Kulturelle Aneignung

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NaWennDuMeinst
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Di 14. Sep 2021, 18:05

Nauplios hat geschrieben :
Di 14. Sep 2021, 15:19
Vergleicht man die Lage im Nahen und Mittleren Osten, aber auch in Afrika, dann hat der politische Islam in diesen Regionen nach dem Einmarsch der westlichen Truppen in Afghanistan und in den Irak an Einfluß gewonnen.
Das ist ein viel zu frühes Urteil wie ich finde, zumindest für Afghanistan.
Warten wir doch erstmal ab, was in weiteren 20 Jahren ist.
Wenn Du Recht behälst folgt jetzt eine Phase der gegenseitigen Verständigung, also der Veränderung der vorherigen Situation.
Und falls das so eintritt wird man später auch die Frage stellen können, ob nicht der Krieg in Afghanistan das Schlüsselereignis für diese Verständigung war.
Ich glaube nämlich dass nicht nur der Westen des Krieges müde wurde, sondern auch die Taliban.
Ich weiß es natürlich nicht, aber vielleicht fragt man sich auf der "arabischen Seite" ja auch, ob man bis in alle Ewigkeit so weitermachen kann oder will.
Nehmen wir an, die Taliban mäßigen sich. Dann hätte der Krieg zumindest eine Wirkung gehabt: Nämlich dass sie nicht so weitermachen wie vor dem Krieg.



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Jörn Budesheim
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Di 14. Sep 2021, 18:49

philomag.de hat geschrieben : Sie konzentrierten ihre strafende Gewalt, also auf die städtische Bevölkerung und insbesondere auf Frauen. Warum?

Durch die wortgetreue Strafanwendung kommt es zu zahlreichen Übergriffen: Hinrichtungen von Frauen auf öffentlichen Plätzen, Steinigungen, Misshandlungen von Personen, die der Homosexualität beschuldigt werden, Ladenbesitzer, die ihre Geschäfte während der Gebetszeiten nicht schließen, werden verprügelt. Die Liste ist lang. Doch obwohl sie den Anspruch haben, die Gesetze streng und genau anzuwenden, sind die Taliban-Richter oft selektiv und stark von der Tatsache beeinflusst, dass sie soziologisch gesehen Männer vom Land sind. Das Problem des Sittenverfalls, das sie umtreibt, ist für sie weniger ein Problem der ländlichen Bevölkerung als der Städter. Als sie Ende der 1990er Jahre eine Verordnung erließen, die besagte, dass Frauen nicht arbeiten dürfen, betraf dies in der Tat Frauen, die in der Stadt, im öffentlichen Dienst, als Lehrerinnen oder Krankenschwestern arbeiteten. Nicht betroffen sind Bäuerinnen oder Handwerkerinnen, die zu Hause arbeiten – sie fallen nicht unter diese Verordnungen.

https://www.philomag.de/artikel/adam-ba ... e-bewegung



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NaWennDuMeinst
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Di 14. Sep 2021, 19:15

Nauplios hat geschrieben :
Di 14. Sep 2021, 11:09
Navid Kermani, deutsch-iranischer Schriftsteller, Publizist und habilitierter Orientalist, sprach am 06. September im "Deutschlandfunk Kultur" von einem "verengten Blick des Westens". Kermani ist kein Dahergelaufener, dessen Berufsbezeichnung man hämisch in Anführungszeichen setzen muß. 2015 erhielt er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Kürzlich erhielt er den "Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln".
Leider können wir ihn nicht befragen, wie er zu der ellenlangen Liste an Gräueltaten der Taliban steht.
Ich nehme an das ist nicht die Toleranz die er fordert, oder?
Wir - auch Herr Kermani - können nicht einfach so tun, als wäre das nicht passiert.
Und ich wüsste auch nicht, aus welcher Position heraus die Taliban nun meinen könnten sie hätten das Recht an uns Forderungen zu stellen, oder warum man hier meint wir müssten diese Forderungen - ganz ohne Gegenleistung - erfüllen.
Ein vielfach ausgezeichneter Mann, der als Bundespräsident im Gespräch war, was ich sehr begrüßt hätte; er wäre der erste Muslim gewesen in diesem Amt. Wenn so ein Mann, vom "verengten Blick des Westens" spricht, dann redet er keinen "Dreck".
Mir ist völlig egal wer dieser Mann ist. Mich interessiert nur was er sagt und ob das Sinn ergibt.
Eine Sichtweise auf die Taliban, die unterschlagen will, dass unter ihnen Verbrecher sind die systematische Massenmorde durchführen, teile ich nicht. Ganz egal von wem sie kommt.
Und ja, und auch nochmal: Darauf gebe ich einen Dreck.
Ich führe kein ganz anderes Gespräch als du. Ich führe ein Gespräch ganz anders als du. Nicht in Rambo-Manier,
Jetzt geht das wieder los. Wenn nichts anderes mehr einfällt geht es gegen den Stil.
Mein Stil ist aber absichtlich gewählt. Es ist nämlich die Antwort auf die Manier mit der die Taliban ihre eigene Bevölkerung abschlachten.
Da kannst Du von mir denken was Du willst: Würden sie das mit uns versuchen, würden sie sehr schnell und sehr schmerzhaft feststellen, das wir das mit uns nicht machen lassen.
Und das ist etwas was sich in keiner Weise geändert hat. Truppenabzug hin oder her.
Auf die moralische Bugwelle verzichten. Das ist ein Grundsound vieler Beobachter und Kommentatoren in diesen Tagen. Das saug' ich mir nicht aus den Fingern.
Das sagt ja auch keiner. Ich kann selber lesen, ich weiß was alles so geschrieben wird.
Es ist halt wie immer. Jeder Hansel meint jetzt zu wissen wer wie warum gescheitert ist.
Dabei wird sich ja erst on the long run zeigen wie es sich nun wirklich verhält.
Warten wir mal weitere 10 oder 20 Jahre ab und entscheiden dann, ob Reden und Zuhören mehr Erfolg hat.
Nenne mich einen Pessimisten, aber ich glaube nicht, dass wir in 20 Jahren da unten Friede, Freude, Eierkuchen sehen werden.
Und dann dreht sich das Pendel wieder. Dann kommt die andere Seite und wirft den Anhängern des Kuschelkurses einen viel zu laxen Umgang mit den Extremisten vor.
Denn es ist ja noch gar nicht gesagt, dass die Wende in der Außenpolitik am Ende erfolgreicher sein wird.
Im schlimmsten Falle scheitert sie auch. Und was machen wir dann?
Dem muß man sich nicht anschließen.
Aber Du hättest schon ganz gerne das ich das tue, oder?
Da muss ich Dich enttäuschen, denn ich sehe die Zukunft nicht ganz so rosig wie Du.
Dass der Kuschelkurs erfolgreich ist, glaube ich erst wenn ich es sehe.
Aber mit "Dreck" und "auf die Fresse" schlägt man einen ganz anderen Ton an.
Nochmal, denn offenbar verstehst Du das nicht.
Ich bin sehr für zivilisiertes Miteinander. Aber das muss natürlich auf beiden Seiten vorhanden sein.
Wenn man auf der anderen Seite die Waffen gegen uns erhebt, dann kannst Du Dich gerne verprügeln lasen, aber ich ziehe es vor dem anderen dann auch auf die Fresse zu schlagen.
Er wollte es dann ja so und genau so bekommt er es dann auch. Und zwar so lange, bis er die Lust verliert und sich wieder zivilisiert benehmen möchte.
(und übrigens: Ich habe nicht geschrieben das sei Dreck. Ich schrieb' "ich gebe einen Dreck auf...", was so viel heißt wie "Das glaube ich nie und nimmer", oder "Davon halte ich nichts". Das ist nicht das Selbe. Das ist jetzt schon das zweite Mal dass Du meine Worte verdrehst. Vielleicht liest Du einfach mal etwas aufmerksamer was ich wirklich schreibe. Im Zweifel darfst Du auch gerne nachfragen.)
Das ist nicht mehr als breitbeiniges Verächtlichmachen.
Nein. Das ist, bzw wäre meine Antwort auf ein bestimmtes (von Gewalt geprägtes) Verhalten der Gegenseite.
Und es ist meine Antwort auf allzu schnelle Urteile. Ich meine ich kann schon verstehen, dass man ausgerechnet bei der "Zeit" treffsicher in die Zukunft zu schauen glaubt, aber warten wir es doch erstmal ab.
Unsere Außenpolitik wird sich schliesslich auch danach richten müssen was Außen geschieht. Und da sehe ich eben noch längst nicht, dass die Taliban plötzlich vom Saulus zum Paulus werden.
Ich rate dazu höchst vorsichtig zu sein und sich nicht am Nasenring durch die Manege führen zu lassen.
Die USA haben damit bereits begonnen.
Das ist nicht das erste Mal, dass sich die USA aus einem Krieg zurückziehen den man für aussichtslos hielt. Das hat sie aber jedes Mal nicht daran gehindert erneut woanders einzugreifen.
Am ehesten würde ich deshalb noch diesem Urteil zustimmen:
Die Latte für militärische Kriseninterventionen des Westens wird künftig höher liegen.



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Stefanie
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Di 14. Sep 2021, 20:22

Katrin Eigendorf ZDF berichtet derzeit weiterhin aus Kabul und Masar-e Scharif. Allein schon an ihrer Kleidung, die sie jetzt tragen muss, erkennt man die negativen Veränderungen.
Frauenrechte sind keine ausschließlichen westliche Werte, um das mal klar zu sagen.
Mal davon abgesehen, sollte es mittlerweile jeden klar sein, dass ohne Frauen kein Land der Welt gute Lebensbedingungen erreichen kann. Unabhängig von der Religion.

In der NZZ waren in der letzten Zeit einige lesenswerte Artikel zu Afghanistan erschienen. Blöderweise sind die jetzt nicht mehr frei lesbar.
Bis 1973 war Afghanistan auf dem Weg in einem modernen Staat. Natürlich fing es in den Städten an, Veränderungen fangen immer in den Städten an. Dann wurde der damalige König gestürzt, mit freundlicher Unterstützung Russlands im Hintergrund. Damit fing alles an. Das passte den USA nicht, die ebenfalls im Hintergrund aktiv wurden, dann die bekannte Unterstützung vor allem der USA für den Widerstand gegen die Besetzung durch Russland. Der Rest ist bekannt.
Seit 1973 ist Afghanistan kein souveränes Land mehr, immer wieder waren fremde Staaten involviert, mal im Vordergrund, mal im Hintergrund. Es ging nie um die Interessen der Menschen in Afghanistan. Es ging um Interessen der westlichen Staaten einschließlich Russland, oder jetzt wahrscheinlich auch um die Interessen des Iran und Saudi Arabien.
Stellverteterkriege. Nichts weiter.
Auch der jetzt beendete Einsatz war ein militärischer Einsatz, kein humanitärer Einsatz. Es ging nicht um die Befreiung der Menschen in Afghanistan. Es war, sagen wir es doch klar, Rache. Oder modern ausgedrückt, Vergeltung. Dafür wurde ein ganzes Land mal so eben besetzt.
Im Zuge der Berichterstattung zu 9/11 20 Jahre berichtet Johannes Hano, ZDF auf die Frage, wie die Angehörigen der Opfer und New York über den Abzug aus Afghanistan denken Erstaunliches. Es gab große Demonstrationen in New York gegen den Afghanistaneinsatz, über die kaum berichtet wurden. Parteiübergreifend von patriotischen Republikaner bis zu linken Demokratien wollten den Einsatz nicht und begrüßen den Abzug.
Wie soll sich ein Land entwickeln, souverän, wenn es seit einem halben Jahrhundert fremdbestimmt wurde.



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Stefanie
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Di 14. Sep 2021, 20:31

Gibt es eigentlich auch Islamwissenschaftlerinnen, die Mann genauso ernst nimmt, wie die hier zitierten Männer?



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NaWennDuMeinst
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Di 14. Sep 2021, 20:40

Stefanie hat geschrieben :
Di 14. Sep 2021, 20:22
Auch der jetzt beendete Einsatz war ein militärischer Einsatz, kein humanitärer Einsatz. Es war, sagen wir es doch klar, Rache.
Rache setzt voraus, dass es was zu rächen gibt.
Ich begreife nicht wieso das immer unterschlagen, oder vergessen wird.
Es ging darum diejenigen zur Strecke zu bringen die für die Anschläge vom 11. September 2001 verantwortlich waren. Und auch darum dem Terrorismus den "sicheren Hafen" zu entziehen.

And we will pursue nations that provide aid or safe haven to terrorism. Every nation in every region now has a decision to make: Either you are with us or you are with the terrorists. From this day forward, any nation that continues to harbor or support terrorism will be regarded by the United States as a hostile regime.
George W. Bush

Alles andere war wenn dann sekundär. Ich kann mich einfach nicht erinnern, dass Herr Bush damals gesagt hätte: "Oh, wir hatten Langeweile. Und da dachten wir uns wir 'demokratisieren" jetzt mal irgendein Land. Wir haben dann Schnick-Schnack-Schnuck gespielt und rausgekommen ist Afghanistan".
Eine solche Begründung habe ich nie vernommen. Weil es sie nicht gab. Ich weiß nicht wie es später dazu gekommen ist, dass man Afghanistan umgestalten wollte, aber das war sicher nicht das initiale Ziel. Meine Vermutung ist, dass sich das einfach so ergeben hat. Wenn man ein Land besetzt, die Herrschenden vertreibt und dort jahrelang fortgesetzt Krieg führt, dann muss man ja währenddessen irgendwie dafür sorgen, dass die Bevölkerung weiterhin versorgt wird (bzw sich selbst versorgen kann). Es war also nötig parallel eine neue Regierung und Staatsform in Afghanistan zu gründen. Und natürlich hat man diese nach westlichem Vorbild und unter westlicher Kontrolle gewählt. Mag sein, dass das ein Fehler war, und man damit einfach falsch beurteilt hat in wie fern das mit der afghanischen Bevölkerung überhaupt möglich ist. Aber irgendwas musste man ja machen. Das war einfach die Folge des Krieges, und nicht der Grund für den Krieg.



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Nauplios
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Di 14. Sep 2021, 21:11

Stefanie hat geschrieben :
Di 14. Sep 2021, 20:31
Gibt es eigentlich auch Islamwissenschaftlerinnen, die Mann genauso ernst nimmt, wie die hier zitierten Männer?
Auf Susanne Schröter vom Forschungszentrum "Globaler Islam" in Frankfurt hatte ich schon hingewiesen. Dann wäre hier unbedingt die Koran-Übersetzerin Angelika Neuwirth zu nennen, die einen Handkommentar zum Koran verfaßt hat. (Ich weiß nicht, ob diese Arbeit mittlerweile abgeschlossen ist.)

Die Edition und Kommentierung einer wissenschaftlichen Ausgabe des Korans halte ich für wichtig, denn der Islam hat ja im Grunde kaum eine Theologie wie etwa das Christentum. Verdient gemacht hat sich diesbezüglich neben Angelika Neuwirth - wenn auch ein Mann - Mouhanad Khorchide, Leiter des Zentrums für Islamische Theologie an der Uni Münster.

Und dann würde mir natürlich noch Lamya Kaddor einfallen. Ich weiß nicht, wieviel Hoffnung sich mit einem Europäischen Islam verbindet, aber auf lange Sicht gesehen sollte es ihn geben, verbunden mit der Trennung von der DITIB. Der Islam braucht eine Theologie, die auslegt und interpretiert, um sein Verständnis abzusichern gegen fundamentalistische Auslegungen. Deswegen ist es von Bedeutung: der Islam gehört zu Deutschland.




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Di 14. Sep 2021, 21:26

Nauplios hat geschrieben :
Di 14. Sep 2021, 21:11
Der Islam braucht eine Theologie, die auslegt und interpretiert, um sein Verständnis abzusichern gegen fundamentalistische Auslegungen.
Aber das gibt es doch schon, oder? Es sind ja nicht alle Muslime auf der Welt Fundamentalisten. Da gibt es ja schon Abspaltungen. So wie bei den Christen auch. Auf den christlichen Fundamentalismus können wir hier wenn es nach mir ginge übrigens auch gerne verzichten.



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Nauplios
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Di 14. Sep 2021, 21:42

"Die klassischen muslimischen Interpreten waren sich einig, daß kein Vers des Korans auf eine einzige, absolute Bedeutung zu reduzieren ist; man sagte, der Koran sei dhu wudschuhin, er habe viele Gesichter, gleich den vielerlei panim, den Gesichtern, welche die jüdischen Schriftgelehrten an der Thora finden." (Navid Kermani; Zwischen Koran und Kafka. West-östliche Erkundungen; S. 42)

Auslegungswissenschaft, mitin also (im westlichen Verständnis) institutionalisierte (universitäre) Theologie, eine Hermeneutik des Islam, könnte ein kulturelles Gegengewicht zu den pakistanischen Koranschulen sein, aus denen dann "Gotteskrieger" rekrutiert werden. Es ist ja keineswegs so, daß in vergangenen Jahrhunderten nicht Christentum, Judentum und Islam friedlich koexistiert hätten in Europa:

Wer sich selbst und andere kennt,
Wird auch hier erkennen:
Orient und Okzident,
Sind nicht mehr zu trennen.


... dichtet Goethe im Westöstlichen Divan. Man kann im Hinblick auf Phasen der europäischen Geschichte geradezu von einer multikulturellen Gesellschaft sprechen. "Kulturelle Angleichung" - das gab es längst in Europa.




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Di 14. Sep 2021, 22:46

NaWennDuMeinst hat geschrieben :
Di 14. Sep 2021, 19:15

Dem muß man sich nicht anschließen.
Aber Du hättest schon ganz gerne das ich das tue, oder?
Wir haben ja hier über weite Strecken ein Zwiegespräch geführt, NWDM. Manchmal hatten wir dabei Konsens, manchmal nicht. Die Option der anderen Meinung ging dabei für keinen von uns verloren. Das kann so bleiben.




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Stefanie
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Di 14. Sep 2021, 22:48

Susanne Schröter und Angelika Neuwirth sind Europäerinnen. Ich gehen davon aus, das beide nicht den Islam praktizieren. Die Wikieinträge sind bescheiden, da steht nichts dazu.
Wo sind die Islamwissenschaftlerinnen, die Muslima sind, und aus den Regionen stammen, in denen der Islam vorherrschend ist?
Wo ist weibliche Gegenstück zu Herrn Kermani?


NDWM, wenn ich schreibe, es war Rache, war klar dass nur der 11.09.2001 gemeint ist. Wir sind uns einig.

Biden hat direkt nach dem Anschlag in Kabul erneut von Vergeltung gesprochen, und die erfolgte ja auch. Biden ist gläubiger Christ, katholisch. Es ist mir mir immer ein Rätsel, wie man Rache mit dem christlichen Glauben vereinbaren kann.



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Di 14. Sep 2021, 23:01

Stefanie hat geschrieben :
Di 14. Sep 2021, 22:48

Susanne Schröter und Angelika Neuwirth sind Europäerinnen.
Das tut mir leid. ;)




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Di 14. Sep 2021, 23:10

Muna Tatari, Islamwissenschaftlerin und Mitglied im Deutschen Ethikrat, hier im Gespräch mit Angelika Neuwirth:





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Stefanie hat geschrieben :
Di 14. Sep 2021, 22:48

Wo ist weibliche Gegenstück zu Herrn Kermani?
Hier: Katajun Amirpur, deutsch-iranische Islamwissenschaftlerin, hat in Teheran studiert und war bis 2020 verheiratet mit - Navid Kermani.

Ich hoffe, eine Exfrau erfüllt die definitorischen Voraussetzungen von "Gegenstück". :lol:





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Di 14. Sep 2021, 23:32

Stefanie hat geschrieben :
Di 14. Sep 2021, 22:48
Biden hat direkt nach dem Anschlag in Kabul erneut von Vergeltung gesprochen, und die erfolgte ja auch. Biden ist gläubiger Christ, katholisch. Es ist mir mir immer ein Rätsel, wie man Rache mit dem christlichen Glauben vereinbaren kann.
Biden ist vor allem der Präsident von etwa 330 Millionen Amerikanern die er vertritt. Ich nehme an nicht alle sind bereit "auch die andere Wange hinzuhalten":
Es ist auch so, dass dahinter mehr als nur Rachegelüste stehen. Es geht auch darum, dass man potentiellen Angreifern klar macht, dass Angriffe nicht ungestraft bleiben. Das ist eine Botschaft die ich voll unterstütze.

We do not create terrorism by fighting the terrorists. We invite terrorism by ignoring them. - George W. Bush.

Die Anschläge vom 11. September ereigneten sich in der ersten Amtszeit Bushs. Bush führte dann die Amerikaner in den Krieg gegen den Terror.
Wären die Amerikaner mehrheitlich dagegen gewesen hätten sie ihn 2004 abwählen können. Sie haben es nicht getan. Bush gewann, wenn auch knapp, die Wahl.



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Di 14. Sep 2021, 23:43

Nauplios hat geschrieben :
Di 14. Sep 2021, 22:46
NaWennDuMeinst hat geschrieben :
Di 14. Sep 2021, 19:15

Dem muß man sich nicht anschließen.
Aber Du hättest schon ganz gerne das ich das tue, oder?
Wir haben ja hier über weite Strecken ein Zwiegespräch geführt, NWDM. Manchmal hatten wir dabei Konsens, manchmal nicht. Die Option der anderen Meinung ging dabei für keinen von uns verloren. Das kann so bleiben.
Ich verrate Dir mal ein Geheimnis. Ich wünsche mir dass Du Recht hast. Nur glaube ich das nicht. Ich traue den Taliban und dem neuen Kuschelkurs nicht über den Weg. Aber ist es bei Weitem nicht so, dass ich mich einer echten Verständigung und dem Frieden in den Weg stellen will. Aber ich sehe das inzwischen tatsächlich so, dass das für mich einem Wunder gleichkommen würde.



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Nauplios hat geschrieben :
Fr 27. Aug 2021, 19:00

Ob man das nun "Paradigmenwechsel" oder "Neukalibrierung" oder "Neujustierung" oder "Neuausrichtung" oder wie auch immer nennt: politisch ist sie bereits in Gang und das in breiter Mehrheit. Und mit Mali wird das Ganze vermutlich beginnen. -
(Hervorhebung von mir)

"Nach Berichten über eine mögliche Zusammenarbeit der Regierung in Mali mit russischen Söldnern stellt Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer den Einsatz der Bundeswehr in dem afrikanischen Land infrage."

Kramp-Karrenbauer stellt Mali-Einsatz infrage




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Do 16. Sep 2021, 02:47

Nach allem Ernst der letzten Wochen: Kulturelle Aneignung auf bayrisch. (Falls es hier nicht paßt, einfach löschen oder verschieben.) ;)





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Fr 17. Sep 2021, 15:15

Nachdem am Mittwoch bereits Annegret Kramp-Karrenbauer den Einsatz der Bundeswehr in Mali infrage gestellt hatte, hat sich nun auch die Wehrbeauftragte des Bundestags, Eva Högl, geäußert. Während Kramp-Karrenbauer noch auf die "Gruppe Wagner" verwies, ist die Äußerung von Högl bereits von grundsätzlicher Natur:

"Nach den Erfahrungen mit dem Abzug aus Afghanistan müssen wir noch einmal über Sinn und Zweck der Mali-Mission reden", sagte Högl den Zeitungen der 'Funke Mediengruppe'. "Wir müssen die Frage beantworten, ob das Ziel, in dem Land unter anderem für Stabilität zu sorgen, noch realistisch ist."

Überprüfung des Mali-Einsatzes gefordert




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Sa 18. Sep 2021, 15:23

Daß Annalena Baerbock die nächste Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland wird, ist eine Woche vor der Bundestagswahl nicht mehr zu erwarten. Daß die Grünen der nächsten Bundesregierung angehören, ist allerdings durchaus möglich und damit auch, daß die Grünen künftig das Außenministerium für sich reklamieren. - Gestern hat sich Annalena Baerbock nun ebenfalls zum Mali-Einsatz der Bundeswehr geäußert.

"Spätestens nach den Erfahrungen in Afghanistan müsse der deutsche Einsatz in Mali neu bewertet werden, sagte sie gestern der Augsburger Allgemeinen. "Ich halte es für richtig, alle Auslandseinsätze unabhängig zu evaluieren, um Strategien sinnvoll und frühzeitig anpassen zu können." (Hervorhebung von mir)

Grünen-Kanzlerkandidatin Baerbock fordert Stop der Ausbildungsmission in Mali

Der nächste Kanzlerkandidat zieht heute nach:

Laschet und Baerbock stellen Mali-Einsatz infrage.

Das ist der Einstieg in den Ausstieg des Mali-Engagements der Bundeswehr. Und der Ton wird grundsätzlicher. Bei Baerbock geht es bereits um die Überprüfung "aller Auslandseinsätze". Eine "Neukalibrierung" künftiger Außenpolitik zeichnet sich ab am Horizont.




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