Freiheit

Ethische Fragen und ihre rationale Begründbarkeit bewegen das philosophische Denken in einer Zeit, in der die Politik wieder über "Werte" debattiert und vertraute Grundlagen des politischen Handelns zur Disposition stehen.
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Consul
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Do 28. Mai 2026, 20:06

Rudolf Pirnbacher hat geschrieben :
Di 26. Mai 2026, 22:36
Ich vertrete hier den Freiheitsbegriff von Julian Nida-Rümelin, der sich selbst als Libertarier bezeichnet. In seinem Buch „Über menschliche Freiheit“ beschreibt er Freiheit als „die spezifische Fähigkeit des Menschen Gründe abzuwägen und dieser Abwägung entsprechend zu handeln“. Bezeichnend ist auch seine Aussage:
„So ist die Frage ganz unerheblich, ob eine Person von ihrem Charakter her wirklich in der Lage wäre, ganz etwas anderes zu tun als sie tatsächlich tut, um sich als frei zu bezeichnen. Wichtig ist lediglich, dass für diese Person das Abwägen von Gründen eine für ihr Handeln und ihr Urteilen ausschlaggebende Rolle spielt.“
Im Sinne Nida-Rümelins geht es nur darum, dass ein Akteur grundsätzlich mehrere Optionen vorfindet, zu denen er sich entscheiden könnte, wenn er nur wollte. Ob er dies wegen seines Charakters auch tatsächlich tun könnte ist dagegen für Nida-Rümelin unerheblich.
Zur libertären Auffassung der Entscheidungs- und Handlungsfreiheit gehört der Glaube, dass man anders hätte entscheiden oder/und handeln können, als man es getan hat.

Die Frage ist, wie libertäre Entscheidungsfreiheit im Gehirn eines Menschen verwirklicht werden könnte. Dazu müsste es irgendwo im Netzwerk des Zentralnervensystems einen kausal isolierten geistigen "Freiraum" geben, in den nichts von außen hineinwirkt oder hineingewirkt und Spuren hinterlassen hat, und in dem ich in absoluter Freiheit als unbewegter Beweger/unverursachter Verursacher/unbeeinflusster Beeinflusser Abwägungen und Entscheidungen treffen kann, die weder vorbestimmte noch zufällige Geschehnisse sind.
Es ist mir jedoch völlig schleierhaft, wie sich der Glaube an einen derartigen Abwägungs- und Entscheidungsfreiraum mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Struktur und Funktionsweise des menschlichen Gehirns in Einklang bringen lässt.



"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding

Rudolf Pirnbacher
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Bezüglich Zitat:
„Zur libertären Auffassung der Entscheidungs- und Handlungsfreiheit gehört der Glaube, dass man anders hätte entscheiden oder/und handeln können, als man es getan hat.“

Laut meiner Erkenntnis sieht das Nida-Rümelin nicht so. Es genügt ihm, dass das Abwägen von Gründen möglich ist und man derart zu einer Entscheidung findet. Würde man das anders sehen, dann würde das heißen dass man unter den genau identischen Voraussetzungen einmal so und einmal anders handeln würde. Aber dies würde nur eine Zufallsentscheidung sein, und nicht ein Beitrag zur freien Entscheidung sein. Einen freien selbstbestimmten Menschen erkennt man auch durch einen stabilen Charakter. Dadurch wird er in eine gewisse Weise sogar vorhersehbar. Dies ändert aber nichts an der Tatsache dass er seine Entscheidung anhand von Gründen oder bestimmten Prinzipien wählt. Eine Entscheidung, die unter genau identischen Voraussetzungen einmal so und anders getroffen wird, würde eher eine chaotische Entscheidung sein.

Bezüglich: „Die Frage ist, wie libertäre Entscheidungsfreiheit im Gehirn eines Menschen verwirklicht werden könnte. Dazu müsste es irgendwo im Netzwerk des Zentralnervensystems einen kausal isolierten geistigen "Freiraum" geben, in den nichts von außen hineinwirkt oder hineingewirkt und Spuren hinterlassen hat, und in dem ich in absoluter Freiheit als unbewegter Beweger/unverursachter Verursacher/unbeeinflusster Beeinflusser Abwägungen und Entscheidungen treffen kann, die weder vorbestimmte noch zufällige Geschehnisse sind.“

Da der Begriff "Freier Wille" höchst unterschiedlich verstanden und interpretiert wird, sollte aus meiner Sicht besser das Begriffspaar "Selbstbestimmtes Wille" und "Fremdbestimmter Wille" verwendet werden. Je nachdem wie weit sich jemand selbst um möglichst objektive Erkenntnis bemüht nähert er sich einem selbstbestimmten Willen an. Dies im Sinne von Kant: „Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“

Etwas präziser geht es also nur darum, selbstbestimmte Entscheidungen zu treffen, also möglichst klare Gründe zu haben und Ziele für seine Entscheidungen zu haben. Dass dann gleichzeitig die rein physikalischen Prozesse im Gehirn in einer gewissen Weise determiniert sind, schränkt unsere freie Entscheidungsfähigkeit keineswegs ein, sondern ist sogar eine notwendige Voraussetzung dafür. Wir benötigen in uns also keinen unbewegten Beweger, sondern nur eine aufwändig zu erarbeitende Selbstreflexion, Offenheit und Möglichkeitsvielfalt. Und ich würde noch weitergehen und sagen, dass wir möglichst gut Wahrheit, Vernunft und Realität erkennen sollten. Nun noch einen Punkt zur Verantwortung: auch wenn der Mensch in einer gewissen Weise durch seine Gründe bestimmt ist, so heißt dies keineswegs, dass er nicht zur
Verantwortung gezogen werden kann. Es ist aber ein Unterschied, ob ich einen Menschen nur deshalb einsperre, weil er für andere eine Gefahr darstellt, oder ob ich es z.B. aus Hass mache. Jede Strafe sollte nicht Selbstzweck sein, sondern sollte eine pädagogische Maßnahme darstellen.

„Es ist mir jedoch völlig schleierhaft, wie sich der Glaube an einen derartigen Abwägungs- und Entscheidungsfreiraum mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Struktur und Funktionsweise des menschlichen Gehirns in Einklang bringen lässt.“

Bei der Thematik freier Wille ist es wesentlich, den Unterschied zwischen Kausalität und Information, Gründe bzw. Zwecke zu erkennen. Criterial Causation liefert den Schlüssel, dass auch Information, die als Abstracta nicht in Raum und Zeit verortet sind, Einfluss auf Abläufe nehmen kann.
Nach meinem Dafürhalten stellt sich aber bei Information nicht die Frage nach Determinismus oder Indeterminismus. Information ist keine raumzeitliche Kategorie und unterliegt als solche nicht der Kausalität. Und Information spielt beim menschlichen Denken die entscheidende Rolle, wobei der Denkprozess ein von unmittelbaren sinnlichen Einflüssen abgeschotteter und in sich geschlossener interner Kommunikationsprozess im Erlebnisformat ist. Somit findet im Kommunikationsprozess keine von außen wirkende Determination statt. Nur die physische Anordnung der Neuronen und ihre Ausprägung ist physikalisch determiniert, doch gerade diese wird für das gute Funktionieren des Denkprozesses benötigt, ähnlich einer Telefonleitung, die möglichst gut und störungsfrei die codierte Sprachübertragung ermöglichen soll. Während allerdings in einer Telefonleitung bereits die codierte Sprache übertragen wird, ist das neuronale Netzwerk mit Teil der Codierung. Information hat keine raumzeitliche Komponente, aber sie kann wahr/richtig oder falsch sein. Wobei in meinem Verständnis der Freie Wille aus der Erkenntnis von wahr/richtig folgt, weil er nicht von außen bestimmt ist, sondern in sich selbst bestimmt ist. Es handelt sich um einen top down Einfluss, der auf Information beruht, und nicht die kausale Geschlossenheit in Frage stellt. Damit wird auch eine Antwort auf die Frage der mentalen Kausalität gegeben.
Einem festgelegten unabänderlichen Weltenlauf spricht dagegen, dass es den realen Zufall gibt. Ein unabänderlicher Weltenlauf ist keine Position der aktuellen Physik.
Nichtlineare komplexe dynamische Strukturen sind nicht nur wegen des enormen erforderlichen Rechenbedarfes, sondern vom Prinzip her hinsichtlich ihrer zukünftigen Entwicklung offen und nicht vorhersagbar sind, und dies gilt selbst dann, wenn alle Ausgangsbedingungen vollständig bekannt sind.




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Consul
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Do 28. Mai 2026, 21:47

Rudolf Pirnbacher hat geschrieben :
Mi 27. Mai 2026, 08:07
Meine Sichtweise: Zur vollständigen Beantwortung der Frage nach der Eillensfreiheit fehlt allerdings noch die genaue Erläuterung, wie einerseits diese freie Willensentscheidung mittels neuronaler Prozesse zustande kommen kann, und wie andererseits diese freie Willensentscheidung in physisches Handeln umgesetzt werden kann.
Jawohl.
Rudolf Pirnbacher hat geschrieben :
Mi 27. Mai 2026, 08:07
Hier stellt sich ein Kategorienproblem ein, da mentale Vorgänge sich grundsätzlich von materiellen Prozessen unterscheiden.
Das sehen (reduktive) Materialisten wie ich anders.
Rudolf Pirnbacher hat geschrieben :
Mi 27. Mai 2026, 08:07
Es gilt als allgemein anerkannt, dass nichtlineare komplexe dynamische Strukturen nicht nur wegen des enormen erforderlichen Rechenbedarfes, sondern vom Prinzip her hinsichtlich ihrer zukünftigen Entwicklung offen und nicht vorhersagbar sind, und dies gilt selbst dann, wenn alle Ausgangsbedingungen vollständig bekannt sind.
Der Determinismus postuliert die ursächliche (Vorher-)Bestimmtheit aller Ereignisse, aber nicht deren Vorhersagbarkeit.
Rudolf Pirnbacher hat geschrieben :
Mi 27. Mai 2026, 08:07
Es spricht grundsätzlich nichts dagegen, bestimmte neuronale Prozesse als Kommunikationsprozesse im Erlebnisformat zu interpretieren, die während des Reflektierens, oder z. B. während eines Traumes im Schlaf, von externen Sinnesempfindungen entkoppelt sind. Ihr Zweck ist das Konstituieren des Mentalen. Die neuronalen Prozesse fungieren dabei nur als Mittel zum Zweck. Derart verstanden würden derartige neuronale Prozesse nur als „Träger“ für alle mentalen Fähigkeiten dienen, so z.B. auch dem Reflektieren. Ein ähnliches Bespiel wäre eine Telefonleitung, die als „Träger“ zur Übermittlung der Sprache nur Mittel zum Zweck ist. Bei einem solchen Verständnis ist eine kausale
Determination des „Trägers“ keineswegs bedenklich, sondern umgekehrt ein Erfordernis für sein gutes Funktionieren. Der Inhalt des Erlebnisformates wird dabei z. B. beim Reflektieren nicht von einem externen kausalen Einfluss gesteuert, sondern
unterliegt ausschließlich dem internen Kommunikationsfluss. „Konstituieren“ ist ein aus der Mereologie stammender Begriff, der für die aus dem strukturierten Zusammenwirken von Teilen synchron neu erscheinende Eigenschaft einer Ganzheit steht. Die neue Eigenschaft tritt also gleichzeitig mit dem strukturierten Zusammenwirken seiner Teile auf. Das Erscheinen der neuen Eigenschaft erfolgt nicht
kausal oder interaktiv, sondern synchron. Bezüglich der Naturalismusdebatte bedeutet dies, dass mentale Fähigkeiten zwar als neuronal realisiert gedacht werden können, und mit dem Vokabular der Naturwissenschaften z.B. mittels Neuroimagebilder, wenn auch nur sehr vage, beschrieben werden können. Für Erklärungen und zur Vermittlung des Gefühls, „wie sich etwas anfühlt“ würde sich das Vokabular der Naturwissenschaften nur wenig bis gar nicht eignen. Dies sollte auch Nida-Rümelins Definition von Naturalismus entsprechen.
* Das klingt nach ontologischem Emergentismus, wobei ich nicht weiß, was ontische "Emergenz" bedeuten soll, wenn damit keine synchrone "Aufwärtsverursachung" gemeint ist: Eine dynamische strukturelle Eigenschaft eines physischen Systems, die ontologisch reduzibel ist, verursacht das "Auftauchen" und Fortbestehen einer nichtstrukturellen Systemeigenschaft, die ontologisch irreduzibel ist.

Eine solche emergente Eigenschaft ist von ihrer Emergenzbasis existenzial und kausal abhängig—auch im Sinn einer Supervenienz, die es unmöglich macht, dass sich etwas auf der Emergenzebene ändert, ohne dass sich zugleich etwas auf der Ebene der Emergenzbasis ändert.
Damit scheint eine echte Freiheit des Subjekts auf einer psychischen Emergenzebene ausgeschlossen. Denn wenn X auf Y superveniert, dann wird X durch Y determiniert und "fixiert".

Es spricht außerdem wenig für die Nichtepiphänomenalität emergenter psychischer Vorkommnisse, weil völlig unklar ist, wie eine dermaßen abhängige Emergenzebene "abwärtsverursachend" sein, auf ihre eigene Emergenzbasis "hinunterwirken" und somit neurologisch-physiologische Vorgänge in einem Organismus auslösen könnte.

* Manche Philosophen verwenden die Begriffe "Konstitution" und "Komposition" synonym, aber viele oder gar die meisten tun dies nicht. (Das ist ein anderes Thema für sich.)



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Rudolf Pirnbacher
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Do 28. Mai 2026, 22:12

Bezüglich „Es spricht außerdem wenig für die Nichtepiphänomenalität emergenter psychischer Vorkommnisse, weil völlig unklar ist, wie eine dermaßen abhängige Emergenzebene "abwärtsverursachend" sein, auf ihre eigene Emergenzbasis "hinunterwirken" und somit neurologisch-physiologische Vorgänge in einem Organismus auslösen könnte.“

Es ist keine kausale Abwärtsverursachen erforderlich. Zur Beantwortung dieser Frage wird die Position des Physiologen Bernd Lindemann vertreten, die er in seinem Buch „Mechanisms in World and Mind. Perspective Dualism, Systems Theory, Neuroscience, Reductive Physicalism.” ausführlich darstellt. Diese Position bezeichnet er als neuro mentalen Realismus. Bernd Lindemann war Professor für Physiologie an der Medizinischen Fakultät Universität Saarland.

Anbei ein Arbeitspapier dazu:

https://www.researchgate.net/publicatio ... erden_kann




Timberlake
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Do 28. Mai 2026, 22:39

Rudolf Pirnbacher hat geschrieben :
Do 28. Mai 2026, 21:40


Bei der Thematik freier Wille ist es wesentlich, den Unterschied zwischen Kausalität und Information, Gründe bzw. Zwecke zu erkennen.
Das ist wohl wahr.

»Der Mensch handelt immer gut.« – Wir klagen die Natur nicht als unmoralisch an, wenn sie uns ein Donnerwetter schickt und uns naß macht: warum nennen wir den schädigenden Menschen unmoralisch? Weil wir hier einen willkürlich waltenden, freien Willen, dort Notwendigkeit annehmen. Aber diese Unterscheidung ist ein Irrtum. Sodann: selbst das absichtliche Schädigen nennen wir nicht unter allen Umständen unmoralisch; man tötet zum Beispiel eine Mücke unbedenklich mit Absicht, bloß weil uns ihr Singen mißfällt, man straft den Verbrecher absichtlich und tut ihm Leid an, um uns und die Gesellschaft zu schützen. Im ersten Falle ist es das Individuum, welches, um sich zu erhalten oder selbst um sich keine Unlust zu machen, absichtlich Leid tut; im zweiten der Staat. Alle Moral läßt absichtliches Schadentun gelten bei Notwehr: das heißt wenn es sich um die Selbsterhaltung handelt. Aber diese beiden Gesichtspunkte genügen, um alle bösen Handlungen gegen Menschen, von Menschen ausgeübt, zu erklären: man will für sich Lust oder will Unlust abwehren; in irgendeinem Sinne handelt es sich immer um Selbsterhaltung. Sokrates und Plato haben recht: was auch der Mensch tue, er tut immer das Gute, das heißt: das, was ihm gut (nützlich) scheint, je nach dem Grade seines Intellektes, dem jedesmaligen Maße seiner Vernünftigkeit.
Nietzsche ... Menschliches, Allzumenschliches


So wie Informationen, Gründe bzw. Zwecke, die man mit der Moral verknüpft, so wie von Nietzsche hier beschrieben, "kausal" das Gegenteil bewirken können.
Rudolf Pirnbacher hat geschrieben :
Do 28. Mai 2026, 22:12

Anbei ein Arbeitspapier dazu:

https://www.researchgate.net/publicatio ... erden_kann

"SYSTEMTHEORIE: Durch die Begrenztheit des menschlichen Verstehens ist es
hilfreich, komplexe Systeme, insbesondere auch Systeme des Lebendigen, in einen
Stufenbau zu denken. Dazu gibt es unterschiedliche Modelle, z.B. das von Oppenheim:
Teilchen – Atome – Moleküle – Zellen – Organismen – Gesellschaft. Bottom–up ist im
Stufenbau die Richtung vom Kleinen zum Großen, top-down umgekehrt."
Weil vielleicht nicht auf Teilchen – Atome – Moleküle aber ganz sicher auf Zellen – Organismen – Gesellschaft. zutreffend, sei in diesem Zusammenhang insbesondere auf die Selbsterhaltung hingewiesen. Warum sollte das, was als solches auf der Stufe der Zellen inhärent ist, sich nicht auch Bottom–up auf den Stufen darüber zumindest auswirken.



"Nicht allein in denjenigen Erscheinungen, welche seiner eigenen ganz ähnlich sind, in Menschen und Thieren, wird er als ihr Innerstes Wesen jenen nämlichen Willen anerkennen; sondern die fortgesetzte Reflexion wird ihn dahin leiten, auch die Kraft, welche in der Pflanze treibt und vegetirt, ja, die Kraft, durch welche der Krystall anschießt, die, welche den Magnet zum Nordpol wendet, die, deren Schlag ihm aus der Berührung heterogener Metalle entgegenfährt, die, welche in den Wahlverwandtschaften der Stoffe als Fliehn und Suchen, Trennen und Vereinen erscheint, ja, zuletzt sogar die Schwere, welche in aller Materie so gewaltig strebt, den Stein zur Erde und die Erde zur Sonne zieht, – diese Alle nur in der Erscheinung für verschieden, ihrem Innern Wesen nach aber als das Selbe zu erkennen, als jenes ihm unmittelbar so intim und besser als alles Andere Bekannte, was da, wo es am deutlichsten hervortritt, Wille heißt."
Schopenhauer ..Die Welt als Wille und Vorstellung


Übrigens in dem das, was Wille heißt, auch in Teilchen – Atome – Moleküle hervortritt, so gehe ich einmal davon, dass die Selbsterhaltung nach Ansicht von Schopenhauer selbst dort anzutreffen ist. Was, wenn man denn keinen Schnitt zwischen "Teilchen – Atome – Moleküle" und "Zellen – Organismen – Gesellschaft" machen will, eigentlich nur folgerichtig wäre.




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Jörn P Budesheim
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Consul hat geschrieben :
Do 28. Mai 2026, 20:03
Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Di 26. Mai 2026, 09:26
Strawsons Argument enthält einen zentralen unbegründeten Schritt. Es setzt voraus, dass Freiheit und Verantwortung nur dann möglich sind, wenn man sich selbst aus dem Nichts erschaffen hat – causa sui, Ursache seiner selbst. Diese Anforderung wird nicht begründet, sondern einfach eingeführt. Verantwortung wird so definiert, dass kein reales Wesen sie je erfüllen könnte – und das wird dann als Beweis ihrer Unmöglichkeit ausgegeben.
Ohne die Möglichkeit einer vollkommen freien Selbstverursachung oder Selbstbestimmung "aus dem Nichts heraus" gibt es letztendlich keine moralische Verantwortung; und Strawsons Argument zeigt eindrucksvoll, dass es diese Möglichkeit nicht gibt und auch nicht geben kann.
Du wiederholst den unbegründeten Schritt von Strawson (praktisch in jeder Antwort) doch einfach nur, ohne ihn jedoch zu begründen.
Consul hat geschrieben :
Do 28. Mai 2026, 20:03
Nein, es ist vielmehr so, dass die meisten Menschen (Strawson ausgeschlossen) glauben, sie verfügten über eine libertäre Art von Willensfreiheit bzw. Entscheidungs- oder Handlungsfreiheit "im luftleeren Raum", die es ihnen ermöglicht, als Selbstursache (causa sui) wirken zu können ...
Hier widerspricht dir sogar Strawson, er stellt nämlich seinen ultimativen (= inkohärenten) Begriff dem alltäglichen Begriff gegenüber: "Ich möchte das Wort ‚ultimativ‘ vor ‚moralische Verantwortung‘ hervorheben. Denn es gibt eine klare, schwächere, alltägliche Bedeutung von ‚moralisch verantwortlich‘, in der du und ich und Millionen anderer Menschen durchaus moralisch verantwortliche Menschen sind."



Das Thema interessiert dich? Was meinst du dazu? Wir freuen uns auf deine Meinung – melde dich an und diskutiere mit uns.“

Rudolf Pirnbacher
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Timberlake hat geschrieben :
Do 28. Mai 2026, 22:39
Weil vielleicht nicht auf Teilchen – Atome – Moleküle aber ganz sicher auf Zellen – Organismen – Gesellschaft. zutreffend, sei in diesem Zusammenhang insbesondere auf die Selbsterhaltung hingewiesen. Warum sollte das, was als solches auf der Stufe der Zellen inhärent ist, sich nicht auch Bottom–up auf den Stufen darüber zumindest auswirken.
Danke für Ihren interessanten Beitrag!




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Jörn P Budesheim
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Consul hat geschrieben :
Do 28. Mai 2026, 21:47
Jawohl.
Wie begründest du das?



Das Thema interessiert dich? Was meinst du dazu? Wir freuen uns auf deine Meinung – melde dich an und diskutiere mit uns.“

Rudolf Pirnbacher
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Timberlake hat geschrieben :
Do 28. Mai 2026, 22:39
Übrigens in dem das, was Wille heißt, auch in Teilchen – Atome – Moleküle hervortritt, so gehe ich einmal davon, dass die Selbsterhaltung nach Ansicht von Schopenhauer selbst dort anzutreffen ist. Was, wenn man denn keinen Schnitt zwischen "Teilchen – Atome – Moleküle" und "Zellen – Organismen – Gesellschaft" machen will, eigentlich nur folgerichtig wäre.
Es ist die Frage, ob diese Selbsterhaltung bereits in Teilchen - Atome - Moleküle hervortritt. Diese Eigenschaft der Selbsterhaltung erfordert zusätzlich das besonders strukturierte Zusammenwirkung dieser Teilchen.




DrBro87
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Fr 29. Mai 2026, 10:41

Rudolf Pirnbacher hat geschrieben :
Fr 29. Mai 2026, 07:34
Timberlake hat geschrieben :
Do 28. Mai 2026, 22:39
Übrigens in dem das, was Wille heißt, auch in Teilchen – Atome – Moleküle hervortritt, so gehe ich einmal davon, dass die Selbsterhaltung nach Ansicht von Schopenhauer selbst dort anzutreffen ist. Was, wenn man denn keinen Schnitt zwischen "Teilchen – Atome – Moleküle" und "Zellen – Organismen – Gesellschaft" machen will, eigentlich nur folgerichtig wäre.
Es ist die Frage, ob diese Selbsterhaltung bereits in Teilchen - Atome - Moleküle hervortritt. Diese Eigenschaft der Selbsterhaltung erfordert zusätzlich das besonders strukturierte Zusammenwirkung dieser Teilchen.
Für mich ist Selbsterhaltung eine emergente Folge fundamentalerer Prinzipien, die allen Systemen inhärent sind. Ich möchte hier Kohärenz- und Konsistenzprinzipien hervorheben, also die Tendenz von Systemen, sich hin zu einer gewissen Stabilität zu entwickeln.

https://gedankenueberdiewelt.jimdofree. ... onsistenz/

Dabei ist Stabilität wie eine Art Attraktor in einem Feld von Möglichkeiten. Sie ist niemals garantiert und setzt eine fortlaufende Anpassung des Systems an seine Umgebung voraus.




Rudolf Pirnbacher
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DrBro87 hat geschrieben :
Fr 29. Mai 2026, 10:41
Für mich ist Selbsterhaltung eine emergente Folge fundamentalerer Prinzipien, die allen Systemen inhärent sind.

Unter Einbeziehung dieser Wirkmechanismen kann ich dem zustimmen. Kybernetik, Evolutionsbiologie Kognitionswissenschaft, systemtheoretische Modelle bieten Ansätze wie Multikausalität und Rückkopplungseffekte selbsterhaltende Systeme hervorbringt.




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Consul
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Sa 30. Mai 2026, 00:00

Rudolf Pirnbacher hat geschrieben :
Do 28. Mai 2026, 21:40
Consul: „Zur libertären Auffassung der Entscheidungs- und Handlungsfreiheit gehört der Glaube, dass man anders hätte entscheiden oder/und handeln können, als man es getan hat.“

Laut meiner Erkenntnis sieht das Nida-Rümelin nicht so. Es genügt ihm, dass das Abwägen von Gründen möglich ist und man derart zu einer Entscheidung findet. Würde man das anders sehen, dann würde das heißen dass man unter den genau identischen Voraussetzungen einmal so und einmal anders handeln würde. Aber dies würde nur eine Zufallsentscheidung sein, und nicht ein Beitrag zur freien Entscheidung sein. Einen freien selbstbestimmten Menschen erkennt man auch durch einen stabilen Charakter. Dadurch wird er in eine gewisse Weise sogar vorhersehbar. Dies ändert aber nichts an der Tatsache dass er seine Entscheidung anhand von Gründen oder bestimmten Prinzipien wählt. Eine Entscheidung, die unter genau identischen Voraussetzungen einmal so und anders getroffen wird, würde eher eine chaotische Entscheidung sein.
Zur libertären Freiheit gehört, dass ich eine andere Entscheidung auf der Grundlage einer anderen Abwägung von Gründen hätte treffen können, die nicht "chaotisch" gewesen wäre.
Rudolf Pirnbacher hat geschrieben :
Do 28. Mai 2026, 21:40
Da der Begriff "Freier Wille" höchst unterschiedlich verstanden und interpretiert wird, sollte aus meiner Sicht besser das Begriffspaar "Selbstbestimmtes Wille" und "Fremdbestimmter Wille" verwendet werden. Je nachdem wie weit sich jemand selbst um möglichst objektive Erkenntnis bemüht nähert er sich einem selbstbestimmten Willen an. Dies im Sinne von Kant: „Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“
Freiheit als Selbstbestimmtheit umfasst die Aspekte der geistigen Mündigkeit und der leiblich-seelischen Ungezwungenheit, doch beim Thema Willensfreiheit geht es in der Regel gar nicht um den Willen selbst.
"'Willensfreiheit' ist der gebräuchliche Name eines Themas, worüber man am besten ohne Bezugnahme auf den Willen diskutiert. Seine beiden Kernfragen sind 'Was heißt es, frei zu handeln (oder zu wählen/entscheiden)?' und 'Was heißt es, für seine Handlungen (oder Wählungen/Entscheidungen) moralisch verantwortlich zu sein?' Diese beiden Fragen sind eng verknüpft, denn Handlungsfreiheit ist notwendig für moralische Verantwortlichkeit, selbst wenn sie dafür nicht hinreichend ist." [übersetzt von Consul]

("Free Will," by Galen Strawson. In The Shorter Routledge Encyclopedia of Philosophy, edited by Edward Craig, 286-294. London: Routledge, 2005. p. 287)
Rudolf Pirnbacher hat geschrieben :
Do 28. Mai 2026, 21:40

Etwas präziser geht es also nur darum, selbstbestimmte Entscheidungen zu treffen, also möglichst klare Gründe zu haben und Ziele für seine Entscheidungen zu haben. Dass dann gleichzeitig die rein physikalischen Prozesse im Gehirn in einer gewissen Weise determiniert sind, schränkt unsere freie Entscheidungsfähigkeit keineswegs ein, sondern ist sogar eine notwendige Voraussetzung dafür. Wir benötigen in uns also keinen unbewegten Beweger, sondern nur eine aufwändig zu erarbeitende Selbstreflexion, Offenheit und Möglichkeitsvielfalt. Und ich würde noch weitergehen und sagen, dass wir möglichst gut Wahrheit, Vernunft und Realität erkennen sollten. Nun noch einen Punkt zur Verantwortung: auch wenn der Mensch in einer gewissen Weise durch seine Gründe bestimmt ist, so heißt dies keineswegs, dass er nicht zur
Verantwortung gezogen werden kann.
Die ganze Diskussion dreht sich um eine Reihe von Grundauffassungen; und mir ist (noch) nicht klar, welche davon du vertrittst. Ich gehöre zu den Kompatibilisten, wobei ich Strawson recht gebe, dass der kompatibilistische Freiheitsbegriff zumindest mit der Idee absoluter/ultimativer moralischer Verantwortung unvereinbar ist, weil diese den antideterministisch-libertaristischen Freiheitsbegriff voraussetzt.
"Ich werde einige der gängigen Ansichten zum Thema freier Wille erörtern. Diese lassen sich in vier Grundvarianten einteilen:

1. Die Welt ist deterministisch, und es gibt keinen freien Willen. Aus dieser Sichtweise schließen sich Determinismus und freier Wille aus. Ich vertrete diese Perspektive des „harten Inkompatibilismus“.

2. Die Welt ist deterministisch, und es gibt einen freien Willen. Diese Leute betonen, dass die Welt aus Materie wie Atomen besteht und das Leben, in den eleganten Worten des Psychologen Roy Baumeister (…), „auf der Unveränderlichkeit und Unnachgiebigkeit der Naturgesetze beruht“. Keine Magie oder Zauberei, kein Substanzdualismus, keine Auffassung, nach der Gehirn und Geist getrennte Entitäten sind. Stattdessen wird diese deterministische Welt als mit dem freien Willen vereinbar angesehen. Dies trifft auf etwa 90 Prozent der Philosophen und Rechtswissenschaftler zu, und das Buch wird sich hauptsächlich mit diesen „Kompatibilisten“ auseinandersetzen.

3. Die Welt ist nicht deterministisch; es gibt keinen freien Willen. Das ist eine absonderliche Ansicht, die besagt, dass alles Wichtige in der Welt vom Zufall abhängt, einer vermeintlichen Grundlage des freien Willens.

4. Die Welt ist nicht deterministisch; es gibt einen freien Willen. Diese Leute glauben, wie ich, dass eine deterministische Welt mit freiem Willen unvereinbar ist – doch, kein Problem, ihrer Ansicht nach ist die Welt nicht deterministisch, was Raum für den Glauben an den freien Willen lässt. Diese „libertären Inkompatibilisten“ sind selten, und ich werde ihre Ansichten nur gelegentlich erwähnen." [übersetzt von Google]

(Sapolsky, Robert M. Determined: A Science of Life without Free Will. New York: Penguin, 2023. pp. 10-1)
Fußnote: Die Libertaristen sind gar nicht selten – vielleicht unter den professionellen Philosophen, aber gewiss nicht unter den Menschen insgesamt.
"Es gibt vier verwandte Ansichten zum Verhältnis von freiem Willen und moralischer Verantwortung. Der letzte Begriff ist offensichtlich stark vorbelastet, und in der Debatte um den freien Willen wird er typischerweise mit dem Konzept des grundlegenden Verdienstes [basic desert] verknüpft. Demnach kann jemand eine bestimmte Behandlung verdienen, und die Welt ist moralisch akzeptabel, weil sie anerkennt, dass der eine Mensch eine bestimmte Belohnung, der andere eine bestimmte Strafe verdient. Diese Ansichten lauten:

1. Es gibt keinen freien Willen, und daher ist es falsch, Menschen für ihre Handlungen moralisch verantwortlich zu machen. Das ist meine Position. (Wie in Kapitel 14 erläutert wird, ist dies völlig unabhängig von zukunftsorientierten Fragen der Bestrafung als Abschreckungsmittel.)

2. Es gibt keinen freien Willen, aber es ist in Ordnung, Menschen für ihre Handlungen moralisch verantwortlich zu machen. Dies ist eine andere Form des Kompatibilismus – das Fehlen von freiem Willen und moralische Verantwortung existieren nebeneinander, ohne dass das Übernatürliche herangezogen wird.

3. Es gibt einen freien Willen, und Menschen sollten moralisch verantwortlich gemacht werden. Dies ist wahrscheinlich die gängigste Position da draußen.

4. Es gibt zwar einen freien Willen, aber moralische Verantwortung ist dadurch nicht gerechtfertigt. Das ist eine Minderheitsmeinung; bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass der vermeintliche freie Wille in einem sehr engen Sinne existiert und sicherlich keinesfalls Hinrichtungen rechtfertigt." [übersetzt von Google]

(Sapolsky, Robert M. Determined: A Science of Life without Free Will. New York: Penguin, 2023. pp. 11-2)
"Hinter dem gesamten kompatibilistischen Unterfangen steht die gültige und wichtige Erkenntnis, dass Freiheit aus einer zentralen Perspektive nichts anderes ist als die Fähigkeit, das zu tun, was man will, wählt, beschließt oder für richtig oder am besten hält – unter Gegebenheit des eigenen Charakters, der eigenen Wünsche, Werte, Überzeugungen (moralischer oder anderer Art), Umstände und so weiter. Im Allgemeinen verfügen wir über diese Freiheit. Der Determinismus hat keinerlei Einfluss darauf, und sie hat absolut nichts mit einer vermeintlichen Art von ultimativer Selbstbestimmung zu tun oder mit einer besonderen Macht, zu bestimmen, wie der eigene Charakter, die eigenen Wünsche und so weiter aussehen werden. Es stimmt zwar, dass die Tatsache, dass wir diese Freiheit im Allgemeinen besitzen, keinen Beleg für die Vorstellung liefert, dass wir „wahrlich“ selbstbestimmend sind oder sein können, in der Weise, die für echte Verantwortung nach wie vor notwendig zu sein scheint. Aber wir können in der Tat im kompatibilistischen Sinne selbstbestimmt sein, indem wir durch unser eigenes Handeln und im Lichte unserer notwendigerweise nicht selbstbestimmten Charaktere und Wünsche in sehr beträchtlichem Maße bestimmen können, was mit uns geschieht.

Kompatibilisten, die diesen Punkt betonen, stellen eine gewichtige Frage: „Was könnte man sonst noch annehmen oder nach reiflicher Überlegung verlangen, was Freiheit sein könnte oder sein sollte, außer genau dies?“ Doch die alte Antwort der Inkompatibilisten bleibt bestehen. Diese Darstellung von Freiheit trägt in keiner Weise dazu bei, zu begründen, dass wir für unsere Handlungen wahrlich verantwortlich sind, und schon gar nicht, dass wir für unsere Handlungen im gewöhnlichen, starken, eine Belohnung oder Strafe nach sich ziehenden Sinne wahrlich moralisch verantwortlich sind oder sein können." [übersetzt von DeepL & Consul]

(Strawson, Galen. Freedom and Belief. Rev. ed. Oxford: Oxford University Press, 2010. p. 94)
Rudolf Pirnbacher hat geschrieben :
Do 28. Mai 2026, 21:40
Bei der Thematik freier Wille ist es wesentlich, den Unterschied zwischen Kausalität und Information, Gründe bzw. Zwecke zu erkennen. Criterial Causation liefert den Schlüssel, dass auch Information, die als Abstracta nicht in Raum und Zeit verortet sind, Einfluss auf Abläufe nehmen kann.
Nach meinem Dafürhalten stellt sich aber bei Information nicht die Frage nach Determinismus oder Indeterminismus. Information ist keine raumzeitliche Kategorie und unterliegt als solche nicht der Kausalität. Und Information spielt beim menschlichen Denken die entscheidende Rolle, wobei der Denkprozess ein von unmittelbaren sinnlichen Einflüssen abgeschotteter und in sich geschlossener interner Kommunikationsprozess im Erlebnisformat ist. Somit findet im Kommunikationsprozess keine von außen wirkende Determination statt. Nur die physische Anordnung der Neuronen und ihre Ausprägung ist physikalisch determiniert, doch gerade diese wird für das gute Funktionieren des Denkprozesses benötigt, ähnlich einer Telefonleitung, die möglichst gut und störungsfrei die codierte Sprachübertragung ermöglichen soll. Während allerdings in einer Telefonleitung bereits die codierte Sprache übertragen wird, ist das neuronale Netzwerk mit Teil der Codierung. Information hat keine raumzeitliche Komponente, aber sie kann wahr/richtig oder falsch sein. Wobei in meinem Verständnis der Freie Wille aus der Erkenntnis von wahr/richtig folgt, weil er nicht von außen bestimmt ist, sondern in sich selbst bestimmt ist. Es handelt sich um einen top down Einfluss, der auf Information beruht, und nicht die kausale Geschlossenheit in Frage stellt. Damit wird auch eine Antwort auf die Frage der mentalen Kausalität gegeben.
Ich denke, Information existiert nur in konkreter, energetisch-materieller Form: No information without physical implementation/realization!
Wenn Informationen abstrakte Entitäten wären, dann könnten sie in der konkreten und insbesondere der mentalen Realität per definitionem nichts bewirken oder beeinflussen.

Allein die gegenwärtig hohen Lufttemperaturen beweisen, dass meine Denkvorgänge keineswegs von sinnlichen Einflüssen abgeschottet sind. Hitze macht mein Denken zäher. Es gibt im Gehirn keine geschlossene "Denkkammer", in die von außen nichts eindringt.

Du erwähnst oben Peter Tse's Begriff criterial causation. Ich habe eine Kopie seines Buches The Neural Basis of Free Will (2013), worin er eine libertäre Auffassung vertritt; aber es ist lange her, dass ich es gelesen habe. Es gibt eine lesenswerte kritische Besprechung.

Im Glossar des Buches findet sich Folgendes:
"Criterial Causation. Causation that involves a succession of criterial assessments of physically realized informational input that transforms, completes, and manipulates that information.…"

(Tse, Peter Ulric. The Neural Basis of Free Will: Criterial Causation. Cambridge, MA: MIT Press, 2013. p. 292)
Er spricht von physisch realisierter Information und damit von Information als etwas Konkretem.
"§7.1 I argue that it is possible to be a physicalist and ontological indeterminist and adhere to a strong conception of free will. A strong free will requires meeting some very high demands. We must have (a) multiple courses of physical or mental behavior open to us; (b) we must really be able to choose among them; (c) we must be or must have been able to have chosen otherwise once we have chosen a course of behavior; and (d) the choice must not be dictated by randomness alone, but by us.
This seems like an impossible bill to fill, since it seems to require that acts of free will involve acts of self-causation. The goal of this chapter is to describe a way to meet these demands, assuming ontological indeterminism and criterial causation among neurons, that does not fall into the logical fallacy of self-causation.

§7.2 Neither (pre)determinism nor randomness, whether conceived within a framework of causation via energy transfer or transformation, offers hope of a truly free will in this strong sense. If determinism is true, we have only one possible course of action at any moment, so we could not have acted otherwise and have no alternatives to choose from. Some, including the Stoics, Hobbes, Hume (1739), or Dennett (1984), have argued that free will is compatible with determinism. Compatibilists typically argue that even though the outcome of any of our acts of choice was predetermined since the beginning of the universe, it was nonetheless a choice made by our nervous system, and so is free, at least in the sense that it was our choice and we were not coerced into our choice by anyone or anything else. Freedom from coercion is a weak conception of free will that fails the strong definition of free will described in §7.1, according to which a choice must have had a real possibility of having turned out otherwise. If the universe were deterministic, strong free will would be ruled out, since things could not have turned out otherwise and the weak compatibilist notion of free will would be the best we could hope for. But since physics provides evidence for ontological indeterminism, a physical basis for a strong free will is in fact possible."
————————————
"§7.1 Ich argumentiere, dass es möglich ist, Physikalist und ontologischer Indeterminist zu sein und gleichzeitig ein starkes Konzept des freien Willens zu vertreten. Ein starker freier Wille erfordert die Erfüllung sehr hoher Anforderungen. Wir müssen (a) mehrere Handlungsoptionen – physisches oder mentales Verhalten – zur Verfügung haben; (b) wir müssen tatsächlich zwischen ihnen wählen können; (c) wir müssen, sobald wir uns für eine Handlungsoption entschieden haben, in der Lage sein oder gewesen sein, anders zu wählen; und (d) die Wahl darf nicht allein dem Zufall, sondern muss von uns selbst diktiert werden.
Dies scheint eine unerfüllbare Bedingung zu sein, da es voraussetzt, dass Akte des freien Willens Akte der Selbstverursachung beinhalten. Ziel dieses Kapitels ist es, einen Weg aufzuzeigen, wie diese Anforderungen erfüllt werden können, unter der Annahme von ontologischem Indeterminismus und kriterieller Kausalität zwischen Neuronen, ohne dabei in den logischen Fehlschluss der Selbstverursachung zu verfallen.

§7.2 Weder (Prä-)Determinismus noch Zufall, ob im Rahmen von Kausalität durch Energietransfer oder -transformation verstanden, bieten Hoffnung auf einen wahrhaft freien Willen in diesem starken Sinne. Wenn der Determinismus zutrifft, haben wir in jedem Augenblick nur eine einzige Handlungsmöglichkeit; wir könnten also nicht anders handeln und hätten keine Alternativen zur Auswahl. Einige, darunter die Stoiker, Hobbes, Hume (1739) und Dennett (1984), argumentierten, dass freier Wille mit dem Determinismus vereinbar sei. Kompatibilisten argumentieren typischerweise, dass, obwohl das Ergebnis jeder unserer Entscheidungen seit Anbeginn des Universums vorbestimmt war, es sich dennoch um eine Entscheidung unseres Nervensystems handelte und sie somit frei ist, zumindest in dem Sinne, dass es unsere eigene Entscheidung war und wir von niemandem oder nichts dazu gezwungen wurden. Die Freiheit von Zwang ist ein schwaches Konzept des freien Willens, das der in §7.1 beschriebenen starken Definition des freien Willens nicht genügt, der zufolge eine Entscheidung die reale Möglichkeit gehabt haben muss, anders auszugehen. Wäre das Universum deterministisch, wäre starker freier Wille ausgeschlossen, da die Dinge nicht anders hätten ausgehen können, und die schwache kompatibilistische Vorstellung von freiem Willen wäre das Beste, was wir erwarten könnten. Da die Physik jedoch Belege für den ontologischen Indeterminismus liefert, ist eine physikalische Grundlage für einen starken freien Willen tatsächlich möglich." [übersetzt von Google]

(Tse, Peter Ulric. The Neural Basis of Free Will: Criterial Causation. Cambridge, MA: MIT Press, 2013. pp. 133-5)
Rudolf Pirnbacher hat geschrieben :
Do 28. Mai 2026, 21:40
Einem festgelegten unabänderlichen Weltenlauf spricht dagegen, dass es den realen Zufall gibt. Ein unabänderlicher Weltenlauf ist keine Position der aktuellen Physik.
Dass es ontologischen Zufall (ontological randomness) gibt, ist keine feststehende wissenschaftliche Tatsache, zumal es mit der Bohmschen Mechanik eine empirisch adäquate deterministische "Interpretation" der Quantenmechanik gibt.
Rudolf Pirnbacher hat geschrieben :
Do 28. Mai 2026, 21:40
Nichtlineare komplexe dynamische Strukturen sind nicht nur wegen des enormen erforderlichen Rechenbedarfes, sondern vom Prinzip her hinsichtlich ihrer zukünftigen Entwicklung offen und nicht vorhersagbar sind, und dies gilt selbst dann, wenn alle Ausgangsbedingungen vollständig bekannt sind.
Ursächliche Vorherbestimmtheit im Sinn des globalen Determinismus bedeutet nicht grundsätzliche Vorhersagbarkeit aller Ereignisse; und chaotische Systeme sind nicht mit indeterministischen Systemen zu verwechseln.
"In addition to exhibiting sensitive dependence, chaotic systems are deterministic and nonlinear and exhibit aperiodic behavior.

Although some popularized discussions of chaos claim it invalidates determinism, chaotic behavior is always deterministic. Much of the confusion over chaos and determinism derives from equating determinism with predictability. While it’s true that apparent randomness can be generated if the state space one uses to analyze chaotic behavior is coarse-grained, this produces only an epistemic form of nondeterminism. The underlying equations are still fully deterministic. For a breakdown of determinism in chaotic systems, there must be some kind of indeterminism introduced such that the property of unique evolution is violated."
————————————
"Chaotische Systeme weisen nicht nur eine sensible Abhängigkeit auf, sondern sind auch deterministisch und nichtlinear und zeigen aperiodisches Verhalten.

Obwohl in einigen populärwissenschaftlichen Darstellungen behauptet wird, Chaos widerlege den Determinismus, ist chaotisches Verhalten stets deterministisch. Ein Großteil der Verwirrung um Chaos und Determinismus rührt von der Gleichsetzung von Determinismus mit Vorhersagbarkeit her. Zwar lässt sich scheinbare Zufälligkeit erzeugen, wenn der zur Analyse chaotischen Verhaltens verwendete Zustandsraum grobkörnig ist, doch führt dies lediglich zu einer epistemischen Form des Nondeterminismus. Die zugrundeliegenden Gleichungen sind weiterhin vollständig deterministisch. Für einen Zusammenbruch des Determinismus in chaotischen Systemen muss eine Form des Indeterminismus eingeführt werden, die die Eigenschaft der einmalig-einzigartigen Entwicklung verletzt." [übersetzt von Google]

Chaos: https://plato.stanford.edu/entries/chaos/



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Consul
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Sa 30. Mai 2026, 00:19

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Fr 29. Mai 2026, 07:31
Consul hat geschrieben :
Do 28. Mai 2026, 21:47
Jawohl.
Wie begründest du das?
Jemand, der sowohl Libertarist als auch Naturalist ist, steht vor der Aufgabe zu erklären, wie "diese freie Willensentscheidung mittels neuronaler Prozesse zustande kommen kann, und wie andererseits diese freie Willensentscheidung in physisches Handeln umgesetzt werden kann." (Rudolf)
Ein Libertarist, der ein Supranaturalist ist und Willensentscheidungen in einer immateriellen Seele verortet, hat freilich keine diesbezügliche neurologische Erklärung anzubieten.



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Jörn P Budesheim
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Sa 30. Mai 2026, 08:23

  • Consul: Der Determinismus postuliert die ursächliche (Vorher-)Bestimmtheit aller Ereignisse, aber nicht deren Vorhersagbarkeit.
Das ist zwar die gängigste Ansicht. Sie ist aber keineswegs zwingend — sie setzt bereits einen physikalistisch verengten Determinismusbegriff voraus. Stattdessen sollten wir einen Determinismus in Anschlag bringen, der unter anderem so etwas wie Gründe enthält. Wer mit Gründen dagegen argumentieren möchte, dass es Gründe gibt, begibt sich sofort in einen performativen Selbstwiderspruch.



Das Thema interessiert dich? Was meinst du dazu? Wir freuen uns auf deine Meinung – melde dich an und diskutiere mit uns.“

Rudolf Pirnbacher
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Sa 30. Mai 2026, 11:45

Bezüglich Consul, vorab herzlichen Dank für das umfangreiche Feedback und den interessanten Literatur hinweisen!

Fürs erste möchte ich nur mal auf etwas hinweisen, das mir für das gesamte Thema wichtig ist:
Consul hat geschrieben :
Do 28. Mai 2026, 21:47
Der Determinismus postuliert die ursächliche (Vorher-)Bestimmtheit aller Ereignisse, aber nicht deren Vorhersagbarkeit.
Consul hat geschrieben :
Sa 30. Mai 2026, 00:00
Dass es ontologischen Zufall (ontological randomness) gibt, ist keine feststehende wissenschaftliche Tatsache, zumal es mit der ‪Bohmschen Mechanik‬ eine empirisch adäquate deterministische "Interpretation" der Quantenmechanik gibt.
Wenn ich daraus schließen kann, dass du daher die ursächliche Vorherbestimmtheit aller Ereignisse annimmst, dürftest du auch die Position des Laplacesche Dämon unterstützen, nachdem der Weltenlauf völlig eindeutig vorherbestimmt ist. Weiters:
Consul hat geschrieben :
Do 28. Mai 2026, 21:47
Das sehen (reduktive) Materialisten wie ich anders.
Also siehst du dich selbst als reduktiven Materialist.

Weiters bezeichnest du dich als Kompatibilist, so wie ich mich, also gilt: Die Welt ist deterministisch, und es gibt einen freien Willen. Weiter entnehme ich aus früheren Posts, dass du zwar nicht eine Willensfreiheit, dafür aber eine Handlungsfreiheit befürwortest.

Meine Frage an dich lautet nun, welche Aussage für dich gilt.

1. Könnte ein Akteur sich unter genau identischen Vorbedingungen zu einem bestimmten Zeitpunkt auch anders entscheiden, als er sich entschieden hat?
2. Könnte ein Akteur zu einem bestimmten Zeitpunkt sich für eine andere Option entscheiden wenn er nur wollte?
3. Kann ein Akteur durch umfangreiche Reflexion über längere Zeit hinweg auch seinen Willen ändern ohne dass diese Willensänderung durch den Laplacesche Dämon für alle Zukunft fix vorbestimmt ist?

Zur Information, für mich gilt: 1. nein, für 2. und 3. ja

Weiters stellt sich dann die Frage, wenn du den kompletten Weltenlauf als in alle Zukunft fix vorbestimmt verstehst, wie bewertest du dann die menschliche Reflexion, also den internen Gedankenfluss, der sich tagelang mit einer Thematik beschäftigen kann und der sich mit Zweck, Sinn und Gründen auseinandersetzen kann?




Timberlake
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Sa 30. Mai 2026, 14:06

Rudolf Pirnbacher hat geschrieben :
Sa 30. Mai 2026, 11:45

Meine Frage an dich lautet nun, welche Aussage für dich gilt.

1. Könnte ein Akteur sich unter genau identischen Vorbedingungen zu einem bestimmten Zeitpunkt auch anders entscheiden, als er sich entschieden hat?
2. Könnte ein Akteur zu einem bestimmten Zeitpunkt sich für eine andere Option entscheiden wenn er nur wollte?
3. Kann ein Akteur durch umfangreiche Reflexion über längere Zeit hinweg auch seinen Willen ändern ohne dass diese Willensänderung durch den Laplacesche Dämon für alle Zukunft fix vorbestimmt ist?

Zur Information, für mich gilt: 1. nein, für 2. und 3. ja



Danke für die Fragen. Führt uns doch insbesondere die Frage1, meiner Meinung nach, buchstäblich an dem Zeitpunkt zurück, ab dem so was wie Freiheit überhaupt erst ermöglicht wurde, und zwar, in dem dadurch bekanntlich Zeit und Raum geschaffen wurde, zum Urknall. Wie sollte ein sich auch ein Akteur zu einem bestimmten Zeitpunkt für eine andere Option entscheiden können (Frage2) , wenn Zeit gar nicht existiert?

"Wir müssen also den gegenwärtigen Zustand des Universums als Folge eines früheren Zustandes ansehen und als Ursache des Zustandes, der danach kommt. Eine Intelligenz, die in einem gegebenen Augenblick alle Kräfte kennt, mit denen die Welt begabt ist, und die gegenwärtige Lage der Gebilde, die sie zusammensetzen, und die überdies umfassend genug wäre, diese Kenntnisse der Analyse zu unterwerfen, würde in der gleichen Formel die Bewegungen der größten Himmelskörper und die des leichtesten Atoms einbegreifen. Nichts wäre für sie ungewiss, Zukunft und Vergangenheit lägen klar vor ihren Augen." 
Laplace


Von daher, also das Zeit und Raum und damit die Möglichkeit sich überhaupt erst frei entscheiden zu können, würde ich diesen gegebenen Augenblick, in dem eine Intelligenz alle diese Kräfte kennt, an diesem Urknall festmachen wollen.
spektrum.de hat geschrieben :
Metzler Lexikon Philosophie

Beweger, unbewegter

In seiner Metaphysik behauptet Aristoteles die Notwendigkeit eines ersten, selbst unbewegten Bewegenden. Alles Seiende ist in der auf ein Ziel hin gerichteten Bewegung von Möglichem zu Wirklichem begriffen. Auch die als ewig betrachtete Bewegung des Seienden in seiner Gesamtheit muss ein solches Ziel haben. Dieses erste als Zielursache Bewegende darf nicht selbst ein Bewegtes sein, da es sonst wieder eine Zielursache außerhalb seiner hätte (ohne Selbstbewegung bewegt es anderes so wie das Begehrte das Begehrende). Mit dieser Argumentation zeigt Aristoteles die Annahme eines Gottes im Sinne eines u.n B.s als denknotwendig auf. Diesem Gott kommen die Eigenschaften der reinen Aktualität (er hat nichts unverwirklichtes Mögliches außer sich) und der reinen Form zu. Aristoteles Gedankengang findet sich bei Thomas von Aquin in den Gottesbeweisen wieder.


Eine Intelligenz, die selbst allerdings unbewegt gewesen sein muss, um dazu auf das zurückzukommen, was Aristoteles in seiner Metaphysik behauptet hat. In dem dieser Intelligenz, wie es im o.g. Zitat heißt, die Eigenschaften der reinen Aktualität ( sie hat nichts unverwirklichtes Mögliches außer sich) und der reinen Form zukommt, gilt für mich :

"1,2 und 3 nein"

Will sagen, alles wäre demnach seit dem Urknall vorherbestimmt. Auch der Beitrag, der auf diesen Beitrag folgt. Im Gegensatz zu dieser Intelligenz, ( die nichts unverwirklichtes Mögliches außer sich hat) kenne ich ( der unverwirklichtes Mögliches außer sich hat) ihn lediglich nicht.

Fazit
So wie diesem unbewegten Beweger , mit seiner Unfreiheit unter unverwirklichtes Mögliches aus wählen zu können, die Eigenschaften der reinen Aktualität, in der reinen Form zukommt, so kommt uns , als "bewegter Beweger", mit der Freiheit unverwirklichtes Mögliches aus wählen zu können, , diese reine Aktualität in der "unreinen" Form und demzu folge als reines Hirngespinst zu.
Zuletzt geändert von Timberlake am Sa 30. Mai 2026, 15:06, insgesamt 4-mal geändert.




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Jörn P Budesheim
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Sa 30. Mai 2026, 14:44

  • Rudolf Pirnbacher:
    1. Könnte ein Akteur sich unter genau identischen Vorbedingungen zu einem bestimmten Zeitpunkt auch anders entscheiden, als er sich entschieden hat?
    2. Könnte ein Akteur zu einem bestimmten Zeitpunkt sich für eine andere Option entscheiden wenn er nur wollte?
    3. Kann ein Akteur durch umfangreiche Reflexion über längere Zeit hinweg auch seinen Willen ändern ohne dass diese Willensänderung durch den Laplacesche Dämon für alle Zukunft fix vorbestimmt ist?
Worauf zielen diese Fragen?

Angenommen ich entscheide mich zu T1 für X, weil gute Gründe für X sprechen. Wenn ich mich unter genau identischen Vorbedingungen an T2 wiederfinde, dann sprechen definitionsgemäß dieselben guten Gründe immer noch für X. Warum also sollte ich mich dann anders entscheiden?



Das Thema interessiert dich? Was meinst du dazu? Wir freuen uns auf deine Meinung – melde dich an und diskutiere mit uns.“

Timberlake
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Sa 30. Mai 2026, 14:54

Gute Frage!

Darauf, und zwar, worauf meiner Meinung nach diese Frage abzielt ...
Timberlake hat geschrieben :
Sa 30. Mai 2026, 14:06



Danke für die Fragen. Führt uns doch insbesondere die Frage1, meiner Meinung nach, buchstäblich an dem Zeitpunkt zurück, ab dem so was wie Freiheit überhaupt erst ermöglicht wurde, und zwar, in dem dadurch bekanntlich Zeit und Raum geschaffen wurde, zum Urknall.


... dem Primat der Frage1, wollte ich übrigens in einem meiner nächsten Beiträge hinweisen. Allerdings, weil m.E. demzufolge nur folgerichtig, unter Bezugnahme auf ..
Timberlake hat geschrieben :
Sa 30. Mai 2026, 14:06

....

Will sagen, alles wäre demnach seit dem Urknall vorherbestimmt. Auch der Beitrag, der auf diesen Beitrag folgt. Im Gegensatz zu dieser Intelligenz, ( die nichts unverwirklichtes Mögliches außer sich hat) kenne ich ( der unverwirklichtes Mögliches außer sich hat) ihn lediglich nicht.

Fazit
So wie diesem unbewegten Beweger, mit seiner Unfreiheit unter unverwirklichtes Mögliches aus wählen zu können, die Eigenschaften der reinen Aktualität, in der reinen Form zukommt, so kommt uns , als "bewegter Beweger", mit der Freiheit unverwirklichtes Mögliches aus wählen zu können, , diese reine Aktualität in der "unreinen" Form und demzu folge als reines Hirngespinst zu.
Übrigens
Weil, wie beim Laplacesche Dämon, auch bei ihm von einem Dämondie Rede ist, sei mal von mir schon mal vorab, im Zusammenhang mit diesem Fazit, auf Nietzsches "Ewige Wiederkunft” hingewiesen. Vielleicht kommt jemand anderes ja von daher von selbst darauf, worin ein Zusammenhang besteht.




Rudolf Pirnbacher
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Sa 30. Mai 2026, 15:48

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Sa 30. Mai 2026, 14:44
  • Rudolf Pirnbacher:
    1. Könnte ein Akteur sich unter genau identischen Vorbedingungen zu einem bestimmten Zeitpunkt auch anders entscheiden, als er sich entschieden hat?
    2. Könnte ein Akteur zu einem bestimmten Zeitpunkt sich für eine andere Option entscheiden wenn er nur wollte?
    3. Kann ein Akteur durch umfangreiche Reflexion über längere Zeit hinweg auch seinen Willen ändern ohne dass diese Willensänderung durch den Laplacesche Dämon für alle Zukunft fix vorbestimmt ist?
Worauf zielen diese Fragen?

Angenommen ich entscheide mich zu T1 für X, weil gute Gründe für X sprechen. Wenn ich mich unter genau identischen Vorbedingungen an T2 wiederfinde, dann sprechen definitionsgemäß dieselben guten Gründe immer noch für X. Warum also sollte ich mich dann anders entscheiden?
Die Fragen zählt darauf ab:
1 nein, mit deinem Argument
2 ja, hätte ich zu dem Moment was anderes gewollt, so hätte ich es auch getan.
3 ja, weil es
a stand der Teilchenphysik ist, dass es den realen Zufall gibt (radioaktiver Zerfall)
b nichtlineare komplexe dynamische Strukturen vom Prinzip her hinsichtlich ihrer zukünftigen Entwicklung offen und nicht vorherbestimmt sein können.
c weil der neurologische Prozess des Reflektierens im Wesentlichen ein von außen abgeschotteter Kommunikationsprozess im Erlebnisformat ist, der in einer unglaublich hohen Anzahl von Zyklen abläuft, wobei jeder Zyklus nur vom vorigen Zyklus abhängt, und somit eine von außen unabhängige Dynamik entwickelt. Die Dynamik folgt im Kommunikationsprozess Sinn- und Zweckzusammenhängen. Die neuronalen Ströme beinhalten somit codierte Informationen, die sich auf Sinn und Zweck beziehen.




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Jörn P Budesheim
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Sa 30. Mai 2026, 16:59

Ich finde die Frage, ob meine Entscheidungen "vorherbestimmt" sind und ebenso die Frage, ob sie "vorhersehbar" sind, bedeutungslos. Das ergibt sich meines Erachtens automatisch, wenn man den Kompatiblismus vertritt.



Das Thema interessiert dich? Was meinst du dazu? Wir freuen uns auf deine Meinung – melde dich an und diskutiere mit uns.“

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