Kulturelle Aneignung

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Stefanie
Beiträge: 4352
Registriert: Mi 19. Jul 2017, 20:09

Do 13. Feb 2020, 20:25

Im Karneval als Indianer verkleidet, Dreadlocks tragen, als weiße Amerikanerin über das Schicksal mexikanischer Einwanderer schreiben, das indische holy Ritual als Musikevent, oder das Bild "open casket" von Dana Schutz...all dies wird als Beispiel für kulturelle Aneignung genannt.

"Der Begriff, auch gerne im Englischen Original „Cultural Appropriation“ verwendet, entstammt einer Bewegung, die eine konkrete Bereicherung an den Errungenschaften von Minderheiten durch die Bemächtigung kultureller Objekte aus anderen, dominanten Kulturen kritisiert.Dominante Gesellschaftsgruppen, vorwiegend Weiße, eignen sich Symbole fremder Kulturen an– auch und weil sie keine Diskriminierung fürchten müssen
Laut der US-Juraprofessorin Susan Scafidi ist kulturelle Aneignung demnach eine „unerlaubte Wegnahme geistigen Eigentums, traditionellen Wissens oder kultureller Artefakte“.
Heißt: Man bedient sich an allem, übernimmt, imitiert, kopiert – ohne die Bürde (der Diskriminierung) tragen zu müssen."
Definition entnommen von https://enorm-magazin.de/gesellschaft/g ... erkleidung

Nach einem kurzen Überblick ist das Thema durchaus umstritten.



Nur Prinzessinnen richten ihr Krönchen.
Königinnen ziehen ihr Schwert.
(Unbekannt)


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Stefanie
Beiträge: 4352
Registriert: Mi 19. Jul 2017, 20:09

Do 13. Feb 2020, 20:31

Auf das Thema bin ich durch folgenden Artikel gekommen:
Zeit online:
Kulturelle Aneignung
Es geht um den Universalismus
Warum die Exzesse im kulturellen Kampf um Anerkennung den Rechten in die Hände spielen
Aus dem Artikel:
Nur mexikanische Migranten, hieße dies, dürfen über Mexikaner schreiben, mehr noch: Nur sie können das überhaupt.
Warum das ein fatales Argument ist? Weil es, pathetisch gesagt, die humane Substanz des Universalismus angreift, also die einzigartige menschliche Gabe, sich, wie unzulänglich auch immer, in fremde Schicksale einfühlen zu können – in Unrecht, das man nicht selbst erleben, in Grausamkeit, die man nicht am eigenen Leib erfahren musste. Wenn es nur den Mitgliedern einer ethnischen Opfergruppe gestattet sein soll, von ihrem Schmerz zu sprechen, dann ist das nicht bloß ein Empathieverbot für "Kulturfremde", sondern schlimmer: Es ist die Absage an jede Form sprachlicher Verständigung. Es gibt dann keine Solidarität unter Fremden, nicht einmal eine in der Erinnerung – alles wäre spätkoloniale "Aneignung". Quentin Tarantino dürfte keinen Film über Verbrechen an den Schwarzen drehen, und weiße amerikanische Upperclass-Eltern wären als Mitglieder der "Dominanzkultur" unfähig, sich vorzustellen, was mexikanische Eltern empfinden, wenn US-Grenzschützer ihnen die Kinder entreißen und sie in Lager sperren.

Warum Antworten dieser Art dennoch ein Irrweg sind, hat der Philosoph Richard Rorty hellsichtig schon Ende der Neunzigerjahre beschrieben: "Der Stolz darauf, schwarz zu sein, ist eine völlig vernünftige Reaktion auf sadistische Erniedrigung." Doch wenn es das Opfer daran hindere, zusammen mit Weißen soziale Reformen in Angriff zu nehmen, sei es ein "politisches Unglück". Und warum? Weil den herrschenden Eliten nichts Besseres passieren könne als die Kulturalisierung sozialer Konflikte. Sie blieben unbehelligt, wenn sich die Gesellschaft im Streit um "kulturelle Stigmata" und "Pseudoereignisse" zerfleische und dabei den Kampf für soziale Rechte links liegen lasse. Oder wie man heute sagen würde: wenn die mexikanische Uber-Fahrerin und der weiße Rust-Belt-Arbeiter vergessen, dass sie beim Kampf gegen ökonomische Ungleichheit Verbündete sind.
https://www.zeit.de/2020/07/kulturelle- ... rt-debatte



Nur Prinzessinnen richten ihr Krönchen.
Königinnen ziehen ihr Schwert.
(Unbekannt)


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