Nietzsche im Allgemeinen und Speziellen

Philosoph
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Jörn P Budesheim
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Di 30. Jun 2026, 15:21

Dass der Apfel fast nie exakt senkrecht zum Erdemittelpunkt fällt, hat natürlich nichts mit meinem Wahrheitsbegriff zu tun.



Das Thema interessiert dich? Was meinst du dazu? Wir freuen uns auf deine Meinung – melde dich an und diskutiere mit uns.“

Timberlake
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Di 30. Jun 2026, 15:32

Aber doch wohl sicherlich, weil wahr, als ein Beispiel für dein Wahrheitsbegriff?




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Jörn P Budesheim
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Di 30. Jun 2026, 15:34

Wie der Apfel fällt, ist unabhängig von jeglichem Wahrheitsbegriff.



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Timberlake
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Di 30. Jun 2026, 15:38

philomag.de hat geschrieben :
Philosophischer Grundbegriff

Wahrheit

In den klassischen Konzeptionen wird Wahrheit definiert als ein Urteil, das mit seinem Gegenstand in der Welt übereinstimmt (Korrespondenztheorie der Wahrheit), oder auch als ein Urteil, das nicht im Widerspruch zu dem bereits vorhandenen System an Überzeugungen, die sich gegenseitig stützen, steht (Kohärenztheorie der Wahrheit)
Wenn dein Wahrheitsbegriff dieser klassischen Konzeptionen von Wahrheit entspricht ..
Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Di 30. Jun 2026, 15:34
Wie der Apfel fällt, ist unabhängig von jeglichem Wahrheitsbegriff.
und für dich, wie der Apfel von Baum fällt, unabhängig von jeglichem Wahrheitsbegriff ist, so frage ich mich allerdings schon, wie das sein kann. Beschreibt dieser Vorgang meiner Meinung nach doch genau das " .. ein Urteil, das mit seinem Gegenstand in der Welt übereinstimmt (Korrespondenztheorie der Wahrheit) oder auch ein Urteil, das nicht im Widerspruch zu dem bereits vorhandenen System an Überzeugungen, die sich gegenseitig stützen, steht (Kohärenztheorie der Wahrheit)".
philomag.de hat geschrieben :
Philosophischer Grundbegriff

Wahrheit

Ihr universeller Charakter unterscheidet sie von der Meinung, die immer partikular ist. In theoretischer Hinsicht ist sie dem Irrtum und der Illusion entgegengesetzt (letztere unterscheidet sich vom Irrtum dadurch, dass sie auch nach ihrer Aufdeckung fortbestehen kann). Die Wahrheit hat auch eine praktische Bedeutung: die wahrhaftige Aussage steht im Gegensatz zur Lüge. Die Wahrheit zu erreichen und dadurch ein Gefühl der Gewissheit zu gelangen, erfordert klare Kriterien der Abgrenzung von wahr und falsch.
Beruht für dich der Fall eines Apfels von einem Baum etwa tatsächlich ein Irrtum oder eine Illusion? So das für dich dergleichen keinerlei praktische Bedeutung hat? Bist du womöglich der gleichen "Meinung" wie Berkeley ..
Berkeley in "Die Prinzipien der menschlichen Erkenntnis" hat geschrieben : XXIII.Aber es ist doch, sagt ihr, gewiss nichts leichter, als sich vorzustellen, dass z.B. Bäume in einem Parke oder Bücher in einem Cabinet existiren, ohne dass Jemand sie wahrnimmt. Ich antworte: es ist freilich nicht schwer, dies vorzustellen, aber was, ich bitte euch, heisst dies alles anders, als in eurem Geiste gewisse Ideen bilden,
.. das dies nur heißt , als das wir uns das im Geiste als gewisse Ideen gebildet haben?




Dynamis
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Di 30. Jun 2026, 17:57

Timberlake hat geschrieben :
Di 30. Jun 2026, 14:35
Nietzsche also diesen Wahrheitsbegriff vernichten möchte -- die Reinheit des Selbstlosen.
Nein, es geht hier um einen anderen Punkt. Gucken wir uns nochmal an, was in der von dir zitierten Stelle - §12 AC - geschrieben steht:
Friedrich Nietzsche hat geschrieben : Ich nehme ein Paar Skeptiker bei Seite, den anständigen Typus in der Geschichte der Philosophie: aber der Rest kennt die ersten Forderungen der intellektuellen Rechtschaffenheit nicht. Sie machen es allesammt wie die Weiblein, alle diese grossen Schwärmer und Wunderthiere, — sie halten die „schönen Gefühle“ bereits für Argumente, den „gehobenen Busen“ für einen Blasebalg der Gottheit, die Überzeugung für ein Kriterium der Wahrheit. (Quelle: http://www.nietzschesource.org/#eKGWB/AC-12)


Insbesondere kritisiert hier Nietzsche, dass die "Überzeugung" für ein "Kriterium der Wahrheit" genommen wird. Genau diesen Wahrheitsbegriff will er vernichten. Es geht ihm also darum jeglichen Dogmatismus - und damit auch jegliche Wissenschaftsgläubigkeit - abzuwehren. Er kritisiert, dass Leute willkürlich einfach so etwas setzen. Derartige Willkür soll einer methodischen Herangehensweise weichen.

Man kann sich natürlich darüber streiten, ob philosophische Praxis zwangsläufig in der Anwendung einer Methode bestehen muss. Dass es aber darum geht, dass man eben nicht die "Überzeugung für ein Kriterium der Wahrheit" hält, ist klar.

Was das Argument von Jörn angeht, so machst du folgenden Fehler: Du reduzierst es auf eine bloße Setzung und übersiehst dabei, dass er eine Begründung gegeben hat:
Timberlake hat geschrieben :
Di 30. Jun 2026, 14:35
Nietzsche also diesen Wahrheitsbegriff vernichten möchte -- die Reinheit des Selbstlosen. Dem hat er mit der „Umwerthung aller Werthe" seinen eigenen Wahrheitsbegriff entgegengesetzt. So wie Jörn sein Wahrheitsbegriff gegenüber diejenigen, die meinen, dass ein Apfel stets senkrecht zum Erdmittelpunkt fällt.
Aber Jörn hat nicht einfach nur so einen Begriff einem anderen Begriff "entgegengesetzt". Er hat seine Position begründet:
Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Mo 29. Jun 2026, 19:06
Ich würde vermuten, dass es nahezu nie der Fall ist. Ich schätze, in fast allen Fällen, kommt "irgendetwas dazwischen". Ein leichter Wind; der Apfel erhält beim Fallen eine leichte Seitenbewegung durch den Ast von dem er fiel; die Erde ist auch nicht perfekt geometrisch,; die Bewegung der Erde spielt wahrscheinlich auch eine Rolle und vieles andere mehr.
Er hat also auf folgenden Sachverhalt verwiesen: Der Fall eines Apfels wird nicht nur von der Schwerkraft, sondern von diversen weiteren Faktoren (wie z.B. dem Wind oder die Form des Baumes) beeinflusst. Das ist (zumindest ein Teil seiner) Begründung.




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Jörn P Budesheim
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Di 30. Jun 2026, 18:13

Genau, ich habe meine Ansicht begründet. Und darüber hinaus habe ich einen Vorschlag gemacht, wie man diesen besonderen Fall (des Apfels) als Beispiel für einen noch allgemeineren Fall nehmen kann.



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Timberlake
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Mi 1. Jul 2026, 00:50

Dynamis hat geschrieben :
Di 30. Jun 2026, 17:57
Timberlake hat geschrieben :
Di 30. Jun 2026, 14:35
Nietzsche also diesen Wahrheitsbegriff vernichten möchte -- die Reinheit des Selbstlosen.
Nein, es geht hier um einen anderen Punkt. Gucken wir uns nochmal an, was in der von dir zitierten Stelle - §12 AC - geschrieben steht:
Friedrich Nietzsche hat geschrieben : Ich nehme ein Paar Skeptiker bei Seite, den anständigen Typus in der Geschichte der Philosophie: aber der Rest kennt die ersten Forderungen der intellektuellen Rechtschaffenheit nicht. Sie machen es allesammt wie die Weiblein, alle diese grossen Schwärmer und Wunderthiere, — sie halten die „schönen Gefühle“ bereits für Argumente, den „gehobenen Busen“ für einen Blasebalg der Gottheit, die Überzeugung für ein Kriterium der Wahrheit. (Quelle: http://www.nietzschesource.org/#eKGWB/AC-12)


Insbesondere kritisiert hier Nietzsche, dass die "Überzeugung" für ein "Kriterium der Wahrheit" genommen wird. Genau diesen Wahrheitsbegriff will er vernichten. Es geht ihm also darum jeglichen Dogmatismus - und damit auch jegliche Wissenschaftsgläubigkeit - abzuwehren. Er kritisiert, dass Leute willkürlich einfach so etwas setzen. Derartige Willkür soll einer methodischen Herangehensweise weichen.
Also wenn ich da hingucke, dann geht es Nietzsche nicht um die Abwehr von jeglichem Dogmatismus, sondern um die Abwehr eines Dogmatismus der "schönen Gefühle", die man als solches bereits für Argumente hält.
Friedrich Nietzsche hat geschrieben : Ich nehme ein Paar Skeptiker bei Seite, den anständigen Typus in der Geschichte der Philosophie: aber der Rest kennt die ersten Forderungen der intellektuellen Rechtschaffenheit nicht. Sie machen es allesammt wie die Weiblein, alle diese grossen Schwärmer und Wunderthiere, — sie halten die „schönen Gefühle“ bereits für Argumente, den „gehobenen Busen“ für einen Blasebalg der Gottheit, die Überzeugung für ein Kriterium der Wahrheit. Zuletzt hat noch Kant, in „deutscher“ Unschuld, diese Form der Corruption, diesen Mangel an intellektuellem Gewissen unter dem Begriff „praktische Vernunft“ zu verwissenschaftlichen versucht: er erfand eigens eine Vernunft dafür, in welchem Falle man sich nicht um die Vernunft zu kümmern habe, nämlich wenn die Moral, wenn die erhabne Forderung „du sollst“ laut wird. Erwägt man, dass fast bei allen Völkern der Philosoph nur die Weiterentwicklung des priesterlichen Typus ist, so überrascht dieses Erbstück des Priesters, die Falschmünzerei vor sich selbst, nicht mehr. Wenn man heilige Aufgaben hat, zum Beispiel die Menschen zu bessern, zu retten, zu erlösen, wenn man die Gottheit im Busen trägt, Mundstück jenseitiger Imperative ist, so steht man mit einer solchen Mission bereits ausserhalb aller bloss verstandesmässigen Werthungen, — selbst schon geheiligt durch eine solche Aufgabe, selbst schon der Typus einer höheren Ordnung!… Was geht einen Priester die Wissenschaft an! Er steht zu hoch dafür! — Und der Priester hat bisher geherrscht! Er bestimmte den Begriff „wahr“ und „unwahr“! (§ 12, Antichrist, http://www.nietzschesource.org/#eKGWB/AC-12 )
Schöne Gefühle, wie es hier weiter von Nietzsche heißt, die Kant tatsächlich zu verwissenschaftlichen versucht hat, und zwar diese Form der Corruption, diesen Mangel an intellektuellem Gewissen unter dem Begriff „praktische Vernunft“ in „deutscher“ Unschuld. Nur hat das, wie von dir unterstellt, meiner Meinung nach, so rein gar nichts der Abwehr von jegliche Wissenschaftsgläubigkeit zu tun. Wo würde denn auch die Vernunft, die Kant , nach Ansicht von Nietzsche, eigens dafür erfand, darunter fallen. Also, dass wenn die Moral, wenn die erhabne Forderung „du sollst“ laut wird, man sich nicht um die Vernunft zu kümmern habe. Weil demzufolge eine Falschmünzerei vor sich selbst, Kant deshalb nur die Weiterentwicklung eines priesterlichen Typus ist.




Timberlake
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Mi 1. Jul 2026, 01:43

Dynamis hat geschrieben :
Di 30. Jun 2026, 17:57


Was das Argument von Jörn angeht, so machst du folgenden Fehler: Du reduzierst es auf eine bloße Setzung und übersiehst dabei, dass er eine Begründung gegeben hat:
Timberlake hat geschrieben :
Di 30. Jun 2026, 14:35
Nietzsche also diesen Wahrheitsbegriff vernichten möchte -- die Reinheit des Selbstlosen. Dem hat er mit der „Umwerthung aller Werthe" seinen eigenen Wahrheitsbegriff entgegengesetzt. So wie Jörn sein Wahrheitsbegriff gegenüber diejenigen, die meinen, dass ein Apfel stets senkrecht zum Erdmittelpunkt fällt.
Aber Jörn hat nicht einfach nur so einen Begriff einem anderen Begriff "entgegengesetzt". Er hat seine Position begründet:
Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Mo 29. Jun 2026, 19:06
Ich würde vermuten, dass es nahezu nie der Fall ist. Ich schätze, in fast allen Fällen, kommt "irgendetwas dazwischen". Ein leichter Wind; der Apfel erhält beim Fallen eine leichte Seitenbewegung durch den Ast von dem er fiel; die Erde ist auch nicht perfekt geometrisch,; die Bewegung der Erde spielt wahrscheinlich auch eine Rolle und vieles andere mehr.
Er hat also auf folgenden Sachverhalt verwiesen: Der Fall eines Apfels wird nicht nur von der Schwerkraft, sondern von diversen weiteren Faktoren (wie z.B. dem Wind oder die Form des Baumes) beeinflusst. Das ist (zumindest ein Teil seiner) Begründung.

... und ich verweise dich dazu auf Nietzsches Sachverhalt „Umwerthung aller Werthe" ..
  • "Bei allem Werte, der dem Wahren, dem Wahrhaftigen, dem Selbstlosen zukommen mag: es wäre möglich, daß dem Scheine, dem Willen zur Täuschung, dem Eigennutz und der Begierde ein für alles Leben höherer und grundsätzlicherer Wert zugeschrieben werden müßte. Es wäre sogar noch möglich, daß was den Wert jener guten und verehrten Dinge ausmacht, gerade darin bestünde, mit jenen schlimmen, scheinbar entgegengesetzten Dingen auf verfängliche Weise verwandt, verknüpft, verhäkelt, vielleicht gar wesensgleich zu sein. Vielleicht! – Aber wer ist willens, sich um solche gefährliche Vielleichts zu kümmern! Man muß dazu schon die Ankunft einer neuen Gattung von Philosophen abwarten, solcher, die irgendwelchen andern, umgekehrten Geschmack und Hang haben als die bisherigen – Philosophen des gefährlichen Vielleicht in jedem Verstande. – Und allen Ernstes gesprochen: ich sehe solche neue Philosophen heraufkommen."
    Nietzsche ... Jenseits von Gut und Böse
Wie dem auch sei, ich denke, wer in Anbetracht dessen weiterhin an der Reinheit des Selbstlosen festhält, gehört vermutlich nicht zu diesen Philosophen des gefährlichen Vielleicht in jedem Verstande.




Dynamis
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Mi 1. Jul 2026, 11:02

Timberlake hat geschrieben :
Mi 1. Jul 2026, 00:50
Also wenn ich da hingucke, dann geht es Nietzsche nicht um die Abwehr von jeglichem Dogmatismus, sondern um die Abwehr eines Dogmatismus der "schönen Gefühle", die man als solches bereits für Argumente hält.
Es geht sehr wohl darum jeglichen Dogmatismus abzuwehren. Nietzsche zählt an vielen Stellen im AC diverse Sonderformen des Dogmatismus auf, darunter den der "schönen Gefühle" oder auch den der "imaginären Ursachen" ("Gott", "Seele" usw.), aber daneben nimmt er auch einen großen Teil der Philosophie in den Blick. Das sagt er ja auch explizit: Er nimmt "ein paar Spektiker bei Seite" und zum "Rest" der Philosophie sagt er, dass diese "die ersten Forderungen der intellektuellen Rechtschaffenheit nicht" kennt. Auf ähnliche Weise äußert er sich in §54 AC:
Friedrich Nietzsche hat geschrieben : Man lasse sich nicht irreführen: grosse Geister sind Skeptiker. Zarathustra ist ein Skeptiker. Die Stärke, die Freiheit aus der Kraft und Überkraft des Geistes beweist sich durch Skepsis. Menschen der Überzeugung kommen für alles Grundsätzliche von Werth und Unwerth gar nicht in Betracht. Überzeugungen sind Gefängnisse. (http://www.nietzschesource.org/#eKGWB/AC-54)
Die philosophische Stoßrichtung von Nietzsches Pamphlet ist also klar: Er möchte einen bestimmten philosophischen Stil stärken, nämlich den des Skeptizismus. Für den Rest gilt: "Überzeugungen sind Gefängnisse." Deswegen machst du einfach einen Fehler, wenn du so tust, als ob Nietzsche nur den Dogmatismus der "schönen Gefühle" verwirft, aber alle anderen Dogmatismen gelten lässt.

Es sollte an dieser Stelle aber auch nicht verschwiegen werden, dass Nietzsches Pamphlet in diesem Punkt zu interessanten Interpretationsproblemen führt, weil Nietzsche in seiner Abwehr des Dogmatismus selbst wie ein Dogmatiker agiert. Das wirkt paradox und da kann man sich schon fragen: Wie passt das zusammen? Dieser Komplexität sollten wir uns auch noch widmen, aber das ergibt erst dann Sinn, wenn die grundsätzliche philosophische Stoßrichtung seiner Kampfschrift geklärt ist.




Timberlake
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Mi 1. Jul 2026, 14:00

Dynamis hat geschrieben :
Mi 1. Jul 2026, 11:02
Timberlake hat geschrieben :
Mi 1. Jul 2026, 00:50
Also wenn ich da hingucke, dann geht es Nietzsche nicht um die Abwehr von jeglichem Dogmatismus, sondern um die Abwehr eines Dogmatismus der "schönen Gefühle", die man als solches bereits für Argumente hält.
Es geht sehr wohl darum jeglichen Dogmatismus abzuwehren. Nietzsche zählt an vielen Stellen im AC diverse Sonderformen des Dogmatismus auf, darunter den der "schönen Gefühle" oder auch den der "imaginären Ursachen" ("Gott", "Seele" usw.), aber daneben nimmt er auch einen großen Teil der Philosophie in den Blick. Das sagt er ja auch explizit: Er nimmt "ein paar Spektiker bei Seite" und zum "Rest" der Philosophie sagt er, dass diese "die ersten Forderungen der intellektuellen Rechtschaffenheit nicht" kennt. Auf ähnliche Weise äußert er sich in §54 AC:

Dazu nur mal zur Erinnerung ..
Dynamis hat geschrieben :
Di 30. Jun 2026, 17:57
Timberlake hat geschrieben :
Di 30. Jun 2026, 14:35
Nietzsche also diesen Wahrheitsbegriff vernichten möchte -- die Reinheit des Selbstlosen.
Nein, es geht hier um einen anderen Punkt. Gucken wir uns nochmal an, was in der von dir zitierten Stelle - §12 AC - geschrieben steht:
Friedrich Nietzsche hat geschrieben : Ich nehme ein Paar Skeptiker bei Seite, den anständigen Typus in der Geschichte der Philosophie: aber der Rest kennt die ersten Forderungen der intellektuellen Rechtschaffenheit nicht. Sie machen es allesammt wie die Weiblein, alle diese grossen Schwärmer und Wunderthiere, — sie halten die „schönen Gefühle“ bereits für Argumente, den „gehobenen Busen“ für einen Blasebalg der Gottheit, die Überzeugung für ein Kriterium der Wahrheit. (Quelle: http://www.nietzschesource.org/#eKGWB/AC-12)


Insbesondere kritisiert hier Nietzsche, dass die "Überzeugung" für ein "Kriterium der Wahrheit" genommen wird. Genau diesen Wahrheitsbegriff will er vernichten. Es geht ihm also darum jeglichen Dogmatismus - und damit auch jegliche Wissenschaftsgläubigkeit - abzuwehren. Er kritisiert, dass Leute willkürlich einfach so etwas setzen. Derartige Willkür soll einer methodischen Herangehensweise weichen.

.. wenn es bei dir hier heißt ... "und damit auch jegliche Wissenschaftsgläubigkeit" .. so würde ich bezweifeln, dass .. DAS! .. das Zitat von Nietzsche hergibt, also ...
  • "Bei allem Werte, der dem Wahren, dem Wahrhaftigen, dem Selbstlosen zukommen mag: es wäre möglich, daß dem Scheine, dem Willen zur Täuschung, dem Eigennutz und der Begierde ein für alles Leben höherer und grundsätzlicherer Wert zugeschrieben werden müßte. Es wäre sogar noch möglich, daß was den Wert jener guten und verehrten Dinge ausmacht, gerade darin bestünde, mit jenen schlimmen, scheinbar entgegengesetzten Dingen auf verfängliche Weise verwandt, verknüpft, verhäkelt, vielleicht gar wesensgleich zu sein. Vielleicht! – Aber wer ist willens, sich um solche gefährliche Vielleichts zu kümmern! Man muß dazu schon die Ankunft einer neuen Gattung von Philosophen abwarten, solcher, die irgendwelchen andern, umgekehrten Geschmack und Hang haben als die bisherigen – Philosophen des gefährlichen Vielleicht in jedem Verstande. – Und allen Ernstes gesprochen: ich sehe solche neue Philosophen heraufkommen."
    Nietzsche ... Jenseits von Gut und Böse
So das ich mich dich , diesbezüglich betreffend, schon frage ..
  • "Die Hinzu-Lügner. – Als man in Frankreich die Einheiten des Aristoteles zu bekämpfen und folglich auch zu verteidigen anfing, da war es wieder einmal zu sehen, was so oft zu sehen ist, aber so ungern gesehen wird – man log sich Gründe vor, um derenthalben jene Gesetze bestehen sollten, bloß um sich nicht einzugestehen, daß man sich an die Herrschaft dieser Gesetze gewöhnt habe und es nicht mehr anders haben wolle. Und so macht man es innerhalb jeder herrschenden Moral und Religion und hat es von jeher gemacht: die Gründe und die Absichten hinter der Gewohnheit werden immer zu ihr erst hinzugelogen, wenn einige anfangen, die Gewohnheit zu bestreiten und nach Gründen und Absichten zu fragen. Hier steckt die große Unehrlichkeit der Konservativen aller Zeiten – es sind die Hinzu-Lügner."
    Nietzsche ... Die fröhliche Wissenschaft




Timberlake
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Mi 1. Jul 2026, 14:14

und wo wir schon mal dabei sind ...
Dynamis hat geschrieben :
Di 30. Jun 2026, 17:57


Was das Argument von Jörn angeht, so machst du folgenden Fehler: Du reduzierst es auf eine bloße Setzung und übersiehst dabei, dass er eine Begründung gegeben hat:
Timberlake hat geschrieben :
Di 30. Jun 2026, 14:35
Nietzsche also diesen Wahrheitsbegriff vernichten möchte -- die Reinheit des Selbstlosen. Dem hat er mit der „Umwerthung aller Werthe" seinen eigenen Wahrheitsbegriff entgegengesetzt. So wie Jörn sein Wahrheitsbegriff gegenüber diejenigen, die meinen, dass ein Apfel stets senkrecht zum Erdmittelpunkt fällt.
Aber Jörn hat nicht einfach nur so einen Begriff einem anderen Begriff "entgegengesetzt". Er hat seine Position begründet:
Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Mo 29. Jun 2026, 19:06
Ich würde vermuten, dass es nahezu nie der Fall ist. Ich schätze, in fast allen Fällen, kommt "irgendetwas dazwischen". Ein leichter Wind; der Apfel erhält beim Fallen eine leichte Seitenbewegung durch den Ast von dem er fiel; die Erde ist auch nicht perfekt geometrisch,; die Bewegung der Erde spielt wahrscheinlich auch eine Rolle und vieles andere mehr.
Er hat also auf folgenden Sachverhalt verwiesen: Der Fall eines Apfels wird nicht nur von der Schwerkraft, sondern von diversen weiteren Faktoren (wie z.B. dem Wind oder die Form des Baumes) beeinflusst. Das ist (zumindest ein Teil seiner) Begründung.
Das Jörn, in dem er darauf verwiesen und somit dergleichen begründet hat, wurde von mir auch gar nicht bezweifelt.
Timberlake hat geschrieben :
Di 30. Jun 2026, 15:38
philomag.de hat geschrieben :
Philosophischer Grundbegriff

Wahrheit

In den klassischen Konzeptionen wird Wahrheit definiert als ein Urteil, das mit seinem Gegenstand in der Welt übereinstimmt (Korrespondenztheorie der Wahrheit), oder auch als ein Urteil, das nicht im Widerspruch zu dem bereits vorhandenen System an Überzeugungen, die sich gegenseitig stützen, steht (Kohärenztheorie der Wahrheit)
Wenn dein Wahrheitsbegriff dieser klassischen Konzeptionen von Wahrheit entspricht ..
Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Di 30. Jun 2026, 15:34
Wie der Apfel fällt, ist unabhängig von jeglichem Wahrheitsbegriff.
und für dich, wie der Apfel von Baum fällt, unabhängig von jeglichem Wahrheitsbegriff ist, so frage ich mich allerdings schon, wie das sein kann. Beschreibt dieser Vorgang meiner Meinung nach doch genau das " .. ein Urteil, das mit seinem Gegenstand in der Welt übereinstimmt (Korrespondenztheorie der Wahrheit) oder auch ein Urteil, das nicht im Widerspruch zu dem bereits vorhandenen System an Überzeugungen, die sich gegenseitig stützen, steht (Kohärenztheorie der Wahrheit)".

Ich denke, wie hier ersichtlich, wurde von mir vielmehr bezweifelt, dass .. "Wie der Apfel fällt, unabhängig von jeglichem Wahrheitsbegriff ist" . Somit dafür noch eine Begründung aussteht. Für den Fall, dass du der gleiche Meinung bist, so wäre vermutlich nicht nur ich schon sehr gespannt darauf, unter welchen Verweis du das begründest.

Übrigens
Dynamis hat geschrieben :
Di 30. Jun 2026, 17:57
Insbesondere kritisiert hier Nietzsche, dass die "Überzeugung" für ein "Kriterium der Wahrheit" genommen wird. Genau diesen Wahrheitsbegriff will er vernichten. Es geht ihm also darum jeglichen Dogmatismus - und damit auch jegliche Wissenschaftsgläubigkeit - abzuwehren. Er kritisiert, dass Leute willkürlich einfach so etwas setzen. Derartige Willkür soll einer methodischen Herangehensweise weichen.
Von daher würde ich meinen, dass es eher Jörn darum geht, jeglichen Dogmatismus - und damit auch jegliche Wissenschaftsgläubigkeit - abzuwehren.

Abgesehen davon, dass "wie der Apfel fällt" eher nicht zu dem zählt, womit Nietzsche im Allgemeinen und sein Zarathustra im Besonderen befasst sind ..
  • "Wahrlich, ein schmutziger Strom ist der Mensch. Man muss schon ein Meer sein, um einen schmutzigen Strom aufnehmen zu können, ohne unrein zu werden"
    Nietzsche .. Also sprach Zarathustra
..zumindest in "Anbetracht" dessen, so würde ich bezweifeln das beide darum bemüht sind, jegliche Wissenschaftsgläubigkeit abzuwehren. Ganz im Gegenteil, so wie die Wissenschaft eben das zu bestätigen scheint, also das der Mensch ein schmutziger Strom ist und das, wie mir scheint, im wahrsten Sinne des Wortes ...
spektrum.de hat geschrieben :
Zeitalter des Menschen

Der Mensch verändert die Erde enorm – Grund genug, gleich eine neue geologische Epoche auszurufen? Das Für und Wider wird hart diskutiert.

Mit dem Begriff Anthropozän schlug Crutzen bewusst eine ganze Epoche vor, die seiner Meinung nach im späten 18. Jahrhundert mit dem Einsetzen der industriellen Revolution begann. Die Menschheit hatte seitdem immerhin ein Loch in der Ozonhülle über der Antarktis verursacht, die Menge an Methan in der Atmosphäre verdoppelt und die CO2-Konzentration um 30 Prozent auf ein Niveau gesteigert, das es in den vergangenen 400 000 Jahren nicht gegeben hatte.




Dynamis
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Timberlake, leider ist es dir nicht gelungen Einwände gegen meine Position zu formulieren. Und was deine Kritik an Jörns Position angeht, liegst du auch falsch.

Wie gesagt, meine Position ist die, dass es Nietzsche darum geht jeglichen Dogmatismus abzuwehren. Die von dir angeführten Stellen bestätigen meine Position und sind deswegen keineswegs Einwände.
Timberlake hat geschrieben :
Mi 1. Jul 2026, 14:00
"Bei allem Werte, der dem Wahren, dem Wahrhaftigen, dem Selbstlosen zukommen mag: es wäre möglich, daß dem Scheine, dem Willen zur Täuschung, dem Eigennutz und der Begierde ein für alles Leben höherer und grundsätzlicherer Wert zugeschrieben werden müßte. Es wäre sogar noch möglich, daß was den Wert jener guten und verehrten Dinge ausmacht, gerade darin bestünde, mit jenen schlimmen, scheinbar entgegengesetzten Dingen auf verfängliche Weise verwandt, verknüpft, verhäkelt, vielleicht gar wesensgleich zu sein. Vielleicht! – Aber wer ist willens, sich um solche gefährliche Vielleichts zu kümmern! Man muß dazu schon die Ankunft einer neuen Gattung von Philosophen abwarten, solcher, die irgendwelchen andern, umgekehrten Geschmack und Hang haben als die bisherigen – Philosophen des gefährlichen Vielleicht in jedem Verstande. – Und allen Ernstes gesprochen: ich sehe solche neue Philosophen heraufkommen."
Nietzsche ... Jenseits von Gut und Böse
Wenn Nietzsche hier "Philosophen des gefährlichen Vielleicht in jedem Verstande" heraufbeschwört, dann hat er damit Skeptiker im Sinn wie die, die er in §54 AC bejubelt hat: "grosse Geister sind Skeptiker." Und diejenigen Philosophen, die es wagen den Wert des Wahren, des Wahrhaftigen, des Selbstlosen infragezustellen, das sind die Philosophen des Vielleichts, das sind die Skeptiker.
Timberlake hat geschrieben : So das ich mich dich , diesbezüglich betreffend, schon frage ..
  • "Die Hinzu-Lügner. – Als man in Frankreich die Einheiten des Aristoteles zu bekämpfen und folglich auch zu verteidigen anfing, da war es wieder einmal zu sehen, was so oft zu sehen ist, aber so ungern gesehen wird – man log sich Gründe vor, um derenthalben jene Gesetze bestehen sollten, bloß um sich nicht einzugestehen, daß man sich an die Herrschaft dieser Gesetze gewöhnt habe und es nicht mehr anders haben wolle. Und so macht man es innerhalb jeder herrschenden Moral und Religion und hat es von jeher gemacht: die Gründe und die Absichten hinter der Gewohnheit werden immer zu ihr erst hinzugelogen, wenn einige anfangen, die Gewohnheit zu bestreiten und nach Gründen und Absichten zu fragen. Hier steckt die große Unehrlichkeit der Konservativen aller Zeiten – es sind die Hinzu-Lügner."
    Nietzsche ... Die fröhliche Wissenschaft
Zur Textstelle mit dem Hinzu-Lügner: Es geht hier natürlich wiederum um eine spezifische Form des Dogmatismus. Man hat sich "an die Herrschaft dieser Gesetze gewöhnt" und deswegen beruhen diese Gesetze auf einer unbegründeten Setzung. Damit sind diejenigen Leute, die diese Gesetze verteidigen, Dogmatiker. Und nur deswegen kann man hier Leute als "Lügner" bezeichnen: Weil es für diese Gesetze keine Gründe gibt, ist es eine Lüge, wenn man sich Gründe dafür ausdenkt anstatt einfach zuzugeben, dass es sich um reine Gewöhnung handelt.
Timberlake hat geschrieben :
Mi 1. Jul 2026, 14:14
und für dich, wie der Apfel von Baum fällt, unabhängig von jeglichem Wahrheitsbegriff ist, so frage ich mich allerdings schon, wie das sein kann. Beschreibt dieser Vorgang meiner Meinung nach doch genau das " .. ein Urteil, das mit seinem Gegenstand in der Welt übereinstimmt (Korrespondenztheorie der Wahrheit) oder auch ein Urteil, das nicht im Widerspruch zu dem bereits vorhandenen System an Überzeugungen, die sich gegenseitig stützen, steht (Kohärenztheorie der Wahrheit)".
"Urteil" habe ich für dich zur Kenntnisnahme rot markiert.

Wenn ein Apfel vom Baum fällt, ist das natürlich kein Urteil. Begründung: Von den uns bekannten Lebewesen sind nur Menschen (und vielleicht noch ein paar Primaten, bevor jetzt irgendwelche Tierfanatiker daher kommen und mit mir darüber streiten wollen) zu urteilen in der Lage. Bäume sind jedoch keine Menschen (oder menschenähnliche Säugetiere). Deswegen können Bäume nicht urteilen. Und deswegen resultiert es nicht aus einem Urteil wie "Och, jetzt habe ich den Apfel schon lange genug mit mir herumgetragen, ich lasse ihn jetzt mal fallen, tschüß!", dass ein Apfel fällt.

Wenn du diese Begründung anzweifelst, dann musst du Evidenz vorlegen, dass Bäume doch zu kognitiver Tätigkeit und damit insbesondere zu Urteilen in der Lage sind. Sonst ist dein Zweifel grundlos und kann sofort zurückgewiesen werden.




Timberlake
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Dynamis hat geschrieben :
Mi 1. Jul 2026, 15:51
Timberlake, leider ist es dir nicht gelungen Einwände gegen meine Position zu formulieren. Und was deine Kritik an Jörns Position angeht, liegst du auch falsch.

Wie gesagt, meine Position ist die, dass es Nietzsche darum geht jeglichen Dogmatismus abzuwehren. Die von dir angeführten Stellen bestätigen meine Position und sind deswegen keineswegs Einwände.

Wenn das deine Position ist, dann kannst du doch das sicherlich auch den von dir angeführten Stellen bestätigen.
Timberlake hat geschrieben :
Mi 1. Jul 2026, 14:00

Dynamis hat geschrieben :
Di 30. Jun 2026, 17:57
Timberlake hat geschrieben :
Di 30. Jun 2026, 14:35
Nietzsche also diesen Wahrheitsbegriff vernichten möchte -- die Reinheit des Selbstlosen.
Nein, es geht hier um einen anderen Punkt. Gucken wir uns nochmal an, was in der von dir zitierten Stelle - §12 AC - geschrieben steht:
Friedrich Nietzsche hat geschrieben : Ich nehme ein Paar Skeptiker bei Seite, den anständigen Typus in der Geschichte der Philosophie: aber der Rest kennt die ersten Forderungen der intellektuellen Rechtschaffenheit nicht. Sie machen es allesammt wie die Weiblein, alle diese grossen Schwärmer und Wunderthiere, — sie halten die „schönen Gefühle“ bereits für Argumente, den „gehobenen Busen“ für einen Blasebalg der Gottheit, die Überzeugung für ein Kriterium der Wahrheit. (Quelle: http://www.nietzschesource.org/#eKGWB/AC-12)


Insbesondere kritisiert hier Nietzsche, dass die "Überzeugung" für ein "Kriterium der Wahrheit" genommen wird. Genau diesen Wahrheitsbegriff will er vernichten. Es geht ihm also darum jeglichen Dogmatismus - und damit auch jegliche Wissenschaftsgläubigkeit - abzuwehren. Er kritisiert, dass Leute willkürlich einfach so etwas setzen. Derartige Willkür soll einer methodischen Herangehensweise weichen.

.. wenn es bei dir hier heißt ... "und damit auch jegliche Wissenschaftsgläubigkeit" .. so würde ich bezweifeln, dass .. DAS! .. das Zitat von Nietzsche hergibt, also ...



Friedrich Nietzsche hat geschrieben : Ich nehme ein Paar Skeptiker bei Seite, den anständigen Typus in der Geschichte der Philosophie: aber der Rest kennt die ersten Forderungen der intellektuellen Rechtschaffenheit nicht. Sie machen es allesammt wie die Weiblein, alle diese grossen Schwärmer und Wunderthiere, — sie halten die „schönen Gefühle“ bereits für Argumente, den „gehobenen Busen“ für einen Blasebalg der Gottheit, die Überzeugung für ein Kriterium der Wahrheit. Zuletzt hat noch Kant, in „deutscher“ Unschuld, diese Form der Corruption, diesen Mangel an intellektuellem Gewissen unter dem Begriff „praktische Vernunft“ zu verwissenschaftlichen versucht: er erfand eigens eine Vernunft dafür, in welchem Falle man sich nicht um die Vernunft zu kümmern habe, nämlich wenn die Moral, wenn die erhabne Forderung „du sollst“ laut wird. Erwägt man, dass fast bei allen Völkern der Philosoph nur die Weiterentwicklung des priesterlichen Typus ist, so überrascht dieses Erbstück des Priesters, die Falschmünzerei vor sich selbst, nicht mehr. Wenn man heilige Aufgaben hat, zum Beispiel die Menschen zu bessern, zu retten, zu erlösen, wenn man die Gottheit im Busen trägt, Mundstück jenseitiger Imperative ist, so steht man mit einer solchen Mission bereits ausserhalb aller bloss verstandesmässigen Werthungen, — selbst schon geheiligt durch eine solche Aufgabe, selbst schon der Typus einer höheren Ordnung!…Was geht einen Priester die Wissenschaft an! Er steht zu hoch dafür! — Und der Priester hat bisher geherrscht! Er bestimmte den Begriff „wahr“ und „unwahr“!(§ 12, Antichrist, http://www.nietzschesource.org/#eKGWB/AC-12 )



Also welche Stellen, in diesen Nietzsche Zitat, ( um mich an dieser Stelle diesbezüglich zu korrigieren :!: ), geben her , was du Nietzsche unterstellst, und zwar das er sich damit auch gegen jegliche Wissenschaftsgläubigkeit richtet.
Timberlake hat geschrieben : Bei Fragen, die auf Ja oder Nein Antworten hinauslaufen, würde ich diese Möglichkeit , dass man sich irgendwelche Antworten zu den selbst gestellten Fragen aus der Nase zieht, doch als sehr eingeschränkt erachten .

Unter Bezugnahme dessen, was Newton angeblich zu seiner "Einsicht" einer "universellen Gravitation" geführt hat, dazu nur mal zum Vergleich ..

"Fällt der Apfel immer vom Baum, und zwar exakt in einer Linie senkrecht zum Erdmittelpunkt?"

Ja oder Nein!
Weil von mir hier darauf bezogen!
.schule-bw.de hat geschrieben :
Das Gravitationsgesetz von Newton.

Die Gravitationskraft hängt von der Entfernung ab.
Betrachten wir einmal einen (sehr) kleinen Apfel, er möge die Masse 100g haben. An der Erdoberfläche zieht ihn die Erde mit der Kraft von 1 N an. Diese Kraft ist die Schwerkraft des Apfels. Im Anfangsunterricht hast Du gelernt, dass man diese Kraft als Masse m mal Ortsfaktor g berechnen kann (F = m*g).

Entfernt man einen Körper von der Erde, so wird diese Anziehungskraft kleiner.
Streng genommen verändert sich die Schwerkraft auch schon auf der Fallstrecke des Apfels vom Baum zur Erdoberfläche ganz geringfügig, aber davon sieht man meist ab.
Bringt man aber den Apfel weit hinaus in den Weltraum so ist der Effekt deutlich!
Friedrich Nietzsche hat geschrieben : Ich nehme ein Paar Skeptiker bei Seite, den anständigen Typus in der Geschichte der Philosophie: aber der Rest kennt die ersten Forderungen der intellektuellen Rechtschaffenheit nicht. Sie machen es allesammt wie die Weiblein, alle diese grossen Schwärmer und Wunderthiere, — sie halten die „schönen Gefühle“ bereits für Argumente, den „gehobenen Busen“ für einen Blasebalg der Gottheit, die Überzeugung für ein Kriterium der Wahrheit. Zuletzt hat noch Kant, in „deutscher“ Unschuld, diese Form der Corruption, diesen Mangel an intellektuellem Gewissen unter dem Begriff „praktische Vernunft“ zu verwissenschaftlichen versucht: er erfand eigens eine Vernunft dafür, in welchem Falle man sich nicht um die Vernunft zu kümmern habe, nämlich wenn die Moral, wenn die erhabne Forderung „du sollst“ laut wird. Erwägt man, dass fast bei allen Völkern der Philosoph nur die Weiterentwicklung des priesterlichen Typus ist, so überrascht dieses Erbstück des Priesters, die Falschmünzerei vor sich selbst, nicht mehr. Wenn man heilige Aufgaben hat, zum Beispiel die Menschen zu bessern, zu retten, zu erlösen, wenn man die Gottheit im Busen trägt, Mundstück jenseitiger Imperative ist, so steht man mit einer solchen Mission bereits ausserhalb aller bloss verstandesmässigen Werthungen, — selbst schon geheiligt durch eine solche Aufgabe, selbst schon der Typus einer höheren Ordnung!…Was geht einen Priester die Wissenschaft an! Er steht zu hoch dafür! — Und der Priester hat bisher geherrscht! Er bestimmte den Begriff „wahr“ und „unwahr“! (§ 12, Antichrist, http://www.nietzschesource.org/#eKGWB/AC-12 )
Woraus geht deiner Meinung nach, aus diesem Zitat hervor, dass sich Nietzsche gegen die Wissenschaftsgläubigkeit richtet, dass wenn man einen Körper von der Erde entfernt, diese Anziehungskraft kleiner wird?


Oder um konkret zu werden, hätte etwa danach auch Newton mit seinem Gravitationgesetz gleichfalls eine Falschmünzerei vor sich selbst betrieben? Steht deshalb womöglich auch Newton, mit einer solchen Mission, bereits außerhalb aller bloss verstandesmässigen Werthungen?



So das, in dem er dessen Mission Publik macht , auch dieser Wissenschaftsmoderartor dort zu verorten ist - bei den Priestern?

Übrigens , wo wir schon mal dabei sind ..
  • "Ich war sicherlich nur in der evangelischen Kirche, aber das dafür unzählige Mal, und zwar im Rahmen meiner Konfirmation. Nur im Unterschied zu heute, habe ich mir damals nichts daraus gemacht, dass ich während dessen nicht an Gott geglaubt habe. Befand ich mich doch mit den anderen Kindern als solches unter meinesgleichen. Die haben auch nicht an Gott geglaubt. Zumindest in meiner Wahrnehmung. Auch war mir dabei übrigens völlig egal, wie sich Pastor dabei vorkommen musste. Heute sieht das ganz anders aus. Insbesondere weil ich mittlerweile schon mit zwei Pastoren unserer Kirchengemeinde ein Gespräch über meinen Befindlichkeiten geführt habe, wenn ich kirchliche Veranstaltungen besuche. Das das ganz sicher nicht im Sinne Gottes und somit meiner Meinung auch nicht im Sinn des Pastors sein kann, wenn da jemand die Kirche besucht, der gar nicht an Gott glaubt. So das ich mich von daher buchstäblich stets wie ein Fremdkörper vorkomme. Was nun mehr diese Pastoren wussten, sie mir aber dennoch zum Kirchbesuch geraten haben"
    Timberlake .. Off Topic, Smalltalk und sonstiges...
Eben diese Blicke des Wissenschaftsmoderartor meine ich auch bei den diesen beiden Priestern gesehen zu haben.




Dynamis
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Sa 4. Jul 2026, 13:03

Timberlake hat geschrieben :
Mi 1. Jul 2026, 16:07
Wenn das deine Position ist, dann kannst du doch das sicherlich auch den von dir angeführten Stellen bestätigen.
Insbesondere kann ich das an der von dir angeführten Stelle bestätigen:
Timberlake hat geschrieben :
Mi 1. Jul 2026, 14:00
So das ich mich dich , diesbezüglich betreffend, schon frage ..
  • "Die Hinzu-Lügner. – Als man in Frankreich die Einheiten des Aristoteles zu bekämpfen und folglich auch zu verteidigen anfing, da war es wieder einmal zu sehen, was so oft zu sehen ist, aber so ungern gesehen wird – man log sich Gründe vor, um derenthalben jene Gesetze bestehen sollten, bloß um sich nicht einzugestehen, daß man sich an die Herrschaft dieser Gesetze gewöhnt habe und es nicht mehr anders haben wolle. Und so macht man es innerhalb jeder herrschenden Moral und Religion und hat es von jeher gemacht: die Gründe und die Absichten hinter der Gewohnheit werden immer zu ihr erst hinzugelogen, wenn einige anfangen, die Gewohnheit zu bestreiten und nach Gründen und Absichten zu fragen. Hier steckt die große Unehrlichkeit der Konservativen aller Zeiten – es sind die Hinzu-Lügner."
    Nietzsche ... Die fröhliche Wissenschaft
Nietzsche bezieht sich hier auf eine Situation, in welcher die Autorität des Aristoteles hinterfragt wird. Ich habe extra die entsprechende Stelle für dich zur Kenntnisnahme rot markiert. Aristoteles war Wissenschaftler. Somit kritisiert Nietzsche an dieser Stelle Wissenschaftsgläubigkeit. Damit ist nicht gemeint, dass man wissenschaftliche Ergebnisse generell ablehnt, sondern damit ist gemeint, dass man einen Wissenschaftler wie Aristoteles nicht einfach so unhinterfragt als Autorität akzeptiert.
Timberlake hat geschrieben : Woraus geht deiner Meinung nach, aus diesem Zitat hervor, dass sich Nietzsche gegen die Wissenschaftsgläubigkeit richtet, dass wenn man einen Körper von der Erde entfernt, diese Anziehungskraft kleiner wird?
Da verwechselst du etwas. Wenn man sich gegen Wissenschaftsgläubigkeit richtet, dann heißt das nicht, dass man wissenschaftliche Ergebnisse wie zum Beispiel das Gravitationsgesetz von Newton ablehnt. Es heißt aber, dass man Newton nicht als unhinterfragbare Autorität auffasst - genauso wie man Aristoteles nicht als unhinterfragbare Autorität auffasst.

In der Tat, weil man in der Wissenschaft Newton eben nicht als unhinterfragbare Autorität auffasst, war man in der Lage die Grenzen der Newtonschen Mechanik zu erkennen und eine verbesserte Theorie - die Einsteinsche Relativitätstheorie - zu entwickeln.




Timberlake
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Sa 4. Jul 2026, 15:23

Dynamis hat geschrieben :
Sa 4. Jul 2026, 13:03
Timberlake hat geschrieben :
Mi 1. Jul 2026, 16:07

(Also welche Stellen, in diesen Nietzsche Zitat, ( um mich an dieser Stelle diesbezüglich zu korrigieren :!: ), geben her , was du Nietzsche unterstellst, und zwar das er sich damit auch gegen jegliche Wissenschaftsgläubigkeit richtet.)

Wenn das deine Position ist, dann kannst du doch das sicherlich auch den von dir angeführten Stellen bestätigen.
Insbesondere kann ich das an der von dir angeführten Stelle bestätigen:
Timberlake hat geschrieben :
Mi 1. Jul 2026, 14:00
So das ich mich dich , diesbezüglich betreffend, schon frage ..
  • "Die Hinzu-Lügner. – Als man in Frankreich die Einheiten des Aristoteles zu bekämpfen und folglich auch zu verteidigen anfing, da war es wieder einmal zu sehen, was so oft zu sehen ist, aber so ungern gesehen wird – man log sich Gründe vor, um derenthalben jene Gesetze bestehen sollten, bloß um sich nicht einzugestehen, daß man sich an die Herrschaft dieser Gesetze gewöhnt habe und es nicht mehr anders haben wolle. Und so macht man es innerhalb jeder herrschenden Moral und Religion und hat es von jeher gemacht: die Gründe und die Absichten hinter der Gewohnheit werden immer zu ihr erst hinzugelogen, wenn einige anfangen, die Gewohnheit zu bestreiten und nach Gründen und Absichten zu fragen. Hier steckt die große Unehrlichkeit der Konservativen aller Zeiten – es sind die Hinzu-Lügner."
    Nietzsche ... Die fröhliche Wissenschaft
Nietzsche bezieht sich hier auf eine Situation, in welcher die Autorität des Aristoteles hinterfragt wird. Ich habe extra die entsprechende Stelle für dich zur Kenntnisnahme rot markiert. Aristoteles war Wissenschaftler. Somit kritisiert ... Nietzsche :!: .. an dieser Stelle Wissenschaftsgläubigkeit. Damit ist nicht gemeint, dass .. man :!: .. wissenschaftliche Ergebnisse generell ablehnt, sondern damit ist gemeint, dass man einen Wissenschaftler wie Aristoteles nicht einfach so unhinterfragt als Autorität akzeptiert.

Und ich habe mal in deinem Text (und natürlich auch in dem Text von Nietzsche), einmal mal rot markiert, warum ich der Meinung bin, dass du mir da bezüglich dieser Bestätigung nicht sauber zu trennen scheinst, und zwar zwischen "man :!:! und "Nietzsche :!: " in " blau :!: , wo das besondersauffällig wird.
  • Als man in Frankreich die Einheiten .. des Aristoteles :!: .. zu bekämpfen und folglich auch zu verteidigen anfing, da war es wieder einmal zu sehen, was so oft zu sehen ist, aber so ungern gesehen wird man log sich Gründe vor, um derenthalben ... jene Gesetze :!: .. bestehen sollten, bloß um sich nicht einzugestehen, daß man sich an die Herrschaft dieser Gesetze gewöhnt habe und es nicht mehr anders haben wolle"
    Nietzsche

Weil deine Bestätigung darauf basierend, wie ich einmal annehme, schließlich wird sich darin auf die Gesetze von Aristoteles bezogen, du bist doch wohl nicht ernsthaft der Meinung, dass sich mit diesem man sich Nietzsche selbst meint .. Oder? Von daher, also das sich Nietzsche eben nicht zu jenen Hinzu-Lügner bezüglich "jener Gesetzte" des Aristoteles zählt, würde ich vielmehr annehmen, dass er sich nicht gegen jegliche Wissenschaftsgläubigkeit richtet, sondern ganz im Gegenteil, sich ausdrücklich für jegliche Wissenschaftsgläubigkeit ausspricht.
  • "Und so macht man es innerhalb jeder herrschenden Moral und Religion und hat es von jeher gemacht: die Gründe und die Absichten hinter der Gewohnheit werden immer zu ihr erst hinzugelogen, wenn einige anfangen, die Gewohnheit zu bestreiten und nach Gründen und Absichten zu fragen!"
    Nietzsche

Für eine Wissenschaftsgläubigkeit, die , weil als solches" hinzu gelogen" , jeder herrschenden Moral und Religion, das Existenzrecht abspricht.

Ich denke - das wird bestätigt !




Dynamis
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Sa 4. Jul 2026, 18:34

Timberlake hat geschrieben :
Sa 4. Jul 2026, 15:23
Von daher, also das sich Nietzsche eben nicht zu jenen Hinzu-Lügner bezüglich "jener Gesetzte" des Aristoteles zählt
Richtig, Nietzsche zählt sich nicht zu jenen Hinzu-Lügnern. Stattdessen kritisiert er die "Konservativen aller Zeiten" als "Lügner" und wirft ihnen "Unehrlichkeit" vor. In diesem Kontext sind die "Konservativen" diejenigen, welche die "Einheiten des Aristoteles" verteidigen.

Nietzsche weist völlig zurecht darauf hin, dass Wissenschaftsgläubigkeit häufig eine Form des Konservatismus ist und mit dogmatischen Setzungen einhergeht. Deswegen kritisiert er diese Form des Dogmatismus, zurecht.
Timberlake hat geschrieben : würde ich vielmehr annehmen, dass er sich nicht gegen jegliche Wissenschaftsgläubigkeit richtet, sondern ganz im Gegenteil, sich ausdrücklich für jegliche Wissenschaftsgläubigkeit ausspricht.
Damit liegst du halt falsch. Nietzsche spricht sich gegen die Wissenschaftsgläubigkeit der "Konservativen" aus, welche die "Einheiten des Aristoteles" verteidigen.




Timberlake
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Sa 4. Jul 2026, 19:46

Dynamis hat geschrieben :
Sa 4. Jul 2026, 18:34
Timberlake hat geschrieben :
Sa 4. Jul 2026, 15:23
Von daher, also das sich Nietzsche eben nicht zu jenen Hinzu-Lügner bezüglich "jener Gesetzte" des Aristoteles zählt
Richtig, Nietzsche zählt sich nicht zu jenen Hinzu-Lügnern. Stattdessen kritisiert er die "Konservativen aller Zeiten" als "Lügner" und wirft ihnen "Unehrlichkeit" vor. In diesem Kontext sind die "Konservativen" diejenigen, welche die "Einheiten des Aristoteles" verteidigen.

Nietzsche weist völlig zurecht darauf hin, dass Wissenschaftsgläubigkeit häufig eine Form des Konservatismus ist und mit dogmatischen Setzungen einhergeht. Deswegen kritisiert er diese Form des Dogmatismus, zurecht.

.
  • "Die Hinzu-Lügner. – Als man in Frankreich die Einheiten des Aristoteles zu bekämpfen und folglich auch zu verteidigen anfing, da war es wieder einmal zu sehen, was so oft zu sehen ist, aber so ungern gesehen wird – man log sich Gründe vor, um derenthalben jene Gesetze bestehen sollten, bloß um sich nicht einzugestehen, daß man sich an die Herrschaft dieser Gesetze gewöhnt habe und es nicht mehr anders haben wolle. Und so macht man es innerhalb jeder herrschenden Moral und Religion und hat es von jeher gemacht: die Gründe und die Absichten hinter der Gewohnheit werden immer zu ihr erst hinzugelogen, wenn einige anfangen, die Gewohnheit zu bestreiten und nach Gründen und Absichten zu fragen. Hier steckt die große Unehrlichkeit der Konservativen aller Zeiten – es sind die Hinzu-Lügner."
    Nietzsche ... Die fröhliche Wissenschaft
Wir beide beziehen uns doch wohl noch immer dabei auf dieses Zitat von Nietzsche?
  • "Hier steckt die große Unehrlichkeit der Konservativen aller Zeiten – es sind die Hinzu-Lügner sind."
    Nietzsche
Ein Zitat, in dem Nietzsche darauf hinweist, dass die Konservativen die Hinzu-Lügner." Was von dir als solches auch bestätigt wurde. Was würdest du denn meinen, im welchen Kontext dergleichen steht, wenn es dazu im Vorsatz heißt ...
  • "Und so macht man es innerhalb jeder herrschenden Moral und Religion und hat es von jeher gemacht: die Gründe und die Absichten hinter der Gewohnheit werden immer zu ihr erst hinzugelogen, wenn einige anfangen, die Gewohnheit zu bestreiten und nach Gründen und Absichten zu fragen"




Timberlake
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So 5. Jul 2026, 21:38

RosiG2 hat geschrieben :
Fr 5. Jun 2026, 14:48
Rechtspopulismus: Eine Bewegung von Narzissten
von Andreas Püttmann


"An der (wechselseitig) selbstbezichtigenden Defizitanalyse demokratischer Politiker wirken Rechtspopulisten eifrig mit, getragen von den Agitationswellen der sie unterstützenden Medienphalanx
[ ... ] Die Politiker der »Systemparteien« könnten es nicht, und deshalb wende sich das Volk völlig zu Recht von ihnen ab.

Auf der anderen Seite erklären Linke die Rechtsradikalisierung traditionell mit sozialen Missständen. Ungerechtigkeit und Armut in kapitalistischen Systemen brächten notwendigerweise Faschismus hervor. Herrschende und einflussreiche Superreiche müssten den Bedrückten nur einflüstern, dass Migranten, globalistische Eliten und »woke« Bildungsbürger an ihrem Elend schuld seien – und schon vertrauten sich die Massen den Verheißungen einer autoritären Führung an. Dagegen warnt die jüngste Mitte-Studie pointiert vor der »sich hartnäckig« haltenden These, die Anfälligkeit für rechtsextreme Einstellungen sei ökonomisch induziert: »Bei genauerem Hinsehen« zeige sich, dass »das Einkommen in einem wechselseitigen Verhältnis zum Bildungshintergrund« stehe, der entscheidender sein könne; zudem wirke sich »die subjektive Einschätzung der sozioökonomischen Lage, wie etwa das Gefühl, nicht gerecht behandelt zu werden, auf die Zustimmung zu rechtsextremen Aussagen aus«.2 Bauchgefühle und Lebenszufriedenheit sind aber ein schwankender Boden für die Feststellung tatsächlicher Benachteiligung."
...
Wo hier gerade darauf bezogen, also

", wie etwa das Gefühl, nicht gerecht behandelt zu werden" ... "Bauchgefühle und Lebenszufriedenheit"


Dazu vielleicht passend ..


"Gefühle und deren Abkunft von Urteilen. – »Vertraue deinem Gefühle!« – Aber Gefühle sind nichts Letztes, Ursprüngliches, hinter den Gefühlen stehen Urteile und Wertschätzungen, welche in der Form von Gefühlen (Neigungen, Abneigungen) uns vererbt sind. Die Inspiration, die aus dem Gefühle stammt, ist das Enkelkind eines Urteils – und oft eines falschen! – und jedenfalls nicht deines eigenen! Seinem Gefühle vertrauen – das heißt seinem Großvater und seiner Großmutter und deren Großeltern mehr gehorchen als den Göttern, die in uns sind: unserer Vernunft und unserer Erfahrung."
Friedrich Nietzsche ..Morgenröte


Weil meiner Meinung nach sich selbsterklärend, lasse ich das mal unkommentiert so stehen.




Dynamis
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Mo 6. Jul 2026, 13:40

Timberlake hat geschrieben :
Sa 4. Jul 2026, 19:46
Was würdest du denn meinen, im welchen Kontext dergleichen steht, wenn es dazu im Vorsatz heißt ...
  • "Und so macht man es innerhalb jeder herrschenden Moral und Religion und hat es von jeher gemacht: die Gründe und die Absichten hinter der Gewohnheit werden immer zu ihr erst hinzugelogen, wenn einige anfangen, die Gewohnheit zu bestreiten und nach Gründen und Absichten zu fragen"
Das "und so" habe ich zu deiner Kenntnisnahme rot markiert. Was Nietzsche hier schreibt, knüpft an das Vorhergehende an. Vorher war der Kontext der, dass es um die "Einheiten des Aristoteles", d.h. um Wissenschaft ging. Und jetzt verallgemeinert Nietzsche diesen Punkt, indem er das, was er vorher gesagt hat, auch auf Moral und Religion bezieht.

Daher ist und bleibt falsch, was du gesagt hast:
Timberlake hat geschrieben :
Sa 4. Jul 2026, 15:23
Von daher, also das sich Nietzsche eben nicht zu jenen Hinzu-Lügner bezüglich "jener Gesetzte" des Aristoteles zählt, würde ich vielmehr annehmen, dass er sich nicht gegen jegliche Wissenschaftsgläubigkeit richtet, sondern ganz im Gegenteil, sich ausdrücklich für jegliche Wissenschaftsgläubigkeit ausspricht.
Richtig ist stattdessen, was ich gesagt habe:
Dynamis hat geschrieben :
Mi 1. Jul 2026, 15:51
Wie gesagt, meine Position ist die, dass es Nietzsche darum geht jeglichen Dogmatismus abzuwehren.
Die nun von dir angeführte Stelle bestätigt meinen Punkt, dass es Nietzsche darum geht jeglichen Dogmatismus abzuwehren:
Timberlake hat geschrieben :
So 5. Jul 2026, 21:38
"Gefühle und deren Abkunft von Urteilen. – »Vertraue deinem Gefühle!« – Aber Gefühle sind nichts Letztes, Ursprüngliches, hinter den Gefühlen stehen Urteile und Wertschätzungen, welche in der Form von Gefühlen (Neigungen, Abneigungen) uns vererbt sind. Die Inspiration, die aus dem Gefühle stammt, ist das Enkelkind eines Urteils – und oft eines falschen! – und jedenfalls nicht deines eigenen! Seinem Gefühle vertrauen – das heißt seinem Großvater und seiner Großmutter und deren Großeltern mehr gehorchen als den Göttern, die in uns sind: unserer Vernunft und unserer Erfahrung."
Friedrich Nietzsche ..Morgenröte
Nietzsche weist hier darauf hin, dass es auch eine unbegründete Setzung ist, wenn man sich einfach auf seine Gefühle verlässt. Als Alternative zu unbegründeten Setzungen bieten sich "Vernunft" und "Erfahrung" an. Es werden hier also dogmatische Setzungen, die bloß auf Gefühlen beruhen, kritisiert.




Timberlake
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Mo 6. Jul 2026, 13:56

Dynamis hat geschrieben :
Mo 6. Jul 2026, 13:40
Timberlake hat geschrieben :
Sa 4. Jul 2026, 19:46
Was würdest du denn meinen, im welchen Kontext dergleichen steht, wenn es dazu im Vorsatz heißt ...
  • "Und so macht man es innerhalb jeder herrschenden Moral und Religion und hat es von jeher gemacht: die Gründe und die Absichten hinter der Gewohnheit werden immer zu ihr erst hinzugelogen, wenn einige anfangen, die Gewohnheit zu bestreiten und nach Gründen und Absichten zu fragen"
Das "und so" habe ich zu deiner Kenntnisnahme rot markiert. Was Nietzsche hier schreibt, knüpft an das Vorhergehende an. Vorher war der Kontext der, dass es um die "Einheiten des Aristoteles", d.h. um Wissenschaft ging. Und jetzt verallgemeinert Nietzsche diesen Punkt, indem er das, was er vorher gesagt hat, auch auf Moral und Religion bezieht.


.. genau darauf wollte ich hinaus , dass Nietzsche
  • "Und so macht man es innerhalb jeder herrschenden Moral und Religion und hat es von jeher gemacht: die Gründe und die Absichten hinter der Gewohnheit werden immer zu ihr erst hinzugelogen, wenn einige anfangen, die Gewohnheit zu bestreiten und nach Gründen und Absichten zu fragen"
.. mit Und so vorher an ..
  • "Als man in Frankreich die Einheiten des Aristoteles zu bekämpfen und folglich auch zu verteidigen anfing, da war es wieder einmal zu sehen, was so oft zu sehen ist, aber so ungern gesehen wird – man log sich Gründe vor, um derenthalben jene Gesetze bestehen sollten, bloß um sich nicht einzugestehen, daß man sich an die Herrschaft dieser Gesetze gewöhnt habe und es nicht mehr anders haben wolle."
.. anknüpft und da steht, rot wiederum von mir hervorgehoben," als man" in Frankreich die Einheiten des Aristoteles zu bekämpfen und folglich auch zu verteidigen anfing, es wieder einmal zu sehen war, was so oft zu sehen ist, aber so ungern gesehen wird, man log sich Gründe vor, um derenthalben jene Gesetze bestehen sollten, bloß um sich nicht einzugestehen, daß man sich an die Herrschaft dieser Gesetze gewöhnt habe und es nicht mehr anders haben wolle.

Wer hat sich denn diese Gründe vorgelogen, bloß um sich nicht einzugestehen, daß man sich an die Herrschaft dieser Gesetze gewöhnt habe und es nicht mehr anders haben wolle? Nietzsche selbst dann doch wohl ganz bestimmt nicht!
  • "Vorher war der Kontext der, dass es um die "Einheiten des Aristoteles", d.h. um Wissenschaft ging"
    Dynamis
Wenn vorher der Kontext war, dass es um die "Einheiten des Aristoteles", d.h. um Wissenschaft ging, wer würden sich denn demzufolge gegen jegliche Wissenschaftsgläubigkeit richten "man" oder Nietzsche?
Dynamis hat geschrieben :
Sa 4. Jul 2026, 13:03

  • "Die Hinzu-Lügner. – Als man in Frankreich die Einheiten des Aristoteles zu bekämpfen und folglich auch zu verteidigen anfing, da war es wieder einmal zu sehen, was so oft zu sehen ist, aber so ungern gesehen wird – man log sich Gründe vor, um derenthalben jene Gesetze bestehen sollten, bloß um sich nicht einzugestehen, daß man sich an die Herrschaft dieser Gesetze gewöhnt habe und es nicht mehr anders haben wolle. Und so macht man es innerhalb jeder herrschenden Moral und Religion und hat es von jeher gemacht: die Gründe und die Absichten hinter der Gewohnheit werden immer zu ihr erst hinzugelogen, wenn einige anfangen, die Gewohnheit zu bestreiten und nach Gründen und Absichten zu fragen. Hier steckt die große Unehrlichkeit der Konservativen aller Zeiten – es sind die Hinzu-Lügner."
    Nietzsche ... Die fröhliche Wissenschaft
Nietzsche bezieht sich hier auf eine Situation, in welcher die Autorität des Aristoteles hinterfragt wird. Ich habe extra die entsprechende Stelle für dich zur Kenntnisnahme rot markiert. Aristoteles war Wissenschaftler. Somit kritisiert Nietzsche an dieser Stelle Wissenschaftsgläubigkeit. Damit ist nicht gemeint, dass man wissenschaftliche Ergebnisse generell ablehnt, sondern damit ist gemeint, dass man einen Wissenschaftler wie Aristoteles nicht einfach so unhinterfragt als Autorität akzeptiert.


Wenn es bei dir hier heißt ..
  • "Somit kritisiert Nietzsche an dieser Stelle Wissenschaftsgläubigkeit. Damit ist nicht gemeint, dass man wissenschaftliche Ergebnisse generell ablehnt,"
.. wer ist "man" ? Wenn es im Satz vor dem bei dir heißt
  • "Somit kritisiert Nietzsche an dieser Stelle Wissenschaftsgläubigkeit"
.. sollte der nachfolgende Satz demzufolge dann nicht eigentlich ..
  • "Damit ist nicht gemeint, dass er wissenschaftliche Ergebnisse generell ablehnt,"
.. mit "er" und somit auf Nietzsche hinauslaufen?

Dazu nur mal zur Erinnerung ..
Timberlake hat geschrieben :
Sa 4. Jul 2026, 15:23


Und ich habe mal in deinem Text (und natürlich auch in dem Text von Nietzsche), einmal mal rot markiert, warum ich der Meinung bin, dass du mir da bezüglich dieser Bestätigung nicht sauber zu trennen scheinst, und zwar zwischen "man :!:! und "Nietzsche :!: " in " blau :!: , wo das besondersauffällig wird.

Deine ganze Argumentation scheint mir als solches letztendlich darauf zu beruhen , dass du zwischen "man" und Nietzsche nicht sauber trennst. Ja mehr noch, dass das der Strohhalm ist, an dem du dich hochziehst, um an Ende dann doch recht zu behalten.




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