Markus Gabriel - Warum es die Welt nicht gibt

Markus Gabriel (* 6. April 1980 in Remagen) ist ein deutscher Philosoph. Er lehrt seit 2009 als Professor an der Universität Bonn.
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Alethos
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Mo 26. Feb 2018, 12:56

Tosa Inu hat geschrieben :
Mo 26. Feb 2018, 07:40
Alethos hat geschrieben :
So 25. Feb 2018, 22:50
Das müssen wir aber hier nochmal deutlich hervorheben: Das ist keine Frage des Vorrangs eines ontologischen Sinns des Schwesterseins, denn die Sache selbst kümmert es doch nicht im geringsten, ob die Existenz der Schwester sich auf den Gegenstand in der Form einer Romanfigur, einer Figur im Traum oder den Gegenstand eines Irrtums in der Aussage bezieht:
Das wäre m.E. dann der Fall, wenn es ein übergeordnetes Geschwisterprinzip gäbe, dessen Wurzeln nicht biologischer Natur sind.
Dann wären die Existenz biologischer Geschwister nur ein Ausdruck eines übergeordneten Prinzips, z.B. aus einer rein geistigen Welt. Könnte ja sein.
Diesen Denkschritt nachzuvollziehen fällt mir schwer. Warum sollte es ein übergeordnetes Geschwisterprinzip geben müssen, damit das verschiedenartige Geschwistersein als ontologisch gleichrangig gelten könnte? Vielleicht kannst du diesen Punkt noch etwas präzisieren, damit ich ihn verstehen kann.
Tosa Inu hat geschrieben :
Mo 26. Feb 2018, 07:40
Alethos hat geschrieben :
So 25. Feb 2018, 22:50
So wenig es also Esswaren gibt, wenn es niemanden gibt, der essen könnte, sowenig gibt es Atommodelle, wenn es niemanden gibt, der die Natur der physischen Dinge untersucht. Das heisst natürlich aber nicht, dass es keine Atome gibt oder keine essbaren Dinge, oder dass es diese nur gebe, wenn es Menschen gibt, sondern dass das, was sie sein können, nur vor dem Hintergrund ihrer Funktion das sind, was sie nun eben sein können. Atome sind so gesehen nicht weniger praktisch ein Modell als ein Gefäss praktisch ein Trinkgefäss sein kann.

Es gibt ja nirgends diese isolierten Einzeldinge namens Atome, die sich nicht noch weiter aufschlüsseln und in ihrer Tiefenstruktur erforschen und denken liessen. Ein Atom ist also genauso wenig ein Einzelding, sondern das Tor zu einer indefiniten Sinnhaftigkeit des Seienden, wie ein Trinkgefäss nicht ein Einzelding ist, sondern das Tor zu einer indefiniten Sinnhaftigkeit des Seienden.
Es geht ja hier eher nicht um die Frage nach Einzeldingen.
Ich bin ziemlich sicher (aber das ist nur eine Intuition), dass der Begriff des Einzeldings für jede Ontologie zentral ist. An ihm hängt schliesslich der Substanzbegriff und auch die Frage nach seiner Subsistenz.
Tosa Inu hat geschrieben :
Mo 26. Feb 2018, 07:40
Was Du sagst ist jedoch richtig. Atome und Trinkgefäße erscheinen erst einem Beobachter als das, was sie im Rahmen einer bestimmten Art der Betrachtung sein können: Atommodell oder Trinkgefäß. Nur ist da eben auf der anderen Seite bereits etwas da, was diese Funktion übernehmen kann. Vielleicht eine zerplatze Kokosnuss oder eben irgendwas, was als eine Art Ursubstanz fungiert.
Bei Hexen ist da aber erst mal nichts, aus dem man sagen könnte, dass dies nun zukünftig als Hexe 'gebraucht' wird, sondern, das wäre auch die Erklärung von Referenz, sie könnte komplett erfunden sein.
Die Funktionalität von etwas ist ja nur einer von vielen Hintergründen, vor denen sich seine spezifische Seiendheit auszeichnet. Ein Trinkgefäss existiert nur vor dem Hintergrund des Trinkenvorgangs, aber die Hexe existiert nicht aufgrund ihrer Funktion in einer Erzählung (das kann sie auch), sondern ihr referenzieller Rahmen ist der Roman selbst. Sie existiert durch den Roman und der Roman durch sie als eines seiner (vielleicht, aber nicht notwendiger Weise essentieller) Bestandteile. Der Bezugsrahmen der Erzählung genügt, um die Hexe darin erscheinen zu lassen, so dass wir sagen können, es gebe sie als Gegenstand der Erzählung. Sie ist dann die Ursubstanz, von der du sprichst, sie genügt sich selbst in ihrem Hexesein, auch wenn ihr Hexesein gegeben ist durch die Erscheinung in einem Sinnfeld.
Tosa Inu hat geschrieben :
Mo 26. Feb 2018, 07:40
Ich habe aber Probleme, dies als ontologische Eigeständigkeit zu sehen und nur zu dieser würde ich eine eigene Existenz zusprechen.
Wir stossen immer wieder an diesen Begriff der Eigenständigkeit. Ich denke, du meinst damit, dass das entsprechend eigenständig Seiende so gedacht werden muss: Wenn jede menschliche Aktualisierung wegfällt, besteht es durch sich selbst weiter. Aber warum sollte die Eigenständigkeit das Kriterium sein für die ontologische Aussage, dass es existiere. Dass etwas durch etwas anderes existiert, z.B. eine Gedanke durch den Menschen, der ihn denkt, bedeutet doch für die Existenz des Gedankens nichts?



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Herr K.
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Mo 26. Feb 2018, 22:25

Alethos hat geschrieben :
Mo 26. Feb 2018, 12:56
Aber warum sollte die Eigenständigkeit das Kriterium sein für die ontologische Aussage, dass es existiere. Dass etwas durch etwas anderes existiert, z.B. eine Gedanke durch den Menschen, der ihn denkt, bedeutet doch für die Existenz des Gedankens nichts?
Ja, aber die Frage an der Stelle wäre wohl die, inwiefern sich die SFO vom Physikalismus absetzt, ob die SFO mit dem Physikalismus kompatibel ist oder nicht.

Der (ontologische) Physikalismus behauptet - grob gesagt - dass alle konkreten Gegenstände von Physischem (ontologisch) abhängig sind. Anders gesagt: ohne eine Änderung des Physischen keine Änderung sonstwo/sonstwie.

Ob aber überhaupt SFO und Physikalismus inkompatibel sind, ist mir auch noch nicht klar.
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Was war eigentlich nochmal laut SFO das Sinnfeld, in dem das Universum erscheint und somit laut SFO überhaupt erst existieren kann?




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Jörn Budesheim
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Di 27. Feb 2018, 05:14

Welchen Sinn und Zweck hat es Fragen zu stellen, die Antworten zu ignorieren und die Fragen dann wieder und wieder zu wiederholen?




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Jörn Budesheim
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Di 27. Feb 2018, 06:06

Herr K. hat geschrieben :
Mo 26. Feb 2018, 22:25
Der (ontologische) Physikalismus behauptet - grob gesagt - dass alle konkreten Gegenstände von Physischem (ontologisch) abhängig sind. Anders gesagt: ohne eine Änderung des Physischen keine Änderung sonstwo/sonstwie.
Laut SFO gibt es tatsächlich zwischen 3 und 4 unendlich viele Zahlen. Wie sollte das mit deiner Definition, mit der ich im Übrigen nicht übereinstimme, zusammenpassen? Laut SFO gäbe es, wenn es nichts physisches gäbe, immerhin die Tatsache, dass es nichts physisches gibt. Ist das physikalismuskompatibel? Nach meiner Einschätzung ist die SFO wunderbar kompatibel mit den Ergebnissen der Naturwissenschaften, aber sie steht quer zu Szientismus, Physikalismus oder Naturalismus ...




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Di 27. Feb 2018, 07:57

Alethos hat geschrieben :
Mo 26. Feb 2018, 12:56
Diesen Denkschritt nachzuvollziehen fällt mir schwer. Warum sollte es ein übergeordnetes Geschwisterprinzip geben müssen, damit das verschiedenartige Geschwistersein als ontologisch gleichrangig gelten könnte? Vielleicht kannst du diesen Punkt noch etwas präzisieren, damit ich ihn verstehen kann.

Dabei hatte ich die Idee im Kopf, ob es wohl identische Prinzipien für alle Ebenen des Seins gibt, also dieses "Wie oben, so unten" Denken.
In Teilen findet man das immer wieder, z.B. in der Systemtheorie, in mathematischen Fraktalsystemen (zu der für manche die Vorstellung gehört, unsere 'Welt' sei ein durch Mathematik festgeschriebenes Ganzes), bei Plichta Prinzahlzwillingen und natürlich auch bei Platon.
Alethos hat geschrieben :
Mo 26. Feb 2018, 12:56
Ich bin ziemlich sicher (aber das ist nur eine Intuition), dass der Begriff des Einzeldings für jede Ontologie zentral ist. An ihm hängt schliesslich der Substanzbegriff und auch die Frage nach seiner Subsistenz.
Kommt immer drauf an, wie eng oder weit man die Idee der Relationen fasst. Aber die Überlegungen gehen natürlich in die Richtung, bzw. so ist unser Denken aufgebaut, dass Welt aus Einzeldingen besteht.
Stellt man die Frage, wo die Grenze ist und wieso gerade da, wird es schwieriger.
Alethos hat geschrieben :
Mo 26. Feb 2018, 12:56
Die Funktionalität von etwas ist ja nur einer von vielen Hintergründen, vor denen sich seine spezifische Seiendheit auszeichnet. Ein Trinkgefäss existiert nur vor dem Hintergrund des Trinkenvorgangs, aber die Hexe existiert nicht aufgrund ihrer Funktion in einer Erzählung (das kann sie auch), sondern ihr referenzieller Rahmen ist der Roman selbst. Sie existiert durch den Roman und der Roman durch sie als eines seiner (vielleicht, aber nicht notwendiger Weise essentieller) Bestandteile. Der Bezugsrahmen der Erzählung genügt, um die Hexe darin erscheinen zu lassen, so dass wir sagen können, es gebe sie als Gegenstand der Erzählung. Sie ist dann die Ursubstanz, von der du sprichst, sie genügt sich selbst in ihrem Hexesein, auch wenn ihr Hexesein gegeben ist durch die Erscheinung in einem Sinnfeld.
Naja, das sehe ich bekannntermaßen anders.
Alethos hat geschrieben :
Mo 26. Feb 2018, 12:56
Wir stossen immer wieder an diesen Begriff der Eigenständigkeit. Ich denke, du meinst damit, dass das entsprechend eigenständig Seiende so gedacht werden muss: Wenn jede menschliche Aktualisierung wegfällt, besteht es durch sich selbst weiter.
Ungefähr. Eher so: Wenn es nie Menschen, oder die pysische Welt gegeben hätte, würden diese Bereiche dennoch existieren.
Alethos hat geschrieben :
Mo 26. Feb 2018, 12:56
Aber warum sollte die Eigenständigkeit das Kriterium sein für die ontologische Aussage, dass es existiere. Dass etwas durch etwas anderes existiert, z.B. eine Gedanke durch den Menschen, der ihn denkt, bedeutet doch für die Existenz des Gedankens nichts?
Es bedeutet für mich, dass es ein Teil genau dieses Seinsbereichs, oder meinetwegen Sinnfeldes ist.
Wären Gedanken auch ohne Denkende da, wäre das etwas anderes. Bei einer Welt, die aus Urideen besteht, wäre das der Fall (hier wäre dann der Status der Materie problematisch).

Für mich geht das einfach mit den anderen Welten oder Sinnfeldern zu schnell. Wenn ich aus einer Flasche trinke, die jemandem über den Schädel haue oder eine Blume reinstelle, bleibt das für mich alles in einer Welt und wenn der Gebrauch auf unterschiedliche Sinnfelder verweist, z.B. Getränkebehälter, Waffen, Vasen, so sehe zumindest ich da keinen Zwang drei ontologisch getrennte Bereiche zu postulieren.



„Die Tiere machen einen ja nachdenklich. Wir gehen doch noch außerdem zum Friseur u. begaunern die Kundschaft, sonst alles ebenso. Sich lausen u. wichsen, – Kinder, Kinder! Das nennt sich Schöpfung!“ (Gottfried Benn, im Brief, nach Zoobesuch der Affen)

Tosa Inu
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Di 27. Feb 2018, 08:25

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Di 27. Feb 2018, 06:06
Herr K. hat geschrieben :
Mo 26. Feb 2018, 22:25
Der (ontologische) Physikalismus behauptet - grob gesagt - dass alle konkreten Gegenstände von Physischem (ontologisch) abhängig sind. Anders gesagt: ohne eine Änderung des Physischen keine Änderung sonstwo/sonstwie.
Laut SFO gibt es tatsächlich zwischen 3 und 4 unendlich viele Zahlen.
Auf was bezieht sich das denn? Da steht doch überhaupt nichts von.
Im Spiel war eine ganze Zahl, zwischen 12 und 13.
Jörn Budesheim hat geschrieben :
Di 27. Feb 2018, 06:06
Wie sollte das mit deiner Definition, mit der ich im Übrigen nicht übereinstimme, zusammenpassen? Laut SFO gäbe es, wenn es nichts physisches gäbe, immerhin die Tatsache, dass es nichts physisches gibt.
Festgestellt in welcher Welt?
Darum geht es ja. Es ist ja keine Boshaftigkeit, zu fragen, was eine solide Definition für eine andere Seinsform wäre, womit dann, wenn Existieren heißt, in Sinfeldern zu erscheinen, die vorgelegten Fragen organisch verbunden wären.
Es wundert mich ernshaft, dass Du damit zufrieden bist, dass da so wenig Konkretes geagt werden kann.

Überzeugend finde ich das nicht, wenn ich erraten muss, was nun ein einfacher Satz oder was ein Sinnfeld ist, oder ob nun ein Satz ein Sinnfeld ist.
Wie ist es denn, und anhand welcher Kritierien bei Gabriel kann ich das definitiv ableiten?

Ich wüßte auch gerne und habe es neben Herr K. auch schon zig mal gefragt, was das für ein Sinnfeld ist, in dem das physische Universum vorkommt.

Warum soll man Gabriels Bild vom großen Sack: der Menge aller Mengen, dem Sinnfeld aller Sinnfelder, der Liste glauben, wenn viele diese Auffassung nun gar nicht vertreten?
Das wäre zwar einerseits ein Bestätigung von Gabriels These, andererseits wenig sensationell, wenn das sowieso niemand so sieht (die Welt als Döner mit alles).
Das Listenargument ist obendrein wenig überzeugend, weil, wenn man dann nicht mehr über die Welt reden können soll, man auch nicht über das Ich, ein Auto oder Gedicht reden könnte, da sich alles ständig verändert und interpretiert wird. Die Konsequenz, dass man nun überhaupt nicht mehr sinnvoll sprechen könnte, ist etwas zu erkenntnispessimistisch.

Wenn das alles so klipp und klar ist, wie Du zu meinen scheinst, warum kann man nicht einfach hinschreiben, was ein Sinnfeld ist, was seine Grenzen genau definiert (wie beim Hauptsatz oder Säugetier) und auch Fragen nach der Natur der Naturgesetze (die Du ja als Sinnfeld des Universums ansiehst) wären ja durchaus interessant. Wären die Naturgesetze nun räumlich und zeitlich außerhalb der "Natur", des physischen Universums, das wäre ja mal was, für mich z.B. eine echte, ontologische andere Seinsform par excellence. Nun müsste freilich geklärt werden, wie diese Daten an die Materie übermittelt werden, eine recht folgerichtige Forderung.
Alternativ steht die Idee im Raum, dass es Naturgesetze in der oben gechilderten Weise gar nicht gibt, sondern sich gewisse Regularitäten aus dem Verhalten der Materie ergeben, aber von A bis Z durch diese zustande kommen. Es gäbe dann keine Metawelt und auch kein Sinnfeld des Universums, was da sein müsste, damit das Universum erscheinen könnte.
D.h. wer ein Sinnfeld des Universum in der von Dir geschiderten Weise postuliert, behauptet damit, dass es ganz andere Welten außerhalb des Universum gibt und das bereits vor dessen Existenz, die Begründung dafür habe ich eben geliefert. Das ist eine starke These, aber eine, aus der sich ja nun erkennbar weitere Fragen ergeben.
Zuletzt geändert von Tosa Inu am Di 27. Feb 2018, 08:51, insgesamt 1-mal geändert.



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Di 27. Feb 2018, 08:29

Tosa Inu hat geschrieben :
Di 27. Feb 2018, 08:25
warum kann man nicht einfach hinschreiben, was ein Sinnfeld ist
Was ich darunter verstehe, hab ich hier schon oft geschrieben. Diese Beiträge werden jedoch immer ignoriert. Und ein paar Beiträge später wird behauptet, es hätte sie nicht gegeben. Was der Sinn dieses Spieles ist, kann ich nicht nachvollziehen.
Tosa Inu hat geschrieben :
Di 27. Feb 2018, 08:25
Ich wüßte auch gerne und habe es neben Herr K. auch schon zig mal gefragt, was das für ein Sinnfeld ist, in dem das physische Universum vorkommt.
Das ist das selbe sinnlose Spiel: Fragen, Antwort ignorieren, Frage wiederholen. Was soll das?




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Naja, anderswo hattest Du Dich ja gegen eine Schuldzuweisunsgorgie ausgesprochen, Du solltest den anderen dann schon mal positiv unterstellen, dass sie durchaus interessiert die Informationen lesen, dass mir das alles nicht genügt, habe ich ja nun mehrfach geschrieben und auch recht präzise benannt, an welchen Stellen.

Auch in meiner letzten Antwort wieder, bei dem Punkt Naturgesetze, aus dem Du erkennen könntest und solltest, dass da Deine Antwort verarbeitet ist.
Hast Du aber nun erneut überlesen, wenn Interesse besteht das irgendwann mal zu klären, immer gerne, bis dahin bin ich aus dem Thema SFO erst mal raus.



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Di 27. Feb 2018, 09:01

Eine Antwort als ungenügend einzuschätzen ist etwas anderes als zu behaupten, es hätte nie eine Antwort gegeben.




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Alethos
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Di 27. Feb 2018, 13:39

Herr K. hat geschrieben :
Mo 26. Feb 2018, 22:25
Ob aber überhaupt SFO und Physikalismus inkompatibel sind, ist mir auch noch nicht klar.
----
Was war eigentlich nochmal laut SFO das Sinnfeld, in dem das Universum erscheint und somit laut SFO überhaupt erst existieren kann?
Die SFO und der Physikalismus sind nicht kompatible Theorien, wie Jörn weiter oben ausführte, weil der Physikalismus nur eine ontologische Ebene kennt, und nur dieser kommt gemäss ihm der Status des Wirklichen zu. Für den Physikalismus sind Logik, Gedanken, fiktive Gegenstände entweder auf physische Konstanten reduzierbare Gegenstände oder sie haben schlicht keine Wirklichkeit. An dieser Stelle müsste aber der Physikalismus erklären können, wie man über etwas reden können soll, dass es nach ihm gar nicht geben kann. Wie ist es möglich, über Hexen als Gegenstand einer fiktionalen Geschichte zu sprechen, wenn es diese Hexen nicht geben kann? Offensichtlich zeigt dieser Widerspruch zwischen der Existenz von etwas, das es zwar nicht geben kann, aber offenbar dennoch gibt, dass hier die Rede auf zwei verschiedene Gegenstandbereiche verweist: einen physikalischen und einen fiktionalen. Und diesem Umstand versucht die SFO Rechnung zu tragen, indem sie aufzuzeigen versucht, dass sich Begriffe von etwas nicht auf dieses Etwas in einem
Sinne bezieht, sondern im Grunde auf verschiedene Etwasse. Denn eine Hexe aus Fleisch und Blut und eine Hexe in einer Erzählung handeln ja von einem je anderen Gegenstand. Der Hexebegriff findet sich also eingebettet in einen ontologischen Kontext, so dass von der Existenz der Hexe zu reden immer nur bedeuten kann, den sinnhaften Hintergrund zu implizieren, durch den dieses Ding (hier: Hexe) dieses Ding ist und nicht das andere.

Das Universum kommt im Sinnfeld vor, das nun entweder grösser ist als es selbst, dann wird das Universum erscheinen in diesem
Sinnfeld, oder aber das Universum besteht nicht als eine ontologisch einheitliche Sphäre, sondern in der Zusammensetzung der verschiedenen Sinnfelder, die die in ihm vorkommenden Dinge gemeinsam bilden. Im ersten Fall wird das Universum als ganze Sphäre des physikalischen Raums umfasst durch etwas geometrisch noch Grösseres (dessen Name und Begriff meinen Verstand übersteigt), im zweiten Fall handelt es sich beim Universum um die Fülle der je lokalen physikalischen Erscheinungen: Atome, Sterne, Planeten, Galaxien etc. Dann wäre das Universum aber ein Sinnfeld, das subsistiert durch seine Teile und nicht existiert in seiner metaphysischen Gesamtheit.



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Jörn Budesheim
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Di 27. Feb 2018, 13:45

Alethos hat geschrieben :
Di 27. Feb 2018, 13:39
Wie ist es möglich, über Hexen als Gegenstand einer fiktionalen Geschichte zu sprechen, wenn es diese Hexen nicht geben kann?
Insbesondere: wie ist es möglich, wahre Ansichten über solche Hexen zu haben.




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novon
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Di 27. Feb 2018, 22:58

"Ansichten" über Beschreibungen von fiktiven Hexen stellen keine solchen über tatsächliche solche dar. Aussagen über Hexen im Faust rekurrieren nicht auch Hexen, sondern auf Beschreibungen von Hexen (im Faust)... Im Faust existieren keine Hexen, sondern entsprechende Beschreibungen, Fiktionen.




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An die Freunde der Gewißheit
Was, wenn Philosophen mit ihrer Philosophie und ihrer übernatürlichen Vernunft erst die Probleme erschaffen, die sie hernach lösen wollen, einfach weil sie kein wirkliches Problembewußtsein systembedingt entwickeln können?




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Alethos
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So 4. Mär 2018, 17:41

novon hat geschrieben :
Di 27. Feb 2018, 22:58
"Ansichten" über Beschreibungen von fiktiven Hexen stellen keine solchen über tatsächliche solche dar. Aussagen über Hexen im Faust rekurrieren nicht auch Hexen, sondern auf Beschreibungen von Hexen (im Faust)... Im Faust existieren keine Hexen, sondern entsprechende Beschreibungen, Fiktionen.
Dann aber existieren Fiktionen. Die Hexe im Faust existiert als Fiktion. 'Es gibt Hexen in Faust' heisst nun nicht 'Es gibt Hexen auf Besenstielen über Köln.'
Ausser natürlich im vorherigen Satz.



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Tarvoc
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novon hat geschrieben :
Di 27. Feb 2018, 22:58
Aussagen über Hexen im Faust rekurrieren nicht auch Hexen
Die Frage ist ja, wie Aussagen und Ausdrücke überhaupt "rekurrieren", bzw. was das heißen soll oder vernünftigerweise überhaupt heißen kann. Sie tun das ja nicht einfach so von sich aus, durch direkte Repräsentation, und auch nicht einfach durch simple Deixis - Quines "Gavagai" ist ja ein gutes Beispiel - sondern innerhalb eines Kontexts, der selbst wieder zu einem guten Teil sprachlich konstituiert ist. Gabriel fasst diese Kontexte als "Sinnfelder". Goethes "Faust" als abgeschlossenes literarisches Werk konstituiert zum Beispiel ein solches Sinnfeld. Sein Erschließen erfordert allerdings wieder eine Kenntnis seiner kulturellen Hintergründe.



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Tarvoc hat geschrieben :
Mo 5. Mär 2018, 10:51
Die Frage ist ja, wie Aussagen und Ausdrücke überhaupt "rekurrieren", bzw. was das heißen soll oder vernünftigerweise überhaupt heißen kann. Sie tun das ja nicht einfach so von sich aus, durch direkte Repräsentation, und auch nicht einfach durch simple Deixis - Quines "Gavagai" ist ja ein gutes Beispiel - sondern innerhalb eines Kontexts, der selbst wieder zu einem guten Teil sprachlich konstituiert ist.
Zu einem guten Teil, ja.
Die Frage ist aber, was mit dem unguten Teil, sprich, dem Rest ist.
Die sprachlichen Konstrukte gruppieren sich in der physikalischen Welt ja um etwas, was "da" ist, sei es das blöde Kaninchen oder sonst was. Dann gibt es natürlich noch Konstrukte die so zwischen Baum und Borke sind, z.B. die "German Angst". Ein Konstrukt, was sich auf angeblich typische Interpretationsweisen beziehen soll.

Der Kern des Disputs hier dreht sich darum, ob diese Interpretationsweisen, z.B. der German Angst letztlich ontologisch physikalischer Natur sind. Dass sie epistemologisch bottom up erklärt werden können, glaubt hier keiner, dass 'kann physikalisch nicht erklärt werden' nicht automatisch bedeutet, dass dies nun auch einen nichtphysikalischen Hintergrund erzwingt, darum dreht sich der Streit.

Gabriel setzt aber noch einen drauf und spricht dezidiert von einer neuen Ontologie. Die Frage ist, aus welchen 'Stoff' die anderen Welten sind und wie die sich klassisch daraus ergebenden Probleme zu lösen sind.



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Alethos
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Sa 10. Mär 2018, 09:52

100 wirkliche Schwestern enthalten nicht das Mindeste mehr als 100 mögliche.



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Jörn Budesheim
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Sa 10. Mär 2018, 09:59

Erinnert an Kants 100 Thaler :-) Hast du dazu weitere Ausführungen oder Links?




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mariaboiler
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Sa 10. Mär 2018, 18:31

Ich möchte mich bei allen Diskutierenden, besonders aber dem Threadstarter, für die engagierten und hochinteressanten Beiträge bedanken. Ihr alle habt mir einen Autor, den ich sonst eher ignoriert hätte, so spannend gemacht, dass ich mir "Sinn und Existenz" besorgt habe: und nach Lesen der ersten Seiten schon sehr froh darüber bin. Es ist ein sehr erfrischender Ansatz. Mit einzelnen Fragen und Argumenten, die wohl ohnedies irgendwo auf den 45 Seiten, die ich nur zum Teil gelesen habe, schon gestellt oder beantwortet worden sind, werde ich nicht loslegen.




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Jörn Budesheim
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Sa 10. Mär 2018, 18:41

Soweit ich weiß,, haben vier User*innen jetzt Sinn und Existenz! Wir sollten vielleicht die Einleitung (das sind doch so 30-40 Seiten, oder?) gemeinsam durchgehen und diskutieren! Hart am Text sozusagen.




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