Rudolf Pirnbacher hat geschrieben : ↑ Do 28. Mai 2026, 21:40
Consul:
„Zur libertären Auffassung der Entscheidungs- und Handlungsfreiheit gehört der Glaube, dass man anders hätte entscheiden oder/und handeln können, als man es getan hat.“
Laut meiner Erkenntnis sieht das Nida-Rümelin nicht so. Es genügt ihm, dass das Abwägen von Gründen möglich ist und man derart zu einer Entscheidung findet. Würde man das anders sehen, dann würde das heißen dass man unter den genau identischen Voraussetzungen einmal so und einmal anders handeln würde. Aber dies würde nur eine Zufallsentscheidung sein, und nicht ein Beitrag zur freien Entscheidung sein. Einen freien selbstbestimmten Menschen erkennt man auch durch einen stabilen Charakter. Dadurch wird er in eine gewisse Weise sogar vorhersehbar. Dies ändert aber nichts an der Tatsache dass er seine Entscheidung anhand von Gründen oder bestimmten Prinzipien wählt. Eine Entscheidung, die unter genau identischen Voraussetzungen einmal so und anders getroffen wird, würde eher eine chaotische Entscheidung sein.
Zur libertären Freiheit gehört, dass ich eine andere Entscheidung
auf der Grundlage einer anderen Abwägung von Gründen hätte treffen können, die nicht "chaotisch" gewesen wäre.
Rudolf Pirnbacher hat geschrieben : ↑ Do 28. Mai 2026, 21:40
Da der Begriff "Freier Wille" höchst unterschiedlich verstanden und interpretiert wird, sollte aus meiner Sicht besser das Begriffspaar "Selbstbestimmtes Wille" und "Fremdbestimmter Wille" verwendet werden. Je nachdem wie weit sich jemand selbst um möglichst objektive Erkenntnis bemüht nähert er sich einem selbstbestimmten Willen an. Dies im Sinne von Kant: „Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“
Freiheit als Selbstbestimmtheit umfasst die Aspekte der geistigen Mündigkeit und der leiblich-seelischen Ungezwungenheit, doch beim Thema Willensfreiheit geht es in der Regel gar nicht um den Willen selbst.
"'Willensfreiheit' ist der gebräuchliche Name eines Themas, worüber man am besten ohne Bezugnahme auf den Willen diskutiert. Seine beiden Kernfragen sind 'Was heißt es, frei zu handeln (oder zu wählen/entscheiden)?' und 'Was heißt es, für seine Handlungen (oder Wählungen/Entscheidungen) moralisch verantwortlich zu sein?' Diese beiden Fragen sind eng verknüpft, denn Handlungsfreiheit ist notwendig für moralische Verantwortlichkeit, selbst wenn sie dafür nicht hinreichend ist." [übersetzt von Consul]
("Free Will," by Galen Strawson. In The Shorter Routledge Encyclopedia of Philosophy, edited by Edward Craig, 286-294. London: Routledge, 2005. p. 287)
Rudolf Pirnbacher hat geschrieben : ↑ Do 28. Mai 2026, 21:40
Etwas präziser geht es also nur darum, selbstbestimmte Entscheidungen zu treffen, also möglichst klare Gründe zu haben und Ziele für seine Entscheidungen zu haben. Dass dann gleichzeitig die rein physikalischen Prozesse im Gehirn in einer gewissen Weise determiniert sind, schränkt unsere freie Entscheidungsfähigkeit keineswegs ein, sondern ist sogar eine notwendige Voraussetzung dafür. Wir benötigen in uns also keinen unbewegten Beweger, sondern nur eine aufwändig zu erarbeitende Selbstreflexion, Offenheit und Möglichkeitsvielfalt. Und ich würde noch weitergehen und sagen, dass wir möglichst gut Wahrheit, Vernunft und Realität erkennen sollten. Nun noch einen Punkt zur Verantwortung: auch wenn der Mensch in einer gewissen Weise durch seine Gründe bestimmt ist, so heißt dies keineswegs, dass er nicht zur
Verantwortung gezogen werden kann.
Die ganze Diskussion dreht sich um eine Reihe von Grundauffassungen; und mir ist (noch) nicht klar, welche davon du vertrittst. Ich gehöre zu den Kompatibilisten, wobei ich Strawson recht gebe, dass der kompatibilistische Freiheitsbegriff zumindest mit der Idee
absoluter/ultimativer moralischer Verantwortung unvereinbar ist, weil diese den antideterministisch-libertaristischen Freiheitsbegriff voraussetzt.
"Ich werde einige der gängigen Ansichten zum Thema freier Wille erörtern. Diese lassen sich in vier Grundvarianten einteilen:
1. Die Welt ist deterministisch, und es gibt keinen freien Willen. Aus dieser Sichtweise schließen sich Determinismus und freier Wille aus. Ich vertrete diese Perspektive des „harten Inkompatibilismus“.
2. Die Welt ist deterministisch, und es gibt einen freien Willen. Diese Leute betonen, dass die Welt aus Materie wie Atomen besteht und das Leben, in den eleganten Worten des Psychologen Roy Baumeister (…), „auf der Unveränderlichkeit und Unnachgiebigkeit der Naturgesetze beruht“. Keine Magie oder Zauberei, kein Substanzdualismus, keine Auffassung, nach der Gehirn und Geist getrennte Entitäten sind. Stattdessen wird diese deterministische Welt als mit dem freien Willen vereinbar angesehen. Dies trifft auf etwa 90 Prozent der Philosophen und Rechtswissenschaftler zu, und das Buch wird sich hauptsächlich mit diesen „Kompatibilisten“ auseinandersetzen.
3. Die Welt ist nicht deterministisch; es gibt keinen freien Willen. Das ist eine absonderliche Ansicht, die besagt, dass alles Wichtige in der Welt vom Zufall abhängt, einer vermeintlichen Grundlage des freien Willens.
4. Die Welt ist nicht deterministisch; es gibt einen freien Willen. Diese Leute glauben, wie ich, dass eine deterministische Welt mit freiem Willen unvereinbar ist – doch, kein Problem, ihrer Ansicht nach ist die Welt nicht deterministisch, was Raum für den Glauben an den freien Willen lässt. Diese „libertären Inkompatibilisten“ sind selten, und ich werde ihre Ansichten nur gelegentlich erwähnen." [übersetzt von Google]
(Sapolsky, Robert M. Determined: A Science of Life without Free Will. New York: Penguin, 2023. pp. 10-1)
Fußnote: Die Libertaristen sind gar nicht selten – vielleicht unter den professionellen Philosophen, aber gewiss nicht unter den Menschen insgesamt.
"Es gibt vier verwandte Ansichten zum Verhältnis von freiem Willen und moralischer Verantwortung. Der letzte Begriff ist offensichtlich stark vorbelastet, und in der Debatte um den freien Willen wird er typischerweise mit dem Konzept des grundlegenden Verdienstes [basic desert] verknüpft. Demnach kann jemand eine bestimmte Behandlung verdienen, und die Welt ist moralisch akzeptabel, weil sie anerkennt, dass der eine Mensch eine bestimmte Belohnung, der andere eine bestimmte Strafe verdient. Diese Ansichten lauten:
1. Es gibt keinen freien Willen, und daher ist es falsch, Menschen für ihre Handlungen moralisch verantwortlich zu machen. Das ist meine Position. (Wie in Kapitel 14 erläutert wird, ist dies völlig unabhängig von zukunftsorientierten Fragen der Bestrafung als Abschreckungsmittel.)
2. Es gibt keinen freien Willen, aber es ist in Ordnung, Menschen für ihre Handlungen moralisch verantwortlich zu machen. Dies ist eine andere Form des Kompatibilismus – das Fehlen von freiem Willen und moralische Verantwortung existieren nebeneinander, ohne dass das Übernatürliche herangezogen wird.
3. Es gibt einen freien Willen, und Menschen sollten moralisch verantwortlich gemacht werden. Dies ist wahrscheinlich die gängigste Position da draußen.
4. Es gibt zwar einen freien Willen, aber moralische Verantwortung ist dadurch nicht gerechtfertigt. Das ist eine Minderheitsmeinung; bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass der vermeintliche freie Wille in einem sehr engen Sinne existiert und sicherlich keinesfalls Hinrichtungen rechtfertigt." [übersetzt von Google]
(Sapolsky, Robert M. Determined: A Science of Life without Free Will. New York: Penguin, 2023. pp. 11-2)
"Hinter dem gesamten kompatibilistischen Unterfangen steht die gültige und wichtige Erkenntnis, dass Freiheit aus einer zentralen Perspektive nichts anderes ist als die Fähigkeit, das zu tun, was man will, wählt, beschließt oder für richtig oder am besten hält – unter Gegebenheit des eigenen Charakters, der eigenen Wünsche, Werte, Überzeugungen (moralischer oder anderer Art), Umstände und so weiter. Im Allgemeinen verfügen wir über diese Freiheit. Der Determinismus hat keinerlei Einfluss darauf, und sie hat absolut nichts mit einer vermeintlichen Art von ultimativer Selbstbestimmung zu tun oder mit einer besonderen Macht, zu bestimmen, wie der eigene Charakter, die eigenen Wünsche und so weiter aussehen werden. Es stimmt zwar, dass die Tatsache, dass wir diese Freiheit im Allgemeinen besitzen, keinen Beleg für die Vorstellung liefert, dass wir „wahrlich“ selbstbestimmend sind oder sein können, in der Weise, die für echte Verantwortung nach wie vor notwendig zu sein scheint. Aber wir können in der Tat im kompatibilistischen Sinne selbstbestimmt sein, indem wir durch unser eigenes Handeln und im Lichte unserer notwendigerweise nicht selbstbestimmten Charaktere und Wünsche in sehr beträchtlichem Maße bestimmen können, was mit uns geschieht.
Kompatibilisten, die diesen Punkt betonen, stellen eine gewichtige Frage: „Was könnte man sonst noch annehmen oder nach reiflicher Überlegung verlangen, was Freiheit sein könnte oder sein sollte, außer genau dies?“ Doch die alte Antwort der Inkompatibilisten bleibt bestehen. Diese Darstellung von Freiheit trägt in keiner Weise dazu bei, zu begründen, dass wir für unsere Handlungen wahrlich verantwortlich sind, und schon gar nicht, dass wir für unsere Handlungen im gewöhnlichen, starken, eine Belohnung oder Strafe nach sich ziehenden Sinne wahrlich moralisch verantwortlich sind oder sein können." [übersetzt von DeepL & Consul]
(Strawson, Galen. Freedom and Belief. Rev. ed. Oxford: Oxford University Press, 2010. p. 94)
Rudolf Pirnbacher hat geschrieben : ↑ Do 28. Mai 2026, 21:40
Bei der Thematik freier Wille ist es wesentlich, den Unterschied zwischen Kausalität und Information, Gründe bzw. Zwecke zu erkennen. Criterial Causation liefert den Schlüssel, dass auch Information, die als Abstracta nicht in Raum und Zeit verortet sind, Einfluss auf Abläufe nehmen kann.
Nach meinem Dafürhalten stellt sich aber bei Information nicht die Frage nach Determinismus oder Indeterminismus. Information ist keine raumzeitliche Kategorie und unterliegt als solche nicht der Kausalität. Und Information spielt beim menschlichen Denken die entscheidende Rolle, wobei der Denkprozess ein von unmittelbaren sinnlichen Einflüssen abgeschotteter und in sich geschlossener interner Kommunikationsprozess im Erlebnisformat ist. Somit findet im Kommunikationsprozess keine von außen wirkende Determination statt. Nur die physische Anordnung der Neuronen und ihre Ausprägung ist physikalisch determiniert, doch gerade diese wird für das gute Funktionieren des Denkprozesses benötigt, ähnlich einer Telefonleitung, die möglichst gut und störungsfrei die codierte Sprachübertragung ermöglichen soll. Während allerdings in einer Telefonleitung bereits die codierte Sprache übertragen wird, ist das neuronale Netzwerk mit Teil der Codierung. Information hat keine raumzeitliche Komponente, aber sie kann wahr/richtig oder falsch sein. Wobei in meinem Verständnis der Freie Wille aus der Erkenntnis von wahr/richtig folgt, weil er nicht von außen bestimmt ist, sondern in sich selbst bestimmt ist. Es handelt sich um einen top down Einfluss, der auf Information beruht, und nicht die kausale Geschlossenheit in Frage stellt. Damit wird auch eine Antwort auf die Frage der mentalen Kausalität gegeben.
Ich denke, Information existiert nur in konkreter, energetisch-materieller Form:
No information without physical implementation/realization!
Wenn Informationen abstrakte Entitäten wären, dann könnten sie in der konkreten und insbesondere der mentalen Realität
per definitionem nichts bewirken oder beeinflussen.
Allein die gegenwärtig hohen Lufttemperaturen beweisen, dass meine Denkvorgänge keineswegs von sinnlichen Einflüssen abgeschottet sind. Hitze macht mein Denken zäher. Es gibt im Gehirn keine geschlossene "Denkkammer", in die von außen nichts eindringt.
Du erwähnst oben Peter Tse's Begriff
criterial causation. Ich habe eine Kopie seines Buches
The Neural Basis of Free Will (2013), worin er eine libertäre Auffassung vertritt; aber es ist lange her, dass ich es gelesen habe. Es gibt eine lesenswerte
kritische Besprechung.
Im Glossar des Buches findet sich Folgendes:
"Criterial Causation. Causation that involves a succession of criterial assessments of physically realized informational input that transforms, completes, and manipulates that information.…"
(Tse, Peter Ulric. The Neural Basis of Free Will: Criterial Causation. Cambridge, MA: MIT Press, 2013. p. 292)
Er spricht von
physisch realisierter Information und damit von Information als etwas
Konkretem.
"§7.1 I argue that it is possible to be a physicalist and ontological indeterminist and adhere to a strong conception of free will. A strong free will requires meeting some very high demands. We must have (a) multiple courses of physical or mental behavior open to us; (b) we must really be able to choose among them; (c) we must be or must have been able to have chosen otherwise once we have chosen a course of behavior; and (d) the choice must not be dictated by randomness alone, but by us.
This seems like an impossible bill to fill, since it seems to require that acts of free will involve acts of self-causation. The goal of this chapter is to describe a way to meet these demands, assuming ontological indeterminism and criterial causation among neurons, that does not fall into the logical fallacy of self-causation.
§7.2 Neither (pre)determinism nor randomness, whether conceived within a framework of causation via energy transfer or transformation, offers hope of a truly free will in this strong sense. If determinism is true, we have only one possible course of action at any moment, so we could not have acted otherwise and have no alternatives to choose from. Some, including the Stoics, Hobbes, Hume (1739), or Dennett (1984), have argued that free will is compatible with determinism. Compatibilists typically argue that even though the outcome of any of our acts of choice was predetermined since the beginning of the universe, it was nonetheless a choice made by our nervous system, and so is free, at least in the sense that it was our choice and we were not coerced into our choice by anyone or anything else. Freedom from coercion is a weak conception of free will that fails the strong definition of free will described in §7.1, according to which a choice must have had a real possibility of having turned out otherwise. If the universe were deterministic, strong free will would be ruled out, since things could not have turned out otherwise and the weak compatibilist notion of free will would be the best we could hope for. But since physics provides evidence for ontological indeterminism, a physical basis for a strong free will is in fact possible."
————————————
"§7.1 Ich argumentiere, dass es möglich ist, Physikalist und ontologischer Indeterminist zu sein und gleichzeitig ein starkes Konzept des freien Willens zu vertreten. Ein starker freier Wille erfordert die Erfüllung sehr hoher Anforderungen. Wir müssen (a) mehrere Handlungsoptionen – physisches oder mentales Verhalten – zur Verfügung haben; (b) wir müssen tatsächlich zwischen ihnen wählen können; (c) wir müssen, sobald wir uns für eine Handlungsoption entschieden haben, in der Lage sein oder gewesen sein, anders zu wählen; und (d) die Wahl darf nicht allein dem Zufall, sondern muss von uns selbst diktiert werden.
Dies scheint eine unerfüllbare Bedingung zu sein, da es voraussetzt, dass Akte des freien Willens Akte der Selbstverursachung beinhalten. Ziel dieses Kapitels ist es, einen Weg aufzuzeigen, wie diese Anforderungen erfüllt werden können, unter der Annahme von ontologischem Indeterminismus und kriterieller Kausalität zwischen Neuronen, ohne dabei in den logischen Fehlschluss der Selbstverursachung zu verfallen.
§7.2 Weder (Prä-)Determinismus noch Zufall, ob im Rahmen von Kausalität durch Energietransfer oder -transformation verstanden, bieten Hoffnung auf einen wahrhaft freien Willen in diesem starken Sinne. Wenn der Determinismus zutrifft, haben wir in jedem Augenblick nur eine einzige Handlungsmöglichkeit; wir könnten also nicht anders handeln und hätten keine Alternativen zur Auswahl. Einige, darunter die Stoiker, Hobbes, Hume (1739) und Dennett (1984), argumentierten, dass freier Wille mit dem Determinismus vereinbar sei. Kompatibilisten argumentieren typischerweise, dass, obwohl das Ergebnis jeder unserer Entscheidungen seit Anbeginn des Universums vorbestimmt war, es sich dennoch um eine Entscheidung unseres Nervensystems handelte und sie somit frei ist, zumindest in dem Sinne, dass es unsere eigene Entscheidung war und wir von niemandem oder nichts dazu gezwungen wurden. Die Freiheit von Zwang ist ein schwaches Konzept des freien Willens, das der in §7.1 beschriebenen starken Definition des freien Willens nicht genügt, der zufolge eine Entscheidung die reale Möglichkeit gehabt haben muss, anders auszugehen. Wäre das Universum deterministisch, wäre starker freier Wille ausgeschlossen, da die Dinge nicht anders hätten ausgehen können, und die schwache kompatibilistische Vorstellung von freiem Willen wäre das Beste, was wir erwarten könnten. Da die Physik jedoch Belege für den ontologischen Indeterminismus liefert, ist eine physikalische Grundlage für einen starken freien Willen tatsächlich möglich." [übersetzt von Google]
(Tse, Peter Ulric. The Neural Basis of Free Will: Criterial Causation. Cambridge, MA: MIT Press, 2013. pp. 133-5)
Rudolf Pirnbacher hat geschrieben : ↑ Do 28. Mai 2026, 21:40
Einem festgelegten unabänderlichen Weltenlauf spricht dagegen, dass es den realen Zufall gibt. Ein unabänderlicher Weltenlauf ist keine Position der aktuellen Physik.
Dass es ontologischen Zufall (
ontological randomness) gibt, ist
keine feststehende wissenschaftliche Tatsache, zumal es mit der
Bohmschen Mechanik eine empirisch adäquate
deterministische "Interpretation" der Quantenmechanik gibt.
Rudolf Pirnbacher hat geschrieben : ↑ Do 28. Mai 2026, 21:40
Nichtlineare komplexe dynamische Strukturen sind nicht nur wegen des enormen erforderlichen Rechenbedarfes, sondern vom Prinzip her hinsichtlich ihrer zukünftigen Entwicklung offen und nicht vorhersagbar sind, und dies gilt selbst dann, wenn alle Ausgangsbedingungen vollständig bekannt sind.
Ursächliche
Vorherbestimmtheit im Sinn des globalen Determinismus bedeutet nicht grundsätzliche
Vorhersagbarkeit aller Ereignisse; und chaotische Systeme sind nicht mit indeterministischen Systemen zu verwechseln.
"In addition to exhibiting sensitive dependence, chaotic systems are deterministic and nonlinear and exhibit aperiodic behavior.
…
Although some popularized discussions of chaos claim it invalidates determinism, chaotic behavior is always deterministic. Much of the confusion over chaos and determinism derives from equating determinism with predictability. While it’s true that apparent randomness can be generated if the state space one uses to analyze chaotic behavior is coarse-grained, this produces only an epistemic form of nondeterminism. The underlying equations are still fully deterministic. For a breakdown of determinism in chaotic systems, there must be some kind of indeterminism introduced such that the property of unique evolution is violated."
————————————
"Chaotische Systeme weisen nicht nur eine sensible Abhängigkeit auf, sondern sind auch deterministisch und nichtlinear und zeigen aperiodisches Verhalten.
…
Obwohl in einigen populärwissenschaftlichen Darstellungen behauptet wird, Chaos widerlege den Determinismus, ist chaotisches Verhalten stets deterministisch. Ein Großteil der Verwirrung um Chaos und Determinismus rührt von der Gleichsetzung von Determinismus mit Vorhersagbarkeit her. Zwar lässt sich scheinbare Zufälligkeit erzeugen, wenn der zur Analyse chaotischen Verhaltens verwendete Zustandsraum grobkörnig ist, doch führt dies lediglich zu einer epistemischen Form des Nondeterminismus. Die zugrundeliegenden Gleichungen sind weiterhin vollständig deterministisch. Für einen Zusammenbruch des Determinismus in chaotischen Systemen muss eine Form des Indeterminismus eingeführt werden, die die Eigenschaft der einmalig-einzigartigen Entwicklung verletzt." [übersetzt von Google]
Chaos:
https://plato.stanford.edu/entries/chaos/