wir transformieren dann das Ergebnis nach einfachen logischen Regeln. Fantasie ist immer im Spiel! Der Grund dafür ist, dass der je aktuelle Input für sich genommen niemals hinreichen kann, unseren Bewusstseinsraum auszubilden. Um Welt (in einem unproblematischen Sinne des Wortes) zu haben, muss jeweils noch viel mehr hinzukommen, bzw schon da sein.

Extrem vereinfacht gesagt, ist das einer der Gegenstände des Buches von Markus Gabriel "Fiktionen", in dem er auch gelegentlich auf Blumenbergsche Einsichten zurückgreift.

Von der Sache her finde ich das sehr spannend. Ich würde jedoch nicht die Kontrasteinstellung von Begriff und Bild mitmachen wollen. Denn es ist schließlich nicht unwahrscheinlich, dass diese begriffliche Konstellation genau zu dem gehört, was es zu überwinden gilt!



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