Intellektuelle Mission

Was ist Bewusstsein? Eine Frage, die nach wie vor ungeklärt ist.
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Philoxander
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So 22. Feb 2026, 10:21

Die Menschen akzeptieren keine "Intellektuelle Mission", die über ihre eigene Existenz hinausführt.

Was ist eine "Intellektuelle Mission"? Was ist "eigene Existenz"?
Karin Weingartz-Perschel
Mythos Genie
Die intellektuelle Erfahrung des Mangels

https://www.inlibra.com/de/document/vie ... oc=3767619

Seit Langem beschäftigt mich die Frage, was wohl hinter dem Begriff "Genie" steckt und warum so viele Menschen mit der Erklärung zufrieden sind, dass exponierte Intellektuelle, wie z. B. Adorno, Horkheimer, Habermas bis hin zu Aristoteles und Platon, einfach als Genies zu bezeichnen sind, weil sie eben von Geburt an mit besonderem kognitiven Leistungsvermögen ausgestattet sind und deshalb über ganz besondere Begabungen verfügen; dass es wie ein Schicksal zu betrachten ist, ein Genie zu sein, ebenso wie die reflexive Durchschnittlichkeit oder gar Minderbegabung der meisten anderen Menschen; dass diese Genies hochgeachtet und bewundert werden sollten, weil sie für die Gesellschaft ganz Besonderes leisten, ihr große Achtung verschaffen, sie weiterbringen – und das eben ihr Schicksal sei.




Philoxander
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So 22. Feb 2026, 10:52

Karin Weingartz-Perschel, Mythos Genie, Die intellektuelle Erfahrung des Mangels

Niemand hat von Kindheit an den Wunsch, Intellektueller oder Intellektuelle zu werden. Dies geschieht im Laufe des Lebens früher oder später, und man weiß nicht genau, warum. Intellektuelle sind es, die das Denken der Epoche, in der sie leben, besonders sensibel aufnehmen, hinterfragen, kritisieren und beeinflussen. Sie riskieren, als Außenseiter ignoriert, als Phantasten belächelt, als Kritiker abgelehnt, missverstanden oder gar bekämpft zu werden. Intellektuelle sind unbequeme Zeitgenossen, die der innovativen Fortentwicklung der Gesellschaft dienen. Ihr besonders ausgeprägtes Reflexionsvermögen versetzt sie in die Lage, Tendenzen und Gefahren einer gesellschaftlichen Entwicklung frühzeitig auf Grund ihrer ausgeprägten Sensibilität zu erfassen und zu thematisieren. Sie halten es in der Regel für unangebracht, ihre Leiden und Probleme und die existenziellen Konflikte, die sie als Kinder und Jugendliche belasteten, preiszugeben. Und doch liegt gerade in ihren Biografien der Schlüssel zur Beantwortung der Frage, warum sie sich zu Intellektuellen entwickelt haben. Außerdem stellt sich die Frage, warum relativ wenige Frauen der Intellektuellengruppe angehören. Das vorliegende Buch ist eine Annäherung an das vielschichtige Phänomen des Intellektuellen und entwirft vor dem Hintergrund biografischer Entwicklungslinien ein umfassendes Panorama seiner Charakteristika.




Philoxander
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So 22. Feb 2026, 12:48

https://www.forschung-und-lehre.de/fors ... -sein-6711

Warum Menschen automatisch annehmen, im Recht zu sein
Informationsdefizite führen nicht zu zurückhaltenden Meinungsäußerungen – ganz im Gegenteil. Das zeigt eine aktuelle amerikanische Studie.

Menschen gehen ganz selbstverständlich davon aus, dass sie über alle Informationen verfügen, die zur Meinungsbildung erforderlich sind.
Das ist das Ergebnis einer Studie, die Professor Hunter Gehlbach, Professor Angus Fletcher (beide Ohio State University) und Dr. Carly D. Robinson (Stanford University) kürzlich auf "Plos One" veröffentlichten.
"Wenn man den Leuten ein paar Informationen gibt, die zusammenzupassen scheinen, werden die meisten sagen:
'Das hört sich richtig an' und sich danach richten", erläuterte Mitautor Fletcher die von den Forschenden so benannte "Illusion adäquater Information" gegenüber den "Ohio State News".
https://www.derstandard.de/story/200014 ... hrbar-sind

Kognitive Dissonanz
Warum Menschen oft unbelehrbar sind

Wen etwas überzeugt, der kann erfinderisch daran festhalten. Gegenteilige Erkenntnisse können gar die Meinung befeuern.
Über die Macht der kognitiven Dissonanz

Kognitive Dissonanz, das ist der unangenehme Zustand, der sich einstellt, wenn Überzeugungen plötzlich mit Fakten und Tatsachen konfrontiert werden, die diesen Überzeugungen zuwiderlaufen.
Kognitiv, abgeleitet vom lateinischen "cognoscere" = wissen und erkennen, steht für alles, was mit Wahrnehmen, Lernen und Wissen zusammenhängt.
Dissonanz bedeutet Missklang, Unstimmigkeit.
Die kognitive Dissonanz löst also einen Aufruhr im Kopf aus, dem man schnellstmöglich zu entfliehen versucht, indem trickreich die vorherrschenden Überzeugungen gestützt und verteidigt werden.




Burkart
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So 22. Feb 2026, 13:38

Philoxander hat geschrieben :
So 22. Feb 2026, 10:21
Die Menschen akzeptieren keine "Intellektuelle Mission", die über ihre eigene Existenz hinausführt.

Was ist eine "Intellektuelle Mission"? Was ist "eigene Existenz"?
Karin Weingartz-Perschel
Mythos Genie
Die intellektuelle Erfahrung des Mangels

https://www.inlibra.com/de/document/vie ... oc=3767619

Seit Langem beschäftigt mich die Frage, was wohl hinter dem Begriff "Genie" steckt und warum so viele Menschen mit der Erklärung zufrieden sind, dass exponierte Intellektuelle, wie z. B. Adorno, Horkheimer, Habermas bis hin zu Aristoteles und Platon, einfach als Genies zu bezeichnen sind, weil sie eben von Geburt an mit besonderem kognitiven Leistungsvermögen ausgestattet sind und deshalb über ganz besondere Begabungen verfügen; dass es wie ein Schicksal zu betrachten ist, ein Genie zu sein, ebenso wie die reflexive Durchschnittlichkeit oder gar Minderbegabung der meisten anderen Menschen; dass diese Genies hochgeachtet und bewundert werden sollten, weil sie für die Gesellschaft ganz Besonderes leisten, ihr große Achtung verschaffen, sie weiterbringen – und das eben ihr Schicksal sei.
Magst du dies mit eigenen Worten beschreiben? Mit dem Zitat kann ich nichts dazu anfangen.



Der Mensch als Philosophierender ist Ausgangspunkt aller Philosophie.
Die Philosophie eines Menschen kann durch Andere fahrlässig missverstanden oder gezielt diskreditiert oder gar ganz ignoriert werden, u.a. um eine eigene Meinung durchsetzen zu wollen.

Timberlake
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So 22. Feb 2026, 14:03

Burkart hat geschrieben :
So 22. Feb 2026, 13:38
Philoxander hat geschrieben :
So 22. Feb 2026, 10:21
Die Menschen akzeptieren keine "Intellektuelle Mission", die über ihre eigene Existenz hinausführt.

Was ist eine "Intellektuelle Mission"? Was ist "eigene Existenz"?
Magst du dies mit eigenen Worten beschreiben?


Um einmal dieseFragen anhand einer Intellektuelle Mission zu beantworten, wie sie sich vor meinem geistigen Auge, damals in der in DDR angespielt hat ..


3. Indoktrination und „sozialistische Umwälzung“
Im Alltagsleben der DDR-Bürger geriet die geistige Adaption der Ideologie des Marxismus-Leninismus, trotz intensiver Bemühungen in Bildungseinrichtungen, Medien und Massenorganisationen, vielfach nur zu gelangweilter, notgedrungener Pflichtübung, wenn sich auch noch nicht absehen läßt, ob die ständige Indoktrination nachhaltiger, als zunächst offensichtlich, das Denken beeinflußt und unbewußte Vorurteile gezüchtet hat. Gläubige Anhänger des Marxismus-Leninismus fanden sich nach gegenwärtigem Erkenntnisstandaußer bei den SED-Funktionären vor allem unter den Schriftstellern. Gemäß einem Bericht in der „Welt“ (vom 28. 5. 1994) stellte jüngst Joachim Walther fest, daß der hohe Prozentsatz von Stasi-Mitarbeitern unter Schriftstellern und Germanistik-Professoren in der DDR auf den „Glauben an die kommunistische Utopie“ zurückzuführen sei.
Roswitha Wisniewski .. Marxismus als Voraussetzung des politischen Systems der DDR



Was ist eine "Intellektuelle Mission"?

Eine "Intellektuelle Mission" wäre demnach die geistige Adaption einer Ideologie. In diesem Fall die Ideologie des Marxismus-Leninismus.

Was ist "eigene Existenz"?

Unter der Prämisse, dass die Menschen keine "Intellektuelle Mission" akzeptieren, die über ihre eigene Existenz hinausführt, wäre meiner Meinung die "eigene Existenz" die, wie man selbst mit einer "Intellektuelle Mission" umgeht. In diesem Fall, ob man die Ideologie des Marxismus-Leninismus nur gelangweilt als eine notgedrungene Pflichtübung ansieht oder als gläubige Anhänger des Marxismus-Leninismus an die kommunistische Utopie glaubt.

Was diesbezüglich mich selbst betrifft, so war ich einerseits von dieser permaneten Rotbeleuchtung, wie es damals unter vorgehaltener Hand hieß , nicht nur bloß gelangweilt, ich war diesem dogmatischen , einfachen Wiederholen von ‚Formeln‘, mittlerweile aber auch sowas von überdrüssig ...

„‚Unsere Lehre ist kein Dogma, sondern eine Anleitung zum Handeln‘ – das betonen Marx und Engels ständig, wobei sie sich mit vollem Recht über das Einochsen und einfache Wiederholen von ‚Formeln‘ lustig machten, die bestenfalls nur geeignet sind, die allgemeinen Aufgaben vorzuzeichnen, die durch die konkrete ökonomische".Die Betrachtung des Dinges in seiner Geschichte ist notwendige Voraussetzung, um das Ding, wie es ist, wirklich zu erkennen, aber auch, um zu erkennen, wohin es sich entwickelt. Die Objektivität der Betrachtung ist ein Mittel gegen Illusionen, wie z. B. die der utopischen Sozialisten, über die Lenin sich lustig macht: „Die alten utopischen Sozialisten hatten die Vorstellung, man könnte den Sozialismus mit anderen Menschen aufbauen, sie könnten zuerst nette, blitzsaubere und vortrefflich geschulte Menschen erziehen und dann mit ihnen den Sozialismus aufbauen ... Wir wollen den Sozialismus mit den Menschen errichten, die der Kapitalismus erzogen, die er verdorben und demoralisiert, dafür aber auch zum Kampf gestählt hat.
Wolfgang Segeth: Materialistische Dialektik als Methode und Methodologie –


Was allerdings die materialistische Dialektik andereseits als Methode und Methodologie betrifft, von dieser "Intellektuelle Mission" bin ich, bis auf den heutigen Tag, aber auch sowas von überzeugt. Dazu nur mal zur Info ..

Dialektischer Materialismus ...https://ocw.mit.edu/courses/21g-412-adv ... 9_dial.pdf

Auf dem Begräbnis von Karl Marx sagte sein Freund Friedrich Engels
(Rede veröffentlicht in "Der Sozialdemokrat" Nr. 13 vom 22. März
1883):
"Wie Darwin das Gesetz der Entwicklung der organischen Natur, so
entdeckte Marx das Entwicklungsgesetz der menschlichen Geschichte:
Die bisher unter ideologischen Überwucherungen verdeckte einfache
Tatsache, dass die Menschen vor allen Dingen zuerst essen, trinken,
wohnen und sich kleiden müssen, ehe sie Politik, Wissenschaft, Kunst,
Religion usw. treiben können; dass also die Produktion der
unmittelbaren materiellen Lebensmittel und damit die jedesmalige
ökonomische Entwicklungsstufe eines Volkes oder eines Zeitabschnitts
die Grundlage bildet, aus der sich die Staatseinrichtungen, die
Rechtsanschauungen, die Kunst und selbst die religiösen Vorstellungen
der betreffenden Menschen entwickelt haben, und aus der sie daher auch
erklärt werden müssen - nicht, wie bisher geschehen, umgekehrt."

(MEW 19, S. 335 f.)


Der dialektische Materialismus bedient sich der hegelschen Dialektik, des geistigen Lehrers von Karl Marx. Diese geht davon aus, dass die Realität aus Widersprüchen besteht, welche zwangsläufig ihre eigene Veränderung sowie die Zukunft erzeugen und bestimmen. Nach dieser Theorie gerät der Geist mit sich selbst in Widerspruch und generiert so das Werden der objektiven Wirklichkeit. ...Nach Marx ist der Mensch ein „Opfer“ seiner Bedürfnisse, und die Gesellschaft befindet sich in einer permanenten Auseinandersetzung mit der Natur, mit dem Ziel, die Bedürfnisse der Menschen zu befriedigen. Dieser Kampf ist nur mit Hilfe einer bestimmten materiellen und wirtschaftlichen Basis möglich: der so genannten Infrastruktur oder dem Unterbau. Dieser von den materiellen Verhältnissen bestimmte „Unterbau“ bestimmt seinerseits den so genannten „Überbau“. Das ist das gesellschaftliche Bewusstsein der zu einem bestimmten Zeitpunkt dominierenden Klassen. Zum Überbau gehören das politische System, das Bildungswesen, die Sprache, das Rechtssystem, die Religion (Theologie), dieWissenschaften, die Künste."
Zuletzt geändert von Timberlake am So 22. Feb 2026, 14:54, insgesamt 3-mal geändert.




Timberlake
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So 22. Feb 2026, 14:35

Burkart hat geschrieben :
So 22. Feb 2026, 13:38
Karin Weingartz-Perschel
Mythos Genie
Die intellektuelle Erfahrung des Mangels

https://www.inlibra.com/de/document/vie ... oc=3767619

Seit Langem beschäftigt mich die Frage, was wohl hinter dem Begriff "Genie" steckt und warum so viele Menschen mit der Erklärung zufrieden sind, dass exponierte Intellektuelle, wie z. B. Adorno, Horkheimer, Habermas bis hin zu Aristoteles und Platon, einfach als Genies zu bezeichnen sind, weil sie eben von Geburt an mit besonderem kognitiven Leistungsvermögen ausgestattet sind und deshalb über ganz besondere Begabungen verfügen; dass es wie ein Schicksal zu betrachten ist, ein Genie zu sein, ebenso wie die reflexive Durchschnittlichkeit oder gar Minderbegabung der meisten anderen Menschen; dass diese Genies hochgeachtet und bewundert werden sollten, weil sie für die Gesellschaft ganz Besonderes leisten, ihr große Achtung verschaffen, sie weiterbringen – und das eben ihr Schicksal sei.
Mit dem Zitat kann ich nichts dazu anfangen.
Vielleicht kannst du ja nun mehr, wo ich in dem Beitrag zuvor, mit meiner Bezugnahme auf die materialistische Dialektik als Methode und Methodologie bezüglich einer dieser Genies konkret geworden bin, mit diesem Zitat etwas anfangen.




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Jörn P Budesheim
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So 22. Feb 2026, 14:43

Unter einer intellektuellen Mission würde ich aus dem Stegreif vielleicht so etwas wie eine Revolte verstehen. Man rebelliert gegen die Verhältnisse, die die eigene (falsche) Existenz, das eigene Leiden und Verzweifeln hervorgebracht haben, um diesen Verhältnissen den Spiegel vorzuhalten und sie über sich selbst hinauszuführen. Manche Intellektuelle treten dann als (unangepasste) Mahner:innen auf oder als ein öffentliches Gewissen. Solche Denker:innen sind in der Regel hervorragend ausgebildet und nicht selten auch charismatisch.

Aber das ist vielleicht eher das Bild von öffentlicher Intellektuellen. Das gibt es vermutlich auch in weniger exponierter Form, gewissermaßen ein paar Nummern kleiner.



Das Thema interessiert dich? Was meinst du dazu? Wir freuen uns auf deine Meinung – melde dich an und diskutiere mit uns.“

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So 22. Feb 2026, 14:48

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
So 22. Feb 2026, 14:43
Unter einer intellektuellen Mission würde ich aus dem Stegreif vielleicht so etwas wie eine Revolte verstehen. Man rebelliert gegen die Verhältnisse, die die eigene (falsche) Existenz, das eigene Leiden und Verzweifeln hervorgebracht haben, um diesen Verhältnissen den Spiegel vorzuhalten und sie über sich selbst hinauszuführen. Manche Intellektuelle treten dann als (unangepasste) Mahner:innen auf oder als ein öffentliches Gewissen. Solche Denker:innen sind in der Regel hervorragend ausgebildet und nicht selten auch charismatisch.

Aber das ist vielleicht eher das Bild von öffentlicher Intellektuellen. Das gibt es vermutlich auch in weniger exponierter Form, gewissermaßen ein paar Nummern kleiner.
Karin Weingartz-Perschel
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https://www.inlibra.com/de/document/vie ... oc=3767619

Seit Langem beschäftigt mich die Frage, was wohl hinter dem Begriff "Genie" steckt und warum so viele Menschen mit der Erklärung zufrieden sind, dass exponierte Intellektuelle, wie z. B. Adorno ...

Claus Leggewie | Rezension | 11.03.2025

Es gibt ein richtiges Leben im falschen

Rezension zu „Widerstehen. Versuche eines richtigen Lebens im falschen“ von Ferdinand Sutterlüty

Auch wenn Theodor W. Adorno 1944 im Exil den vielzitierten Aphorismus 18 der Minima Moralia[1] mit dem apodiktischen Satz abschloss, es gebe „kein richtiges Leben im falschen“, setzt das nach Ansicht eines Interpreten „sowohl die Erfahrung als auch einen Begriff der Möglichkeit eines guten Lebens voraus. Andernfalls nämlich könnte niemand von der Falschheit des falschen Lebens wissen. Darum bildet das Tasten nach Bruchstücken des ‚Richtigen‘ im ‚Falschen‘ den entscheidenden Antrieb der Gesellschaftskritik Adornos.

In diese Richtung wendet der Frankfurter Soziologe Ferdinand Sutterlüty Adornos Motto in seinem ethnografischen Reisebericht Widerstehen Erfahrung und Begriff der Möglichkeit auf neun Personen an, die ihm in längeren Gesprächen von ihren alltäglichen Widerstandspraktiken erzählt haben.
  • „Gemeinsam ist ihnen, dass sie die gesellschaftlichen Zustände, in denen sie leben, zutiefst ablehnen. Sie kritisieren nicht nur, sondern stehen auch existenziell für ihre Positionen ein. Manche tun dies im beruflichen Kontext, bei anderen lässt sich ihre Lebensweise insgesamt als Gegenentwurf zur herrschenden Ordnung und zu ihren Destruktivkräften begreifen.“ (S. 7)
Dem Autor demonstrieren sie
  • „auf exemplarische Weise, dass es Alternativen zu den eingelebten Denkmustern und Gewohnheiten der kapitalistischen Kultur gibt. Sie haben Wege gefunden, sich den weithin akzeptierten Ungerechtigkeiten zu widersetzen, die unsere Gesellschaft strukturieren; einige haben sich eine Lebensweise angeeignet, die ohne die Vernutzung unserer natürlichen Existenzgrundlagen auskommt“ (ebd.)




Burkart
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So 22. Feb 2026, 15:10

Nur Zitate eben... muss das wirklich sein?
Zitate sollten mAn nur eigene Worte unterstützen, nicht aber erschlagend im Vordergrund stehen...



Der Mensch als Philosophierender ist Ausgangspunkt aller Philosophie.
Die Philosophie eines Menschen kann durch Andere fahrlässig missverstanden oder gezielt diskreditiert oder gar ganz ignoriert werden, u.a. um eine eigene Meinung durchsetzen zu wollen.

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Jörn P Budesheim
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So 22. Feb 2026, 15:11

Zitate bestehen doch auch nur aus Buchstaben?



Das Thema interessiert dich? Was meinst du dazu? Wir freuen uns auf deine Meinung – melde dich an und diskutiere mit uns.“

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Jörn P Budesheim
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So 22. Feb 2026, 15:53

Vielleicht noch ein Wort zu den oben angedeuteten "Denkfehlern" - "im Recht sein", "Kognitive Dissonanz". Besonders problematisch sind identitätsschützende Denkfehler. Nehmen wir ein Beispiel, das zum Faden passt: Wenn jemand sich auf einer intellektuellen Mission sieht und daraus sogar sein Selbstbild schöpft, dann werden Einwände gegen diese Mission oder gegen die eigenen Gedanken leicht als Angriffe auf die eigene Person erlebt. Jede Kritik trifft dann quasi die eigene Existenz – oder, wie man sagt, sie geht ans Eingemachte.

Entsprechend werden solche Einwände ignoriert, beiseitegeschoben oder mit Aggression beantwortet. Kritik ruft Konterangriffe hervor, häufig moralisch aufgeladen („Du verstehst es nicht“, „Du bist zu dumm“, „Dir fehlt bloß die Fantasie“), statt eine rationale Auseinandersetzung zu ermöglichen.



Das Thema interessiert dich? Was meinst du dazu? Wir freuen uns auf deine Meinung – melde dich an und diskutiere mit uns.“

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So 22. Feb 2026, 19:03

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
So 22. Feb 2026, 15:11
Zitate bestehen doch auch nur aus Buchstaben?
Aber nicht aus eigenen? ;)
Sie sind oft unnötig lang, nicht so kompakt und prägnant (klar) wie hoffentlich eigene Texte.
Denk an Stefanie, die auch mal meinte, dass sie solche Texte nicht (ganz?) liest.



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Timberlake
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So 22. Feb 2026, 23:11

Ok dann formuliere mal das mit den Zitaten, im Beitrag 98723 oder auch im Beitrag 98720, mit meinen Worten kompakt und prägnant (klar).

Eine intellektuelle Mission steht m. E. immer dann an bzw. scheint mir immer dann angebracht, wenn `Es` so nicht weiter gehen kann. Bleibt sie aus, wie z.B. damals in der DDR, führt das zu einem Zusammenbruch des jeweiligen Systems.




Burkart
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Mo 23. Feb 2026, 20:38

Ok, das soll also so genannt werden, dank dir für die kompakte Erläuterung.



Der Mensch als Philosophierender ist Ausgangspunkt aller Philosophie.
Die Philosophie eines Menschen kann durch Andere fahrlässig missverstanden oder gezielt diskreditiert oder gar ganz ignoriert werden, u.a. um eine eigene Meinung durchsetzen zu wollen.

Timberlake
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Di 24. Feb 2026, 23:52

Eine kompakte Erläuterung , die im Vergleich zu den Beiträgen dazu zuvor, weit weniger Informationen enthalten.
Philoxander hat geschrieben :
So 22. Feb 2026, 12:48
https://www.forschung-und-lehre.de/fors ... -sein-6711

Warum Menschen automatisch annehmen, im Recht zu sein
Informationsdefizite führen nicht zu zurückhaltenden Meinungsäußerungen – ganz im Gegenteil. Das zeigt eine aktuelle amerikanische Studie.

Menschen gehen ganz selbstverständlich davon aus, dass sie über alle Informationen verfügen, die zur Meinungsbildung erforderlich sind.
Das ist das Ergebnis einer Studie, die Professor Hunter Gehlbach, Professor Angus Fletcher (beide Ohio State University) und Dr. Carly D. Robinson (Stanford University) kürzlich auf "Plos One" veröffentlichten.
"Wenn man den Leuten ein paar Informationen gibt, die zusammenzupassen scheinen, werden die meisten sagen:
'Das hört sich richtig an' und sich danach richten", erläuterte Mitautor Fletcher die von den Forschenden so benannte "Illusion adäquater Information" gegenüber den "Ohio State News".
Vor dem Hintergrund, das angeblich Informationsdefizite nicht zu zurückhaltenden Meinungsäußerungen führen – ganz im Gegenteil, allerdings sehr bemerkenswert. So wie eben dadurch, wie ich meine, möglicherweise tatsächlich ein Informationsdefizit, zu deiner Meinungsäußerung zur intellektuellen Mission meinerseits geführt hat. Für die Umsetzung einer intellektuellen Mission in die Praxis übrigens insofern von Belang, dass wenn man den Leuten nur ein paar Informationen gibt, die zusammenzupassen scheinen, bei den Leuten sehr viel mehr bewirken könnte, als wenn man sie vollumfänglich informiert. Für jemanden wie mich, der zu Letzterem neigt, also unter Verwendung von Zitaten, die User mit seinen Beiträgen vollumfänglich zu informieren, allerdings gewöhnungsbedürftig, um nicht sogar zu sagen unzumutbar. So wie ich mich darüber selbst vollumfänglich informiere, um Informationsdefizite bei mir erst gar nicht aufkommen zu lassen.




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