Kulturelle Aneignung

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NaWennDuMeinst
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Mo 16. Aug 2021, 01:24

Gehen wir mal auf das "privilegiert" ein, denn das scheint mir fast noch wichtiger zu sein, als das "alt" und "weiß" und " Mann".
Im Prinzip wird damit ausgesagt, dass Du, alter weißer Mann, nur da bist wo Du bist, weil Du von einem System profitiert hast das Menschen wie Dich begünstigt, während es andere benachteiligt.
Das ist hart kritisiert worden und ich finde zu Recht.
Denn es mag zwar sein, dass es eine Struktur gibt, die weiße Männer bevorzugt, aber innerhalb dieser Struktur steht jedes Individuum nicht allein, sondern stand und steht unter dem Konkurrenzdruck anderer weißer Männer. Es ist also falsch zu behaupten, "alte, weiße Männer" hätten - ganz ohne wirkliche Eigenleistung - nur von den Strukturen profitiert und wären ohne diese Strukturen gar nicht da wo sie jetzt sind. Die individuelle Lebensleistung bleibt eine Leistung, weil es eine Situation der Konkurrenzlosigkeit nie gegeben hat.

Ausserdem ist diese Strukturtheorie da zu unflexibel wo es um die Betrachtung individueller Lebensgeschichten geht. Auch innerhalb eines Systems, das prinzipiell weiße Männer bevorzugt, kann eine schwarze Frau bessere Startbedingungen vorfinden, als ein weißer Mann. Die schwarze Adoptivtochter einer reichen weißen Familie hat trotz der strukturellen Probleme sicher bessere Startchancen als ein weißer Mann der in die ärmsten, bildungsfernsten Schichten hineingeboren wird. Hier sieht man dann auch schon, an welchen Stellen die Theorie vom privilegierten, weißen Mann versagt. Diese Männer empfinden sich sicher nicht als privilegiert und sie sind es auch nie gewesen.

In Frage zu stellen ist mMn aber auch die Fixierung auf und die Anklage ausschliesslich weißer Männer. Denn natürlich haben, wenn man das Ganze in etwas größerem Maßstab betrachtet dann auch Frauen profitiert. Weiße Frauen nämlich gegenüber Frauen mit anderen Hautfarben. Die christliche , weiße Frau war sicher gegenüber anderen Frauen ebenso privilegiert wie der weiße Mann gegenüber der weißen Frau (oder Frauen im Allgemeinen). Wenn man also die Lebensleistungen in Frage stellt und als reines Ergebnis struktureller Bevorzugung ansieht, dann doch bitteschön auch die der weißen Frauen. Privilegiert in diesem Sinne ist auch der ganze westliche Kulturraum gegenüber Menschen in anderen Teilen der Welt.
Die Anklage muss uns also letztlich alle treffen, und nicht nur "alte, weiße Männer", wenn auch die zuerst.
Wenn Frauen nun immer mehr auch in Führungspositionen und an den Schaltstellen der Macht agieren, dann müssen auch sie sich fragen wie sie diese Tätigkeiten ganz im Sinne von mehr Gerechtigkeit auszuüben gedenken.



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Nauplios
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NaWennDuMeinst hat geschrieben :
So 15. Aug 2021, 19:47

Ach, dazu noch.
Nauplios hat geschrieben :
So 15. Aug 2021, 18:53

"Und da ich mir als alter weißer Mann nicht einen alten weißen Mann als nächsten Kanzler wünsche, spricht einiges für eine junge Frau."
Wählst Du deinen Kanzlerkandidaten tatsächlich nach Geschlecht und Alter?
"Annalena hat viele Qualitäten, und die Frage von Gleichberechtigung, Emanzipation, ‚Frauenkarte‘ (Habeck setzt das Wort selbst mit einer Handgeste in Anführungszeichen) ist ein – und auch ein entscheidendes – Kriterium gewesen." (Robert Habeck am 04. August in der ARD)

Habeck fährt fort: "Aber das heißt ja nicht, daß nicht andere Qualitäten ebenfalls vorliegen."

Das heißt, Annalena Baerbock ist unter anderem auch deswegen die Kanzlerkandidatin der Grünen geworden, weil sie eine Frau ist. Dann darf man sie auch wählen, weil sie eine Frau ist. ;)

Bei einer Direktwahl würde ich sie wählen. Die "anderen Qualitäten", von denen Robert Habeck spricht, sind ihre Kompetenz in Sachfragen, daß sie vom Berliner Politikbetrieb noch nicht völlig korrumpiert ist, ihre unbekümmerte Rhetorik, ihre Frische. Daß sie keine Erfahrung als Ministerin hat, spricht ebenfalls mehr für als gegen sie. - Sie wird unterschätzt (wie weiland Angela Merkel vor 16 Jahren).

Im Kanzleramt sitzt keine Partei, sondern eine Person. Und zur Person gehören auch Geschlecht und Alter. - Bundeskanzlerin Annalena Baerbock wäre auch das richtige Signal an die junge Generation (ähnlich wie Willy Brandt 1969).

Armin Laschet und Olaf Scholz verkörpern Politikmüdigkeit. Sie wirken auf mich verbraucht und ideenlos. - Am Ende wird der Kanzler bzw. die Kanzlerin vom Parlament gewählt und da kommt es auf die Zusammensetzung durch die Parteien an. Ich vermute deshalb, der nächste Kanzler wird Armin Laschet heißen. Damit kann man leben. Das ist dann aber auch schon alles.

Gäbe es in der Politik etwas zu wünschen, würde meine Wahl auf Annalena Baerbock fallen. Auch weil sie eine Frau ist und jung. Nichts spricht dagegen. ;)




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NaWennDuMeinst
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Mo 16. Aug 2021, 12:56

Nauplios hat geschrieben :
Mo 16. Aug 2021, 12:26
Habeck fährt fort: "Aber das heißt ja nicht, daß nicht andere Qualitäten ebenfalls vorliegen."
Ja, aber offenbar interessiert man sich ja nicht so sehr für diese Qualitäten, wenn eine Frau gewählt wird, weil sie eine Frau ist.
Das ist dann genau das, was Frauen eigentlich immer wieder daran kritisiert haben wie Männer sie betrachten. Nämlich nur als Frau, und nicht als Mensch mit Fähigkeiten.

Aber ich will da auch nicht zu hart sein. Ich weiß Du meinst es gar nicht so.
Was Du sagen willst ist, dass ihre Eignung für das Amt gerade auch etwas damit zu tun hat, dass sie eine Frau ist, also zu den Betroffenen gehört.



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Mo 16. Aug 2021, 15:51

Dass z.B. gewisse Personengruppen etwa per Quotenregelung anscheinend bevorzugt werden, hat mit kompensatorischen Maßnahmen zu tun, um ggf. gewisse Benachteiligungen auszugleichen.

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Quotenregelung

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Frauenquote



...vorher nicht feststehende Wahrheiten... (frei nach D. Diederichsen)

„Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern, nichts hindert mich, weiser zu werden.“ (K. Adenauer)

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Mo 16. Aug 2021, 16:04

1+1=3 hat geschrieben :
Mo 16. Aug 2021, 15:51
Dass z.B. gewisse Personengruppen etwa per Quotenregelung anscheinend bevorzugt werden, hat mit kompensatorischen Maßnahmen zu tun, um ggf. gewisse Benachteiligungen auszugleichen.
Ja, vielen Dank, aber den Sinn und Zweck von Frauenquoten kennen wir alle.
Nur stellt sich die Frage wie effektiv die sind. Wenn es diese in vielen Bereichen schon seit Jahren gibt, sich aber der Frauenanteil trotzdem nicht signifikant erhöht hat, dann muss es wohl noch andere Gründe geben, warum sich keine Frauen "einfinden".
Und das Lustige ist nun, dass man auch prompt alle möglichen Gründe parat hat, warum das mit den Quoten nicht so richtig zieht.
Frauen werden halt in den Familien unterdrückt, das gesellschaftliche Rollenbild verhindert das usw... Egal welche Gründe man sich da aus den Fingern saugt, an den Frauen selbst liegt es NIE.
Es kann z.B. niemals nicht sein, dass Frauen mehrheitlich bestimmte Berufe meiden, weil sie sie einfach scheisse finden und gar keinen Bock darauf haben.
Das ist absolut unmöglich, es muss einfach so sein, dass da Jemand unterdrückt, weil es niemals sein kann dass Frauen und Männer bestimmte Berufe einfach freiwillig meiden, oder?
Du kannst Niemanden einstellen, wenn sich Niemand bewirbt. Da helfen dann auch keine Frauenquoten.
Es gibt typische Männerberufe, weil es Berufe gibt auf die Frauen keinen Bock haben. Die wollen nicht als Kanalarbeiter in der Scheisse wühlen. DAS WOLLEN SIE EINFACH NICHT. Das hat mit Unterdrückung nichts zu tun.
Und so ist es mit den typischen Frauenberufen auch. Und statt nun einzusehen, dass Männer sich z.B. für Pflegeberufe mehrheitlich nicht interessieren, denkt man sich schon "Umerziehungspläne" aus, um Männer schon als Kinder darauf zu "trainieren" später doch solche Berufe zu ergreifen. Was soll diese Scheiße?
Ich wähle das Rollenbild für mich als Mann selber. Ich bin nämlich frei, verstehste? Ich lasse mir nicht vorschreiben wie ich mich selbst zu definieren habe. Und wenn ich keinen Frauenberuf ergreifen will, dann will ich das nicht, völlig egal warum das so ist. Das geht den Rest der Welt einen Scheissdreck an. So weit kommt es hier noch. Das hat doch nichts mit Gerechtigkeit und Freiheit zu tun, wenn man festgefahrene Rollenbilder bemängelt und dann gleich mit dem nächsten Rollenzwang dagegen hält. Lasst doch die Leute einfach selber entscheiden. Das wäre klug und auch freiheitlich.



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NaWennDuMeinst
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Mo 16. Aug 2021, 17:48

Vielleicht noch als etwas neutralere, sachlichere Ergänzung:
Frauenquoten machen da Sinn, wo man feststellt dass es in der Basis einen hohen Anteil an Frauen gibt, aber die Führungspositionen fast ausschließlich von Männern besetzt sind.
Da darf man dann schon mal genauer hinsehen und sich fragen ob da nicht irgendeine Schweinerei im Gange ist. Und da darf man dann auch gerne mal mit einer Quote den "alten, weißen Männern" auf die Sprünge helfen.
Aber viele Berufe sind nicht deshalb Männerberufe, weil irgendwer die Frauen davon abhält diese Berufe auszuüben, sondern weil es eben auch Tätigkeiten gibt, die die Frauen ganz gerne den Männern überlassen.
Umgekehrt natürlich auch. Und da kommst Du auch mit einer Frauenquote nicht weiter, weil das "Problem" nicht in irgendeiner Art von Unterdrückung wurzelt, sondern in der freien Entscheidung der Menschen. Und diese freie Entscheidung ist gefälligst zu respektieren.
Denn was fordern die Frauen denn eigentlich? Sie fordern, dass sie frei entscheiden dürfen, sie fordern dass sie sich die Rolle die sie in der Gesellschaft spielen, selbst aussuchen dürfen und können. Und dafür müssen wir sorgen, dass sie das auch können. Und wenn es da Widerstände gibt, dann müssen wir die aus dem Weg räumen. Das Gleiche gilt auch für Männer und andere Gruppen. Und es kann nicht sein, dass wir einfach einen Rollenzwang durch einen anderen ersetzen. Die Frau muss jetzt zur Karrierefrau werden und der Mann zum Hausmann. Das ist doch vollkommener Quatsch. Wir sorgen dafür, dass sie das können wenn sie es wollen. Aber wenn sie es nicht wollen, dann ist das ok und zu respektieren. Und besonders Letzteres kriegen Einige einfach nicht hin. Also das Respektieren der freien Entscheidungen. Das kann nämlich auch bedeuten, dass sich Frauen und Männer freiwillig für Rollen entscheiden die jetzt nicht gerade in das ideologisch gefärbte Weltbild passen und dann wird auf einmal diesen Frauen und Männern ihre eigene Entscheidungsfähigkeit abgesprochen, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Jeder der nicht das der Ideologie entsprechende Rollenbild für sich wählt ist entweder Opfer von Unterdrückung oder gesellschaftlichen Strukturen, oder hat sonst irgendein Problem das ihn daran hindert das zu tun was er nach der Meinung gewisser Leute eigentlich "wirklich wollen müsste".
Aber so machen sich die Herren und Damen Feministinnen ganz gewiss keine Freunde.
Zuletzt geändert von NaWennDuMeinst am Mo 16. Aug 2021, 18:14, insgesamt 1-mal geändert.



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Nauplios
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NaWennDuMeinst hat geschrieben :
Mo 16. Aug 2021, 12:56
Nauplios hat geschrieben :
Mo 16. Aug 2021, 12:26
Habeck fährt fort: "Aber das heißt ja nicht, daß nicht andere Qualitäten ebenfalls vorliegen."
Ja, aber offenbar interessiert man sich ja nicht so sehr für diese Qualitäten, wenn eine Frau gewählt wird, weil sie eine Frau ist.
Na ja, eine dieser Qualitäten besteht eben darin, daß Annalena Baerbock eine Frau ist. ;)

Die Anerkennung dieser Qualität geht nicht mit der Reduzierung darauf einher. - Wenn die "Frauenkarte" ein "entscheidendes Kriterium" (Habeck) beim passiven Wahlrecht gewesen ist, darf sie es beim aktiven auch sein.

Das muß man sich nicht zu eigen machen; aber das ist Teil der "grünen Logik", nach der die "Frauenkarte" ein Trumpf ist, sogar ein "entscheidender". Ein Mann kann ihn nicht ausspielen. ;)




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Mo 16. Aug 2021, 18:19

Nauplios hat geschrieben :
Mo 16. Aug 2021, 18:12
NaWennDuMeinst hat geschrieben :
Mo 16. Aug 2021, 12:56
Nauplios hat geschrieben :
Mo 16. Aug 2021, 12:26
Habeck fährt fort: "Aber das heißt ja nicht, daß nicht andere Qualitäten ebenfalls vorliegen."
Ja, aber offenbar interessiert man sich ja nicht so sehr für diese Qualitäten, wenn eine Frau gewählt wird, weil sie eine Frau ist.
Na ja, eine dieser Qualitäten besteht eben darin, daß Annalena Baerbock eine Frau ist. ;)

Die Anerkennung dieser Qualität geht nicht mit der Reduzierung darauf einher. - Wenn die "Frauenkarte" ein "entscheidendes Kriterium" (Habeck) beim passiven Wahlrecht gewesen ist, darf sie es beim aktiven auch sein.

Das muß man sich nicht zu eigen machen; aber das ist Teil der "grünen Logik", nach der die "Frauenkarte" ein Trumpf ist, sogar ein "entscheidender". Ein Mann kann ihn nicht ausspielen. ;)
Schlag mich, aber ich finde das Geschlecht sollte gar keine Rolle spielen. Weder als Trumpf noch sonstwie.
Aber ich sehe hier auch einen Sonderfall. Als Frau ist sie eben auch Betroffene. Und Betroffene sind - nach Meinung vieler - eben auch die besseren Vertreter der betroffenen Gruppen.
Von sexueller Diskriminierung selbst betroffen zu sein ist vielleicht auch ein Qualitätsmerkmal wenn es darum geht diese Gruppen politisch zu vertreten.
Passt schon. Ich wähle Politiker zwar so nicht aus (oder versuche es zumindest), aber ich verstehe das.



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Stefanie
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Mo 16. Aug 2021, 18:56

Zu Afghanistan.
Die jetzige Situation ist das Ergebnis der westlichen Politik, die man unter weiße Männer Politik versteht.
Allein wie die Grenzen gezogen wurden, vor allem die vom Irak.
Die Geschichte, wer Osama bin Laden Geld gegeben hat, ist bekannt.
Jetzt gibt es die Quittung, platt ausgedrückt.
Das Geld für die Taliban kommt aus Saudi Arabien. Der Iran wird ebenfalls kräftig mitmischen, gegen Saudi Arabien.
Die westlichen Nationen sind vorgeführt worden und sollten sich eingestehen, dass ihre alte Politik nicht mehr funktioniert.
Wer muss jetzt mal wieder leiden...Afghanistan.
Wer leidet am meisten neben den Kindern, auch mal wieder die Frauen.

Und immer noch erkennen viele Staaten nicht, sei es westliche Staaten mit ihrer Auslandspolitik oder arabische, islamische Staaten, dass ein Hauptschlüssel zur Befriedung und Verbesserung der Lebensbedingungen für alle die Frauen sind. Gebildete und arbeitenden Frauen. Weltweit.



Nur Prinzessinnen richten ihr Krönchen.
Königinnen ziehen ihr Schwert.
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Stefanie
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Mo 16. Aug 2021, 19:03

Mit Bildung meine ich nicht unbedingt Hochschulabschlüsse. Lesen, schreiben, rechnen, Kenntnisse in Gesundheitsvorsorge, Familienplanung, Landwirtschaft, ihre Rechte auch im Islam z.B., Politik, usw.



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Nauplios
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Mo 16. Aug 2021, 19:09

Ich glaube, daß wir ganz allgemein vor einem Generationenwechsel in der Politik stehen. Wolfgang Schäuble, Horst Seehofer, Volker Bouffier, Armin Laschet, um mal ein paar Unionspoltiker zu nennen, aber auch Winfried Kretschmann von den Grünen gehören einer Generation an, die ihre politische Sozialisation in den großen Umwälzungen der 60er Jahre erfahren haben. Um den einen oder anderen ist es schade (Norbert Lammert, der schon dem jetzigen Bundestag nicht mehr angehört). -

Mit der jungen Generation verknüpfen sich Namen wie Jamila Schäfer, Ricarda Lang, Diana Kinnert ... allesamt nach 1989 geboren.

Es ist Zeit.




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NaWennDuMeinst
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Mo 16. Aug 2021, 19:35

Stefanie hat geschrieben :
Mo 16. Aug 2021, 18:56
Wer leidet am meisten neben den Kindern, auch mal wieder die Frauen.
*seufz* Genau. Weil Männer die geköpft werden nicht mehr leiden. Die haben es dann ja hinter sich.
Weißte Stefanie, Du weist uns immer darauf hin wie wichtig das ist was wir so "vor uns her sagen", spielst hier immer den Anstandswauwau der uns zu sensibilisieren verssucht.
Aber ich finde Du selbst bist da kein gutes Vorbild.
In Afghanistan leiden selbstverständlich nicht nur Frauen und Kinder und auch nicht am meisten. Es werden nun alle Menschen gleichermaßen leiden.



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Mo 16. Aug 2021, 19:48

Die Direktkandidatin der SPD hier bei mir hat mal bei meinem Arbeitgeber während ihres Studiums in der Verwaltung gearbeitet. Eine Überfliegerin in der Schule, bei G8 eine Klasse übersprungen, Stipendium Auslandssemester an der Sourbonne. Als sie bei uns aufhörte, weil ihre Referendariat Lehramt begann, fragte ich sie, wann wir denn ihr Bild auf den Wahlplakten sehen werden. Aber nein, das wolle sie dann doch nicht. Als die ersten Plakate aufgehängt wurden und ich mit dem Auto auf einer langen Straße fuhr, musste ich so lachen, den sie strahlt mir von den Plakaten entgegen. Sie ist die Bundesvorsitzende der Jusos. Jessica Rosenthal.
Der Kandidat der CDU ist auch noch jung, 37 Jahre alt.
Der von der FDP ist Alexander Graf Lambsdorff, 54 und hat gerade hinsichtlich der Wahlplakate einen schweren Stand. Irgendwer hat dieses bemalt, so teufelsmäßig. Das sieht dann so: Plakat SPD lächelnde junge Frau, dann die CDU junger Strahlemann, und die FDP mit den verzierten Plakaten. Ich kann mir nicht helfen, ich bin jedesmal am grinsen, optisch eine klare Niederlage der FDP.



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Mo 16. Aug 2021, 20:03

NaWennDuMeinst hat geschrieben :
Mo 16. Aug 2021, 19:35
Stefanie hat geschrieben :
Mo 16. Aug 2021, 18:56
Wer leidet am meisten neben den Kindern, auch mal wieder die Frauen.
*seufz* Genau. Weil Männer die geköpft werden nicht mehr leiden. Die haben es dann ja hinter sich.
Weißte Stefanie, Du weist uns immer darauf hin wie wichtig das ist was wir so "vor uns her sagen", spielst hier immer den Anstandswauwau der uns zu sensibilisieren verssucht.
Aber ich finde Du selbst bist da kein gutes Vorbild.
In Afghanistan leiden selbstverständlich nicht nur Frauen und Kinder und auch nicht am meisten. Es werden nun alle Menschen gleichermaßen leiden.
Es ist so, wie es ist. Mach dich mal schlau.
Kinder sind überall auf der Welt die Hauptleitragenden. Ich denke, hier herrscht Konsens.



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Mo 16. Aug 2021, 20:13

Stefanie hat geschrieben :
Mo 16. Aug 2021, 20:03
Es ist so, wie es ist. Mach dich mal schlau.
Mach Du dich doch mal schlau, und zwar schnellstens.
Die Taliban töten und bedrohen doch nicht nur Kinder und Frauen. Die bringen im Prinzip jeden um der nicht "spurt" und sich nicht beugen will.
Was meinst Du warum da jetzt so viele aus dem Land fliehen wollen?
Kinder sind überall auf der Welt die Hauptleitragenden.
Wieso? Weil uns Kinder besonders leid tun und sie uns besonders viel wert sind? Deshalb sind sie ja aber nicht diejenigen die am meisten leiden.
Mensch ist Mensch. Und Leid ist Leid. Folter ist für jeden Menschen gleichermaßen grausam und schmerzvoll.



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Mo 16. Aug 2021, 22:26

Stefanie hat geschrieben :
Mo 16. Aug 2021, 18:56

Zu Afghanistan.
Zu Afghanistan sagt Georg Schwarte vom ARD-Hauptstadtstudio:

"Wer 20 Jahre in einem fremden Land versucht, einer ihm fremden Kultur Freiheit und Demokratie nahezubringen, hat eine Schutzverantwortung übernommen. Nicht für die korrupten afghanischen Politiker und die bestochenen Provinzgouverneure. Aber für die Lehrerinnen, die Journalistinnen, die Schülerinnen, für die Frauen und Mädchen, die glaubten, es gebe für sie hinter der Burka eine Welt in Farbe. 'Man kann nur beten, dass sie alle gerettet werden.' Was für ein Satz."

https://www.tagesschau.de/kommentar/afg ... z-103.html




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Mo 16. Aug 2021, 22:56

Ach, das hätte einem ja mal gesagt werden können. In Afghanistan leben jetzt nur noch Taliban und Frauen und Mädchen.

De afghanische Armee hat in mehreren Jahren Kampf gegen die Taliban nach eigenen Angaben etwa 45.000 Soldaten verloren. Die meisten davon waren keine Frauen und auch keine Mädchen. Die Taliban haben bei ihren Terroranschlägen etwa 14.000 Zivilisten getötet. Auch das waren nicht nur Frauen und Mädchen.

Ich hatte auch immer gedacht bei der Verantwortung die es zu übernehmen gilt, ginge es um die Einhaltung und Verteidigung von Menschenrechten.
Auch das stellt sich als Irrtum heraus. Für die meisten geht es nur um einen Teil der Menschen: Frauen und Mädchen und deren Rechte. Der Rest sind "korrupte Politiker".

Ja, was für Sätze.



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Mo 16. Aug 2021, 23:09

Andere werden es wahrscheinlich besser erklären können, aber kann es sein, dass man 20 Jahre lang versucht hat, gegen die bestehende Kultur zu arbeiten, anstatt mit ihr?
So was wie eine gegenteilige kulturelle Aneignung? Die Menschen mussten sie nicht in ihr Land integrieren, es ist ja ihr Land.

Ein ehemaliger Kollege von mir hat mal erzählt, dass er mit anderen direkt nach dem Abi mit dem obligatorischen VW Bus auf dem Hippie Trail durch Afghanistan gefahren ist, kurz bevor die Russen kamen. War ein nachhaltiges Erlebnis.
Die jüngere Schwester einer Schulfreundin wurde aufgrund eines Auslandsaufenthalt der Eltern in Kabul geboren. War auch vor dem Einmarsch der Russen. In Kombination mit ihrem norddeutschen Vornamen, bekam sie nach 2001 richtigen Stress bei Reisen ins Ausland, vor allem bei einer Reise in die USA. Geburtsort Kabul und ein deutscher Pass, komischer Vorname und typisch deutscher Nachname, verdächtigt. Haare wahrscheinlich gefärbt. Bescheuert.



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Mo 16. Aug 2021, 23:11

Aghanische "Mädchen und Frauen" erzählen wie sie der Bundesrepublik bei ihren Einsätzen vor Ort geholfen haben.



Aber ich vermute, wenn man keine Burka tragen muss, ist man auch nicht in Gefahr.



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Mo 16. Aug 2021, 23:25

"Dass es nicht gelungen ist Verfahren zu entwickeln - andersrum gesagt, dass es nicht gelungen ist mit den eigenen Flugzeugen, mit den Flugzeugen die die Bundeswehr hat, die Ortskräfte, die Mitarbeiter die aus Afghanistan fliehen wollen, weil sie mit dem Tode bedroht sind, und ihre Familien natürlich auch, dass dies nicht gelungen ist finde ich unverantwortlich. Das ist für mich zutiefst inhuman. Und anstelle von Menschen Bierkästen in den letzten Maschinen zurückzubringen. Das wird meines Erachtens auch das positive Bild, das Deutschland in Afghanistan hat, negativ beeinflussen."
Dietger Lather, Oberst a.D.



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