Dynamis hat geschrieben : ↑ So 24. Mai 2026, 17:43
…Gucke dir nur mal an, wofür die Abkürzung "AfD" steht:
Alternative für Deutschland. Damit suggeriert die AfD geschickt, dass eine Alternative nötig sei, um die verkrusteten Strukturen in der Politik aufzubrechen, und dass sie sich da als Alternative anbietet. Nun, wenn sich die etablierten Parteien auf die liberale Interpretation des Demokratieprinzips geeinigt haben, ist es für eine Partei wie die AfD, die sich als "Alternative" inszenieren möchte, naheliegend eben eine
alternative Interpretation des Demokratieprinzips anzubieten, eben die populistische Interpretation. Die Polarisierung, die wir im Umgang mit der AfD erleben, ist also in die Marketing-Strategie dieser Partei eingebaut. Sie nutzt diese Polarisierung geschickt, um sich als Fundamentalopposition zu inszenieren.
Ja. Die AfD versteht und verkauft sich (nicht ungeschickt) als
einzig wahre Alternative für Deutschland. Ihre Kernbotschaft lautet:
"Eine
echte rechte Alternative zur volksfeindlichen, immer undemokratischeren Regierungspolitik der letzten Jahre und Jahrzehnte findet ihr nur bei uns, weil die Altparteien [= CDU, CSU, SPD, FDP, GRÜNE] allesamt zu einem links-rechts-liberalen Einheitsbrei verkommen sind, sodass es keinen wirklichen Unterschied mehr macht, ob man die eine oder die andere davon wählt!"
Dynamis hat geschrieben : ↑ So 24. Mai 2026, 17:43
Wenn man nun, ketzerisch wie ich nun einmal bin, sich die Frage nach dem gemeinsamen Nenner stellt und nicht lediglich auf diese Polarisierung schaut, dann wird man durchaus fündig. Ich zitiere aus deinem Text über "Populistische Demokratie":
Consul hat geschrieben : ↑ Sa 16. Mai 2026, 22:45
(...) Denn die populistische Behauptung, dass die Instinkte und Wünsche des Volkes den einzig legitimen Leitfaden für politisches Handeln darstellen, impliziert, dass dem Volkswillen nichts im Wege stehen darf.
(...)
Dies bedeutet jedoch auch, dass die „demokratischen“ Aspekte der liberalen Demokratie – darunter vor allem ihr Bekenntnis zur Volkssouveränität – untergraben werden könnten.
Also, in beiden Demokratiemodellen wird explizit von einem "Bekenntnis zur Volkssouveränität" ausgegangen. Das liberale Modell möchte vor allem die Volkssouveränität stärker durch "die Wahrung eines begrenzten Staates" reglementieren. Darin zeigt sich schon die Einsicht, dass der Staat und die Bevölkerung nicht identisch sind, sodass die Mittel des Staates auch gegen die Bevölkerung eingesetzt werden können. Im Begriff der Volkssouveränität wird aber diese durchaus richtige und wichtige Einsicht ausgeklammert, sodass der souveräne Staat mit dem Volk identifiziert wird, sodass das Volk das eigentliche Souverän sei. Genau damit ist der Begriff der Volkssouveränität der nationalistische Kern beider Demokratiemodelle, sowohl des liberalen als auch des populistischen Modells.
"Volkssouveränität ist ein verfassungsrechtliches Prinzip aller Demokratien, das besagt, dass die höchste Gewalt des Staates und oberste Quelle der Legitimität das Staatsvolk selbst ist (»Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus.«, Art. 20 Abs. 2 GG). Die Idee der Volkssouveränität setzte sich mit den Menschenrechtserklärungen des 18. Jhs. allgemein durch und wurde mit dem Prinzip der Gewaltenteilung zum Fundament des modernen Verfassungsstaates."
Quelle:
https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/po ... raenitaet/
Es mag paradox klingen, aber es sind gerade die liberalen Demokraten, die der Volkssouveränität kraft der Verfassung (der grundgesetzlich verankerten Menschen- und Freiheitsrechte), der Gewaltenteilung und des parlamentarischen Systems Grenzen setzen und sie dadurch (im Gegensatz zum populistischen Demokratieverständnis)
zum Schutz der liberalen Demokratie nicht verabsolutieren – nach dem Motto: Keine Freiheit für die Feinde der Freiheit! Es soll damit verhindert werden, dass Deutschland
auf demokratisch-legalem Wege in eine Diktatur umgewandelt werden kann.
Was verstehen Populisten unter Volkssouveränität?
Populisten verstehen unter Volkssouveränität die absolute, ungezügelte Herrschaft des vermeintlich „wahren“ Volkswillens, der über allen bestehenden Institutionen, Gesetzen und Verfahrensregeln steht. Während das Prinzip in der liberalen Demokratie an die Verfassung, Gewaltenteilung und Grundrechte gebunden ist, gilt Volkssouveränität im Populismus als absolut und unmittelbar. [1, 2, 3]
Das populistische Verständnis von Volkssouveränität unterscheidet sich in zentralen Punkten von dem einer liberalen Demokratie: [2]
## Das Fundament des populistischen Souveränitätsbegriffs
* Das homogene Volk: Populisten definieren „das Volk“ als eine einheitliche Gemeinschaft mit einer einzigen, klaren Meinung und identischen Interessen. Wer diese Meinung nicht teilt, wird oft als nicht zugehörig ausgegrenzt.
* Der unfehlbare Volkswille: Die Politik muss laut dieser Logik die reine Exekutive des Volkswillens sein. Debatten, Kompromisse und wissenschaftliche Argumente werden ignoriert, wenn sie diesem vermeintlichen Willen widersprechen.
* Der Anführer als Sprachrohr: Da das Volk als Einheit gesehen wird, braucht es für Populisten keine komplexen Debatten. Der populistische Anführer oder die Partei inszeniert sich selbst als die direkte Verkörperung und die einzige „Stimme des Volkes“. [1, 4, 5, 6, 7, 8]
## Konflikt mit der liberalen Demokratie
Aus wissenschaftlicher Sicht, wie in den Analysen der [Friedrich-Ebert-Stiftung](
https://www.fes.de/asd/buch-essenz/lewa ... ten-wollen) dargelegt, führt diese radikale Auslegung zu einer Schwächung der demokratischen Kontrollmechanismen. In der Praxis bedeutet dies: [9]
* Ablehnung von Institutionen: Gerichte, Parlamente und Medien werden als Werkzeuge einer „korrupten Elite“ dargestellt, die den Willen des Volkes unterdrücken. Einblicke in diese Debatte bietet auch die Online-Plattform der [Bundeszentrale für politische Bildung](
https://www.bpb.de/themen/medien-journa ... opulismus/).
* Aushebelung von Checks and Balances: Gewaltenteilung, Rechtsstaatlichkeit und der Schutz von Minderheiten werden als Hindernisse für die Durchsetzung der Volkssouveränität interpretiert und abgewertet.
* Fokus auf Direktdemokratie: Populisten fordern häufig plebiszitäre Elemente wie Volksentscheide. Sie nutzen diese jedoch primär, um die etablierten Repräsentanten der Politik zu umgehen und Mehrheiten gegen Minderheiten zu mobilisieren. [1, 2, 4, 6, 7, 9, 10]
Zusammenfassend betrachten Populisten Volkssouveränität als ein Werkzeug zur moralischen Aufwertung der Mehrheit, bei dem der vermeintliche Wille der Masse jegliche rechtsstaatliche Schranke durchbrechen darf. Ausführliche Berichte zu dieser Dynamik und der Repräsentationskrise finden sich unter anderem beim [Deutschlandfunk](
https://www.deutschlandfunk.de/die-popu ... s-100.html). [2, 10]
[1] [
https://www.bpb.de](
https://www.bpb.de/themen/medien-journa ... opulismus/)
[2] [
https://regierungsforschung.de](
https://regierungsforschung.de/wie-die- ... ehen-kann/)
[3] [
https://de.wikipedia.org](
https://de.wikipedia.org/wiki/Volkssouv ... nit%C3%A4t)
[4] [
https://www.youtube.com](
https://www.youtube.com/watch?v=t1UNnv4gu9g&t=7)
[5] [
https://www.youtube.com](
https://www.youtube.com/watch?v=oWIQxUFkTmg)
[6] [
https://www.youtube.com](
https://www.youtube.com/watch?v=QEnsX87nb7M&t=152)
[7] [
https://de.wikipedia.org](
https://de.wikipedia.org/wiki/Populismus)
[8] [
https://www.amnesty.ch](
https://www.amnesty.ch/de/magazin-amnes ... des-volkes)
[9] [
https://www.fes.de](
https://www.fes.de/asd/buch-essenz/lewa ... ten-wollen)
[10] [
https://www.deutschlandfunk.de](
https://www.deutschlandfunk.de/die-popu ... s-100.html)
Quelle: Google KI
"Kern jeder Demokratie ist die politische Souveränität der Bürger*innen. In Demokratien verleihen Bürger*innen ihrem Willen in Wahlen und Abstimmungen Ausdruck. Ein latent vorhandener Wille gerinnt also mittels institutionalisierter Verfahren – und teils langwieriger Entscheidungsprozesse – zu allgemein bindenden Gesetzen. Diese sehr einfache Definition, die den Stellenwert der Souveränität in der Demokratie zum Ausdruck bringt, birgt noch keinen Widerspruch zum Populismus. Einleitend wurde bereits darauf verwiesen, dass Populismus nicht per se antidemokratisch ist, sondern der liberalen Demokratie eine illiberal-demokratische Alternative gegenüberstellt. Anders gewendet bedeutet dies, dass der Populismus seine illiberale Position aus einer spezifisch demokratischen Richtung kommend bezieht und nicht etwa, wie andere Ideologien, aus einer genuin antidemokratischen Motivation heraus."
(Lewandowsky, Marcel. Populismus: Eine Einführung. Wiesbaden: Springer VS, 2022. S. 41-2)
"Souveränität: Wir haben eingangs dieses Kapitels bereits gesehen, dass die politische Souveränität der Bürger*innen Kern demokratischer Systeme ist. Unmittelbarer Ausdruck dieser Souveränität ist die Verfassung, die die Grundlage jedes Gemeinwesens bildet. Alle Institutionen und Regeln, die darauf basieren, sind aus dem verfassunggebenden Willen des Volkes abgeleitet. Anders ausgedrückt ist das Volk in der Artikulation seines Willens und der Herbeiführung von politischen Entscheidungen souverän im Rahmen der Ordnung, die es sich selbst zu einem bestimmten Zeitpunkt gegeben hat und dessen Regeln den Entscheidungsspielraum zeitlich begrenzter Mehrheiten eingrenzen. Der Populismus re-politisiert die Souveränität des Volkes: Für ihn bedeutet Souveränität vollständige Kontrolle des Volkes über die Durchsetzung seiner Interessen zu jedem Zeitpunkt. Weil der Populismus nur das homogene und gute Volk selbst als Legitimationsquelle politischen Handelns ansieht, müssen alle Entscheidungen diesem Willen vollends entsprechen. Jegliche Beschränkung geißelt er daher als „undemokratisch“.
In repräsentativen Demokratien werden Interessen nicht durch das Volk selbst in seiner Gesamtheit vertreten – mit der Ausnahme meist spärlich gesäter direktdemokratischer Verfahren –, sondern durch Wahlen Repräsentant*innen bestellt, die dann in den Parlamenten bzw. in der Regierung auf Grundlage eines freien Mandats Entscheidungen treffen. Der Volkswille wird also lediglich mittelbar durch politische Eliten realisiert. Hier schließt der Populismus an, indem er den Eliten grundsätzlich abspricht, den Willen des Volkes zu kennen oder vertreten zu wollen. Aufgrund deren vermeintlicher Ignoranz und Selbstbezogenheit bleibt der „kleine Mann“ entweder ungehört, wird ignoriert oder die Parteien vertreten Positionen, die für die „einfachen Leute“ keine Rolle spielen. Den Entscheidungsprozessen innerhalb der demokratischen Institutionen begegnet der Populismus mit Misstrauen; die politischen Eliten in Parlamenten und Regierung stehen im Verdacht, in einer „Black Box“ zu Übereinkünften zu kommen, die lediglich ihre eigenen Interessen widerspiegeln. Werden unterschiedliche Positionen sichtbar – etwa durch Debatten im Parlament – so stellen diese lediglich ein Schauspiel dar, das die gemeinsame Agenda des politischen Establishments verschleiert. Deshalb ziehen populistische Akteur*innen auch die beschlossenen Regeln und Gesetze in „Zweifel. Die Bandbreite der Reaktionen ist groß; sie reicht von der Schmähung der Beschlüsse als ineffizient oder stümperhaft bis zum Aufruf zum Widerstand. Die Rechtfertigung hierfür liegt in der moralischen Aufladung des Volksbegriffs: Was das Volk will, ist gut, weil das Volk selbst gut ist. Die Tugenden, die der Populismus dem Volk zuschreibt, definieren, was als politisch richtig und wünschenswert gilt. Damit ist die Idee der Volkssouveränität nicht auf den Kernbereich der politischen Entscheidungsfindung in Demokratien beschränkt. Vielmehr handelt es sich um ein universales Prinzip: der Wille des Volkes steht über allem und strahlt damit auch in andere Bereiche aus, in denen die Macht zwischen dem Volk und dem Establishment ungleich verteilt ist. Gerade in den Umwelt- und Gesundheitskrisen der späten 2010er und beginnenden zwanziger Jahre wurde offensichtlich, dass Volkssouveränität im Populismus neben der Dimension politischer Entscheidungsfindungen auch „Souveränität über die öffentliche Wahrheit“ bedeutet. Aus dieser Haltung ergibt sich auch die Nähe des Populismus zu Verschwörungstheorien.
Um den Willen des Volkes unmittelbar zu verwirklichen, fordert der Populismus daher erstens eine „organische Verbindung“ zwischen Volk und Politiker*innen, die dessen Interessen unmittelbar wahrnehmen und mittels imperativen Mandats quasi-plebiszitär umsetzen. Zweitens propagieren Populist*innen oft direktdemokratische Elemente. Drittens setzen sie oftmals auf einen charismatischen Anführer, der innerhalb der Institutionen den Willen des Volkes auch gegen Widerstände durchsetzt.
Schranken der Souveränität: Ist die Verfassung unmittelbarer Ausdruck der Souveränität des Volkes, seine eigenen Angelegenheiten dauerhaft zu regeln, so muss sie auch die Limitierung des Volkswillens zwangsläufig beinhalten. So bleibt zugleich dessen Souveränität auf Dauer gewahrt. Der Zusatz der „liberalen“ Demokratie ist insofern irreführend, als eine Demokratie ohne entsprechende Institutionen permanent gefährdet wäre, keine Demokratie mehr zu sein: einfache Mehrheiten könnten genügen, um die Demokratie selbst abzuschaffen. Auch etwa das Vereinigte Königreich, das keine geschriebene Verfassung kennt – und deshalb, nicht ohne Augenzwinkern, zuweilen als „elective dictatorship“ bezeichnet wird – kann sich auf Rechtsdokumente berufen, die Verfassungsqualität haben (etwa die Magna Carta oder die Petition of Right). Dahl (2006: 36) verweist darauf, dass niemand behaupten würde, dass der Volkswille gar nicht beschränkt werden solle – dass die Demokratien sich ad absurdum führen, wenn sie ihre Selbstabschaffung zulassen, ist ein richtiger, gleichwohl trivialer Gedanke. Vielmehr stelle sich die Frage, wie der Wille des Volkes begrenzt wird. In einer Abwandlung von Dahls Überlegungen soll hier zwischen drei Schranken unterschieden werden: 1) Gewaltenteilung, 2) Minderheitenrechte und 3) individuelle Zurückhaltung und sozialer Sanktion ihrer Überschreitung (bspw. aufgrund gesellschaftlicher Normen)."
(Lewandowsky, Marcel. Populismus: Eine Einführung. Wiesbaden: Springer VS, 2022. S. 43-5)
"Wir sehen, dass die populistische Demokratiekonzeption vom liberalen Demokratiebegriff deutlich abweicht. Das populistische Verständnis von Demokratie geht von einem apriorischen Gemeinwohl aus, das es lediglich zu erfüllen gilt und dessen Kern ein homogener Volkswille ist. Dieser Wille bildet im Gegensatz zur liberalen Demokratie nicht in einem offenen Wettbewerb stetig neu, sondern wird von den Populist*innen selbst lediglich proklamiert. Die Souveränität des Volkes gilt absolut und soll unmittelbar umgesetzt werden. Schranken findet sie in den Institutionen des Verfassungsstaats allenfalls formal: Die Institutionen bleiben bestehen, sollen aber allesamt demselben Volkswillen folgen."
(Lewandowsky, Marcel. Populismus: Eine Einführung. Wiesbaden: Springer VS, 2022. S. 48)