kʊnst und kʊlˈtuːɐ̯

Architektur, Malerei, Graphik, Design ...
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Stefanie
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Mo 17. Sep 2018, 21:17

Ich habe den Link wiedergefunden.

http://www.general-anzeiger-bonn.de/bon ... 1537174999

Diese Steine werden seit Monaten immer wieder in der Stadt verteilt. Immer so, immer eine andere Farbe, immer nachts. Bevor einer vor der august macke Skulptur auftauchte, wurde u.a. ein Stein in der Fußgängerzone vor das Beethoven Haus platziert.
Es ließe sich streiten, um ob das eine kunstaktion ist. Die Stadt Bonn räumt die immer weg, aus Sicherheitsgründen.
Die meisten Bonner finden das witzig, nur jetzt bei august macke nicht mehr alle, weil da steht ja schon ein Kunstwerk.



Nur Prinzessinnen richten ihr Krönchen.
Königinnen ziehen ihr Schwert.
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Jörn Budesheim
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Frei nach Dürer, beten mit geschienter Hand.



“… und alles, was man weiss, nicht bloss rauschen und brausen gehört hat, lässt sich in drei Worten sagen.” (Kürnberger)

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Stefanie
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Fr 28. Sep 2018, 13:29

Auch schön.... die anderen Hand gefällt mir besser, die ist richtig schön.



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Jörn Budesheim
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So 7. Okt 2018, 17:56

Manchmal, wenn das Denken ruht, schweigen dich die Bildern an.



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Stefanie
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So 7. Okt 2018, 20:37

Bildern?

Ganz ehrlich, so ganz verstehe ich den Satz nicht. Dass Bilder einen anschweigen können, kann ich noch nachvollziehen, aber, dass das Denken ruht?



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Jörn Budesheim
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Fr 26. Okt 2018, 14:44

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Marina Abramovic' Esel. Unten sieht man das Vorbild, eine Performance der Künstlerin.

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Sa 24. Nov 2018, 20:48

Heute wurde mir auf Facebook kurz ein Beitrag zu einem Denkmal in München für die im Nationalsozialismus verfolgten Lesben und Schwulen angezeigt.
Dieses hier:
https://de.wikipedia.org/wiki/Denkmal_f ... d_Schwulen

In Berlin heißt es ebenso Denkmal.
In Köln und Frankfurt wurde jeweils ein Mahnmal errichtet.

Ein Mahnmal ist eine spezielle eines Denkmals. Es soll mahnend an ein historisches Ereignisse erinnern und es soll dauerhaft quasi ins kollektive Gedächtnis eingehen.
Ein Denkmal ist zum Gedenken an ein historisches Ereignisse, aber auch zum Gedenken an eine Person.

Soweit so gut, aber so richtig klar finde ich das nicht.
Wie muss denn die Konzeption und die Ausrichtung gestaltet sein, damit es entweder ein Denkmal oder ein Mahnmal ist?

Das Holocaust Mahnmal in Berlin ist beides. Oder? Es mahnt, dass dies nicht wieder geschehen darf, und in der Austellung werden persönliche Schicksale gezeigt, also das erinnern an Personen. Von der Grösse her ist es ein Monument.



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Fr 4. Jan 2019, 19:02

monopol hat geschrieben : Neue Hängung

Tate Britain zeigt für ein Jahr nur noch Kunst von Frauen

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Die Tate Britain ändert im April ihre Sammlungspräsentation: Für mindestens ein Jahr sollen in dem Londoner Museum in der Abteilung für Kunst ab 1960 nur noch Werke von Frauen zu sehen sein

Das meldete die britische Zeitung "The Guardian". Maria Balshaw, Direktorin der Tate, sagte, sie hoffe, dass die Besucher die Veränderung gar nicht bemerken ....

https://www.monopol-magazin.de/tate-bri ... stlerinnen



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Mo 7. Jan 2019, 06:29

Recht bekannt geworden ist Latours Erläuterung seiner Theorie am Beispiel des Berliner Schlüssels > https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Berli ... prov=sfla1

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Mo 7. Jan 2019, 20:43

Ich musste erst mal halbwegs die Funktionsweise des Schlüssels verstehen. Diese Theorie macht mir Probleme, sie nachzuvollziehen.
Mit diesem Handlungsskript transportiert der Schlüssel nicht nur diese disziplinarische Beziehung zwischen Mensch und Gegenstand. Seine Existenz und seine Rolle als sozialer Akteur sind vielmehr die Ursache für diese Handlungsweise und Disziplinierung.[9]
Aus dem Wiki Artikel

Es ist mir etwas schleierhaft, wie ein Gegenstand ein sozialer Akteur sein kann. Akteur setzt doch eine Kommunikation voraus, wie kann ein Stück Metall das? Der Schlüssel wird geführt, geleitet, er ist passiv und wird vollständig durch den Mensch bestimmt.
Es geht um die disziplinierung von Mensch zu Mensch. Die Bewohner sollen sich richtig verhalten. Eine disziplinarische Beziehung zwischen Mensch und Gegenstand ? Der Schlüssel denkt nicht, er ist Mittel zum Zweck.



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Di 8. Jan 2019, 05:25

Ich würde hier Latour ungerne verteidigen :-)

Er spricht bewusst - wenn ich recht sehe - von Aktanten und nicht Akteuren, um den Unterschied von nicht-menschlichen zu menschlichen Akteuren/Aktanten klar zu machen. Im Alltag spricht man manchmal von der Tücke des Objekts, auch ohne den Objekt ein Bewusstsein zu unterstellen. Dass die Dinge um uns herum unsere Handlungen Formen, auch wenn das natürlich nicht bewusst geschieht, kann man Latour wohl zugestehen, oder?



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Di 8. Jan 2019, 05:41

Der Text auf dem Bild lautet: "la clé du musée", was man mit "der Schlüssel zum Museem" übersetzen kann. Das soll darauf anspielen, dass Bruno Latour in der aktuellen Kunst eine gewisse Rolle spielt/gespielt hat. Viele Kuratoren haben einen Faible für diese Art von Philosophie. Das zu kennen ist ein Schlüssel zu ihrem Herzen :-)



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Do 10. Jan 2019, 19:10

Danke für den Hinweis zu dem Text in dem Bild.

Zur Tücke des Objekts. Wer hat's erfunden?
"Mit den Worten „Tücke des Objekts“ kommentiert man häufig ein Missgeschick bei der Handhabung eines Gegenstandes. Die Redewendung ist dem 1878 erschienen Roman „Auch Einer. Eine Reisebekanntschaft” des Philosophen Friedrich Theodor Vischer entnommen. In dem Roman befindet sich die Reisebekanntschaft des Erzählers, der skurrile Fremde „A. E.“, in einem ständigen Kleinkrieg mit allen möglichen Gegenständen des Alltags. Er beschreibt seine Nöte so:

Von Tagesanbruch bis in die späte Nacht, solang irgendein Mensch um den Weg ist, denkt das Objekt auf Unarten, auf Tücke ... So lauert alles Objekt, Bleistift, Feder, Tintenfass, Papier, Zigarre, Glas, Lampe - alles, alles auf den Augenblick, wo man nicht Acht gibt."



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Di 15. Jan 2019, 16:11

Prof. Dr. Wolfgang Ullrich: Gegen den Kanon – Neue Kunstgeschichte oder nach der Kunstgeschichte?

Als Video: https://vimeo.com/302998022

In meinem Vortrag im März sprach ich darüber, wie die Geschichte der Kunst als Rahmen und Maßstab für die Beurteilung von Werken an Stellenwert verliert. An mehreren Beispielen vom Kunstmarkt, aber auch aus dem Bereich kuratierter Kunst zeigte ich, dass Künstler, die sich einer Idee von autonomer Kunst verpflichtet fühlen, zunehmend weniger Wertschätzung erfahren. Vielmehr gilt die Aufmerksamkeit Künstlern, deren Arbeit einer Logik von – mehr oder weniger glamourösen und teuren – Markenprodukten entspricht. Alternativ werden Positionen ernstgenommen, die durch die moralisch-politische Brisanz des Themas für sich einnehmen. Auch innerhalb der Kunstwelt dominieren also vermehrt kunstexterne Kriterien. Das aber kann nicht zuletzt zur Folge haben, dass Künstler und Werke, die nach kunsthistorischen oder kunstspezifischen Maßstäben Teil des Kanons sind, allein aufgrund von Sujets, die in moralisch-politischer Hinsicht angreifbar sind, fragwürdig werden oder sogar die Berechtigung abgesprochen bekommen, weiter eine öffentliche Rolle zu spielen. In den letzten Jahren verschärften sich einige Debatten. In meinem Vortrag erwähnte ich etwa die Auseinandersetzung um Balthus, dem vorgehalten wird, als Künstler pädophile Neigungen ausgelebt zu haben und mit seinen Bildern solche zu bestärken und zu rechtfertigen. Und ich kam auf den Streit zu sprechen, der 2017 auf der New Yorker Whitney Biennale ausbrach, wo Dana Schutz ein Gemälde ausstellte, dem ein berühmtes Foto zugrunde liegt, das den 1955 von Weißen grausam niedergemetzelten schwarzen Jungen Emmett Till zeigt.

Quelle: http://www.pop-zeitschrift.de/2019/01/1 ... dnUI03ga5w



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Di 15. Jan 2019, 19:44

Nachhilfe notwendig.
Was genau umfasst dieser Kanon, von dem die ganze Zeit die Rede ist? Ich bin schon am Anfang wohl falsch geleitet worden, da ich unter autonomen Künstlern diejenigen verstand, die eben nicht in der Kunstgeschichte bzw. Tradition verharren. Aber das ist wohl nicht gemeint.



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Di 15. Jan 2019, 19:59

Gemeint ist das, was man in (sagen wir: westlichen) Museen eben gemeinhin so findet. Wobei der Gedanke der Autonomie der Kunst und der Künstler recht jung ist und vielleicht seit erst zwei oder höchsten drei Jahrhunderte alt ist.



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Di 15. Jan 2019, 20:57

Autonom von staatlichen Vorgaben und Einschränkungen?

Mich irritiert der Text etwas, u.a., dass der Autor entgegen seiner eigenen Aussage, er treffe Wertungen, sich meiner Meinung nach um eine klare eigene Aussage "drückt", indem er die verschiedenen Positionen darstellt, zwar etwas und wenig deutlich formulierte seine eigene Position nennt, aber damit bewirkt, dass er schwer angreifbar ist. So mein Eindruck.
Ich fange einfach mal an.
Dabei sei gleich mit dem Schwierigsten begonnen. Wie nämlich soll es anders denn als Zivilisationsbruch gewertet werden, wenn jemand die Zensur oder gar die Zerstörung von Kunstwerken verlangt? Wird hier nicht einfach nur destruktiv jegliche Idee von Kunstfreiheit missachtet und eine große Errungenschaft aufgeklärter, demokratischer Gesellschaften – in Deutschland sogar als Rechtsgut mit Grundrechtsrang im Grundgesetz verankert – mit Füßen getreten?
Hier biegt er etwas falsch ab, meiner Meinung nach.
Die Autonomie eines Kunstschaffenden, die Kunstfreiheit, ist in der Tat ein Grundrecht, in Kombination mit dem staatlichen Zensurverbot, damit ist eine Vorzensur gemeint, ein sehr starkes Grundrecht. Und es darf nicht durch Gesetze eingeschränkt werden. Aber....es gibt noch weitere Grundrechte, wie die Persönlichkeitsrechte und die Menschenwürde. Eben diese, die auch bewirken, dass es die Kunstfreiheit gibt. Diese stehen aber nicht nur Künstlern zu, sondern allen. Was bedeutet, dass die Kunst anerkennen muss, dass anderen diese beiden Grundrechte und Menschenrechte auch zustehen. Insofern hat die Kunst kein Alleinstellungsmerkmal.
Hinsichtlich des Bildes von Dana Schutz setzte ich daher anders an.
Das Thema, die damaligen Ereignisse können natürlich Gegenstand von Kunst sein. Es geht nicht um das ob, sondern um das wie.

Der Autor schreibt:
Denn die Autonomie der Kunst besteht gerade darin, jegliches Sujet in eine eigene Form zu übersetzen. Das für ein Werk gewählte Thema ist daher immer nur ‚Rohmaterial’; unabhängig davon, wie wichtig oder banal, wie umstritten oder simpel es ist, zeigt sich die künstlerische Qualität des Werks daran, was aus dem ‚Rohmaterial’ gemacht wird
Ich denke mal, dagegen gibt es kein Protest.
Aber das geht nicht grenzenlos, d.h. gerade dann, wenn es sich um Personen handelt, die wie in dem Fall auch noch brutal getötet worden sind, sind deren Grundrechte, insbesondere die Menschenwürde auch durch die Kunst zu wahren. Ich habe mir noch mal das Gemälde und das Originalphoto angeschaut.
Nee geht gar nicht. Die Würde dieses jungen Mannes, die auch nach seinem Tod gilt, wahrt das Gemälde nicht. Erst wird er brutal ermordet, das erste mal wo er sich nicht wehren konnte, und dann jetzt ein zweites mal, wo er oder seine Erben sich nicht gegen diese Darstellung wehren können.
Die Kunst kann sich nicht auf ihre Autonomie, auf ihre Freiheit berufen, ohne dabei die Freiheit und Rechte ihres "Rohmaterials" zu achten.
Das hat die Künstlerin hier nicht gemacht.
Deshalb sollte das Kunstwerk nicht zerstört werden, oder gar nicht mehr ausgestellt werden. Auch nicht durch eine selbstzensur von Museen. Nur... einfach so tun, als ob Kunst, weil sie sich als autonom ansieht, alles darf, geht auch nicht.



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Mi 16. Jan 2019, 05:46

Stefanie hat geschrieben :
Di 15. Jan 2019, 20:57
Autonom von staatlichen Vorgaben und Einschränkungen?
Ist "autonom" einfach synonym mit "frei", so dass man statt "frei von" auch "autonom von" schreiben kann? Hmm, ja vielleicht. Ich bin nicht sicher ... Ich würde bei "autonom" hier etwas mehr am Buchstaben kleben :-) und es bestehend aus "auto" und "nom" als Selbstgesetzgebung/Eigengesetzlichkeit oder ähnlich lesen.

Knapp skizziert: Kunst folgt den Regeln, die sie sich selbst setzt, und ist ein eigenständiger (autonomer) also in diesem Sinne freier Bereich. Kunstwerke sollten daher aus ihrer eigenen "inneren" Logik heraus verstanden werden und nicht als Zwecke für anderes. Sie sind "umgekehrt gesagt" nicht heteronom und folgen nicht fremden Zwecken wie "staatlichen Vorgaben und Einschränkungen" bzw. gesellschaftlichen Forderungen, müssen nicht einfach 1:1 die Natur nachahmen und sind auch moralisch/ethisch eigenständig etc. p.p.

Um diese Freiheit der Kunst geht es hier, sie wird zurzeit offen angegriffen.



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Mi 16. Jan 2019, 06:08

Hannah Black hat geschrieben : „it is not acceptable for a white person to transmute Black suffering into profit and fun”
"A white person" schreibt sie! Das ist der Punkt, an dem ich auf keinen Fall mitgehen kann. Nach Darstellung von Hanno Rautenberg (in: Wie frei ist die Kunst? Der neue Kulturkampf und die Krise des Liberalismus) hat Hannah Black versucht Dana Schutz und allen weiteren weißen Künstlern die freie Wahl ihrer Themen zu untersagen. Ihre zentrale Forderung lautete: Nicht-Schwarze Künstler müssten aufhören, "die Schmerzen Schwarzer als Rohmaterial zu behandeln". Es dürfe nicht länger hingenommen werden, dass »eine weiße Person schwarzes Leiden in Profit und Vergnügen« verwandele.

Allein der Umstand, dass Dana Schutz eine Weiße ist, führt zu der Verurteilung. Die Tatsache, dass sie als Mensch den Mord an einem Menschen zum Thema macht, wird damit getilgt, denn nicht ihr Menschsein steht im Fokus, sondern ihr Weißsein. Das ist Rassismus. Es kann doch nicht sein, dass ein/e Künstler/in menschliche Verbrechen und menschliches Leid nicht zum Thema machen kann, weil er oder sie die "falsche" Hautfarbe oder das "falsche" Geschlecht hat. Und das geht auf keinen Fall. Das ist der völlig inakzeptable ethische Aspekt. Emmett Till war einer von uns. Die Idee des Universalismus der Menschrechte/würde steht auf dem Spiel.

Der inakzeptable ästhetische Aspekt ist: Dana Schutz Arbeit als künstlerische Arbeit rückt überhaupt nicht in den Blick. Die Autonomie der Kunst wird damit infrage gestellt - das wird von Wolfgang Ullrich ja auch deutlich gemacht.



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Mi 16. Jan 2019, 07:29




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