Nietzsche im Allgemeinen und Speziellen

Philosoph
Dynamis
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Mi 24. Jun 2026, 09:21

Timberlake hat geschrieben :
Mo 22. Jun 2026, 16:20
In Haffners Meisterwerk Geschichte eines Deutschen (erfasst im englischen Exil, aber als sehr persönliche Momentaufnahme aus dem Jahr 1939 stammend) zeigt sich ein Subtext, der stark an Nietzsches Kulturkritik erinnert:
  • Er beschreibt die deutsche Jugend der 1920er und 1930er Jahre als politisch desorientiert, sehnsüchtig nach "Erlebnissen" und bereit, sich radikalen Bewegungen zu unterwerfen.
  • Haffners schonungslose Abrechnung mit der deutschen Mentalität und dem fehlenden moralischen Kompass des Bürgertums korrespondiert dabei oft mit Nietzsches Warnungen vor dem "letzten Menschen" und der Entstehung des "Unpolitischen".

Wenn ich mir allerdings dazu das vergegenwärtige, was die KI dazu aufgesammelt hat, so scheint er allerdings gar nicht mal so weit weg von dem, wie ich Nietzsche diesbezüglich sehe. Es sei denn, dass das nur von der KI in meinem Sinne fantasiert wurde. War doch jegliche Suche jenseits davon, also nach Zitaten von Haffner, die das belegen meinerseit, vergeblich
Das finde ich gut, dass du nach den Zitaten Ausschau hältst, denn die sind meistens besser als die KI-Zusammenfassung.
Sebastian Haffner hat geschrieben : Ich erwähnte schon im Vorübergehen, daß die Begabung meines Volkes zum persönlichen Leben und persönlichen Glück ohnehin schwächer ausgebildet ist als die anderer Völker. Ich habe später in Frankreich und England mit einem gewissen Staunen und nicht ohne Neid beobachtet und nachempfinden gelernt, welche Fülle von unverwelklichem Glück und welche unerschöpfliche Quelle von lebenslänglicher Unterhaltung etwa der Franzose aus dem verständig-geistreichen Essen und Trinken, dem männlichen Redestreit und der heidnisch-künstlerisch kultivierten Liebe, der Engländer aus seinen Gärten, dem Umgang mit Tieren und seinen vielen, kindlich-ernsthaft betriebenen Spielen und Hobbys gewinnt. Der Durchschnittsdeutsche hat nichts Entsprechendes. Nur eine bestimmte Bildungsschicht - nicht gar zu klein, aber doch natürlich eine Minderheit - fand und findet ähnliche Lebensinhalte und Lebensfreuden in Büchern und Musik, eigenem Denken und dem Bilden einer eigenen »Weltanschauung«. Gedankenaustausch, nachdenkliches Gespräch beim Glase Wein, treu und etwas sentimental bewahrte und gepflegte wenige Freundschaften, schließlich, nicht zu vergessen, ein inniges und intensives Familienleben - das sind die Lebensgüter und -freuden, die in dieser Schicht zu Hause waren. Fast alles davon war in der Dekade 1914-24 in Unordnung und Verfall geraten, und die Jüngeren wuchsen in keine feste Gewohnheit und Überlieferung hinein.

Jenseits der Bildungsschicht heißt und hieß die große Gefahr des Lebens in Deutschland immer: Leere und Langeweile. (Ausgenommen vielleicht in gewissen geographischen Randgebieten: Bayern, Rheinland - wo etwas Süden, Romantik und Humor ins Spiel kommen.) Über den großen Flächen Nord- und Ost-Deutschlands, in seinen farblosen Städten, hinter seinen allzu fleißig, gründlich und pflichtbewußt betriebenen Geschäften und Organisationen droht und drohte immer der Stumpfsinn. Und zugleich der horror vacui und der Wunsch nach »Erlösung«: Erlösung durch Alkohol, durch Aberglauben oder, am besten, durch einen großen, alles überschwemmenden, billigen Massenrausch." (Haffner, "Geschichte eines Deutschen", 2014 Panthen, S. 71.)
Es gibt hier eine äußerst vage Ähnlichkeit zu Nietzsches Warnung vor dem "letzten Menschen". Der Begriff des "letzten Menschen" taucht in Nietzsches "Also sprach Zarathustra" auf, wo Nietzsche den Begriff benutzt, um einen degenerierten Menschentypus zu beschreiben:
Nietzsche hat geschrieben : Man hat sein Lüstchen für den Tag und sein Lüstchen für die Nacht: aber man ehrt die Gesundheit. (Quelle: http://www.nietzschesource.org/#eKGWB/Za-I-Vorrede-5)


Nun, Haffner würde sagen, es wäre ja schön, wenn die Deutschen wenigstens das hätten. Die Franzosen und die Engländer sind so kultiviert, die haben ihr Lüstchen. Aber die Deutschen sind noch schlimmer, die haben nicht einmal das.

Man muss hier auch sehen, dass Haffner die geistige Befindlichkeit anhand der Milieuzugehörigkeit analysiert. Unser Umfeld prägt uns und vermittelt uns die Kunst das Leben zu genießen - oder tut es eben nicht. Bei Nietzsche geht die Kritik am "letzten Menschen" in eine andere Richtung und die ist durchaus aufschlussreich. So etwas wie ein "Lüstchen für den Tag" und ein "Lüstchen für die Nacht" ist auch nicht der tiefste Lebenssinn, dieser Punkt kommt in Haffners Analyse zu kurz. Haffner bewundert die Engländer und Franzosen dafür, wie kultiviert sie sind, und ignoriert dabei, dass Frankreich und England in den Jahrhunderten vor dem 20. Jahrhundert die größten Kolonialmächte waren. Die Kultiviertheit der Engländer und Franzosen beruht also nicht nur auf einer bestimmten Sozialisierung, sondern auch auf einer unpolitischen Haltung, in welcher die verheerenden Auswirkungen des Kolonialismus verdrängt wurden. Dass man sich mit allerlei "kindlich-ernsthaft betriebenen Spielen und Hobbys" abzulenken weiß, ist also auch eine Verdrängungsleistung. Während Haffner davon schwärmt, "welche Fülle von unverwelklichem Glück und welche unerschöpfliche Quelle von lebenslänglicher Unterhaltung etwa der Franzose aus dem verständig-geistreichen Essen und Trinken" gewinnt, macht Nietzsche sich darüber lustig - und zwar durchaus zurecht.

Deswegen wäre ich hier sehr vorsichtig damit Haffners Analyse mit "Nietzsches Kulturkritik" gleichzusetzen. Beide Autoren haben ja auch unterschiedliche Erkenntnisinteressen. Dem Haffner geht es eher um eine historische Betrachtung und will verstehen, wie die Menschen der damaligen Zeit von ihrem Milieu geprägt worden sind. Nietzsche geht es hingegen um eine Kritik an einer allzu seichten Lebensauffassung, die das Glück ausschließlich aus "aus dem verständig-geistreichen Essen und Trinken", aus "Gärten" oder aus "Spielen und Hobbys" zieht.

Mein Tipp: Selber lesen und sich Gedanken über das Gelesene zu machen ist immer noch besser als sich die Gedanken von der KI zusammenfassen lassen! :-)




Dynamis
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Mi 24. Jun 2026, 09:38

Timberlake hat geschrieben :
Di 23. Jun 2026, 20:18
Schon mal dran gedacht, dass das zu der erstaunlichen Oekonomie der Arterhaltung gehört? Freilich zu einer kostspieligen, verschwenderischen und im Ganzen höchst thörichten Oekonomie: – welche aber bewiesener Maassen unser Geschlecht bisher erhalten hat. - wie es hier bei Nietzsche heißt!
Du musst dich schon entscheiden. Entweder kritisierst du einen Raubtier-Kapitalismus:
Timberlake hat geschrieben :
Di 23. Jun 2026, 19:45
.. so gibt es sicherlich an einer Ideologie des Raubtierkapitalismus eben das zu kritisieren. Also eine Ideologie, die auf Maximierung des eigenen Profits ausgerichtet ist und soziale Verantwortung, Arbeitnehmerrechte oder ökologische Standards ignoriert. Wie es hier heißt. Nur muss man tatsächlich beim Rechtspopulismus selbst nachweisen, was sein Widerspruch zu dieser Beute ist. So wie er von Hause aus für einen solchen Raubtierkapitalismus steht, der sich eben das zur Beute macht.
Oder du gehst von einer "Ökonomie der Arterhaltung" aus und erklärst dir Phänomene wie Faschismus, Ökozid, Femizide, Lobbyismus usw. aus dieser Betrachtungsweise.

Der Witz an der Kapitalismuskritik ist ja eben die Ersetzung einer naturalistischen oder moralinsauren Sichtweise durch die systemische Sichtweise. Man erklärt ökonomische und politische Phänomene nicht mehr dadurch, dass man die "Natur des Menschen" dafür verantwortlich macht oder moralische Verfehlungen anprangert, sondern man erklärt sie dadurch, dass man sie als systemisch bedingt durch den Kapitalismus analysiert. Wenn du mit dieser Form von Systemkritik nichts anzufangen weißt, alles gut, dann bist du eben anderer Meinung als der Kapitalismuskritiker. Dann machst du eben stattdessen die "Ökonomie der Arterhaltung" für die massiven Zerstörungen, die in unserer Welt angerichtet werden, verantwortlich. Ist ja auch ein möglicher Analyseansatz.

Aber bitte vermische die beiden Ansätze, Naturalismus und Systemkritik, nicht.




Timberlake
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Mi 24. Jun 2026, 15:35

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Timberlake
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Mi 24. Jun 2026, 15:35

Dynamis hat geschrieben :
Mi 24. Jun 2026, 09:21
Sebastian Haffner hat geschrieben : Ich erwähnte schon im Vorübergehen, daß die Begabung meines Volkes zum persönlichen Leben und persönlichen Glück ohnehin schwächer ausgebildet ist als die anderer Völker. Ich habe später in Frankreich und England mit einem gewissen Staunen und nicht ohne Neid beobachtet und nachempfinden gelernt, welche Fülle von unverwelklichem Glück und welche unerschöpfliche Quelle von lebenslänglicher Unterhaltung etwa der Franzose aus dem verständig-geistreichen Essen und Trinken, dem männlichen Redestreit und der heidnisch-künstlerisch kultivierten Liebe, der Engländer aus seinen Gärten, dem Umgang mit Tieren und seinen vielen, kindlich-ernsthaft betriebenen Spielen und Hobbys gewinnt. Der Durchschnittsdeutsche hat nichts Entsprechendes. Nur eine bestimmte Bildungsschicht - nicht gar zu klein, aber doch natürlich eine Minderheit - fand und findet ähnliche Lebensinhalte und Lebensfreuden in Büchern und Musik, eigenem Denken und dem Bilden einer eigenen »Weltanschauung«. Gedankenaustausch, nachdenkliches Gespräch beim Glase Wein, treu und etwas sentimental bewahrte und gepflegte wenige Freundschaften, schließlich, nicht zu vergessen, ein inniges und intensives Familienleben - das sind die Lebensgüter und -freuden, die in dieser Schicht zu Hause waren. Fast alles davon war in der Dekade 1914-24 in Unordnung und Verfall geraten, und die Jüngeren wuchsen in keine feste Gewohnheit und Überlieferung hinein.

Jenseits der Bildungsschicht heißt und hieß die große Gefahr des Lebens in Deutschland immer: Leere und Langeweile. (Ausgenommen vielleicht in gewissen geographischen Randgebieten: Bayern, Rheinland - wo etwas Süden, Romantik und Humor ins Spiel kommen.) Über den großen Flächen Nord- und Ost-Deutschlands, in seinen farblosen Städten, hinter seinen allzu fleißig, gründlich und pflichtbewußt betriebenen Geschäften und Organisationen droht und drohte immer der Stumpfsinn. Und zugleich der horror vacui und der Wunsch nach »Erlösung«: Erlösung durch Alkohol, durch Aberglauben oder, am besten, durch einen großen, alles überschwemmenden, billigen Massenrausch." (Haffner, "Geschichte eines Deutschen", 2014 Panthen, S. 71.)
Es gibt hier eine äußerst vage Ähnlichkeit zu Nietzsches Warnung vor dem "letzten Menschen". Der Begriff des "letzten Menschen" taucht in Nietzsches "Also sprach Zarathustra" auf, wo Nietzsche den Begriff benutzt, um einen degenerierten Menschentypus zu beschreiben:
Nietzsche hat geschrieben : Man hat sein Lüstchen für den Tag und sein Lüstchen für die Nacht: aber man ehrt die Gesundheit. (Quelle: http://www.nietzschesource.org/#eKGWB/Za-I-Vorrede-5)


Ganz meiner Meinung, so wie Nietzsches den degenerierten "letzten Menschen" an der Verknüpfung von "sein Lüstchen für den Tag und sein Lüstchen für die Nacht" und dessen "Ungesundheit" festmacht. Zumindest gehe ich einmal davo aus. Bei Haffner allerdings fehlt diese Verknüpfung. Da erlebt der Franzose und der Engländer sein Lüstchen für den Tag und sein Lüstchenfür die Nacht, ganz ohne, dass er das mit dessen gesundheitlichen Schädlichkeit verknüpft. Wenn es bei Haffner zu den Deutschen heißt ..ich zitiere
  • "Jenseits der Bildungsschicht heißt und hieß die große Gefahr des Lebens in Deutschland immer: Leere und Langeweile"
  • "Erlösung durch Alkohol, durch Aberglauben oder, am besten, durch einen großen, alles überschwemmenden, billigen Massenrausch."
So liefe hingegen das vielmehr auf ein ..
  • "Man hat seine "Leere und Langeweile" für den Tag und seine Leere und Langeweile für die Nacht."
..hinaus. Eine "Leere und Langeweile" , das bei den Deutschen den Wunsch nach »Erlösung« durch Alkohol, durch Aberglauben oder, am besten, durch einen großen, alles überschwemmenden, billigen Massenrausch erweckt. So das Haffner in diesem Fall wiederum hier das getan -- also eine solche Verknüpfung mit der Gesundheit. Nur eben nicht mit ein Lüstchen für den Tag und ein Lüstchen für die Nacht, sondern mit einer "Leere und Langeweile" für den Tag und eine Leere und Langeweile für die Nacht."

Für Nieztsche ebenfalls für den degenerierten "letzten Menschen" stehend, wie ich meine.
  • "Was den Deutschen abgeht
    Ich sprach vom deutschen Geiste: daß er gröber wird, daß er sich verflacht. Ist das genug? – Im Grunde ist es etwas ganz anderes, das mich erschreckt: wie es immer mehr mit dem deutschen Ernste, der deutschen Tiefe, der deutschen Leidenschaft in geistigen Dingen abwärts geht. Das Pathos hat sich verändert, nicht bloß die Intellektualität. – Ich berühre hier und da deutsche Universitäten: was für eine Luft herrscht unter deren Gelehrten, welche öde, welche genügsam und lau gewordne Geistigkeit! Es wäre ein tiefes Mißverständnis, wenn man mir hier die deutsche Wissenschaft einwenden wollte – und außerdem ein Beweis dafür, daß man nicht ein Wort von mir gelesen hat.
    Nietzsche ...Götzen-Dämmerung


Übrigens

Und wenn es hier bei Nietzsche heißt ..
  • "Ich berühre hier und da deutsche Universitäten: was für eine Luft herrscht unter deren Gelehrten, welche öde, welche genügsam und lau gewordne Geistigkeit!"
.. und Haffner meint ..
  • "Jenseits der Bildungsschicht heißt und hieß die große Gefahr des Lebens in Deutschland immer: Leere und Langeweile"
.. so würde ich die Leere und Langeweile auch diesseits der Bildungsschicht verorten. Auch und insbesondere noch heute, wie ich meine. So wie ich zum Beweis die Worte von Nietzsche gelesen habe. Obgleich ich selbst nie in einer solchen Universität war. Mir reicht , was dazu von den deutschen Universitäten in meiner Wahrnehmung kommt .. Leere und Langeweile
  • Wir stehen am Hauptbahnhof. Das Känguru muss mal. Ich muss auch, allerdings nicht auf's Klo, sondern nur davor warten. Nach einer Minute kommt das Känguru zurück.

    "Ist dir klar, dass die meisten Krisentheorien des Kapitalismus, die den baldigen Zusammenbruch vorhersagen, daran kranken, dass sie unterschätzen, wie viele einst wertfreie Bereiche des gesellschaftlichen Zusammenlebens noch der kapitalistischen Verwertungskette anheimfallen können, um solchermaßen die Krisentendenzen durch eine quasi erneute ursprüngliche Akkumulation abzuschwächen?", fragt das Känguru.

    Ich seufze.

    "Brauchste Geld für's Klo?", frage ich.

    "Ich sehe, wir verstehen uns."

    Marc-Uwe Kling - Ansichten eines vorlauten Beuteltiers
.. oder auch "Brauchste Geld für's Klo", wenn man denn dergleichen diesseits der (philosophischen) Bildungsschicht, jenseits dieser Bildungsschicht zu übersetzten weiß ..bestenfalls.




Timberlake
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Mi 24. Jun 2026, 16:29

Dazu vielleicht passend ...
lesering.de hat geschrieben : Markus Gabriel über Precht: "Mich stört das Intellektuellen-Bashing"

Der Philosoph Markus Gabriel sieht das "Intellektuellen-Bashing" mit Blick auf den Shitstorm um den Richard David Precht und Svenja Flaßpöhler kritisch.

Richard David Precht ist nicht nur ein Bestseller-Garant, sondern auch ein beliebter Talkshow-Gast. Die breite Öffentlichkeit schätzt die Ansichten des Philosophen, was nicht zuletzt daran liegen sollte, dass er es versteht, komplexe Sachverhalte allgemein verständlich darzustellen. Nicht verwunderlich, dass sich vor diesem Hintergrund Feinde formieren. Auch nicht verwunderlich, dass jene Feinde oftmals einem akademischen Milieu entstammen, oder sich zumindest einem solchen zuordnen lassen. Unterkomplex, vereinfacht, oberflächlich, lauten dann die Vorwürfe, als gäbe es einen anderen Weg als die Vereinfachung, um eine möglichst breite Masse für philosophische Themen zu begeistern. Aber die akademische Elite will elitär bleiben. Aus den Schießscharten ihrer Elfenbeintürme feuern sie, um sich gegen die Eindringlinge aus dem "einfachen Volk" zur Wehr zu setzen. Und diese Gegenoffensive nimmt zu. Seit einigen Jahren sind es nicht mehr nur die Bewacher der Elfenbeintürme selbst, die sich gegen die bedrohlichen Mächte der öffentlichen Intellektuellen richten. Man hat Fußvolk angeheuert. Menschen, die irgendwann mal irgendetwas studiert haben, und jetzt auf Twitter sind.




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Jörn P Budesheim
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Mi 24. Jun 2026, 17:53

Gabriel hat über Precht an anderer Stelle gesagt, dass er ihn für einen extrem schlecht ausgebildeten Philosophen hält. In diesem Artikel macht er geltend, dass Brecht überhaupt keinen Philosoph ist, und ich meine, ähnliches hätte er auch vor kurzem gesagt: für ihn ist er ein Germanist oder so ähnlich.



Das Thema interessiert dich? Was meinst du dazu? Wir freuen uns auf deine Meinung – melde dich an und diskutiere mit uns.“

Dynamis
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Mi 24. Jun 2026, 18:08

Timberlake hat geschrieben :
Mi 24. Jun 2026, 15:35
Und wenn es hier bei Nietzsche heißt ..
  • "Ich berühre hier und da deutsche Universitäten: was für eine Luft herrscht unter deren Gelehrten, welche öde, welche genügsam und lau gewordne Geistigkeit!"
.. und Haffner meint ..
  • "Jenseits der Bildungsschicht heißt und hieß die große Gefahr des Lebens in Deutschland immer: Leere und Langeweile"
.. so würde ich die Leere und Langeweile auch diesseits der Bildungsschicht verorten.
Genau, da gibt es eine Diskrepanz zwischen Nietzsche und Haffner. Das hat einfach damit zu tun, dass sie sich für unterschiedliche Dinge interessieren. Dem Haffner geht es darum das Verhalten der Leute aus der Zugehörigkeit zu ihrer jeweiligen gesellschaftlichen Schicht abzuleiten. Nietzsche geht es eher um eine Kulturkritik.
Timberlake hat geschrieben : .. oder auch "Brauchste Geld für's Klo", wenn man denn dergleichen diesseits der (philosophischen) Bildungsschicht, jenseits dieser Bildungsschicht zu übersetzten weiß ..bestenfalls.
Klar, Kapitalismuskritik ist nur dann relevant für die politische Praxis, wenn sie für die politische Agitation benutzt wird. Ohne politische Agitation ist das nur ein Glasperlenspiel im Elfenbeinturm. Nun haben Wissenschaftler aber häufig eine recht merkwürdige Vorstellung von Arbeitsteilung, die so aussieht: Sie forschen, sammeln Erkenntnisse und informieren, das ist ihr Job. Und die Politiker setzen das dann in politische Maßnahmen um, das ist deren Job. Ich hatte ja schon an anderer Stelle auf die Dokumentation "Das Gewicht der Welt" hingewiesen. Dort wird diese Arbeitsteilung sehr selbstkritisch von den Protagonisten reflektiert. Die Doku handelt von dem Leben dreier Wissenschaftler, die in ihrer Reflexion zu dem Ergebnis kommen, dass die Arbeitsteilung nicht funktioniert, weil die Politik einfach ihren Job nicht macht. Und deswegen fällt den Wissenschaftlern die Aufgabe zu, dass sie sozusagen aus ihrer Rolle fallen und selbst aktivistisch unterwegs sind. Leider sieht man in dem Film nicht, dass sich die Protagonisten tiefergehende Gedanken darüber machen, woher das eigentlich kommt, dass die Politik ihren Job nicht macht. Sind die Politiker einfach nur faul und ignorant oder was ist da eigentlich das Problem? Und genau hier setzt eine systemische Betrachtungsweise an. Sie versucht das Scheitern der Politik im Ökozid nicht als moralisches Versagen oder mit der Natur des Menschen zu erklären, sondern sie weist auf die systemischen Ursachen hin. Das kann beispielsweise in der Form einer Kapitalismuskritik erfolgen: Dann wird eben aus der Maxime der Profitmaximierung erklärt, warum regelmäßig Gewinne und Wachstum mehr zählen als ein achtsamer Umgang mit den planetaren Grenzen. Und klar, wenn man Systemkritik übt, dann schärft dies das Bewusstsein dafür, dass das System nicht in Stein gemeißelt ist. Es lässt sich ändern. Freilich hat eine radikale Systemtransformation gewaltige Auswirkungen und davor scheuen viele Wissenschaftler zurück. Aber dabei wäre eine radikale Systemtransformation alles andere als "Leere und Langeweile".

Zu Precht: Früher habe ich über Precht auch die Nase gerümpft. Inzwischen nehme ich da eine etwas gelassenere Haltung ein. In dem von dir verlinkten Artikel heißt es:
Jens Roger hat geschrieben : Mit Philosophie, so hörte man oft, hätte dieses Gespräch wenig zu tun gehabt. In einem Artikel der Autorin Magarete Stokowski heißt es unter anderem: "... man würde von jedem Uni-Seminar entsetztes Lachen ernten", würde man die Namen der beiden auf die Literaturliste setzen. Ob Stokowski hier gegen die biedere Voreingenommenheit der Studierenden, oder gegen die Bücher von Precht und Flaßpöhler argumentiert, bleibt, zumindest für nicht voreingenommene LeserInnen, offen. Warum sollte man Vorbehalte gegen ein noch nicht gelesenes Buch haben?
Ich kenne die Kontroverse um Precht und Flaßpöhler nicht im Detail und interessiere mich nicht für sie. Aber die Frage ist berechtigt: Warum sollte man Vorbehalte gegen ein noch nicht gelesenes Buch haben? Und ob Precht ein Philosoph ist oder nicht, interessiert mich nicht. Mich interessiert es, ob seine Aussagen stimmen. Wahrscheinlich sind viele Dinge, die er sagt, falsch, irreführend oder belanglos. Aber das ist dann jeweils konkret an dem zu beurteilen, was er sagt.




Timberlake
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Do 25. Jun 2026, 04:07

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Mi 24. Jun 2026, 17:53
Gabriel hat über Precht an anderer Stelle gesagt, dass er ihn für einen extrem schlecht ausgebildeten Philosophen hält. In diesem Artikel macht er geltend, dass Brecht überhaupt keinen Philosoph ist, und ich meine, ähnliches hätte er auch vor kurzem gesagt: für ihn ist er ein Germanist oder so ähnlich.
"Friedrich Nietzsche im 19. Jahrhundert war einer der scharfsinnigsten Kritiker der Philosophie, aber seine eigenen Wunschbilder vom Menschen waren kitschig, anmaßend und albern"
Precht .. Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?


Ich bin zwar kein ausgebildeter Philosoph, aber bei dem, was ich bisher zu den "Wunschbilder vom Menschen" bei Nietzsche zur Kenntnis genommen habe, so würde ich Gabriel zumindest diesbezüglich darin zustimmen.

Dazu nur mal zur Info ..

"Wir haben umgelernt. Wir sind in allen Stücken bescheidner geworden. Wir leiten den Menschen nicht mehr vom »Geist«, von der »Gottheit« ab, wir haben ihn unter die Tiere zurückgestellt. Er gilt uns als das stärkste Tier, weil er das listigste ist: eine Folge davon ist seine Geistigkeit. Wir wehren uns andrerseits gegen eine Eitelkeit, die auch hier wieder laut werden möchte: wie als ob der Mensch die große Hinterabsicht der tierischen Entwicklung gewesen sei. Er ist durchaus keine Krone der Schöpfung: jedes Wesen ist, neben ihm, auf einer gleichen Stufe der Vollkommenheit... Und indem wir das behaupten, behaupten wir noch zuviel: der Mensch ist, relativ genommen, das mißratenste Tier, das krankhafteste, das von seinen Instinkten am gefährlichsten abgeirrte – freilich, mit alledem, auch das interessanteste!"
Nietzsche ... Der Antichrist

atomwaffena-z.info hat geschrieben :
Mehrfachvernichtungskapazität
engl.: Overkill

Die Atommächte waren und sind, durch ihre Unmengen von Atomwaffen, in der Lage die Welt mehrfach zu zerstören. Dieses Übermaß an Atomwaffen wird mit dem englischen Begriff »Overkill« (Mehrfachvernichtungskapazität) beschrieben.

Um das Ausmaß der nuklearen Bedrohung zu veranschaulichen, stellte die Theologin Uta Ranke-Heinemann, in einer Rede im Oktober 1981, die Frage, woher man denn die 100 Milliarden Menschen bekommen würde, die durch die Sprengkraft vernichtet werden könnten.

Es bestünde ja kein Mangel an Waffen mehr, vielmehr reichen die Menschen, die durch Atomwaffen vernichtet werden könnten, nicht mehr aus. Statistisch gesprochen klaffe die Schere zwischen aktivem und passivem Vernichtungspotential immer weiter auseinander, so Ranke-Heinemann. (LL)
de.statista.com hat geschrieben :
Atomkriegsuhr (doomsday clock) - Minuten bis Mitternacht bis 2026
Veröffentlicht von Statista Research Department, 17.06.2026

Laut der Atomkriegsuhr (Doomsday Clock) wurde die „Zeit bis Mitternacht“ im Jahr 2026 auf 85 Sekunden gesetzt (1,42 Minuten) – so nah an Mitternacht wie noch nie zuvor. Im Jahr 2025 lag der Wert noch bei 89 Sekunden, während er in den frühen 1990er-Jahren ein Vielfaches höher war.

Dynamis hat geschrieben :
Mi 24. Jun 2026, 18:08
Genau, da gibt es eine Diskrepanz zwischen Nietzsche und Haffner. Das hat einfach damit zu tun, dass sie sich für unterschiedliche Dinge interessieren. Dem Haffner geht es darum das Verhalten der Leute aus der Zugehörigkeit zu ihrer jeweiligen gesellschaftlichen Schicht abzuleiten. Nietzsche geht es eher um eine Kulturkritik.
Vobn daher würde ich übrigens meinen, dass es Nietzsche eher um eine Kritik des Menschen geht und das in Anbetracht des Overkills, der Atomkriegsuhr und einer Menschheit, die sich abschafft, durchaus zu recht. Wie ich meine.




Dynamis
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Do 25. Jun 2026, 10:20

Timberlake hat geschrieben :
Do 25. Jun 2026, 04:07
Vobn daher würde ich übrigens meinen, dass es Nietzsche eher um eine Kritik des Menschen geht und das in Anbetracht des Overkills, der Atomkriegsuhr und einer Menschheit, die sich abschafft, durchaus zu recht. Wie ich meine.
Doch, es geht schon um eine Kulturkritik. Guck doch mal genauer, was da steht:

"der Mensch ist, relativ genommen, das missrathenste Thier, das krankhafteste, das von seinen Instinkten am gefährlichste<n> abgeirrte"

Da sagt Nietzsche zwei Dinge:
a) Der Mensch ist von seinen Instinkten abgeirrt.
b) Das macht ihn so gefährlich.

Oder anders ausgedrückt: Der Mensch ist nicht mehr durch seine Instinkte determiniert. Und deswegen tut er auch verrückte Sachen, die andere Tiere nicht machen, er baut zum Beispiel Atombomben. Aber das hat dann eben mit seiner jeweiligen Kultur zu tun, dass er diese verrückte Sachen macht, und eben nicht mit seinen Instinkten. Unsere Kultur ist vom allgegenwärtigen Nationalismus geprägt, deswegen nimmt jede Nation sich selbst als das Gute und die anderen als eine "feindliche Außenwelt" wahr. Die Formulierung "feindliche Außenwelt" stammt übrigens nicht von mir, sondern aus dem Buch "Für den Frieden - Widerruf meiner Kriegsdienstverweigerung" von Stephan Anpalagan. Anpalagan ist ein evangelischer Theologe, der sich für die Aufrüstung einsetzt und einen moralischen Appell formuliert hat, man möge doch bitteschön das eigene Land gegen diese "feindliche Außenwelt" verteidigen. Was er nicht berücksichtigt: Wenn jeder in jeder Nation so denkt, wie er es tut, dann rüsten alle auf, weil sie die anderen Nationen als "feindliche Außenwelt" wahrnehmen. Und jede Seite nimmt die Aufrüstung der anderen Seite als Bestätigung für die Sichtweise, dass es sich bei der jeweils anderen Seite um die "feindliche Außenwelt" handelt. Das führt dann in das aus der Forschung über internationalen Beziehungen bekannte Sicherheitsdilemma und das Ergebnis davon ist die Atomkriegsuhr.

Aber das hat, wie Nietzsche selbst sagt, nichts mit den Instinkten zu tun, sondern mit Kultur. Und deswegen ist das, was Nietzsche auch an der von dir zitierten Stelle betreibt, eine Kulturkritik.




Timberlake
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Do 25. Jun 2026, 17:53

Nu das wir uns beide nicht missverstehen!

Wenn der Mensch verrückte Sachen macht, die andere Tiere nicht machen, dann hat das .. weil nicht davon determiniert! ... eben deshalb nichts mit seinen Instinkten zu tun?

In Wirklichkeit, weil von seinen Instinkten abgeirrt, wie es bei Nietzsche tatsächlich heißt, wäre ... weil von den Instinkten determiniert! .. das ganze Gegenteil der Fall. Also das der Mensch von daher vernünftige Sachen macht, die andere Tiere doch gleich was machen? Vernünftig oder unvernünftig?

"Wir haben umgelernt. Wir sind in allen Stücken bescheidner geworden. Wir leiten den Menschen nicht mehr vom »Geist«, von der »Gottheit« ab, wir haben ihn unter die Tiere zurückgestellt. Er gilt uns als das stärkste Tier, weil er das listigste ist: eine Folge davon ist seine Geistigkeit. Wir wehren uns andrerseits gegen eine Eitelkeit, die auch hier wieder laut werden möchte: wie als ob der Mensch die große Hinterabsicht der tierischen Entwicklung gewesen sei. Er ist durchaus keine Krone der Schöpfung: jedes Wesen ist, neben ihm, auf einer gleichen Stufe der Vollkommenheit... Und indem wir das behaupten, behaupten wir noch zuviel: der Mensch ist, relativ genommen, das mißratenste Tier, das krankhafteste, das von seinen Instinkten am gefährlichsten abgeirrte – freilich, mit alledem, auch das interessanteste!"
Nietzsche ... Der Antichrist


Wenn Nietzsche meint ..
  • "– freilich, mit alledem, auch das interessanteste!"

.. so würde ich übrigens das, also das interessanteste!, mit jenen Fragen verknüpfen wollen , also ...

  • "Wenn der Mensch verrückte Sachen macht, die andere Tiere nicht machen, dann hat das .. weil nicht davon determiniert! ... dann hat das eben deshalb nichts mit seinen Instinkten zu tun? "

"
  • .. das der Mensch von daher vernünftige Sachen macht, die andere Tiere doch gleich was machen? Vernünftig oder unvernünftig?
"
Zuletzt geändert von Timberlake am Do 25. Jun 2026, 18:05, insgesamt 4-mal geändert.




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Do 25. Jun 2026, 18:02

Timberlake hat geschrieben :
Do 25. Jun 2026, 17:53
Also das der Mensch von daher vernünftige Sachen macht
Nein, das habe ich nicht gesagt. Ich habe gesagt, dass das etwas mit "Kultur" zu tun hat. Ich weiß nicht, warum du das damit gleichsetzt, dass der Mensch "vernünftige Sachen macht". Was sich in der Kultur so abspielt, ist nicht immer vernünftig.




Timberlake
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Do 25. Jun 2026, 18:10

Dynamis hat geschrieben :
Do 25. Jun 2026, 18:02
Was sich in der Kultur so abspielt, ist nicht immer vernünftig.
Ganz meiner Meinung !


Kultus der Kultur. – Großen Geistern ist das abschreckende Allzumenschliche ihres Wesens, ihrer Blindheiten, Verkrümmungen, Maßlosigkeiten beigegeben, damit ihr mächtiger, leicht allzu mächtiger Einfluß[810] fortwährend durch das Mißtrauen, welches jene Eigenschaften einflößen, in Schranken gehalten werde. Denn das System alles dessen, was die Menschheit zu ihrem Fortbestehen nötig hat, ist so umfassend und nimmt so verschiedenartige und zahlreiche Kräfte in Anspruch, daß für jede einseitige Bevorzugung, sei es der Wissenschaft oder des Staates oder der Kunst oder des Handels, wozu jene einzelnen treiben, die Menschheit als Ganzes harte Buße zahlen muß. Es ist immer das größte Verhängnis der Kultur gewesen, wenn Menschen angebetet wurden: in welchem Sinn man sogar mit dem Spruche des mosaischen Gesetzes zusammenfühlen darf, welcher verbietet, neben Gott andere Götter zu haben. – Dem Kultus des Genius und der Gewalt muß man, als Ergänzung und Heilmittel, immer den Kultus der Kultur zur Seite stellen: welcher auch dem Stofflichen, Geringen, Niedrigen, Verkannten, Schwachen, Unvollkommnen, Einseitigen, Halben, Unwahren, Scheinenden, ja dem Bösen und Furchtbaren eine verständnisvolle Würdigung und das Zugeständnis, daß dies alles nötig sei, zu schenken weiß; denn der Zusammen- und Fortklang alles Menschlichen, durch erstaunliche Arbeiten und Glücksfälle erreicht, und ebensosehr das Werk von Zyklopen und Ameisen als von Genies, soll nicht wieder verlorengehen: wie dürften wir da des gemeinsamen tiefen, oft unheimlichen Grundbasses entraten können, ohne den ja Melodie nicht Melodie zu sein vermag?
Nietzsche .. Menschliches, Allzumenschliches


.. und ich denke mal unter Bezugnahme darauf, auch ganz der Meinung von Nietzsche. Denn worauf läuft

"Was sich in der Kultur so abspielt, ist nicht immer vernünftig"

.. hinaus, wenn nicht auf eben das - dass die Menschheit für ein "Kultur" System, das sie zu ihrem Fortbestehen nötig hat, als Ganzes eine harte Buße zahlen muss. So umfassend, verschiedenartig und zahlreich die Kräfte sind, die dazu in Anspruch genommen werden. Wie es hier bei Nietzsche heißt. Weil m.E. darauf zutreffend, Nietzsche muss also schon damals vom Anthropozän Kenntnis gehabt haben.
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Dynamis
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Do 25. Jun 2026, 18:33

Timberlake hat geschrieben :
Do 25. Jun 2026, 18:10
dass die Menschheit für ein "Kultur" System, das sie zu ihrem Fortbestehen nötig hat, als Ganzes eine harte Buße zahlen muss.
Guck noch mal genauer hin, was der Nietzsche schreibt. Was du da ihm in den Mund legst, das sagt er nämlich nicht.
Friedrich Nietzsche hat geschrieben : dass für jede einseitige Bevorzugung, sei es der Wissenschaft oder des Staates oder der Kunst oder des Handels, wozu jene Einzelnen treiben, die Menschheit als Ganzes harte Busse zahlen muss.
Nochmals, da steht, dass die Menschheit "für jede einseitige Bevorzugung" büßen muss. Aus kapitalismuskritischer Perspektive denkt man da natürlich an die einseitige Bevorzugung des Wirtschaftssystems, in dem sich alles um Profitmaximierung dreht. Aber eine solche "einseitige Bevorzugung" ist nicht alternativlos. Ein alternatives System, welches menschlichen Bedürfnissen und nicht dem Profit dient, ist möglich.




Timberlake
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Do 25. Jun 2026, 18:35

Dynamis hat geschrieben :
Do 25. Jun 2026, 18:33
Timberlake hat geschrieben :
Do 25. Jun 2026, 18:10
dass die Menschheit für ein "Kultur" System, das sie zu ihrem Fortbestehen nötig hat, als Ganzes eine harte Buße zahlen muss.
Guck noch mal genauer hin, was der Nietzsche schreibt. Was du da ihm in den Mund legst, das sagt er nämlich nicht.

Na was sagt er denn anstatt dessen - wenn man noch mal genauer hinguckt?
Dynamis hat geschrieben :
Do 25. Jun 2026, 18:33
Nochmals, da steht, dass die Menschheit "für jede einseitige Bevorzugung" büßen muss.
Zuletzt geändert von Timberlake am Do 25. Jun 2026, 18:38, insgesamt 1-mal geändert.




Dynamis
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Do 25. Jun 2026, 18:37

Timberlake hat geschrieben :
Do 25. Jun 2026, 18:35
Na was sagt er denn anstatt dessen - wenn man noch mal genauer hinguckt?
Dynamis hat geschrieben :
Do 25. Jun 2026, 18:33
Friedrich Nietzsche hat geschrieben : dass für jede einseitige Bevorzugung, sei es der Wissenschaft oder des Staates oder der Kunst oder des Handels, wozu jene Einzelnen treiben, die Menschheit als Ganzes harte Busse zahlen muss.
Nochmals, da steht, dass die Menschheit "für jede einseitige Bevorzugung" büßen muss. Aus kapitalismuskritischer Perspektive denkt man da natürlich an die einseitige Bevorzugung des Wirtschaftssystems, in dem sich alles um Profitmaximierung dreht. Aber eine solche "einseitige Bevorzugung" ist nicht alternativlos. Ein alternatives System, welches menschlichen Bedürfnissen und nicht dem Profit dient, ist möglich.




Timberlake
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Do 25. Jun 2026, 18:39

Ich war mit dem Beitrag noch nicht ganz fertig!
Dynamis hat geschrieben :
Do 25. Jun 2026, 18:33
Timberlake hat geschrieben :
Do 25. Jun 2026, 18:10
dass die Menschheit für ein "Kultur" System, das sie zu ihrem Fortbestehen nötig hat, als Ganzes eine harte Buße zahlen muss.
Guck noch mal genauer hin, was der Nietzsche schreibt. Was du da ihm in den Mund legst, das sagt er nämlich nicht.

Na was sagt er denn anstatt dessen - wenn man noch mal genauer hinguckt?
Dynamis hat geschrieben :
Do 25. Jun 2026, 18:33
Nochmals, da steht, dass die Menschheit "für jede einseitige Bevorzugung" büßen muss.
Sicherlich steht da , dass die Menschheit "für jede einseitige Bevorzugung" büßen muss.

Kultus der Kultur. – Großen Geistern ist das abschreckende Allzumenschliche ihres Wesens, ihrer Blindheiten, Verkrümmungen, Maßlosigkeiten beigegeben, damit ihr mächtiger, leicht allzu mächtiger Einfluß[810] fortwährend durch das Mißtrauen, welches jene Eigenschaften einflößen, in Schranken gehalten werde. Denn das System alles dessen, was die Menschheit zu ihrem Fortbestehen nötig hat, ist so umfassend und nimmt so verschiedenartige und zahlreiche Kräfte in Anspruch, daß für jede einseitige Bevorzugung, sei es der Wissenschaft oder des Staates oder der Kunst oder des Handels, wozu jene einzelnen treiben, die Menschheit als Ganzes harte Buße zahlen muß. Es ist immer das größte Verhängnis der Kultur gewesen, wenn Menschen angebetet wurden: in welchem Sinn man sogar mit dem Spruche des mosaischen Gesetzes zusammenfühlen darf, welcher verbietet, neben Gott andere Götter zu haben. – Dem Kultus des Genius und der Gewalt muß man, als Ergänzung und Heilmittel, immer den Kultus der Kultur zur Seite stellen: welcher auch dem Stofflichen, Geringen, Niedrigen, Verkannten, Schwachen, Unvollkommnen, Einseitigen, Halben, Unwahren, Scheinenden, ja dem Bösen und Furchtbaren eine verständnisvolle Würdigung und das Zugeständnis, daß dies alles nötig sei, zu schenken weiß; denn der Zusammen- und Fortklang alles Menschlichen, durch erstaunliche Arbeiten und Glücksfälle erreicht, und ebensosehr das Werk von Zyklopen und Ameisen als von Genies, soll nicht wieder verlorengehen: wie dürften wir da des gemeinsamen tiefen, oft unheimlichen Grundbasses entraten können, ohne den ja Melodie nicht Melodie zu sein vermag?
Nietzsche .. Menschliches, Allzumenschliches


Es steht aber auch, dass die Menschheit als Ganzes harte Buße zahlen muß, Was sie ja wohl zweifelsohne auch tatsächlich tut. So umfassend, verschiedenartig und zahlreich die Kräfte sind, die sie zu ihrem Fortbestehen anscheinend nötig hat.
und warum tut sie das ?

"Wir haben umgelernt. Wir sind in allen Stücken bescheidner geworden. Wir leiten den Menschen nicht mehr vom »Geist«, von der »Gottheit« ab, wir haben ihn unter die Tiere zurückgestellt. Er gilt uns als das stärkste Tier, weil er das listigste ist: eine Folge davon ist seine Geistigkeit. Wir wehren uns andrerseits gegen eine Eitelkeit, die auch hier wieder laut werden möchte: wie als ob der Mensch die große Hinterabsicht der tierischen Entwicklung gewesen sei. Er ist durchaus keine Krone der Schöpfung: jedes Wesen ist, neben ihm, auf einer gleichen Stufe der Vollkommenheit... Und indem wir das behaupten, behaupten wir noch zuviel: der Mensch ist, relativ genommen, das mißratenste Tier, das krankhafteste, das von seinen Instinkten am gefährlichsten abgeirrte – freilich, mit alledem, auch das interessanteste!"
Nietzsche ... Der Antichrist


Richtig , weil sie durchaus keine Krone der Schöpfung ist. Wenn es hier bei Nietzsche heißt ...

  • "Wir wehren uns andrerseits gegen eine Eitelkeit, ... =

.. so würde ich mich jedenfalls dazu zählen, der sich gegen jene Eitelkeit wehrt, die auch hier wieder laut werden möchte: wie als ob der Mensch die große Hinterabsicht der tierischen Entwicklung gewesen sei.
Dynamis hat geschrieben :
Do 25. Jun 2026, 18:33
Nochmals, da steht, dass die Menschheit "für jede einseitige Bevorzugung" büßen muss.
Laut geworden durch dich, wie ich meine. So wie du mich hier auf jene für jede einseitige Bevorzugung aufmerksam gemacht hast. ,
Zuletzt geändert von Timberlake am Do 25. Jun 2026, 19:08, insgesamt 1-mal geändert.




Dynamis
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Do 25. Jun 2026, 19:04

Timberlake hat geschrieben :
Do 25. Jun 2026, 18:39
und warum tut sie das ?
Na, weil sie "für jede einseitige Bevorzugung" büßen muss. :-) Der entscheidende Punkt ist der, dass so etwas wie eine "einseitige Bevorzugung" nicht notwendig der Fall sein muss. Es könnte auch ein System ohne einseitige Bevorzugung geben.




Timberlake
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Do 25. Jun 2026, 19:09

Ganz meiner und ich denke auch Nietzsches Meinung. Das ist der entscheidende Punkt, Es könnte auch ein System ohne einseitige Bevorzugung geben.

"Friedrich Nietzsche im 19. Jahrhundert war einer der scharfsinnigsten Kritiker der Philosophie, aber seine eigenen Wunschbilder vom Menschen waren kitschig, anmaßend und albern"
Precht .. Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?


Nur wenn man seine eigenen Wunschbilder vom Menschen als kitschig, anmaßend und albern bezeichnet, wird das natürlich damit nichts.

»Sie verstehen mich nicht: ich bin nicht der Mund für diese Ohren.
Zu lange wohl lebte ich im Gebirge, zu viel horchte ich auf Bäche und Bäume: nun rede ich ihnen gleich den Ziegenhirten.
Unbewegt ist meine Seele und hell wie das Gebirge am Vormittag. Aber sie meinen, ich sei kalt und ein Spötter in furchtbaren Späßen.
Und nun blicken sie mich an und lachen: und indem sie lachen, hassen sie mich noch. Es ist Eis in ihrem Lachen.«
Nietzsche ... Also sprach Zarathustra


Wo wir schon mal dabei sind ..
Dynamis hat geschrieben :
Do 25. Jun 2026, 19:04
Timberlake hat geschrieben :
Do 25. Jun 2026, 18:39
und warum tut sie das ?
Na, weil sie "für jede einseitige Bevorzugung" büßen muss. :-) Der entscheidende Punkt ist der, dass so etwas wie eine "einseitige Bevorzugung" nicht notwendig der Fall sein muss. Es könnte auch ein System ohne einseitige Bevorzugung geben.
"Wir haben umgelernt. Wir sind in allen Stücken bescheidner geworden. Wir leiten den Menschen nicht mehr vom »Geist«, von der »Gottheit« ab, wir haben ihn unter die Tiere zurückgestellt. Er gilt uns als das stärkste Tier, weil er das listigste ist: eine Folge davon ist seine Geistigkeit. Wir wehren uns andrerseits gegen eine Eitelkeit, die auch hier wieder laut werden möchte: wie als ob der Mensch die große Hinterabsicht der tierischen Entwicklung gewesen sei. Er ist durchaus keine Krone der Schöpfung: jedes Wesen ist, neben ihm, auf einer gleichen Stufe der Vollkommenheit... Und indem wir das behaupten, behaupten wir noch zuviel: der Mensch ist, relativ genommen, das mißratenste Tier, das krankhafteste, das von seinen Instinkten am gefährlichsten abgeirrte – freilich, mit alledem, auch das interessanteste!"
Nietzsche ... Der Antichrist




In dem deiner Meinung nach, eine solche "einseitige Bevorzugung" nicht notwendig der Fall sein muss, würde ich allerdings davon ausgehen, dass bei dir damit eben jene Eitelkeit laut wird. So das ich einmal annehme, dass auch du zu jenen gehörst, von denen Zarathustra sagt ..

"Sie verstehen mich nicht: ich bin nicht der Mund für diese Ohren"

Denn in Wirklichkeit sind eure Wunschbilder vom Menschen kitschig, anmaßend und albern. Wunschbilder, wo eine solche "einseitige Bevorzugung" nicht notwendig der Fall sein muss,




Dynamis
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Do 25. Jun 2026, 19:44

Timberlake hat geschrieben :
Do 25. Jun 2026, 19:09
In dem deiner Meinung nach, eine solche "einseitige Bevorzugung" nicht notwendig der Fall sein muss, würde ich allerdings davon ausgehen, dass bei dir damit eben jene Eitelkeit laut wird.
Guck noch mal genauer hin, was der Nietzsche so schreibt:

Er spricht von einer "Eitelkeit, die auch hier wieder laut werden möchte: wie als ob der Mensch die große Hinterabsicht der tierischen Entwicklung gewesen sei."

Nun vertrete ich aber nicht die Position, dass der "Mensch die große Hinterabsicht der tierischen Entwicklung gewesen sei". Zur Erinnerung: Ich habe mich gerade in dieser Diskussion vorher von solchen naturalistischen Ansätzen distanziert:
Dynamis hat geschrieben :
Mi 24. Jun 2026, 09:38
Der Witz an der Kapitalismuskritik ist ja eben die Ersetzung einer naturalistischen oder moralinsauren Sichtweise durch die systemische Sichtweise.
Ich bin Systemkritiker und keiner, der behauptet, dass "der Mensch die große Hinterabsicht der tierischen Entwicklung gewesen sei". Also trifft der Vorwurf der "Eitelkeit", den Nietzsche da formuliert, nicht auf mich zu.




Timberlake
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Do 25. Jun 2026, 19:48

Dynamis hat geschrieben :
Do 25. Jun 2026, 19:44
Timberlake hat geschrieben :
Do 25. Jun 2026, 19:09
In dem deiner Meinung nach, eine solche "einseitige Bevorzugung" nicht notwendig der Fall sein muss, würde ich allerdings davon ausgehen, dass bei dir damit eben jene Eitelkeit laut wird.
Guck noch mal genauer hin, was der Nietzsche so schreibt:

Er spricht von einer "Eitelkeit, die auch hier wieder laut werden möchte: wie als ob der Mensch die große Hinterabsicht der tierischen Entwicklung gewesen sei."

Nun vertrete ich aber nicht die Position, dass der "Mensch die große Hinterabsicht der tierischen Entwicklung gewesen sei".

Kultus der Kultur. – Großen Geistern ist das abschreckende Allzumenschliche ihres Wesens, ihrer Blindheiten, Verkrümmungen, Maßlosigkeiten beigegeben, damit ihr mächtiger, leicht allzu mächtiger Einfluß[810] fortwährend durch das Mißtrauen, welches jene Eigenschaften einflößen, in Schranken gehalten werde. Denn das System alles dessen, was die Menschheit zu ihrem Fortbestehen nötig hat, ist so umfassend und nimmt so verschiedenartige und zahlreiche Kräfte in Anspruch, daß für jede einseitige Bevorzugung, sei es der Wissenschaft oder des Staates oder der Kunst oder des Handels, wozu jene einzelnen treiben, die Menschheit als Ganzes harte Buße zahlen muß.
Nietzsche .. Menschliches, Allzumenschliches




Wer davon ausgeht, dass eine solche einseitige Bevorzugung nicht notwendig der Fall sein muss, so das eben nicht die Menschheit als Ganzes harte Buße zahlen muss, so würde doch das sicherlich zumindest nicht dieser Eitelkeit widersprechen .. oder?

Übersicht mit KI
Das Verhältnis von Theorie und Praxis bei Friedrich Nietzsche ist untrennbar mit seiner radikalen Lebensphilosophie verbunden. Für ihn hat jede theoretische Erkenntnis ihren Wert erst dann bewiesen, wenn sie im praktischen Leben und Handeln erprobt, gelebt und zur Selbststeigerung (Wille zur Macht) genutzt wird.
Nietzsches Einheit von Denken und Leben
  • Gegen die reine Theorie: Nietzsche kritisiert den traditionellen Intellektualismus (etwa bei Platon oder Kant). Eine Theorie, die losgelöst vom Leben existiert oder als abstraktes Dogma verstanden wird, ist für ihn wertlos oder gar lebensfeindlich
  • Die Praxis als Maßstab: Die Gültigkeit einer Philosophie bemisst sich für Nietzsche daran, inwiefern sie das Leben bejaht. Sie ist ein tätiges Werden, kein theoretisches Sein
  • Amor Fati: Die höchste praktische Umsetzung seiner Theorie ist das bedingungslose Bejahen des eigenen Schicksals – inklusive aller Leiden und Widersprüche des Lebens.


Sicherlich, eine solche einseitige Bevorzugung, des für die Menschheit schädlichen, muss tatsächlich nicht notwendig der Fall sein. So wie im praktischen Leben und Handeln dessen Gegenteil erprobt, gelebt und zur Selbststeigerungmuss genutzt wird, wie es hier heißt. Gleichwohl aber auch zur Praxis gehört, dass die Menschheit als Ganzes tatsächlich eine harte Buße zahlen muß. Einer harten Buße, wonach bei allem Werthe, der dem Wahren, dem Wahrhaftigen, dem Selbstlosen zukommen mag: es möglich wäre , dass dem Scheine, dem Willen zur Täuschung, dem Eigennutz und der Begierde ein für alles Leben höherer und grundsätzlicherer Werth zugeschrieben werden müsste ..

"Man darf nämlich zweifeln, erstens, ob es Gegensätze überhaupt giebt, und zweitens, ob jene volksthümlichen Werthschätzungen und Werth-Gegensätze, auf welche die Metaphysiker ihr Siegel gedrückt haben, nicht vielleicht nur Vordergrunds-Schätzungen sind, nur vorläufige Perspektiven, vielleicht noch dazu aus einem Winkel heraus, vielleicht von Unten hinauf, Frosch-Perspektiven gleichsam, um einen Ausdruck zu borgen, der den Malern geläufig ist? Bei allem Werthe, der dem Wahren, dem Wahrhaftigen, dem Selbstlosen zukommen mag: es wäre möglich, dass dem Scheine, dem Willen zur Täuschung, dem Eigennutz und der Begierde ein für alles Leben höherer und grundsätzlicherer Werth zugeschrieben werden müsste. Es wäre sogar noch möglich, dass was den Werth jener guten und verehrten Dinge ausmacht, gerade darin bestünde, mit jenen schlimmen, scheinbar entgegengesetzten Dingen auf verfängliche Weise verwandt, verknüpft, verhäkelt, vielleicht gar wesensgleich zu sein. Vielleicht! — Aber wer ist Willens, sich um solche gefährliche Vielleichts zu kümmern! Man muss dazu schon die Ankunft einer neuen Gattung von Philosophen abwarten, solcher, die irgend welchen anderen umgekehrten Geschmack und Hang haben als die bisherigen, — Philosophen des gefährlichen Vielleicht in jedem Verstande. — Und allen Ernstes gesprochen: ich sehe solche neue Philosophen heraufkommen.“
Nietzsche .. Jenseits von Gut und Böse


Vielleicht! — Aber wer ist Willens, sich um solche gefährliche Vielleichts zu kümmern! Dynamis , Timberlake ...
Zuletzt geändert von Timberlake am Do 25. Jun 2026, 20:38, insgesamt 16-mal geändert.




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