Nietzsche im Allgemeinen und Speziellen

Philosoph
Roland_Kaschube
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Fr 29. Mär 2024, 16:33

Hallo liebe Leute,

Die Philosophie von Nietzsche ist oftmals missverständlich, unverständlich, komplex, mit Reizwörtern aufgeladen, von Vorurteilen behaftet, poetisch, lyrisch, zeitgemäß, unzeitgemäß...

Hat irgendwer eine Frage zu Nietzsche, die noch unbeantwortet geblieben ist?

Wenn ja, möchte ich gern bei der Klärung behilflich sein.

Lieben Dank und Grüße,

Roland



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Michael7Nigl
Beiträge: 190
Registriert: Mi 3. Jan 2024, 00:49

Fr 29. Mär 2024, 17:44

Gibt es in Nietzsches Texten Frauenfeindlichkeit?

Als Beispiel kann man sich das Kapitel "Von alten und jungen Weiblein" in Also sprach Zarathustra einmal geben:

https://www.projekt-gutenberg.org/nietz ... s3018.html

Dort ist u.a. zu lesen: "Der Mann fürchte sich vor dem Weibe, wenn es hasst: denn der Mann ist im Grunde der Seele nur böse, das Weib aber ist dort schlecht."

oder "Oberfläche ist des Weibes Gemüth, eine bewegliche stürmische Haut auf einem seichten Gewässer. Des Mannes Gemüth aber ist tief, sein Strom rauscht in unterirdischen Höhlen: das Weib ahnt seine Kraft, aber begreift sie nicht."

Ist das künstlerische Freiheit? Ist das eine lyrische Beschreibung der Geschlechter? Oder ist es schlicht und einfach Frauenfeindlichkeit?

Mich würde interessieren, was Du, Roland, und die anderen Mitglieder des Forums darüber denken.




Roland_Kaschube
Beiträge: 19
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Mi 3. Apr 2024, 16:20

Hi Michael,

Danke für die Frage.

War Nietzsche frauenfeindlich?

Diese Frage lässt sich mit einem klaren Jein beantworten - Nietzsche war definitiv beides.

Gibt es in Nietzsches Texten Belege für Frauenfreindlichkeit? Die gibt es reichlich, und es ist müßig sie aufzuzählen. Gleichzeitig lassen sich Passagen finden, in welchen Nietzsche seinen Respekt gegenüber Frauen ausdrückt. Vor allem war ihm Gewaltlosigkeit wichtig!

Wie wir wissen, wuchs Nietzsche ohne Vater in einem Frauenhaushalt auf: Großmutter, zwei Tanten, Mutter, Schwester und Dienstmädchen - 6 : 1. Sowas nennt man wohl Übermacht. Das hat ihn definitiv geprägt.

Insgesamt lässt sich sein Verhältnis zu den Frauen als ambivalent bezeichen. Im Wesentlichen ging es ihm um Distanz zur Weiblichkeit. Nietzsche hat stets einen Sicherheitsabstand eingehalten; nicht zuletzt, um nicht heiraten zu müssen. Sehr modern sind seine Vorschläge zur "Ehe auf Zeit" (das steht bei Nietzsche so nicht wörtlich). Seine Äußerungen gegen die Ehe sind kühn und absolut unzeitgemäß.

In Anlehnung an Paul Rée "Psychologische Beobachtungen" von 1875 (Kapitel: Über Weiber, Liebe und Ehe) befinden sich in Nietzsches aphoristischen Schriften ab 1878, also ab "Menschliches, Allzumenschliches", stets Abhandlungen über Weib und Kind. Berühmt wurde vor allem das Zitat "Du gehst zu Frauen? Vergiss die Peitsche nicht!" aus dem ersten Teil von Zarathustra. In einer Nachlasssnotiz verrät er, dass es um "Distanz" geht. "Du gehtst zu Frauen? Dann wahre den Abstand!" - so könnte man das Zitat übersetzen.

Abschließend: Nietzsche war wahrscheinlich bisexuell oder homosexuell veranlagt, was sich in seinen Schriften nachweisen lässt, denn Nietzsche hatte ein deutliches Faible für Männer, wenngleich er mehrere recht intensive Freundschaften zu Frauen pflegte.

"Unterm Strich" halte ich das Thema "Frauen" bei Nietzsche für überbewertet, denn sein Frauenbild war eher konservativ. Das soll heißen: Für Nietzsche war der Platz der Frauen vor allem in der Küche, bei den Kindern oder der Wäsche zu finden.

Nietzsches philosophische Verdienste liegen daher nicht bei der Bewertung der holden Weiblichkeit, sondern sind in seiner ästhetischen Philosophie zu finden. Daher finde ich die Frage nach Nietzsches Verhältnis zu den Frauen eher müssig und abgenutzt. Da sind diverse andere Aspekte wesentlich wichtiger.

Next question, please!! Danke!



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Timberlake
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Mo 15. Apr 2024, 23:26

Roland_Kaschube hat geschrieben :
Mi 3. Apr 2024, 16:20
Hi Michael,

In Anlehnung an Paul Rée "Psychologische Beobachtungen" von 1875 (Kapitel: Über Weiber, Liebe und Ehe) befinden sich in Nietzsches aphoristischen Schriften ab 1878, also ab "Menschliches, Allzumenschliches", stets Abhandlungen über Weib und Kind. Berühmt wurde vor allem das Zitat "Du gehst zu Frauen? Vergiss die Peitsche nicht!" ...
.. um bei diesem Bild zu bleiben , Nietzsche einmal selbst "umgewertet" ..

Bild
nossmann.com hat geschrieben :
Lou Andreas-Salomé

"Entgegen dem Willen der Mutter, die sie am liebsten schnellstens unter die Haube gebracht hätte, begann sie ein Studium als Gasthörerin in Zürich, der einzigen Universität in Europa an der damals auch Frauen zumindest als Gast geduldet wurden. Sie belegte Vorlesungen in Philosophie (Logik, Geschichte der Philosophie, Antike Philosophie und Psychologie) und Theologie (Dogmatik). Hier lernte sie auch Paul Rée und seinen Freund Friedrich Nietzsche kennen, die sich beide auch gleich unsterblich in sie verliebten und deren beider Heiratsanträge sie natürlich ablehnte. Während Paul Rée die Abweisung noch wie Kavalier hinnahm geriet Nietzsche in übellaunige Raserei. Da er keine Lust mehr auf ein rein geistiges Miteinander hatte beschimpfte er die Unerreichbare nunmehr als „übelriechendes Äffchen mit falschen Brüsten“. Das Trio flog auseinander. Auch wenn es ihm später leid tat sich so gehen gelassen zu haben und sich hierfür auch mehrfach schriftlich entschuldigte, gab es zwischen den beiden keine Aussöhnung mehr. "

"Das Bild des Wahnsinns steht am Ende der Philosophie Nietzsches als eine grelle und furchtbare Illustration zu den erkenntnisstheoretischen Ausführungen, von denen er in seiner Zukunftsphilosophie ausgeht. Denn den Ausgangspunkt bildete die Auflösung alles Intellektuellen durch die Herrschaft des Chaotisch-Triebartigen, das jenem Grundlage und Sinn ist,—die Folgerung aber der Erkenntnisstheorie Nietzsches läuft hinaus auf den Untergang des Erkennenden zum Behufe der Erfassung einer höchsten Lebensoffenbarung, auf das »mit Wahnsinn sollst du geimpft werden« alles Verstandeserkennens. In ergreifender Weise mischen sich die Ahnung des ihm bevorstehenden persönlichen Schicksals und die mystische Auffassung des Geisteslebens und seiner Bedeutung überhaupt in den Worten Zarathustras (II 33): »Geist ist das Leben, das selber ins Leben schneidet: an der eignen Qual mehrt es sich das eigne Wissen,—wusstet ihr das schon? Und des Geistes Glück ist diess: gesalbt zu sein und durch Thränen geweiht zum Opferthier,—wusstet ihr das schon? Und die Blindheit des Blinden und sein Suchen und Tappen soll noch von der Macht der Sonne zeugen, in die er schaute,—wusstet ihr das schon?«

So sollte der Wahnsinn noch zeugen von der Macht der Lebenswahrheit, an deren Glanz der Menschengeist erblindet.

Denn kein Verstand führt in die Tiefe der Lebensfülle selbst hinein,—nicht hineinklettern lässt es sich in diese Fülle, Stufe um Stufe, Gedanke um Gedanke: »Und wenn dir nunmehr alle Leitern fehlen, so musst du verstehen, noch auf deinen eigenen Kopf zu steigen: wie wolltest du anders aufwärts steigen?... Du aber, oh Zarathustra, wolltest aller Dinge Grund schaun und Hintergrund: so musst du schon über dich selber steigen,—hinan, hinauf, bis du auch deine Sterne noch unter dir hast!« (Also sprach Zarathustra III 2 f.)"

Lou Andreas Salome . ... Friedrich Nietzsche in seinen Werken




Roland_Kaschube
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Mi 17. Apr 2024, 17:48

Sehr richtig



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Timberlake
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So 14. Jun 2026, 16:56

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
So 14. Jun 2026, 15:50
Ich habe es nicht verstanden. Wo genau erläutert Nitzsche, dass es egal ist, ob man sich ein Bild richtig anschaut oder nicht?
... und ich verstehe die Frage nicht! Aber bitteschön! Weil als einziges Zitat von Nietzsche bezüglich deiner Frage vorliegend, als da wäre ..


"Ein Psycholog fragt dagegen: was tut alle Kunst? lobt sie nicht? verherrlicht sie nicht? wählt sie nicht aus? zieht sie nicht hervor? Mit dem allem stärkt oder schwächt sie gewisse Wertschätzungen... Ist dies nur ein Nebenbei? ein Zufall? Etwas, bei dem der Instinkt des Künstlers gar nicht beteiligt wäre? Oder aber: ist es nicht die Voraussetzung dazu, daß der Künstler kann...? Geht dessen unterster Instinkt auf die Kunst oder nicht vielmehr auf den Sinn der Kunst, das Leben? auf eine Wünschbarkeit von Leben? – Die Kunst ist das große Stimulans zum Leben: wie könnte man sie als zwecklos, als ziellos, als l'art pour l'art verstehn? – Eine Frage bleibt zurück: die Kunst bringt auch vieles Häßliche, Harte, Fragwürdige des Lebens zur Erscheinung"
Nietzsche ... Götzen-Dämmerung




... würde ich meinen, dass es ihm eben nicht egal ist, ob man sich ein Bild richtig anschaut oder nicht. Würde doch einem dann möglicherweise das entgehen, was Kunst seiner Meinung nach auch in Erscheinung bringt, und zwar vieles Häßliche,Harte, Fragwürdige des Lebens.

Frage

Bild

Weil hier gerade dazu zur Disposition stehen, würdest du denn meinen, dass wenn man sich dieses Bild richtig anschaut, darin eben das, also vieles Häßliche, Harte, Fragwürdige des Lebens, zu entdecken ist?

"Dazu" habe ich übrigens von David Hockney gerade folgendes recherchiert ..
tagesspiegel.de hat geschrieben :
Berühmt für seine Swimmingpool-Bilder: Mit David Hockney geht ein Gigant der Malerei

Er trug das Lebensgefühl Kaliforniens in seine Bilder und war einer der vielseitigsten Künstler seiner Zeit. Der legendäre Maler David Hockney blieb bis zuletzt neugierig auf die Welt.

Hockney, der die grauen Himmel Englands gewohnt war und seine Heimat, die Industriestadt Bradford in Yorkshire, als „radikal und arbeiterklassig“ beschrieb, gilt als einer der ersten Künstler, die L.A. zu ihrem Hauptmotiv gemacht haben.

1964 zog der Brite, der als viertes von fünf Kindern in einer Arbeiterfamilie aufgewachsen war, nach Los Angeles. Von der amerikanischen Westküste, die er in jungen Jahren während einer Reise kennenlernte, war er Zeit seines Lebens fasziniert. In seinen Pop-Art-Gemälden fing er die Atmosphäre der Stadt, die Farben, die Palmen, die Häuser und das Sonnenlicht ein. Seine Serie mit Swimmingpools machte ihn weltberühmt. Die Heiterkeit und freche Unbekümmertheit, die seine Bilder ausstrahlen, wurden zu seinem Erkennungszeichen.


Mit Blake und Malern wie Allen Jones und RB Kitaj gehörte er zu der Generation, die die britische Pop-Art prägte. Es soll Kitaj gewesen sein, der ihm den wichtigsten Rat seines Lebens gab: „Male das, was du liebst.“ Diese Maxime machte sich Hockney zu eigen.
und nicht zu vergessen zu einem "Lebensgefühl" in L.A., dass David Hockney wohl eher tatsächlich nicht geliebt hat , wenn man sich seine Bilder anschaut ..
tagesspiegel.de hat geschrieben :
Los Angeles: Elend und »Urbanität«
In der Innenstadt von Los Angeles leben Tausende Obdachlose inmitten von Luxusgebäuden: die Skid Row

Im August hat die US-Regierung angekündigt, Washington D. C. mithilfe von Nationalgardisten zu »befreien«. Im Visier standen die obdachlosen Bewohner*innen der Stadt, es kam zur Zerstörung von Zelten und zu Festnahmen. Ähnliche Pläne gibt es für weitere Großstädte wie Chicago, Portland, New York – und auch Los Angeles. Was ein solcher Einsatz für Skid Row bedeuten würde, ist ungewiss. Fest steht jedoch, dass Obdachlose immer schon zu den ersten Gruppen gehörten, die von Faschist*innen verfolgt wurden
Gehe ich doch einmal davon aus, dass ein Bild, das "auch " dieses Elend des Lebens in L.A: in Erscheinung bringt (wenn man richtig hinschaut) eher nicht dazu geeignet ist, auf einer Versteigerung 90 Millionen US-Dollar zu realisieren.

Weil meiner Meinung "auch" dazu passend ein Zitat von Nietzsche ..


"Ein Psycholog fragt dagegen: was tut alle Kunst? lobt sie nicht? verherrlicht sie nicht? wählt sie nicht aus? zieht sie nicht hervor? Mit dem allem stärkt oder schwächt sie gewisse Wertschätzungen... Ist dies nur ein Nebenbei? ein Zufall? Etwas, bei dem der Instinkt des Künstlers gar nicht beteiligt wäre? Oder aber: ist es nicht die Voraussetzung dazu, daß der Künstler kann...?
Nietzsche ... Götzen-Dämmerung




Timberlake
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Mo 15. Jun 2026, 14:22

Dynamis hat geschrieben :
Mo 15. Jun 2026, 13:40
Timberlake hat geschrieben :
So 14. Jun 2026, 22:48
Übersicht mit KI
Die Sunk Cost Fallacy (der Trugschluss der versunkenen Kosten) ist ein psychologischer Denkfehler. Er beschreibt unsere Neigung, an einer schlechten Entscheidung oder einem Projekt festzuhalten, weil wir bereits Zeit, Geld oder Energie investiert haben. Rational gesehen sind diese "versunkenen Kosten" aber bereits verloren und sollten keine Rolle für zukünftige Entscheidungen spielen

Beispiele für den Trugschluss
  • Das Kinoticket: Sie schauen einen sehr langweiligen Film, bleiben aber bis zum Ende sitzen. Sie denken: "Ich habe schließlich dafür bezahlt."
  • Geldanlagen: Sie behalten eine fallende Aktie in der Hoffnung, dass sie wieder steigt, anstatt den Verlust zu realisieren.
  • Beziehungen: Sie halten an einer unglücklichen Partnerschaft fest, weil Sie schon so viele gemeinsame Jahre investiert haben

... ich ergänze ...
  • Kriege : Sie halten an einem unglücklichen Krieg fest, weil Sie schon so viele Opfer investiert haben.
Ich "denke", dass auch wegen, dem hier beschriebenen "psychologischen Denkfehler", dieser Terror weitergeht.
Ich halte von dieser Herangehensweise nichts. Kriege werden aus politischen Gründen geführt und nicht aus psychologischen Gründen. Dazu hatte ich mich schon an anderer Stelle geäußert:
Und was steckt doch gleich hinter solchen politischen Gründen?

Dazu nur mal zur Erinnerung ..
Dorsch Lexikon der Psychologie hat geschrieben :
Es

[engl. id; lat. id es], [EM, KLI, PER], ist nach Freud (Psychoanalyse) eine der drei Instanzen des psychischen Apparats,Instanzenmodell). Das Es ist die älteste seelische Provinz, aus der sich die beiden anderen, das Ich und das Über-Ich, entwickeln. Das Es gilt als der triebhafte Teil der Persönlichkeit, als Reservoir ihrer Triebenergie (Triebtheorie). Zum Es gehört nach Freud «alles, was ererbt, bei Geburt mitgebracht, konstitutionell festgelegt ist, v. a. also die aus der Körperorganisation stammenden Triebe.» Im Es herrscht das Lustprinzip. Letztlich determinieren die Vorgänge im Es, dessen Triebregungen, das seelische Geschehen. Die Ich-Instanz kann sich dieser Determination nicht entziehen. Das Ich steht zeitlebens in der Abhängigkeit vom Es. Das Ich versucht die triebhaften, leidenschaftlichen Interessen des Es zu erfüllen, indem es sie mit den Ansprüchen des Über-Ichs und den Erfordernissen der Realität zu vereinbaren versucht.

https://dorsch.hogrefe.com/stichwort/es
. und wo wir schon mal dabei sind, also das nach Ansicht Freud zum Es gehört nach Freud «alles, was ererbt, bei Geburt mitgebracht, konstitutionell festgelegt ist.» gehört

Grausame Menschen als zurückgeblieben. — Die Menschen, welche jetzt grausam sind, müssen uns als Stufen früherer Kulturen gelten, welche übrig geblieben sind: das Gebirge der Menschheit zeigt hier einmal die tieferen Formationen, welche sonst versteckt liegen, offen. Es sind zurückgebliebene Menschen, deren Gehirn, durch alle möglichen Zufälle im Verlaufe der Vererbung, nicht so zart und vielseitig fortgebildet worden ist. Sie zeigen uns, was wir Alle waren, und machen uns erschrecken:aber sie selber sind so wenig verantwortlich, wie ein Stück Granit dafür, dass es Granit ist.In unserm Gehirne müssen sich auch Rinnen und Windungen finden, welche jener Gesinnung entsprechen, wie sich in der Form einzelner menschlicher Organe Erinnerungen an Fischzustände finden sollen. Aber diese Rinnen und Windungen sind nicht mehr das Bett, in welchem sich jetzt der Strom unserer Empfindung wälzt."
Friedrich Nietzsche ... Menschliches, Allzumenschliches




Dynamis
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Mo 15. Jun 2026, 15:14

Timberlake hat geschrieben :
Mo 15. Jun 2026, 14:22
Grausame Menschen als zurückgeblieben. — Die Menschen, welche jetzt grausam sind, müssen uns als Stufen früherer Kulturen gelten, welche übrig geblieben sind: das Gebirge der Menschheit zeigt hier einmal die tieferen Formationen, welche sonst versteckt liegen, offen. Es sind zurückgebliebene Menschen, deren Gehirn, durch alle möglichen Zufälle im Verlaufe der Vererbung, nicht so zart und vielseitig fortgebildet worden ist. Sie zeigen uns, was wir Alle waren, und machen uns erschrecken:aber sie selber sind so wenig verantwortlich, wie ein Stück Granit dafür, dass es Granit ist.In unserm Gehirne müssen sich auch Rinnen und Windungen finden, welche jener Gesinnung entsprechen, wie sich in der Form einzelner menschlicher Organe Erinnerungen an Fischzustände finden sollen. Aber diese Rinnen und Windungen sind nicht mehr das Bett, in welchem sich jetzt der Strom unserer Empfindung wälzt."
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Na, dann stellt sich in politischer Hinsicht die Frage, warum die grausamen Menschen nicht einfach weggeputscht werden, damit mal ein paar Menschen mit mehr Mitgefühl die Macht übernehmen? Auch dann, wenn wir Nietzsches Erklärung für Grausamkeit akzeptieren würden, stellt sich die Frage, warum grausame Menschen ausgerechnet in Führungspositionen mit viel Verantwortung geduldet werden. Am Ende des Tages läuft es immer auf eine politische Entscheidung hinaus. Auch die Entscheidung eine gegebene Hierarchie zu akzeptieren und die grausamen Menschen in Positionen zu lassen, wo sie viel Macht besitzen, anstatt sie einfach loszuwerden, auch das ist eine politische Entscheidung. Es ist eben eine Entscheidung, ob du die Herrschaft affirmierst oder dich gegen sie auflehnst.




Timberlake
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Mo 15. Jun 2026, 15:25

Dynamis hat geschrieben :
Mo 15. Jun 2026, 15:14
Timberlake hat geschrieben :
Mo 15. Jun 2026, 14:22
Grausame Menschen als zurückgeblieben. — Die Menschen, welche jetzt grausam sind, müssen uns als Stufen früherer Kulturen gelten, welche übrig geblieben sind: das Gebirge der Menschheit zeigt hier einmal die tieferen Formationen, welche sonst versteckt liegen, offen. Es sind zurückgebliebene Menschen, deren Gehirn, durch alle möglichen Zufälle im Verlaufe der Vererbung, nicht so zart und vielseitig fortgebildet worden ist. Sie zeigen uns, was wir Alle waren, und machen uns erschrecken:aber sie selber sind so wenig verantwortlich, wie ein Stück Granit dafür, dass es Granit ist.In unserm Gehirne müssen sich auch Rinnen und Windungen finden, welche jener Gesinnung entsprechen, wie sich in der Form einzelner menschlicher Organe Erinnerungen an Fischzustände finden sollen. Aber diese Rinnen und Windungen sind nicht mehr das Bett, in welchem sich jetzt der Strom unserer Empfindung wälzt."
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Na, dann stellt sich in politischer Hinsicht die Frage, warum die grausamen Menschen nicht einfach weggeputscht werden, damit mal ein paar Menschen mit mehr Mitgefühl die Macht übernehmen?
Ganz einfach, weil da der Deckel zum Topf passt.

„Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin“
Carl August Sandburg



Weil für diese grausamen Menschen stehend. Wann hätte es denn schon jemals so was gegeben? Ich weiß nun nicht, wie es sich diesbezüglich bei dir verhält. Ich bin einmal selbst Soldat gewesen. Sogar mit drei Jahren, das Doppelte von dem, zu dem man sich in der DDR verpflichten musste. So wäre zumindest ich ganz sicher dahin gegangen. Um an dieser Stelle unmissverständlich klarzumachen, dass ich mich selbst, ohne Wenn und Aber, zu diesen zurückgebliebenen Menschen zähle. Zumal in der DDR für die "zart- und vielseitig fortgebildeten" die Möglichkeit bestand, auch zur s.g, Spatentruppe zu gehen.
Zuletzt geändert von Timberlake am Mo 15. Jun 2026, 15:46, insgesamt 1-mal geändert.




Dynamis
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Mo 15. Jun 2026, 15:44

Timberlake hat geschrieben :
Mo 15. Jun 2026, 15:25
Dynamis hat geschrieben :
Mo 15. Jun 2026, 15:14
Timberlake hat geschrieben :
Mo 15. Jun 2026, 14:22
Grausame Menschen als zurückgeblieben. — Die Menschen, welche jetzt grausam sind, müssen uns als Stufen früherer Kulturen gelten, welche übrig geblieben sind: das Gebirge der Menschheit zeigt hier einmal die tieferen Formationen, welche sonst versteckt liegen, offen. Es sind zurückgebliebene Menschen, deren Gehirn, durch alle möglichen Zufälle im Verlaufe der Vererbung, nicht so zart und vielseitig fortgebildet worden ist. Sie zeigen uns, was wir Alle waren, und machen uns erschrecken:aber sie selber sind so wenig verantwortlich, wie ein Stück Granit dafür, dass es Granit ist.In unserm Gehirne müssen sich auch Rinnen und Windungen finden, welche jener Gesinnung entsprechen, wie sich in der Form einzelner menschlicher Organe Erinnerungen an Fischzustände finden sollen. Aber diese Rinnen und Windungen sind nicht mehr das Bett, in welchem sich jetzt der Strom unserer Empfindung wälzt."
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Na, dann stellt sich in politischer Hinsicht die Frage, warum die grausamen Menschen nicht einfach weggeputscht werden, damit mal ein paar Menschen mit mehr Mitgefühl die Macht übernehmen?
Ganz einfach, weil da der Deckel zum Topf passt.
Ach so, weil die politische Struktur immer grundsätzlich diejenigen Menschen in Führungspositionen befördert, die sich durch besondere Grausamkeit auszeichnen? Nun, auch wenn das der Fall wäre, wären die Gründe in der systemischen und nicht in der psychologischen Ebene zu suchen. Das ist dann halt offensichtlich ein dysfunktionales politisches System und für diejenigen Menschen, die nicht vom Virus der Grausamkeit infiziert sind, stellt sich dann erst recht die Frage, warum sie so ein dysfunktionales System hinnehmen sollten. Also kommt es dann immer noch auf eine politische Entscheidung an: Akzeptierung (vielleicht aus verständlicher Furcht vor Repressionen) oder Revolution?

Das Problem bei der Anwendung der Nietzsche-Interpretation auf politische Fragen ist die völlige Entpolitisierung, die damit einhergeht. Selbst in einem deterministischen Weltbild müsste man eigentlich noch anerkennen, dass es immer noch politische Strukturen gibt, welche die Menschen beeinflussen. Ein rein individual-psychologischer Erklärungsansatz übersieht diesen Punkt.

Ein weiterer Punkt neben der politischen Ebene ist der, dass der individual-psychologische Ansatz Menschen fälschlicherweise den Willen abspricht. Politische Strukturen können verändert werden. Ein Beispiel dafür ist die Institution der Sklaverei, die früher eine gesellschaftlich akzeptierte Tatsache war und heute als verpönt gilt. Diese Entwicklung wurde durch politische Anstrengungen erreicht, zum einem durch die Bewegung der Abolitionisten in Großbritannien, zum anderen durch den Sezessionskrieg in den USA. Diese Ereignisse haben dazu geführt, dass die Grausamkeit der Plantagenbesitzer und Sklavenhändler unterbunden wurde. Wir sind unserer Grausamkeit also nicht hilflos ausgeliefert, sondern können einen Willen zur Bekämpfung dieser Grausamkeit entwickeln. Eine rein individual-psychologische deterministische Erklärung ignoriert diesen Sachverhalt und akzeptiert Grausamkeit fälschlicherweise als unabwendbares Schicksal, was sie nicht ist.




Timberlake
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Mo 15. Jun 2026, 15:49

Dynamis hat geschrieben :
Mo 15. Jun 2026, 15:44
Timberlake hat geschrieben :
Mo 15. Jun 2026, 15:25
Dynamis hat geschrieben :
Mo 15. Jun 2026, 15:14


Na, dann stellt sich in politischer Hinsicht die Frage, warum die grausamen Menschen nicht einfach weggeputscht werden, damit mal ein paar Menschen mit mehr Mitgefühl die Macht übernehmen?
Ganz einfach, weil da der Deckel zum Topf passt.
Ach so, weil die politische Struktur immer grundsätzlich diejenigen Menschen in Führungspositionen befördert, die sich durch besondere Grausamkeit auszeichnen? Nun, auch wenn das der Fall wäre, wären die Gründe in der systemischen und nicht in der psychologischen Ebene zu suchen. Das ist dann halt offensichtlich ein dysfunktionales politisches System und für diejenigen Menschen, die nicht vom Virus der Grausamkeit infiziert sind, stellt sich dann erst recht die Frage, warum sie so ein dysfunktionales System hinnehmen sollten. Also kommt es dann immer noch auf eine politische Entscheidung an: Akzeptierung (vielleicht aus verständlicher Furcht vor Repressionen) oder Revolution?

Um dazu auf meinen Fall zurückzukommen , damit das nicht in Vergessenheit gerät, als da wäre ...
Timberlake hat geschrieben :
Mo 15. Jun 2026, 15:25
Dynamis hat geschrieben :
Mo 15. Jun 2026, 15:14

Na, dann stellt sich in politischer Hinsicht die Frage, warum die grausamen Menschen nicht einfach weggeputscht werden, damit mal ein paar Menschen mit mehr Mitgefühl die Macht übernehmen?
Ganz einfach, weil da der Deckel zum Topf passt.

„Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin“
Carl August Sandburg



Weil für diese grausamen Menschen stehend. Wann hätte es denn schon jemals so was gegeben? Ich weiß nun nicht, wie es sich diesbezüglich bei dir verhält. Ich bin einmal selbst Soldat gewesen. Sogar mit drei Jahren, das Doppelte von dem, zu dem man sich in der DDR verpflichten musste. So wäre zumindest ich ganz sicher dahin gegangen. Um an dieser Stelle unmissverständlich klarzumachen, dass ich mich selbst, ohne Wenn und Aber, zu diesen zurückgebliebenen Menschen zähle. Zumal in der DDR für die "zart- und vielseitig fortgebildeten" die Möglichkeit bestand, auch zur s.g, Spatentruppe zu gehen.


Ich kann dir versichern, so wie ich damals vom real existierenden Sozialismus überzeugt war, eine verständliche Furcht vor Repressionen, hat mich ganz sicher nicht dazu veranlasst, mich freiwillig für 3 Jahre Wehrdienst zu verpflichten.
Das Wachregiment des MfS "Feliks E. Dzierżyński"

Das Wachregiment des MfS galt als militärisch-operativer Arm der Stasi und war in und um Ost-Berlin stationiert. Es hatte in erster Linie die Aufgabe, Partei- und Staatsobjekte wie die Politbürosiedlung Wandlitz zu bewachen und die Sicherheit führender Repräsentanten der DDR einschließlich ihrer Gäste zu gewährleisten.

Wohlgemerkt beim Wachregiment des MfS ! Um dazu allerdings anzumerken, dass ich ausgerechnet dort, u,a. wegen der dort grassieren s.g. EK- Bewegung ( Stichwort: "Der EK denkt, der Vize lenkt, der Sprutz rennt" ) , vom real existierenden Sozialismus abgefallen bin.
Zuletzt geändert von Timberlake am Mo 15. Jun 2026, 16:14, insgesamt 6-mal geändert.




Dynamis
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Mo 15. Jun 2026, 15:50

Timberlake hat geschrieben :
Mo 15. Jun 2026, 15:25
Weil für diese grausamen Menschen stehend. Wann hätte es denn schon jemals so was gegeben? Ich weiß nun nicht, wie es sich diesbezüglich bei dir verhält. Ich bin einmal selbst Soldat gewesen. Sogar mit drei Jahren, das Doppelte von dem, zu dem man sich in der DDR verpflichten musste. So wäre zumindest ich ganz sicher dahin gegangen. Um an dieser Stelle unmissverständlich klarzumachen, dass ich mich selbst, ohne Wenn und Aber, zu diesen zurückgebliebenen Menschen zähle.
Nun, ich habe mal einen ehemaligen Militärausbilder aus der DDR kennengelernt, der mir gegenüber mit seiner Grausamkeit geprahlt hat (wieviel Wahrheit hinter dieser Prahlerei steckt, kann ich natürlich nicht verifizieren). Solche Fälle gibt es schon. Aber auch das lässt sich mit dem jeweiligen politischen System erklären. Staaten benötigen zur Durchsetzung ihrer Interessen gehorsame Soldaten, die nicht aufmucken. Daher ist es nicht unüblich, dass der Wille der Auszubildenden gebrochen wird, damit sie widerstandslos für alle erdenklichen Schweinereien eingesetzt werden können. Grausame Militärausbilder passen da gut ins System. Da ist dann aber eine systemische Erklärung passend und keine psychologische Erklärung.




Timberlake
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Mo 15. Jun 2026, 16:11

Dynamis hat geschrieben :
Mo 15. Jun 2026, 15:50
Staaten benötigen zur Durchsetzung ihrer Interessen gehorsame Soldaten, die nicht aufmucken. Daher ist es nicht unüblich, dass der Wille der Auszubildenden gebrochen wird, damit sie widerstandslos für alle erdenklichen Schweinereien eingesetzt werden können.
Dann gründet sich wohl z.B. die hier geschilderte Kriegsbegeisterung in Deutschland, zu Beginn des Ersten Weltkriegs, auf eine Geschichtsklitterung?
Dynamis hat geschrieben :
Mo 15. Jun 2026, 15:50
Nun, ich habe mal einen ehemaligen Militärausbilder aus der DDR kennengelernt, der mir gegenüber mit seiner Grausamkeit geprahlt hat (wieviel Wahrheit hinter dieser Prahlerei steckt, kann ich natürlich nicht verifizieren).
In meiner Wahrnehmung gingen allerdings die Grausamkeiten damals, im Rahmen der s.g. EK- Bewegung ( Stichwort: "Der EK denkt, der Vize lenkt, der Sprutz rennt" ) , nahezu ausschließlich von den eingezogenen Soldaten selbst aus.

Übersicht mit KI
Die "Herrschaft der Alten" im russischen Militär ist unter dem Begriff Dedowschtschina (russisch дедовщина, „Herrschaft der Großväter“) bekannt. Es handelt sich um ein System der Schikane und Gewalt, bei dem jüngere Rekruten von dienstälteren Soldaten drangsaliert und ausgebeutet werden.



Somit ich einmal davon ausgehe, dass man in der DDR das, und zwar diese "Herrschaft der Alten , vom russischen Militär übernommen hat. Als ich einmal in einem Video gesehen habe wie das im russischen Militär so ablief, musste ich sofort daran denken, wie ich beim Wachregiment zum. s.g. Dachs geschlagen wurde. -- mit dem braunen Ledergürtel der Ausgehuniform, auf den Hintern und das wie beim Spießrutenlauf mit Schmackes. Von den Ausbildern dort, war jedenfalls dergleichen nicht befürchten




Dynamis
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Mo 15. Jun 2026, 17:54

Timberlake hat geschrieben :
Mo 15. Jun 2026, 16:11
Dynamis hat geschrieben :
Mo 15. Jun 2026, 15:50
Staaten benötigen zur Durchsetzung ihrer Interessen gehorsame Soldaten, die nicht aufmucken. Daher ist es nicht unüblich, dass der Wille der Auszubildenden gebrochen wird, damit sie widerstandslos für alle erdenklichen Schweinereien eingesetzt werden können.
Dann gründet sich wohl z.B. die hier geschilderte Kriegsbegeisterung in Deutschland, zu Beginn des Ersten Weltkriegs, auf eine Geschichtsklitterung?
Das ist doch kein Entweder-Oder. Es kann beides der Fall sein: Manche Menschen sind durch Grausamkeit motiviert, manche Menschen durch Kriegseuphorie. Sehr lesenswert dazu ist Sebastian Haffner "Die Geschichte eines Deutschen". Das ist eine Autobiographie, in der er erzählt, wie er als junger Mensch zu Beginn des ersten Weltkriegs von dieser Kriegseuphorie angesteckt worden ist. Er hat das so erlebt wie ein Sport-Event. Die Grausamkeiten wurden ausgeblendet und es blieb übrig, dass man für die eigene Mannschaft mitgefiebert hat, so ähnlich wie die Leute jetzt bei der Fußball-WM für die eigene Mannschaft mitfiebern und ihr den Sieg wünschen.

Auf diese Situation passt Nietzsches individual-psychologische Analyse überhaupt nicht. Aus der autobiographischen Schilderung Haffners geht klar hervor, wie er zunächst einmal vom einbrechenden Krieg irritiert und in der Auslebung seiner Interessen eingeschränkt wurde. Erst wurde er also in der Auslebung seiner Individualität eingeschränkt und hat dadurch sein Glück verloren. Dann wurde er von der Masse angesteckt und hat in der Identifikation mit der Masse sein Glück wiedergefunden. Es handelt sich also klar um ein massenpsychologisches Phänomen, welches man durch Nationalismus erklären muss und nicht, wie es Nietzsche tut, durch individuelle "Gesinnung" und durch "Rinnen und Windungen" im Gehirn. Da ist Nietzsches Ansatz völlig untauglich. Er versucht Grausamkeiten "durch alle möglichen Zufälle" zu erklären, aber diese Kriegsbegeisterung war kein Zufall, sondern durch nationalistische Propaganda bewusst herbeigeführt.

Letztes Jahr habe ich das bayerische Landesmuseum für Geschichte in Regensburg besucht. Dabei habe ich ein paar Fotos gemacht von Exponaten, die zeigen, wie bereits kleine Kinder indoktriniert wurden und die Illusion vermittelt bekommen haben, beim Krieg würde es sich um eine Art Spiel handeln. Wenn bereits kleine Kinder in so einer Kriegsspielillusion sozialisiert werden, dann kannst du mir nicht erzählen, dass das etwas mit irgendwelchen Ausprägungen von Hirnwindungen zu tun hat.
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Timberlake hat geschrieben : Somit ich einmal davon ausgehe, dass man in der DDR das, und zwar diese "Herrschaft der Alten , vom russischen Militär übernommen hat. Als ich einmal in einem Video gesehen habe wie das im russischen Militär so ablief, musste ich sofort daran denken, wie ich beim Wachregiment zum. s.g. Dachs geschlagen wurde. -- mit dem braunen Ledergürtel der Ausgehuniform, auf den Hintern und das wie beim Spießrutenlauf mit Schmackes. Von den Ausbildern dort, war jedenfalls dergleichen nicht befürchten
Vielleicht war mein Bekannter auch ein Sonderfall oder hat gelogen oder Was weiß ich. Aber auch in deiner Darstellung ist es merkwürdig, dass ausgerechnet die Älteren schlagartig vom Virus der Grausamkeit infiziert werden. Seltsam, dass dieses Grausamkeits-Virus zwischen älteren und jüngeren Menschen unterscheidet und nur die Gehirne von älteren Menschen infiziert. Naheliegender ist es jedoch anzunehmen, dass Nietzsches Erklärung einfach falsch ist und dass die "Herrschaft der Alten" systemische Ursachen hat, also nicht "durch alle möglichen Zufälle im Verlaufe der Vererbung", sondern durch das politische System erklärt werden muss.




Timberlake
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Mo 15. Jun 2026, 23:41

Dynamis hat geschrieben :
Mo 15. Jun 2026, 17:54
Timberlake hat geschrieben :
Mo 15. Jun 2026, 16:11
Dynamis hat geschrieben :
Mo 15. Jun 2026, 15:50
Staaten benötigen zur Durchsetzung ihrer Interessen gehorsame Soldaten, die nicht aufmucken. Daher ist es nicht unüblich, dass der Wille der Auszubildenden gebrochen wird, damit sie widerstandslos für alle erdenklichen Schweinereien eingesetzt werden können.
Dann gründet sich wohl z.B. die hier geschilderte Kriegsbegeisterung in Deutschland, zu Beginn des Ersten Weltkriegs, auf eine Geschichtsklitterung?
Das ist doch kein Entweder-Oder. Es kann beides der Fall sein: Manche Menschen sind durch Grausamkeit motiviert, manche Menschen durch Kriegseuphorie.
Sicherlich ist das kein Entweder-Oder. Nur eines wirst du wohl nicht bestreiten können. Kriege finden statt, weil Menschen, warum auch immer, da hingehen.

Dynamis hat geschrieben :
Mo 15. Jun 2026, 17:54
Sehr lesenswert dazu ist Sebastian Haffner "Die Geschichte eines Deutschen". Das ist eine Autobiographie, in der er erzählt, wie er als junger Mensch zu Beginn des ersten Weltkriegs von dieser Kriegseuphorie angesteckt worden ist. Er hat das so erlebt wie ein Sport-Event. Die Grausamkeiten wurden ausgeblendet und es blieb übrig, dass man für die eigene Mannschaft mitgefiebert hat, so ähnlich wie die Leute jetzt bei der Fußball-WM für die eigene Mannschaft mitfiebern und ihr den Sieg wünschen.

Auf diese Situation passt Nietzsches individual-psychologische Analyse überhaupt nicht.
Übrigens auch ein Sebastian Haffner ist dort, warum auch immer, hingegangen und was nimmt man in Kauf, auch ein Sebastian Haffner, wenn man dort hingeht? Grausamkeiten!

Grausame Menschen als zurückgeblieben. — Die Menschen, welche jetzt grausam sind, müssen uns als Stufen früherer Kulturen gelten, welche übrig geblieben sind: das Gebirge der Menschheit zeigt hier einmal die tieferen Formationen, welche sonst versteckt liegen, offen. Es sind zurückgebliebene Menschen, deren Gehirn, durch alle möglichen Zufälle im Verlaufe der Vererbung, nicht so zart und vielseitig fortgebildet worden ist. Sie zeigen uns, was wir Alle waren, und machen uns erschrecken:aber sie selber sind so wenig verantwortlich, wie ein Stück Granit dafür, dass es Granit ist.In unserm Gehirne müssen sich auch Rinnen und Windungen finden, welche jener Gesinnung entsprechen, wie sich in der Form einzelner menschlicher Organe Erinnerungen an Fischzustände finden sollen. Aber diese Rinnen und Windungen sind nicht mehr das Bett, in welchem sich jetzt der Strom unserer Empfindung wälzt."
Friedrich Nietzsche ... Menschliches, Allzumenschliches


Wenn es bei Nietzsche hier heißt ...

"das Gebirge der Menschheit zeigt hier einmal die tieferen Formationen, welche sonst versteckt liegen, offen"

So redet er nicht Entweder-Oder" von einer Menschheit, sondern von .. EINER! .. Menschheit. EINER! Menschheit, wo im Frieden die Grausamkeit ... ENTWEDER ! .. , wie die tieferen Formationen eines Gebirges versteckt sind ... ODER! .. wie im Krieg offen zu Tage treten. Sie, diese zurückgebliebene Menschen, bei denen im Krieg .. ODER! .. die Grausamkeiten offen zu Tage treten zeigen uns , was wir Alle und somit die Menschheit als .. GANZES! .. waren. Sie machen uns, die wir uns .. ENTWEDER ! ..im Frieden, fernab aller dieser Grausamkeiten befinden, erschrecken. Weil aber sich dazu in unsrem Gehirn jene Rinnen und Windungen für die Begehungen von Grausamkeiten im Krieg befinden müssen, so wie in der Form einzelner menschlicher Organe in Erinnerungen an Fischzustände, sind diese zurückgebliebene Menschen dafür selber so wenig verantwortlich, wie ein Stück Granit dafür, dass es Granit ist. #
Damit das insgesamt, wie ich meine, in sich schlüssig ist- ich ergänze. Weil aber sich in unsrem Gehirn auch jene Rinnen und Windungen für den Frieden, fern ab aller Grausamkeiten diesbezüglich befinden müssen, so sind allerdings auch diese Menschen für diesen Frieden selber so wenig verantwortlich, wie ein Stück Granit dafür, dass es Granit ist.

Weil als solches, den Umständen entsprechend , von Gehirn Grausamkeiten ein - und ausgeschaltet, werden, dazu nur mal zum Vergleich ..

Systemtheorie nach Luhmann einfach erklärt

Übergeordnet beschreibt Luhmann, dass jedes gesellschaftliche Funktionssystem durch eine eigene Leitunterscheidung operiert. Diese binären Codes steuern, welche Kommunikationen als relevant betrachtet werden und welche nicht. Hier sind wesentliche Leitunterscheidungen:
  • Wirtschaft: zahlen – nicht zahlen
  • Politik: Regierung – Opposition
  • Recht: legal – illegal
  • Wissenschaft: wahr – falsch
  • Bildung: besser – schlechter
  • Massenmedien: informativ – nicht informativ
  • Gesundheitssystem: gesund – krank
  • Religion: immanent – transzendent
und natürlich nicht zu vergessen ..

Übersicht mit KI
Gene sind die Bauanleitungen in unserem Körper. Das Ein- und Ausschalten von Genen bedeutet, dass eine Zelle entscheidet, ob sie eine bestimmte Anleitung gerade nutzt. Wenn ein Gen "an" ist, liest die Zelle es ab und stellt das passende Protein (wie Hormone oder Enzyme) her. Wenn es "aus" ist, ruht das Gen


Übrigens
Dynamis hat geschrieben :
Mo 15. Jun 2026, 17:54
Auf diese Situation passt Nietzsches individual-psychologische Analyse überhaupt nicht.
Richtig, auf diese Situation passt Nietzsches individual-psychologische Analyse überhaupt nicht. Nur dazu müsste es auch eine individual-psychologische Analyse sein. Was sie allerdings genauso wenig ist , also "individual" , wie das zahlen und nicht zahlen nach Luhmann "individual" in der Wirtschaft ist. Zumindest gehe ich einmal davon aus.




Dynamis
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Mi 17. Jun 2026, 11:30

Timberlake hat geschrieben :
Mo 15. Jun 2026, 23:41
Übrigens auch ein Sebastian Haffner ist dort, warum auch immer, hingegangen und was nimmt man in Kauf, auch ein Sebastian Haffner, wenn man dort hingeht? Grausamkeiten!
Nein, so ist es nicht gelaufen. Der kleine Sebastian war ja damals noch ein kleines Kind, zu jung zum kämpfen. Der war niemals an der Front. Trotzdem hat er sich für den Krieg begeistert. Und es gibt eine Stelle in seiner Autobiographie, wo sehr klar hervorgeht, dass er dabei von den Grausamkeiten abstrahiert hat:
Sebastian Haffner hat geschrieben : Was zählte, war die Faszination des kriegerischen Spiels: eines Spiels, in dem nach geheimnisvollen Regeln Gefangenenzahlen, Geländegewinne, eroberte Festungen und versenkte Schiffe ungefähr die Rolle spielten wie Torschüsse beim Fußball oder »Punkte« beim Boxen. Ich wurde nicht müde, innerlich Punktetabellen zu führen. Ich war ein eifriger Leser der Heeresberichte, die ich nach einer Art »umrechnete«, nach wiederum sehr geheimnisvollen, irrationalen Regeln, in denen beispielsweise zehn gefangene Russen einen gefangenen Franzosen oder Engländer wert waren, oder 50 Flugzeuge einen Panzerkreuzer. Hätte es Gefallenenstatistiken gegeben, ich würde sicher auch unbedenklich die Toten »umgerechnet« haben, ohne mir vorzustellen, wie das in der Wirklichkeit aussah, womit ich da rechnete. (Haffner, "Geschichte eines Deutschen", 2014 Panthen, S. 21.)
Ich finde diese Passage sehr bemerkenswert und kann da eine Reihe von Punkten herauslesen:
  • Die Heeresberichte werden mit Berichten von Fußballspielen verglichen. Wer jetzt gerade bei der aktuellen Fußball-Weltmeisterschaft Euphorie verspürt, der empfindet in etwa dieselbe Emotion wie sie damals der kleine Sebastian verspürte. Dabei geht es also gerade nicht um Grausamkeit, sondern eher darum, dass man Spaß an der Konkurrenz hat.
  • Von den Grausamkeiten wird abstrahiert: Der kleine Sebastian macht seine Rechenspielchen ohne sich "vorzustellen, wie das in der Wirklichkeit aussah".
  • Wenn der kleine Sebastian abstrahiert, dann führt ihn diese Abstraktion zu völlig sinnlosen Konstrukten: Da werden "nach geheimnisvollen Regeln" Zahlen umgerechnet anstatt den Krieg kognitiv in einer vernünftigen Weise zu erfassen.
Der letzte Punkt führt uns zum Wesen der Ideologie. Abstraktionen sind ja an sich nicht verkehrt, sonst dürften wir hier keine Philosophie betreiben. Die Naturwissenschaft kommt nicht ohne die Abstraktionen der Mathematik aus. Der kleine Sebastian hantiert hier jedoch mit einer sinnlosen Abstraktion, mit einer pervertierten Mathematik. Und dadurch kann er seine Kriegsbegeisterung aufrecht erhalten, die ja sonst irgendwann einmal natürlicherweise abebben müsste.

Es mag schon sein, dass Nietzsche Recht hat und dass die Menschheit in einem embryonalen Zustand noch viel stärker zu Grausamkeiten geneigt hat als heute. Die Frage ist dann aber trotzdem, wieso diese angeborene Grausamkeit bei manchen Menschen reaktiviert wird und bei manchen Menschen nicht. Und ob sie überhaupt bei der Erklärung des Geschehens eine entscheidende Rolle spielt. Beim kleinen Sebastian scheint sie ja keine Rolle zu spielen, er hatte ja die Grausamkeiten des Krieges verdrängt. Da muss man bei der Erklärung stattdessen an der Ideologie ansetzen. Was Sebastian Haffner hier beschreibt, ergänzt sich übrigens wunderbar mit den von mir gezeigten Exponaten aus dem Museum. Da wird das Kriegsspiel als eine Art Mensch-ärgere-dich-nicht oder als ähnliches Brettspiel inszeniert, da wird also eine Art Denken vermittelt, wo es darum geht, dass man möglichst viele Punkte sammelt, den Gegner aussticht und formale Regeln zur Bewältigung des Geschehens anwendet. Genau diese Denkweise wurde von Sebastian auf den Krieg übertragen. Die Exponate zeigen, dass das nicht alleine auf seinem Mist gewachsen ist, sondern von der Gesellschaft gefördert wurde.




Timberlake
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Mi 17. Jun 2026, 15:33

Dynamis hat geschrieben :
Mi 17. Jun 2026, 11:30
Timberlake hat geschrieben :
Mo 15. Jun 2026, 23:41
Übrigens auch ein Sebastian Haffner ist dort, warum auch immer, hingegangen und was nimmt man in Kauf, auch ein Sebastian Haffner, wenn man dort hingeht? Grausamkeiten!
Nein, so ist es nicht gelaufen. Der kleine Sebastian war ja damals noch ein kleines Kind, zu jung zum kämpfen. Der war niemals an der Front. Trotzdem hat er sich für den Krieg begeistert. Und es gibt eine Stelle in seiner Autobiographie, wo sehr klar hervorgeht, dass er dabei von den Grausamkeiten abstrahiert hat:

Ich weiß nun nicht, wie das in deiner Kindheit war. Das erinnert mich jedenfalls an meine. Ich hatte damals unter meinem Bett ein ganzes Waffenarsenal, an, aus Brettern heraus gesägten Gewehren und Pistolen. Auch befand sich auf meinem Nachtschränkchen eine von mir aus Papier und Pappe geklebte Festung und ein Kriegsschiff. Ich und die Kinder, mit denen ich Cowboy- und Indianer spielte, konnten sich in der DDR damals anscheinend sogar ganz ohne Krieg dafür begeistern. Dazu hat mich und auch diese andere Kinder niemand manipuliert, geschweige denn gezwungen. Wie ich übrigens einmal davon ausgehe, dass das auch auf jene Kinder zutrifft, wenn diese heute vor dem Bildschirm eines Computers s.g. Ballerspiele spielen.

Stichwort
"Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr"

Übrigens die Mädchen hatten sich damals dafür so ganz und gar nicht interessiert.
Dynamis hat geschrieben :
Mi 17. Jun 2026, 11:30
Es mag schon sein, dass Nietzsche Recht hat und dass die Menschheit in einem embryonalen Zustand noch viel stärker zu Grausamkeiten geneigt hat als heute.
Vor dem Hintergrund dessen, was das doch wohl sicherlich metaphorisch gemeint?

Grausame Menschen als zurückgeblieben. — Die Menschen, welche jetzt grausam sind, müssen uns als Stufen früherer Kulturen gelten, welche übrig geblieben sind: das Gebirge der Menschheit zeigt hier einmal die tieferen Formationen, welche sonst versteckt liegen, offen. Es sind zurückgebliebene Menschen, deren Gehirn, durch alle möglichen Zufälle im Verlaufe der Vererbung, nicht so zart und vielseitig fortgebildet worden ist. Sie zeigen uns, was wir Alle waren, und machen uns erschrecken:aber sie selber sind so wenig verantwortlich, wie ein Stück Granit dafür, dass es Granit ist.In unserm Gehirne müssen sich auch Rinnen und Windungen finden, welche jener Gesinnung entsprechen, wie sich in der Form einzelner menschlicher Organe Erinnerungen an Fischzustände finden sollen. Aber diese Rinnen und Windungen sind nicht mehr das Bett, in welchem sich jetzt der Strom unserer Empfindung wälzt."
Friedrich Nietzsche ... Menschliches, Allzumenschliches


Also metaphorisch für das, was als Grausamkeit sonst im Gebirge der Menschheit versteckt liegt und nur dann offen zu tage tritt, wenn Menschen "jetzt" grausam sind. Allerdings erst als "Hans" und nicht als "Hänschen" - in der Regel ..





Dynamis
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Mi 17. Jun 2026, 16:05

Timberlake hat geschrieben :
Mi 17. Jun 2026, 15:33
Ich weiß nun nicht, wie das in deiner Kindheit war. Das erinnert mich jedenfalls an meine. Ich hatte damals unter meinem Bett ein ganzes Waffenarsenal, an, aus Brettern heraus gesägten Gewehren und Pistolen. Auch befand sich auf meinem Nachtschränkchen eine von mir aus Papier und Pappe geklebte Festung und ein Kriegsschiff. Ich und die Kinder, mit denen ich Cowboy- und Indianer spielte, konnten sich in der DDR damals anscheinend sogar ganz ohne Krieg dafür begeistern. Dazu hat mich und auch diese andere Kinder niemand manipuliert, geschweige denn gezwungen. Wie ich übrigens einmal davon ausgehe, dass das auch auf jene Kinder zutrifft, wenn diese heute vor dem Bildschirm eines Computers s.g. Ballerspiele spielen.
Man muss jetzt auch kein Drama draus machen, wenn Kinder Cowboy- und Indianer oder Ballerspiele spielen oder so etwas. Bei Sebastian Haffner geht es aber um etwas Anderes. Wenn man seine Autobiographie liest, dann erfährt man, dass der kleine Sebastian ursprünglich auf Killerspiele keine Lust hatte. Man erfährt, wie er mit seinen Eltern Urlaub irgendwo auf dem Land gemacht und dort mit Pferden gespielt hat - also das war ganz und gar nicht kriegerisch. Und dann bricht von einem Tag auf den anderen der Krieg herein und die Familie muss ihren Urlaub abbrechen. Das hat ihn erst einmal traurig und irritiert gemacht, also da war noch gar keine Euphorie vorhanden. Dann hat er gemerkt, dass die Leute um ihn herum auf komische Weise euphorisch sind und erst dann ist er davon angesteckt worden.

An dieser Stelle möchte ich dir eine Empfehlung aussprechen: Kauf dir mal das Buch "Geschichte eines Deutschen" von Sebastian Haffner, lies es und dann siehst du, dass es da um etwas anderes geht als um Cowboy und Indianer. Das Buch liest sich auch sehr flüssig, man kann es auch einfach nur so zur Unterhaltung lesen oder halt etwas länger darüber nachdenken. Das ist ganz davon abhängig, wieviel Lust du hast. Ich habe das Buch bereits einem Freund von mir empfohlen, der ist keiner, der gerne liest, aber der hat das Buch trotzdem sehr genossen. Wenn dem das Buch gefallen hat, wird es dir auch gefallen.

Das Buch ist auch deswegen sehr empfehlenswert, weil Sebastian Haffner sehr klar darüber reflektiert, wie er von seinem gesellschaftlichen Milieu beeinflusst worden ist. Wenn man seine Überlegungen nachvollziehen kann, dann versteht man auch, dass Nietzsches Erklärungsansatz mit der angeborenen Grausamkeit der völlig falsche Ansatz ist.




Timberlake
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Mo 22. Jun 2026, 16:20

Dynamis hat geschrieben :
Mi 17. Jun 2026, 16:05


An dieser Stelle möchte ich dir eine Empfehlung aussprechen: Kauf dir mal das Buch "Geschichte eines Deutschen" von Sebastian Haffner,

Um dir "an dieser Stelle" zugleich darauf aufmerksam zu machen, wie sich seiner Zeit Sebastian Haffner mir tief ins Gedächtnis geschrieben hat, und zwar mit seinem Hans- Albers-Blick zu seinen Ausführungen zum Ersten Weltkrieg. Damals noch schwarz/weis Fernsehen. In meiner Erinnerung allerdings deshalb nicht in diesem Fernsehspiel von 1977. Das mal nur so nebenbei

Übersicht mit KI
Sebastian Haffner war kein Philosoph oder direkter Nietzsche-Biograf, aber er war einer der scharfsinnigsten deutschen Publizisten und Historiker des 20. Jahrhunderts. Seine historische Einordnung kreist um die Frage, wie das Bürgertum in Deutschland den Weg in den Nationalsozialismus ebnete. Friedrich Nietzsche diente ihm dabei oft als wichtiger Seismograf für den deutschen Geist.

Haffners Sicht auf das deutsche Phänomen Nietzsche
  • Nietzsche als Symptom: Haffner analysierte in seinen Werken (wie etwa in Von Bismarck zu Hitler), dass der deutsche Geist im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert einen moralischen Verfall erlebte. Nietzsche wird bei ihm nicht als direkter Wegbereiter der Nazis gesehen, wohl aber als der präziseste Diagnostiker der deutschen Kulturkrise, die schließlich in den Totalitarismus mündete
  • Kritik am deutschen Untertanengeist: Nietzsche verachtete den "braven Untertanen" und den seichten Philister. Haffner zeigte auf, wie paradox dieser Umstand war: Die deutsche Gesellschaft übernahm später totalitäre Züge, während Denker wie Nietzsche, die eigentlich einen stolzen, individuellen Geist propagierten, als geistige Kronzeugen umgedeutet wurden.
  • Die Verführung des "Übermenschen": In seinen Analysen der deutschen Ideengeschichte betrachtet Haffner Nietzsches Konzepte oft als intellektuelle Sprengkraft. In den Händen von Epigonen und Nationalisten verkam Nietzsches Philosophie der Macht (Wille zur Macht) zu einer gefährlichen Doktrin
Relevanz in Haffners Hauptwerken

In Haffners Meisterwerk Geschichte eines Deutschen (erfasst im englischen Exil, aber als sehr persönliche Momentaufnahme aus dem Jahr 1939 stammend) zeigt sich ein Subtext, der stark an Nietzsches Kulturkritik erinnert:
  • Er beschreibt die deutsche Jugend der 1920er und 1930er Jahre als politisch desorientiert, sehnsüchtig nach "Erlebnissen" und bereit, sich radikalen Bewegungen zu unterwerfen.
  • Haffners schonungslose Abrechnung mit der deutschen Mentalität und dem fehlenden moralischen Kompass des Bürgertums korrespondiert dabei oft mit Nietzsches Warnungen vor dem "letzten Menschen" und der Entstehung des "Unpolitischen".

Wenn ich mir allerdings dazu das vergegenwärtige, was die KI dazu aufgesammelt hat, so scheint er allerdings gar nicht mal so weit weg von dem, wie ich Nietzsche diesbezüglich sehe. Es sei denn, dass das nur von der KI in meinem Sinne fantasiert wurde. War doch jegliche Suche jenseits davon, also nach Zitaten von Haffner, die das belegen meinerseit, vergeblich




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Di 23. Jun 2026, 20:18

Dynamis hat geschrieben :
Di 23. Jun 2026, 20:02
Timberlake hat geschrieben :
Di 23. Jun 2026, 19:45
Ich meine, die die den Rechtspopulisten Trump gewählt haben, haben die sich nicht damit zur Beute dessen gemacht? Wenn es bei mir hieß .. ich zitiere ..

"Ich denke, wenn von Hause aus, ein solcher Widerspruch vorliegt, muss man das genauso wenig bzw. viel, wie das man erst bei einem Raubtier selbst nachweisen muss, was sein Widerspruch zur Beute ist"

.. muss man tatsächlich dem Rechtspopulisten Trump selbst nachweisen, was sein Widerspruch zu dieser Beute ist. Muss man das überhaupt, so wie der Rechtspopulismus von Hause aus aufgestellt ist ?
Den Trump-Wählern ist das ja nicht einsichtig, dass sie Beute sind. Wenn du noch Hoffnungen hast sie zu überzeugen, dann so, indem du ihnen klarmachst, dass weder der Trumpismus noch der Raubtier-Kapitalismus in ihrem Interesse ist.
Wo wir schon mal dabei sind .

"Auch der schädlichste Mensch ist vielleicht immer noch der allernützlichste, in Hinsicht auf die Erhaltung der Art; denn er unterhält bei sich oder, durch seine Wirkung, bei Anderen Triebe, ohne welche die Menschheit längst erschlafft oder verfault wäre. Der Hass, die Schadenfreude, die Raub- und Herrschsucht und was Alles sonst böse genannt wird: es gehört zu der erstaunlichen Oekonomie der Arterhaltung, freilich zu einer kostspieligen, verschwenderischen und im Ganzen höchst thörichten Oekonomie: – welche aber bewiesener Maassen unser Geschlecht bisher erhalten hat. Ich weiss nicht mehr, ob du, mein lieber Mitmensch und Nächster, überhaupt zu Ungunsten der Art, also "unvernünftig" und "schlecht" leben kannst"
Nietzsche ... Die fröhliche Wissenschaft


Schon mal dran gedacht, dass das zu der erstaunlichen Oekonomie der Arterhaltung gehört? Freilich zu einer kostspieligen, verschwenderischen und im Ganzen höchst thörichten Oekonomie: – welche aber bewiesener Maassen unser Geschlecht bisher erhalten hat. - wie es hier bei Nietzsche heißt!

Ich übrigens schon. So wie der real existierende Sozialismus anscheinend eben daran er schlaft oder verfault ist. Also das er eben jene schädlichsten Menschen abgeschafft hat, die nach Ansicht von Nietzsche vielleicht immer noch die allernützlichsten sind,




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