Sozialismus

Puch

So 17. Okt 2021, 11:11

Ich finde Sozialismus gut, solange er freiwillig ist: wenn beispielsweise Sozialisten ihr Erspartes oder Ererbtes in eine Firma investieren, und sie nach sozialistischen Prinzipien betreiben. Gar nicht gut finde ich dagegen, wenn der Sozialismus durch Staatsterror aufgezwungen wird.

Meines Wissens kommt Ernst Prost dem freiwilligen Sozialismus recht nahe. Weiß jemand, wie Friedrich Engels in seiner Fabrik mit den Arbeitern umgesprungen ist? Darüber konnte ich leider nichts in Erfahrung bringen. Oder hat jemand Kenntnis von weiteren freiwilligen sozialistischen Projekten?




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Friederike
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So 17. Okt 2021, 15:28

Puch hat geschrieben :
So 17. Okt 2021, 11:11
[...] Weiß jemand, wie Friedrich Engels in seiner Fabrik mit den Arbeitern umgesprungen ist? Darüber konnte ich leider nichts in Erfahrung bringen. [...]
Ich habe mir gedacht, daß ich einfach mal "google" und zu Deiner Frage wurde mir ein langer, flüssig zu lesender Aufsatz angezeigt, der, falls ich es richtig sehe, Engels aus wohlwollender kapitalistischer Sicht darstellt. Die zwei Absätze, die ich kopiere, sind sicher ein bißchen plakativ - aber nach der Lektüre des ganzen Artikels vermute ich, daß Engels ein "erfolgreicher"! :lol: Unternehmer war. Im Umkehrschluß würde dies bedeuten ... daß "umgesprungen" nicht ganz daneben ist.

Aus: Frankfurter Allgemeine = Fazit - das Wirtschaftsblog vom 12.12.2012 :

"Engels, der mit dem klaren Blick des Soziologen und Urbanisten schon früh die “Lage der arbeitenden Klasse in England” beschrieb, wusste als Unternehmer, dass Arbeiter, sind sie nicht produktiv, auch keinen Lohn verdienen. “Gottfried hat mir da 3 Kerle engagiert, die nichts wert sind. Ich werde sie schassen müssen”, berichtete er Marx. Wenig später feuerte er auch einen Büroangestellten: “Dies machte das Maß seiner Liederlichkeit voll, und er wurde geschasst.”

Doch wo bleibt Engels, der “marxistische” Programmatiker? Sein Biograph Tristram Hunt behilft sich mit der Metapher des “Doppellebens”: tags Kapitalist, nachts sozialistischer Utopist, ein Mr. Jekyll und Mr. Hyde. Das leuchtet immerhin mehr ein als die marxistische Apologetik, die sein unternehmerisches Engagement als ökonomische Notwendigkeit deutet, quasi ungeliebte Pflicht, einen Brotberuf zu finden. Nein, Engels war Fabrikant und Spekulant aus Leidenschaft."




Puch

So 17. Okt 2021, 16:56

Friederike hat geschrieben :
So 17. Okt 2021, 15:28
Aus: Frankfurter Allgemeine = Fazit - das Wirtschaftsblog vom 12.12.2012 :

"Engels, der mit dem klaren Blick des Soziologen und Urbanisten schon früh die “Lage der arbeitenden Klasse in England” beschrieb, wusste als Unternehmer, dass Arbeiter, sind sie nicht produktiv, auch keinen Lohn verdienen. “Gottfried hat mir da 3 Kerle engagiert, die nichts wert sind. Ich werde sie schassen müssen”, berichtete er Marx. Wenig später feuerte er auch einen Büroangestellten: “Dies machte das Maß seiner Liederlichkeit voll, und er wurde geschasst.”

Doch wo bleibt Engels, der “marxistische” Programmatiker? Sein Biograph Tristram Hunt behilft sich mit der Metapher des “Doppellebens”: tags Kapitalist, nachts sozialistischer Utopist, ein Mr. Jekyll und Mr. Hyde. Das leuchtet immerhin mehr ein als die marxistische Apologetik, die sein unternehmerisches Engagement als ökonomische Notwendigkeit deutet, quasi ungeliebte Pflicht, einen Brotberuf zu finden. Nein, Engels war Fabrikant und Spekulant aus Leidenschaft."
Vielen Dank für diesen Link! Es ist doch bezeichnend, dass selbst der Erz-Sozialist Engels viel eher alle anderen Kapitalisten enteignet hätte, bevor er sich selbst enteignet ...




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Friederike
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So 17. Okt 2021, 17:32

Puch hat geschrieben :
So 17. Okt 2021, 16:56
[...] Es ist doch bezeichnend, dass selbst der Erz-Sozialist Engels viel eher alle anderen Kapitalisten enteignet hätte, bevor er sich selbst enteignet ...
:lol: (jetzt, denke ich, führt das Smiley nicht mehr zum Mißverstehen).




Puch

Mo 18. Okt 2021, 22:54

Ich frage mich oft, warum der Sozialismus nicht mehrheitsfähig ist. Man sollte doch meinen, dass eine gerechte Verteilung der Güter im Interesse der allermeisten ist, trotzdem setzen sich entsprechende Modelle nur selten durch. Wie kann das sein?




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Burkart
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Mo 18. Okt 2021, 23:22

Puch hat geschrieben :
Mo 18. Okt 2021, 22:54
Ich frage mich oft, warum der Sozialismus nicht mehrheitsfähig ist. Man sollte doch meinen, dass eine gerechte Verteilung der Güter im Interesse der allermeisten ist, trotzdem setzen sich entsprechende Modelle nur selten durch. Wie kann das sein?
Aber eben nur der allermeisten und nicht der wenigen ("Oberen 10000") mit der meisten Macht und eben Geld.
Und die, die glauben, auch irgendwann man zu ihnen gehören zu können (a la "American Dream").
Und dann vielleicht auch noch die, die einfach meinen, mehr als andere zu haben und um ihr wenig mehr fürchten, ob nun objektiv berechtigt oder nur gefühlt.



Der Mensch als Philosophierender ist Ausgangspunkt aller Philosophie.

[Allgemeine, starke KI wird kommen - die Frage ist nur, wann... und was man darunter genau versteht...]

Puch

Mi 20. Okt 2021, 17:15

Burkart hat geschrieben :
Mo 18. Okt 2021, 23:22
Puch hat geschrieben :
Mo 18. Okt 2021, 22:54
Ich frage mich oft, warum der Sozialismus nicht mehrheitsfähig ist. Man sollte doch meinen, dass eine gerechte Verteilung der Güter im Interesse der allermeisten ist, trotzdem setzen sich entsprechende Modelle nur selten durch. Wie kann das sein?
Aber eben nur der allermeisten und nicht der wenigen ("Oberen 10000") mit der meisten Macht und eben Geld.
Und die, die glauben, auch irgendwann man zu ihnen gehören zu können (a la "American Dream").
Und dann vielleicht auch noch die, die einfach meinen, mehr als andere zu haben und um ihr wenig mehr fürchten, ob nun objektiv berechtigt oder nur gefühlt.
Du meinst also, dass die meisten Menschen zu dumm sind, um die Vorteile des Sozialismus zu erkennen?




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Burkart
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Mi 20. Okt 2021, 19:01

Puch hat geschrieben :
Mi 20. Okt 2021, 17:15
Burkart hat geschrieben :
Mo 18. Okt 2021, 23:22
Puch hat geschrieben :
Mo 18. Okt 2021, 22:54
Ich frage mich oft, warum der Sozialismus nicht mehrheitsfähig ist. Man sollte doch meinen, dass eine gerechte Verteilung der Güter im Interesse der allermeisten ist, trotzdem setzen sich entsprechende Modelle nur selten durch. Wie kann das sein?
Aber eben nur der allermeisten und nicht der wenigen ("Oberen 10000") mit der meisten Macht und eben Geld.
Und die, die glauben, auch irgendwann man zu ihnen gehören zu können (a la "American Dream").
Und dann vielleicht auch noch die, die einfach meinen, mehr als andere zu haben und um ihr wenig mehr fürchten, ob nun objektiv berechtigt oder nur gefühlt.
Du meinst also, dass die meisten Menschen zu dumm sind, um die Vorteile des Sozialismus zu erkennen?
Entweder das oder sie sehen es einfach anders, es ist ja schon auch subjektiv.



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Puch

Mi 20. Okt 2021, 20:31

Burkart hat geschrieben :
Mi 20. Okt 2021, 19:01
Puch hat geschrieben :
Mi 20. Okt 2021, 17:15
Du meinst also, dass die meisten Menschen zu dumm sind, um die Vorteile des Sozialismus zu erkennen?
Entweder das oder sie sehen es einfach anders, es ist ja schon auch subjektiv.
Eine dritte Möglichkeit hast du nicht bedacht? Vielleicht sind sie zu schlau, um die Nachteile des Sozialismus nicht zu erkennen?




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Burkart
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Mi 20. Okt 2021, 22:42

Puch hat geschrieben :
Mi 20. Okt 2021, 20:31
Burkart hat geschrieben :
Mi 20. Okt 2021, 19:01
Puch hat geschrieben :
Mi 20. Okt 2021, 17:15
Du meinst also, dass die meisten Menschen zu dumm sind, um die Vorteile des Sozialismus zu erkennen?
Entweder das oder sie sehen es einfach anders, es ist ja schon auch subjektiv.
Eine dritte Möglichkeit hast du nicht bedacht? Vielleicht sind sie zu schlau, um die Nachteile des Sozialismus nicht zu erkennen?
Das ist doch nur die andere Seite der Sozialismus-Medaille; natürlich gibt es bei ihm auch Nachteile.



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Puch

Do 21. Okt 2021, 18:25

Burkart hat geschrieben :
Mi 20. Okt 2021, 22:42
Das ist doch nur die andere Seite der Sozialismus-Medaille; natürlich gibt es bei ihm auch Nachteile.
Dann sehen wir uns mal die Vor- und Nachteile an:

Vorteile:
- die Reichen besitzen weniger als die Reichen im Kapitalismus, das kann für die Armen eine Genugtuung sein.
- das Bildungssystem ist meist besser.
- das Arbeitsklima ist meist besser, weil man nicht so gestresst ist.

Nachteile:
- im Sozialismus verdienen die meisten weniger als vergleichbare Berufe im Kapitalismus
- die Qualität der Waren und der Infrastruktur ist meist schlechter
- die Regierung kann nicht abgewählt werden
Aus diesen Nachteilen ergibt sich die Tendenz zur Abwanderung, worauf die Regierung mit einem Reiseverbot reagiert.
Weil die Bevölkerung die Nachteile des Systems nicht akzeptiert, und die Regierung trotz mangelnder Akzeptanz am wirtschaftlichen und politischen System festhält (Teil-Ausnahme China*) ergibt sich meines Erachtens daraus fast zwangsläufig eine Diktatur mit den bekannten Nachteilen.

*Meines Wissens wurde in China der wirtschaftliche Systemwechsel (bei Beibehaltung des politischen Machtgefüges) nicht durch freie Wahlen herbeigeführt, sondern von oben herab angeordnet, wie in jeder Diktatur, die etwas auf sich hält.




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Jörn Budesheim
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