100 Jahre Surrealismus

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Friederike
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So 22. Jun 2025, 13:38

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Sa 21. Jun 2025, 18:55
Eigentlich hatte ich ja gehofft, dass wir nicht über dieses Bild sprechen, sondern über den Surrealismus :) aber egal, so ist es auch recht.
Von mir aus können wir gerne über den "Surrealismus" sprechen, nur hat das für mich bedeutet, gestern zuerst einmal bei wiki nachzulesen, was mit "Surrealismus" gemeint ist (wo sonst als bei wiki kann ich mich schnell und einigermaßen einführend sowie umfassend über ein Wort informieren?). Und so weiß ich nun, daß es sich um ein Konzept, das auf psychoanalytischen Theorien basiert, handelt. Und zwar nicht nur, wie ich bisher dachte, eine bildnerische Kunstrichtung, sondern ebenso können auch Literatur oder Filme "surrealistisch" sein.

Hätte ich die 2 Bilder von Graverol vor einem Monat gesehen, dann wäre ich vielleicht achtlos vorbeigelaufen. Gestern aber scheint es der richtige Moment gewesen zu sein -den man nicht beeinflussen kann- und die Bilder sind mir unter die Haut gegangen.
Jörn hat geschrieben : Der Kopf der Frau ist fast nicht zu sehen. Er wendet sich von der Szene ab, wir erkennen nur den zarten, roten Schimmer ihrer Unterlippe, der fast sinnlicher wirkt als das gesamte rote Kleid – vielleicht wehen ihre Haare frei im Wind?
Die Unterlippe hatte ich nicht gesehen. Ja, interessant die Abwendung des Kopfes. Ich muß das noch in Verbindung mit dem "Opfer" bedenken.
Jörn hat geschrieben : Ein Blick auf den Titel kann alles verändern: „Das Frühlingsopfer“. Ich stelle mir sofort vor, es handele sich um ein Märchen, und der Vogel holt sich nun die versprochene Belohnung für ein bestandenes Abenteuer. (Deswegen vielleicht dreht sich der Kopf der Frau zur Seite?) vergessen Sie das gleich wieder! Denn natürlich ist es eine Anspielung auf einen bekannten Mythos oder doch eine religiöse Geschichte? Lassen wir es einfach offen ... bitte.
Was tust Du in diesem Abschnitt? Die "Sie"-Anrede? Du nimmst hier eine Rolle ein, oder nicht? Im restlichen Text sprichst Du als Jörn, "ich", sprichst Du hier als Kunstführer ins interessierte Publikum? Oder noch verzwickter, Du tust so, als sprächest Du als Kunstführer?

Ich las, Graverol habe gesagt, ihre Bilder seien "wache, bewußte Träume". Führt das weiter? Beide Bilder sind gegenständlich, aus realistischen Anteilen zusammengesetzt, die in dieser Gleichzeitigkeit in der Realität eher nicht vorkommen.




Jörn Budesheim

So 22. Jun 2025, 16:47

Friederike hat geschrieben :
So 22. Jun 2025, 13:38
Die "Sie"-Anrede?
Am Wochenende schreibe ich nahezu alle Texte in meinem Tablet und das geschieht im wesentlichen so, dass ich sie einspreche, dabei entstehen aber immer auch Fehler natürlich. Das SIE ist also durch einen Zufall entstanden, aber es hat mir gefallen, weil es im Prinzip die Interpretationen, die Du vorgeschlagen hast, nahelegt, also habe ich es nicht repariert, sondern gelassen.




Jörn Budesheim

So 22. Jun 2025, 18:00





Jörn Budesheim

So 22. Jun 2025, 19:09

Andreas Puff-Trojan hat geschrieben : Die Künstler der Gruppe sind es, die die «Geheimnisse der surrealistischen magischen Kunst» sichtbar machen, ohne das Geheime im Sinne der Logik des Realen (gänzlich) zu lüften – so wie die Dichte des Traums es verbietet, diesen komplett zu entschlüsseln.
"Ohne das Geheime gänzlich zu lüften" – wenn man als Netrachterin der Werke ein Komplize der Künstlerinnen sein will, muss man sich das vielleicht hinter die Ohren schreiben :) aber das muss natürlich jeder für sich selbst wissen.




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Friederike
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Mo 23. Jun 2025, 12:10

Surrealismus in der deutschsprachigen Literatur, D. Hoffmann (22 PDF-Seiten)

"Das herausragende Beispiel für dieses Bildverständnis [das Sprachbild, m.A.] ist Lautréamonts berühmte Sentenz von der Schönheit, die sich aus der "unvermutete[n] Begegnung einer Nähmaschine und eines Regenschirms auf einem Seziertisch" ergeben könne (Lautréamont 1869: 223)." [S. 3]. Das erste Beispielgedicht:

lachende tiere schäumen aus eisernen kannen.
die wolkenwalzen drängen die tiere aus ihren kernen und steinen.
nackt stehen hufe auf steinalten steinen mäuschenstill bei zweigen und gräten.
geweihe spießen schneekugeln.
auf stühlen galoppieren könige in die berge und predigen das dezemberhorn:
/ laßt strohbrücken nieder bringt eisenbriefe lautlos und gut hörbar.
in der eisflasche gefrieren die turteltauben

-Hans Arp-

Ich weiß noch nicht, wie ich das finde :-))).

Edit: Siedendheiß fällt mir ein, ob es urheberrechtlich geht? Arp ist 1966 gestorben.




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Jörn P Budesheim
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Fr 11. Jul 2025, 20:54


Der berühmteste Schnitt der Filmgeschichte?




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Flame
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Mi 5. Nov 2025, 08:15

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Fr 20. Jun 2025, 20:00
Bild
Jane Graverol, das Frühlingsopfer, 1960

Bei Instagram haben zwei Kunsthistorikerinnen gefragt, was für uns Surrealismus bedeutet. Das war meine Antwort:

Als ich ungefähr 15 war, war der Surrealismus für mich mehr oder weniger gleichbedeutend mit Salvador Dalí. Im Saarlandmuseum – meinem zweiten Zuhause – gab es allerdings auch ein kleines Bild von Max Ernst: der Wald. Es hat mich tief beeindruckt. Was Surrealismus eigentlich bedeutet, darüber habe ich mir damals keine Sorgen gemacht.

Heute ist das etwas anders. In eurem Text kommt das Wort Poesie vor – für mich der zentrale Punkt. Allerdings ist der Surrealismus für mich kein Weg in die Innenwelt. Er ist vielmehr Ausdruck jener Kraft, die es uns ermöglicht, die Dinge so zu sehen, wie sie sind. Wahrnehmen heißt ja immer: mehr zu sehen als das, was direkt vor Augen steht. Diese Fähigkeit – über das Gegebene hinauszusehen – ist für mich das eigentliche surrealistische Vermögen.

Die Bilder (in den Beitrag der Kunsthistorikerinnen waren Bilder einer Hamburger Ausstellung zu sehen) sind alle toll, am besten gefällt mir allerdings Jane Graverol, das Frühlingsopfer, im Jahr meiner Geburt gemalt :)

Was bedeutet für euch Surrealismus?


Da bekomme ich Lust zu vögeln. :D



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