Das trifft zumindest auf negative Aussagen über Nichtexistentes nicht zu. Es ist wahr, dass Pumuckl nicht existiert; aber daraus folgt natürlich nicht widersprüchlicherweise, dass Pumuckl existiert.Jörn P Budesheim hat geschrieben : ↑Do 11. Sep 2025, 07:46Aber auch hier "misst" du es am Naturalismus. Aber das kaufe ich eben nicht. Ebenso wenig kaufe ich natürlich Formen von absolutem Idealismus (für einen Kollegen von mir ist alles Geist). Wären in einer solchen Sicht Steine "unterideal"? Nichts davon akzeptiere ich: Es gibt meiner Meinung nach kein Weltmaß.Consul hat geschrieben : ↑Mi 10. Sep 2025, 21:20Entscheidend ist die Essenz von Zahlen: Wenn sie abstrakte, übersinnlich-überräumlich-überzeitliche Objekte im Sinn des mathematischen Platonismus sind, dann ist der Glaube an die Existenz von Zahlen eben nicht naturalistisch (im Sinn des metaphysischen/ontologischen Naturalismus).
In dem Video gibt es ein Argument, was sich verallgemeinern lässt: Alles, worüber man wahre oder falsche Ansichten haben kann, existiert notwendig.
Im Kontext mathematischer Aussagen stellt sich die philosophische Frage nach deren Wahrheit bzw. Wahrheitswert.
SEP: Mathematischer Platonismus [Google Translate]
SEP: Mathematischer Fiktionalismus [Google Translate]
Es gibt mehrere antiplatonistische Positionen in der Philosophie der Mathematik, wovon eine der mathematische Fiktionalismus ist, welcher die platonistische Semantik akzeptiert, aber die platonistische Ontologie negiert.
Ich teile diese fiktionalistische Auffassung, sehe aber die Notwendigkeit einer ergänzenden Differenzierung:"Der Fiktionalismus…ist die Ansicht, dass (a) unsere mathematischen Sätze und Theorien zwar vorgeblich von abstrakten mathematischen Objekten handeln, wie vom Platonismus behauptet, es aber (b) keine abstrakten Objekte gibt und daher (c) unsere mathematischen Theorien nicht wahr sind. Die Idee ist also, dass Sätze wie „3 ist eine Primzahl“ aus demselben Grund falsch oder unwahr sind, aus dem beispielsweise „Die Zahnfee ist großzügig“ falsch oder unwahr ist – weil es die Zahnfee genauso wenig gibt wie die Zahl 3." [Google Translate mit Änderungen meinerseits]
SEP: Fiktionalismus in der Philosophie der Mathematik [Google Translate]
Die mathematischen Sätze "1 + 1 = 2" und "1 + 1 = 3" sind aus fiktionalistischer Sicht aufgrund der Nichtexistenz von Zahlen (als abstrakten Objekten) beide gleichermaßen unwahr/falsch; aber es besteht nichtsdestotrotz ein relevanter Unterschied zwischen ihnen, den ich dadurch zum Ausdruck bringe, dass ich "1 + 1 = 2" mathematisch gültig und "1 + 1 = 3" mathematisch ungültig nenne.
Mathematische Gültigkeit/Ungültigkeit ist Gültigkeit/Ungültigkeit gemäß dem formalen Regelwerk der Mathematik. Der Satz "1 + 1 = 2" ist damit kohärent und folglich mathematisch gültig, wohingegen der Satz "1 + 1 = 3" damit inkohärent und folglich mathematisch ungültig ist.
Mein entscheidender Punkt ist, dass die Gültigkeit/Ungültigkeit (an sich falscher) mathematischer Sätze keine platonistische Ontologie erfordert, d.h. keine ontologisch verbindliche Setzung abstrakter mathematischer Objekte wie Zahlen.
In analoger Weise kann man sagen, dass der Satz "Die Zahnfee ist großzügig" aufgrund der Nichtexistenz der Zahnfee zwar falsch, aber mythologisch gültig ist. Ein weiteres Beispiel:
Die Sätze "Winnetou und Old Shatterhand sind befreundet" und "Winnetou und Old Shatterhand sind verfeindet" sind aufgrund der Nichtexistenz von Winnetou und Old Shatterhand zwar beide falsch, aber der erstere ist literarisch gültig und der letztere ist literarisch ungültig. Der Satz "Winnetou und Old Shatterhand sind befreundet" ist gültig, weil er im Einklang mit der Darstellung des Verhältnisses der beiden fiktiven Personen in den betreffenden Texten von Karl May steht; das heißt, es besteht Kohärenz zwischen Mays literarischen Aussagen über die beiden und der Aussage, dass Winnetou und Old Shatterhand befreundet sind.
Im Gegensatz zur Wahrheit/Falschheit einer Aussage (eines Aussagesatzes) unterliegt die Gültigkeit/Ungültigkeit einer falschen Aussage über nichtexistente Objekte oder Personen Kohärenz- oder Konsensbedingungen, und nicht (realitätsbezogenen) Korrespondenzbedingungen.
Der mathematische Satz "3 ist eine Primzahl" ist aus fiktionalistischer Sicht falsch, weil die Zahl 3 (als abstraktes Objekt) nicht existiert, und Nichtexistentes keine Eigenschaften hat; aber er ist aus meiner Sicht dennoch gültig innerhalb des theoretischen Systems der Mathematik.
Der Satz "Chewbacca ist ein Wookiee" ist falsch, weil es weder Chewbacca noch Wookiees gibt; aber er ist gültig innerhalb des fiktionalen "Sinnfeldes" von Krieg der Sterne. (Hallo, Herr Gabriel!)
Fußnote:
Ich weiß, dass Gültigkeit/Ungültigkeit in der klassischen Aussagenlogik keine Eigenschaft einzelner Aussagen/Aussagesätze, sondern von aus mehreren Aussagesätzen bestehenden Argumenten ist: Ein Argument ist genau dann gültig (engl. valid), wenn seine Konklusion logisch aus seinen Prämissen folgt. Gültigkeit bedeutet hier also argumentative Folgerichtigkeit. Oben spreche ich hingegen von Gültigkeit/Ungültigkeit als einer Eigenschaft einzelner Aussagen/Aussagesätze.