Freiheit

Ethische Fragen und ihre rationale Begründbarkeit bewegen das philosophische Denken in einer Zeit, in der die Politik wieder über "Werte" debattiert und vertraute Grundlagen des politischen Handelns zur Disposition stehen.
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Consul
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Fr 5. Jun 2026, 00:41

Franziska Brantner, die Bundesvorsitzende der Grünen, hat Ende Mai eine Rede mit dem Titel "Frei sind wir nur als wir" gehalten. Rechtspopulistische Medien wie NIUS und APOLLO haben sich sofort daran festgebissen und unterstellen Brantner in demagogisch-perverser Weise, sie hätte ein Plädoyer für einen antiliberalen kommunistischen (oder gar nazistischen) Kollektivismus gehalten – was völlig aberwitzig ist.

Ein NIUS-Video mit Julian Reichelt ist hetzerisch betitelt "Grünen-Chefin predigt Gleichschaltung – 'Der grüne Kollektivismus endet im Gulag'". Es ist unglaublich, dass sich der immer widerwärtiger werdende Reichelt nicht entblödet, Brantner als Stalinistin mit Gulagfantasien hinzustellen. Tja, wenn es ums Lügen geht, kennen Demagogen keine Scham und kein Gewissen.
"…denn was Franziska Brandner dort sagt, ist einfach mindestens der Sozialismus eigentlich schon in der Auflösung des Individuums der Weg in den Kommunismus und Stalinismus. Das ist noch mal eine viel radikalere Form, die Franziska Brandner predigt." (J. Reichelt)

"Franziska Bandner ahnt gar nicht, wie sehr sie in geistiger Tradition der dunkelsten deutschen Stunden steht mit diesem Wahnsinn, den sie da erzählt." (J. Reichelt)

"Freiheit gibt es nur im Wir, das ist die Totalauflösung, die Totalabsorption des Individuums. Das ist der Gedanke der Gleichschaltung. Die Freiheit gibt es nur im Wir ist der Gedanke, dass der Kern von Gleichschaltung, den Franziska Brandner geprächt, das Schlimme ist, dass wir inzwischen ein Milieur herangezüchtet haben, was das für die neue Bürgerlichkeit hält." (J. Reichelt)

"Was für eine Schande für eine Partei im deutschen Bundestag. Äh was Sie hier verkündet, ist der der Kerngedanke und der Kernmechanismus der Gleichschaltung. Wo immer ihr sitzt im Verein oder vor dem Bildschirm, was ihr eigentlich frei entscheiden könnt, ihr müsst aufgehen. Ihr müsst aufgehen in der Lehre der Partei. Das ist die Gleichschaltung. Ist eine Gleichschaltungsrede von Franziska Brandner." (J. Reichelt)
Es gibt auch ein APOLLO-Video mit dem Titel "Grünen-Chefin gibt zu: Echte Freiheit soll beendet werden", in dem Larissa Fußer u.a. Folgendes behauptet:
"'Frei sind wir nur im Wir' heißt aus dem Mund eines Politikers nichts anderes als allein interessierst du uns als Bürger nicht. Individualismus ist für Politiker allen voran für die Grünen ein Schimpfwort geworden. Sie sehen kein Wert darin, eine Politik zu machen, die möglichst vielen Bürgern eine freie Entfaltung nach ihren eigenen Vorstellungen ermöglicht. Denn diese Politiker sind überzeugt davon, es immer besser zu wissen als der Einzelne. Sie erzwingen ein Wir, das nicht gibt und wundern sich dann, wenn keiner sie mehr wählen will." (L. Fußer)
Es gibt auch einen absurden Kommentar von Klaus-Rüdiger Mai bei TYCHIS EINBLICK:
"Brantners Bekenntnis zum Totalitarismus: "Frei sind wir nur als Wir" – ein Satz, der das totalitäre und kollektivistische Denken der Grünen auf den Punkt bringt. Brantners Ausspruch ist kein Ausrutscher, sondern Programm. Franziska Brantner hat auf dem „Forum für Zukunft“ erneut der totalitären Ideologie des Kollektivismus der Grünen gehuldigt. Stalin, Mao und Ulbricht hätten es nicht schöner, nicht bündiger als Dogma formulieren können[.]"
Wie hirnverbrannt: Brantner als angebliche ideologische Erbin von Stalin, Mao und Ulbricht…
(Im selben Artikel spricht Mai übrigens von "Klimatotalitarismus" und "Merkels Pandemie-Diktatur".)

Reichelt & Fußer & Mai ignorieren ganz bewusst die Bedeutung des Satzes "Frei sind wir nur als wir" im Zusammenhang von Brantners Rede. Was steht darin? Unter anderem Folgendes:
"…Aber zur Ehrlichkeit gehört auch, dass wir – auf der anderen Seite – Freiheit auch verknappt haben. Auf individuelle Lebensverwirklichung, auf Identität, Sprache, auf Selbstverwirklichung. Das verteidige ich von ganzem Herzen. Aber es reicht nicht.

Freiheit ohne Gleichheit verkümmert. Von beiden Seiten verkürzt, trägt sie nicht mehr. Dass Freiheit nur verwirklicht ist, wenn sie nicht auf der Unfreiheit und Ungleichheit anderer beruht, hat uns Grüne immer angetrieben." (F. Brantner, S. 3-4)

"Zugehörigkeit entsteht nicht durch Worte allein. Sie entsteht in Räumen. Zwischen Menschen. In dem, was zwischen Individuum und Staat liegt. Wir haben uns auf das Individuum berufen und auf seine Möglichkeiten zur Entfaltung. Das war richtig. Aber es war nicht genug. Eine Gesellschaft, in der es nur noch das Individuum gibt und den Staat – dazwischen nichts – ist keine schöne Vorstellung. Sie ist eine einsame Gesellschaft. Und Einsamkeit ist das Gegenteil von Freiheit." (F. Brantner, S. 6)

"Ich glaube, dass wir ein Bild von Freiheit übernommen haben, das vor allem aus Amerika kam: Freiheit als das, was ich habe, wenn man mich in Ruhe lässt. Freiheit als Privatbesitz. Freiheit als Abwesenheit der anderen. Aber das war nie die europäische Idee! Die europäische Tradition hat Freiheit immer als Praxis gedacht. Hannah Arendt hat es so gesagt: Frei sein ist eine Tätigkeit. Sie existiert nur, solange sie ausgeübt wird.

Freiheit ist nicht, was man hat. Freiheit ist, was man tut.

Freiheit entsteht im Raum zwischen den Menschen. Dort, wo sie gemeinsam handeln. Stattdessen sitzen wir allein vor unseren Bildschirmen und nennen das: Freiheit. Aber es ist das Gegenteil. Es ist Vereinzelung. Wer allein sitzt, ist nicht frei. Er ist allein.

Freiheit ist, was man tut, wenn man zusammen ist. Frei sind wir nur im wir.

Was bedeutet das konkret? Wir müssen den Kampf gegen die Einsamkeit aufnehmen. Wir müssen die Räume zwischen den Menschen wieder bauen. Das sind keine abstrakten Räume. Das ist der Stammtisch, die Nachbarschaft, der Sportplatz, auf dem man sich kennt. Die Bibliothek, in der man sitzen darf, ohne etwas kaufen zu müssen. Der Verein, der einem sagt: Du gehörst dazu." (F. Brantner, S. 8)

Quelle: https://franziska-brantner.de/news/frei ... r-als-wir/
Obgleich ich noch nichts weiter von ihr gelesen habe, verorte ich Brantner ideologisch im Sozialliberalismus, der mit seinem Begriff der positiven Freiheit die Bedeutung von relativer Gleichheit für die Verwirklichung der positiven Freiheit von Individuen immer betont hat. In einer sehr ungleichen Gesellschaft sind auch die Möglichkeiten und Gelegenheiten zur freien individuellen Selbstentfaltung/-entwicklung/-verwirklichung sehr ungleich verteilt.

Brantner hat insofern unrecht, als der Begriff der negativen Freiheit im Sinn von Nichteinmischung (noninterference) durch andere keineswegs eine amerikanische Erfindung ist, und es falsch ist, dass "die europäische Tradition…Freiheit immer als Praxis gedacht [hat]."

"Zugehörigkeit entsteht nicht durch Worte allein. Sie entsteht in Räumen. Zwischen Menschen. In dem, was zwischen Individuum und Staat liegt." – Dazwischen liegt die Zivilgesellschaft. Ich mag mich irren, aber ich verstehe Brantner so, dass sie mit "Freiheit im Wir" für einen kommunitären Liberalismus und gegen den libertären Liberalismus argumentiert. (Wohlgemerkt: Kommunitarismus ≠ Kommunismus!)

Ich musste auch an Honneths Begriff der sozialen Freiheit denken:
Was versteht Alex Honneth unter sozialer Freiheit?

Unter sozialer Freiheit versteht der Sozialphilosoph Axel Honneth eine Form der Freiheit, die nur in und durch die Teilhabe an gelingenden, gemeinschaftlichen Beziehungen verwirklicht werden kann. In seinem Hauptwerk [Das Recht der Freiheit](https://www.suhrkamp.de/buch/axel-honne ... 3518296486) argumentiert er, dass echte menschliche Freiheit kein rein individuelles Projekt ist, sondern auf wechselseitiger Anerkennung und Kooperation basiert. [1, 2]

## Die Abgrenzung zu anderen Freiheitsbegriffen
Honneth entwickelt die soziale Freiheit in Abgrenzung zu zwei unvollständigen, traditionellen Modellen: [1, 2]
* Negative Freiheit: Das bloße Fehlen von äußeren Hindernissen und staatlichen Eingriffen (z. B. rechtliche Schutzräume). Sie bleibt isoliert, da sie den Anderen oft nur als Schranke wahrnimmt. [2, 3, 4]
* Reflexive Freiheit: Die rein innere Selbstbestimmung und moralische Urteilskraft des Individuums (im Sinne Kants). Sie bleibt abstrakt, solange sie nicht in der gesellschaftlichen Realität verankert ist. [2, 5]

## Kernmerkmale der sozialen Freiheit
* Das Prinzip des „Beisichselbstseins im Anderen“: In Anlehnung an G.W.F. Hegel sieht Honneth das deutlichste Modell sozialer Freiheit in Beziehungen wie Liebe und Freundschaft. Hier erfährt das Individuum die Wünsche und Bedürfnisse des Gegenübers nicht als Einschränkung, sondern als Erweiterung und Ergänzung des eigenen Selbst. [3]
* Intersubjektive Anerkennung: Freiheit gelingt nur, wenn sich Individuen gegenseitig als gleichberechtigte Partner mit legitimen Bedürfnissen anerkennen und wertschätzen. [2, 6]
* Verankerung in Institutionen: Soziale Freiheit ist keine reine Theorie, sondern muss in den praktischen Kernbereichen moderner Gesellschaften gelebt werden können. Honneth analysiert dies anhand von drei Sphären: den persönlichen Beziehungen (Familie/Freundschaft), dem wirtschaftlichen Leben (dem Markt) und der politischen Öffentlichkeit (Demokratie). [1, 5, 7]
* Kritik als Pathologie: Wo soziale Institutionen oder Wirtschaftssysteme (wie unregulierte Märkte) diese wechselseitige Fürsorge und Kooperation verhindern, spricht Honneth von sozialen Pathologien oder Fehlentwicklungen, die die Freiheit real einschränken. [1, 4]

[1] [https://www.praktische-philosophie.org](https://www.praktische-philosophie.org/ ... e/view/490)
[2] [https://de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Axel_Honneth)
[3] [https://www.deutschlandfunk.de](https://www.deutschlandfunk.de/sozialph ... n-100.html)
[4] [https://www.linkes-forum-oldenburg.de](https://www.linkes-forum-oldenburg.de/t ... r-freiheit)
[5] [https://www.suhrkamp.de](https://www.suhrkamp.de/buch/axel-honne ... 3518296486)
[6] [https://www.erziehungswissenschaften.hu-berlin.de](https://www.erziehungswissenschaften.hu ... heorie.pdf)
[7] [https://www.soziopolis.de](https://www.soziopolis.de/gesellschafts ... iheit.html)

Quelle: Google KI
Was ist der Kommunitarismus?

Der Kommunitarismus ist eine politische und soziale Philosophie, die die Bedeutung der Gemeinschaft, gemeinsamer Werte und der sozialen Verantwortung des Einzelnen in den Vordergrund stellt. Er entstand in den 1980er Jahren in den USA als direkte Gegenbewegung (Reaktion) zum radikalen liberalen Individualismus. [1, 2, 3, 4, 5]

## Kernmerkmale des Kommunitarismus:
* Gemeinschaft formt Identität: Menschen existieren nicht als isolierte Wesen („atomisierte Individuen“), sondern formen ihre Identität, Werte und Moral erst durch die Zugehörigkeit zu Gemeinschaften wie Familie, Nachbarschaft oder Kultur. [1, 2, 6]
* Gleichgewicht von Rechten und Pflichten: Während der Liberalismus stark die individuellen Rechte betont, fordert der Kommunitarismus, dass Bürger auch soziale Pflichten und Verantwortung für das Gemeinwohl übernehmen müssen. [1, 2, 6]
* Stärkung zivilgesellschaftlicher Institutionen: Lokale Netzwerke, Vereine, Kirchen und freiwillige Organisationen gelten als emotionale und moralische Fundamente der Gesellschaft. [7, 8]
* Kritik am Sittenverfall: Kommunitaristen warnen vor einer Vereinsamung in der Konsumwelt, dem Zerfall von Familienstrukturen und einer sinkenden Bereitschaft zur politischen Teilhabe. [4, 6, 9]

## Der Hauptkonflikt: Liberalismus vs. Kommunitarismus:
Der fundamentale Unterschied der beiden Denkschulen lässt sich leicht gegenüberstellen:

| Merkmal [1, 2, 3, 6, 10, 11] | Liberalismus | Kommunitarismus |
|---|---|---|
| Fokus | Das freie, selbstbestimmte Individuum. | Die eingebettete Gemeinschaft. |
| Ziel | Maximale persönliche Freiheit und staatliche Neutralität. | Gemeinsinn, Solidarität und soziale Bindungen. |
| Werte | Universelle Menschenrechte. | Partikulare, historisch gewachsene Kulturwerte. |

## Wichtige Vertreter:
* Amitai Etzioni: Gilt als Gründervater des soziologischen, programmatischen Kommunitarismus und forderte eine Erneuerung des Bürgersinns.
* Michael Sandel: Kritisierte scharf die liberale Gerechtigkeitstheorie von John Rawls.
* Charles Taylor: Betonte, dass gemeinsame Werte nur gemeinschaftlich bewahrt werden können.
* Michael Walzer & Alasdair MacIntyre: Wichtige philosophische Vordenker der Strömung. [6, 11, 12]

## Kritik am Kommunitarismus:
Kritiker (oft Liberale) werfen dem Kommunitarismus vor, er könne zu Zwang, sozialer Kontrolle und Ausgrenzung führen. Wenn die Gemeinschaft über alles gestellt wird, drohen die Unterdrückung von Minderheiten, gesellschaftlicher Konformismus und ein Rückfall in traditionelle, intolerante Rollenbilder. [13, 14, 15]

[1] [https://de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Kommunitarismus)
[2] [https://www.studysmarter.de](https://www.studysmarter.de/schule/poli ... itarismus/)
[3] [https://www.bpb.de](https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/po ... itarismus/)
[4] [https://www.spektrum.de](https://www.spektrum.de/lexikon/psychol ... ismus/7985)
[5] [https://www.ipg-journal.de](https://www.ipg-journal.de/rubriken/zuk ... halt-8697/)
[6] [https://www.ipg-journal.de](https://www.ipg-journal.de/rubriken/zuk ... halt-8697/)
[7] [https://en.wikipedia.org](https://en.wikipedia.org/wiki/Communitarianism)
[8] [https://www.bka.de](https://www.bka.de/SharedDocs/Downloads ... onFile&v=2)
[9] [https://campus.de](https://campus.de/wissenschaft/philosop ... s/CAM36832)
[10] [https://www.youtube.com](https://www.youtube.com/watch?v=OueyVl9NM0U)
[11] [https://campus.de](https://campus.de/wissenschaft/philosop ... s/CAM34742)
[12] [https://link.springer.com](https://link.springer.com/chapter/10.10 ... -98529-3_4)
[13] [https://www.studysmarter.de](https://www.studysmarter.de/schule/poli ... itarismus/)
[14] [https://www.zora.uzh.ch](https://www.zora.uzh.ch/id/eprint/20862 ... rismus.pdf)
[15] [https://krautreporter.de](https://krautreporter.de/geschlecht-und ... ch-erklart)

Quelle: Google KI
Was ist der kommunitäre Liberalismus?

Der kommunitäre Liberalismus (oft auch als liberaler Kommunitarismus bezeichnet) ist eine politische Synthese, die die individuelle Freiheit des klassischen Liberalismus mit der sozialen Verantwortung und dem Gemeinsinn des Kommunitarismus verbindet. Er entstand als Reaktion auf die philosophische Debatte zwischen [Reinsform-Liberalen (wie John Rawls)](https://link.springer.com/content/pdf/1 ... 68-0_5.pdf) und ihren gemeinschaftsorientierten Kritikern. [1, 2, 3, 4, 5]

## Kernmerkmale im Überblick:
* Das eingebettete Individuum: Im Gegensatz zum klassischen Liberalismus, der den Menschen oft als isoliertes, rein rationales Wesen begreift, sieht diese Strömung das Individuum als sozial eingebettet. Freiheit existiert nicht im luftleeren Raum, sondern wird erst durch eine funktionierende Gemeinschaft und gemeinsame Werte ermöglicht. [2, 4, 6]
* Rechte und Pflichten in Balance: Bürger haben nicht nur unveräußerliche Grundrechte, sondern tragen auch eine moralische Mitverantwortung für das Wohlergehen der Gesellschaft. [2, 7]
* Stärkung der Zivilgesellschaft: Der Fokus liegt auf der Förderung von intermediären Institutionen wie Familien, Nachbarschaften, Vereinen und Schulen, die den sozialen Zusammenhalt stärken. [8]

## Wichtige Vertreter und Vordenker:
* Amitai Etzioni: Gilt als Begründer des reizmenschlichen, pragmatischen Kommunitarismus. In seinem Werk Die Verantwortungsgesellschaft plädiert er für ein Gleichgewicht von individuellen Rechten und gesellschaftlichen Pflichten.
* Michael Walzer: Verteidigt liberale Grundwerte wie Pluralismus und Toleranz, betont aber, dass Gerechtigkeit immer nur innerhalb des spezifischen kulturellen Kontextes einer Gemeinschaft verstanden werden kann (Sphären der Gerechtigkeit).
* Charles Taylor: Kritisiert das atomistische Menschenbild des reinen Liberalismus und betont die Bedeutung von Anerkennung und Identität durch die Gemeinschaft. [9, 10, 11]

## Abgrenzung der Positionen:
Die folgende Tabelle verdeutlicht die Position des kommunitären Liberalismus zwischen den beiden Extremen:

| Kriterium [1, 2, 4, 6, 8, 12, 13, 14] | Radikaler Liberalismus | Radikaler Kommunitarismus | Kommunitärer Liberalismus |
|---|---|---|---|
| Fokus | Das Individuum hat absoluten Vorrang. | Die Gemeinschaft steht über dem Einzelnen. | Gleichgewicht zwischen Individuum und Gemeinschaft. |
| Wertebasis | Universelle Menschenrechte und formale Gesetze. | Gewachsene Traditionen und geteilte Moral. | Liberale Rechte, gestützt durch aktiven Gemeinsinn. |
| Rolle des Staates | Neutraler Schiedsrichter (Nachtwächterstaat). | Gestalter und Hüter der kollektiven Identität. | Förderer von Bürgerengagement und Sozialraum. |

## Relevanz heute
Dieses Denken prägt moderne politische Konzepte wie die "Zivilgesellschaft" und die "soziale Marktwirtschaft". Es liefert Argumente in Debatten, bei denen reine Marktmechanismen oder staatliche Verbote versagen – etwa bei der Ausgestaltung von Sozialsystemen, der Integration von Einwanderern oder der Bewältigung des demografischen Wandels.

[1] [https://de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Kommunitarismus)
[2] [https://www.bpb.de](https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/po ... itarismus/)
[3] [https://de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Liberalismus)
[4] [https://en.wikipedia.org](https://en.wikipedia.org/wiki/Communitarianism)
[5] [https://link.springer.com](https://link.springer.com/content/pdf/1 ... 68-0_5.pdf)
[6] [https://www.grin.com](https://www.grin.com/document/101779)
[7] [https://www.youtube.com](https://www.youtube.com/watch?v=OueyVl9NM0U)
[8] [https://www.herder.de](https://www.herder.de/staatslexikon/art ... itarismus/)
[9] [https://link.springer.com](https://link.springer.com/chapter/10.10 ... -97432-7_3)
[10] [https://www.springerprofessional.de](https://www.springerprofessional.de/han ... s/17375364)
[11] [https://bankstil.de](https://bankstil.de/charles-taylor-phil ... nalbanken/)
[12] [https://www.philosophie-wissenschaft-kontroversen.de](https://www.philosophie-wissenschaft-ko ... beralismus)
[13] [https://www.youtube.com](https://www.youtube.com/watch?v=v3Oohgy8azY)
[14] [https://www.bpb.de](https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/a ... n-theorie/)

Quelle: Google KI
Zuletzt geändert von Consul am Fr 5. Jun 2026, 01:16, insgesamt 1-mal geändert.



"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding

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Fr 5. Jun 2026, 01:06

Consul hat geschrieben :
Fr 5. Jun 2026, 00:41
"Zugehörigkeit entsteht nicht durch Worte allein. Sie entsteht in Räumen. Zwischen Menschen. In dem, was zwischen Individuum und Staat liegt." – Dazwischen liegt die Zivilgesellschaft. Ich mag mich irren, aber ich verstehe Brantner so, dass sie mit "Freiheit im Wir" für einen kommunitären Liberalismus und gegen den libertären Liberalismus argumentiert. (Wohlgemerkt: Kommunitarismus ≠ Kommunismus!)
In einem Interview sagt der grüne Europa-Abgeordnete Sergey Lagodinsky Folgendes:
"taz: Ricarda Lang hat den Liberalismus in ihrem Zeit-Interview gewissermaßen beerdigt. Sie sagte, angesichts der verunsicherten Gesellschaft brauche es eher „ein stärkeres Verständnis von Gemeinschaft, Zusammengehörigkeit und Kollektivität.“

Lagodinsky: Als ich die Antwort gelesen habe, musste ich schlucken. Der Liberalismus ist nicht tot, im Gegenteil. Das Freiheitsstreben von Menschen ist nicht totzukriegen und Orientierung können wir Menschen gerade in Zeiten, in denen uns das Autoritäre immer mehr umzingelt, gerade dadurch bieten, dass wir sagen: Wir stehen weiter für Europa als Freiheitsraum. Das möchte ich auf keinen Fall aufgeben.

taz: Aber ist nicht auch etwas an dem Gedanken dran, dass der Mensch in Krisenzeiten nicht auf sich allein gestellt sein möchte?

Lagodinsky: Ich würde Liberalismus und Kollektivität nicht in Konkurrenz zueinander setzen. Ich halte es mit der Denkrichtung der Kommunitaristen. Sie sagen, dass erst das Gemeinsame dem Einzelnen die eigene Entfaltung ermöglicht. Auf der einen Seite darf das zwar nicht in einen Kollektivismus kippen, in dem der Druck der Massen das Individuelle erdrückt. Das sage ich auch als jemand, der in der Sowjetunion aufgewachsen ist. Auf der anderen Seite geht es mir aber eben auch nicht um den kalten Marktliberalismus der FDP, sondern um einen wärmeren, menschenfreundlichen Liberalismus der Progressiven. Das ist ein Liberalismus, der befähigt und beschützt und der Freiheit durch Gleichheit überhaupt erst ermöglicht.

taz: Können Sie das anhand eines konkreten Beispiels erklären?

Lagodinsky: Man kann es an Fragen der Antidiskriminierung und Chancengleichheit festmachen. Wir schulden benachteiligten Jugendlichen, dass sie nicht wegen ihrer ethnischen oder sozialen Herkunft den Kürzeren ziehen. Wir müssen sie in die Lage bringen, sich zu entfalten und ihre Freiheit zu genießen: die Freiheit, zu wählen, welchen Beruf sie ausüben, wo sie wohnen und wie sie leben. Und das gilt nicht nur eindimensional: Ein Mädchen, das Kopftuch trägt, ist erst frei, wenn sie eine Gleichbehandlung erfährt. Ein Mädchen, das ein Kopftuch ablegen will, nur dann, wenn wir sie darin stärken, dem Druck der eigenen Community zu entkommen und sich als freies Individuum zu emanzipieren. Wir sollen beide diese Mädchen verstehen und unterstützen, das ist der Sinn und die Aufgabe des modernen, befähigenden Liberalismus."

Quelle: https://taz.de/Gruenen-Abgeordneter-zum ... /!6182867/



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Fr 5. Jun 2026, 03:16

Ich habe einen neuen Aufsatz von Franziska Brantner in der Zeitschrift Blätter für deutsche und internationale Politik (Juni 26) gefunden, der kostenlos zugänglich ist: "Für einen neuen Liberalismus: Warum Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammengehören"

"…Für einen ökologischen und sozialen Liberalismus…" (Brantner)

"Ein zeitgemäßer und moderner Liberalismus steht aber zugleich gegen etatistische und kollektivistische Konzepte. Er setzt auf die Verantwortung und Selbstwirksamkeit der Bürgerinnen und Bürger. Die Kommunen sind dabei ein zentraler Ort der Mitwirkung." (Brantner)

Das klingt so gar nicht nach kommunistischem Kollektivismus; aber Aussagen Brantners wie diese werden Reichelt & Fußer & Mai ihren Zuhörern/Lesern sicherlich vorenthalten, da sie damit ihre Behauptungen über Brantner selbst als lügnerische Hetze entlarven würden.



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Fr 5. Jun 2026, 04:42

Consul hat geschrieben :
Fr 5. Jun 2026, 00:41
Obgleich ich noch nichts weiter von ihr gelesen habe, verorte ich Brantner ideologisch im Sozialliberalismus, der mit seinem Begriff der positiven Freiheit die Bedeutung von relativer Gleichheit für die Verwirklichung der positiven Freiheit von Individuen immer betont hat. In einer sehr ungleichen Gesellschaft sind auch die Möglichkeiten und Gelegenheiten zur freien individuellen Selbstentfaltung/-entwicklung/-verwirklichung sehr ungleich verteilt.
Philip Selznick (1919–2010), einer der Hauptvertreter eines kommunitären Liberalismus/liberalen Kommunitarismus, schreibt:
"Der moderne Wohlfahrtsliberalismus strebt nach effektiver Freiheit, substanzieller Rationalität und sozialer Gerechtigkeit. Dies bedeutet beispielsweise, dass bloße Freiheit von Einschränkung kein akzeptables Kriterium für Befreiung darstellt. Eine solche Freiheit kann den meisten Menschen jene soziale Unterstützung vorenthalten, die sie für echte Autonomie benötigen, wenn sie mit psychologischer oder wirtschaftlicher Abhängigkeit konfrontiert sind; zudem lässt sie sie womöglich ohne wirksamen Schutz vor Mächtigen und Habgierigen zurück. Ebenso wenig lässt sich echte Rationalität verwirklichen, wenn sie auf individuelles Handeln zur Erreichung individueller Ziele beschränkt bleibt; rationales Zusammenarbeiten für kollektive Ziele ist erforderlich, wenn der zugrunde liegende Wert – das vernunftgeleitete Streben nach menschlichem Wohlergehen – verwirklicht werden soll. Und Gerechtigkeit ist eine Illusion, wenn sie soziale Umstände wie Ungleichheit oder das Wechselspiel von privater und öffentlicher Macht außer Acht lässt, welche die Ergebnisse rechtlicher Prozesse verzerren." [übersetzt von Google]

(Selznick, Philip. The Moral Commonwealth: Social Theory and the Promise of Community. Berkeley, CA: University of California Press, 1992. p. 374)
"Diejenigen, die glauben, beim Liberalismus gehe es vornehmlich um uneingeschränktes privates Handeln, und diejenigen, die glauben, es gehe um die angemessene Entfaltung des Einzelnen in einer Gesellschaft, die auf gegenseitiger Unterstützung und gemeinsamen Vorhaben beruht, haben nicht allzu viel gemeinsam." [übersetzt von Google & Consul]

(Freeden, Michael. Liberalism: A Very Short Introduction. Oxford: Oxford University Press, 2015. p. 2)



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Consul
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Fr 5. Jun 2026, 04:58

Übrigens, so klang die FDP in den frühen 1970ern mit ihren Freiburger Thesen:
"Wir stehen heute am Anfang der zweiten Phase einer von der bürgerlichen Revolution ausgehenden Reformbewegung auch in der Gesellschaft, wie sie nicht zuletzt in den tiefgreifenden und nachhaltigen Bewußtseinsveränderungen der weltweiten Jugendrevolte sich ankündigt.

Sie zielt auf eine in der Sache nicht weniger als 1775 und 1789 revolutionäre, im wörtlichen Sinne umwälzende, in den westlichen Industriestaaten und Massendemokratien nun endlich auf evolutionärem Wege durchsetzbare Demokratisierung der Gesellschaft, aus demselben Gedanken der "Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit!", aus dem auch die Demokratisierung des Staates ihren Ursprung nahm.

Diese neue Phase der Demokratisierung und Liberalisierung, im ursprünglichen und nicht dem heute oft mißbrauchten Sinne dieser Worte, entspringt aus einem gewandelten Verständnis der Freiheit, das dem modernen Liberalismus die neue politische Dimension eines nicht mehr nur Demokratischen, sondern zugleich Sozialen Liberalismus erschließt.

Freiheit bedeutet für den modernen Liberalismus, wie er bei John Stewart Mill in England und bei Friedrich Naumann in Deutschland erstmals in Gedanken gefaßt ist, nicht länger die Freiheit eines aus der Gesellschaft herausgedachten, dem Staate entgegengesetzten autonomen Individuums, sondern die Freiheit jenes autonomen und sozialen Individuums, wie es als immer zugleich einzelhaftes und gesellschaftliches Wesen in Staat und Gesellschaft wirklich lebt.

Freiheit und Glück des Menschen sind für einen solchen Sozialen Liberalismus danach nicht einfach nur eine Sache gesetzlich gesicherter Freiheitsrechte und Menschenrechte, sondern gesellschaftlich erfüllter Freiheiten und Rechte. Nicht nur auf Freiheiten und Rechte als bloß formale Garantien des Bürgers gegenüber dem Staat, sondern als soziale Chancen in der alltäglichen Wirklichkeit der Gesellschaft kommt es ihm an.

Wie auf dem Felde der Bildungspolitik tritt der Soziale Liberalismus auch auf dem der Gesellschaftspolitik ein für die Ergänzung der bisherigen liberalen Freiheitsrechte und Menschenrechte durch soziale Teilhaberechte und Mitbestimmungsrechte, nicht mehr nur an der verfassungsmäßigen Organisation des Staates, sondern an der arbeitsteiligen Organisation der Gesellschaft.

Liberalität und Demokratie auch in der Sphäre der Gesellschaft, wie zuvor in der Sphäre des Staates, aus dem gleichen revolutionären Gedanken der Menschenwürde und Selbstbestimmung, um den alle Verwandlung schon des unfreiheitlichen Obrigkeitsstaates in einen freiheitlichen Rechtsstaat sich dreht, führt zu einer grundlegenden Veränderung des überkommenen unfreiheitlichen Ständestaates oder Klassenstaates hin auf einen freiheitlichen Sozialstaat."

(Flach, Karl-Hermann, Werner Maihofer, & Walter Scheel. Die Freiburger Thesen der Liberalen. Reinbek: Rowohlt, 1972. S. 58-9)



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Jörn P Budesheim
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Fr 5. Jun 2026, 07:39

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Do 4. Jun 2026, 09:51
unsere gemeinsame Freiheit
Hier einige verschiedenartig gelagerte Beispiele:
  • Wenn jemand sich entscheidet, mit dem Fahrrad einen Ausflug zu machen, dann ist das (unter vielen anderen Voraussetzungen) nur deshalb möglich, weil andere Menschen Fahrräder entwickelt und hergestellt sowie Fahrradwege geschaffen haben.
  • Wenn man sich eine Mahlzeit zubereitet, kann man einmal darauf achten, wie viele ihrer Bestandteile von anderen Menschen produziert, verarbeitet oder bereitgestellt wurden.
  • Ich baue gerade gemeinsam mit meiner Frau, die ebenfalls Kunst macht, eine Ausstellung auf. Fast alle Ideen zur Hängung haben wir zusammen entwickelt. Auch das ist eine Form gemeinschaftlich ausgeübter Freiheit.
  • Wissenschaftliche Forschung ist, so wie wir sie heute kennen, nur als Gemeinschaftsleistung möglich. Sie lebt davon, dass Menschen über Generationen hinweg Erkenntnisse austauschen, Kritik üben und auf den Leistungen anderer aufbauen.
  • Man diskutiert in einem Meeting gemeinsam ein Problem und gelangt schließlich zu einer Lösung, auf die keine der beteiligten Personen allein gekommen wäre.



Das Thema interessiert dich? Was meinst du dazu? Wir freuen uns auf deine Meinung – melde dich an und diskutiere mit uns.“

Rudolf Pirnbacher
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Fr 5. Jun 2026, 14:20

Sehr interessante Beiträge zum Thema „Kommunitärer Liberalismus“. Ich denke, es ist nicht nur ein sehr interessanter Ansatz zum Thema Freiheit, sondern auch zum Thema Fairness und Gerechtigkeit. Tatsächlich ist in Betracht zu ziehen, wenn jemand durch eine besonders gewinnbringende Geschäftsidee zu sehr hohen Einkommen kommt, dass es nur durch ein Gesellschaftssystem möglich wurde, in dem Menschen gut ausgebildet wurden, eine gute Infrastruktur aufgebaut wurde, ein Staat stabile Verhältnisse errichtet hatte, usw. Der Geschäftserfolg ist also nie ausschließlich der Verdienst einer einzelnen Person oder eines einzelnen Unternehmens, sondern ist auch den Rahmenbedingungen geschuldet, die viele Menschen durch ihren Beitrag über Generationen geschaffen haben.




Timberlake
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Fr 5. Jun 2026, 23:00

.. und das Gesellschaftssystem muss das, buchstäblich von Hause aus, natürlich auch selbst ermöglichen. Um dazu auf den real existierenden Sozialismus in der DDR aufmerksam zu machen, wo dergleichen verunmöglicht wurde, also das da jemand durch eine besonders gewinnbringende Geschäftsidee zu sehr hohen Einkommen kommt,




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Fr 5. Jun 2026, 23:15

Dynamis hat geschrieben :
Do 4. Jun 2026, 14:36
Mathematisch gesprochen möchtest du hier zwei disjunkte Mengen, d.h. ohne Überschneidungen, konstruieren: Auf der einen Seite die Menge aller Handlungen, auf der anderen Seite die Menge aller Wollungen. Dabei kritisiere ich weniger die Annahme, dass man diese beiden Mengen konstruieren kann, und ich behaupte auch nicht, dass beide Mengen identisch sind. Aber dass diese beiden Mengen disjunkt sind, da widerspreche ich. Schopenhauer operiert auch mit dieser von mir kritisierten Annahme, nur deswegen kann er Handlungsfreiheit und Willensfreiheit sauber unterscheiden. Da ich diese Annahme für unhaltbar halte, ergibt diese Unterscheidung für mich keinen Sinn. Also: Wer Handlungsfreiheit zugesteht, muss auch Willensfreiheit zugestehen.
Selbst wenn Wollen eine Art von Handlung wäre, bliebe die Frage, ob ich wollen kann, was ich will, in dem Sinn, dass ich mein Wollen frei auswählen kann.
Dynamis hat geschrieben :
Do 4. Jun 2026, 14:36
Consul hat geschrieben :
So 31. Mai 2026, 07:33
Wir treffen unsere Entscheidungen nicht "im luftleeren Raum", sondern auf der Grundlage unserer vorgegebenen Geisteshaltungen ("propositional attitudes": Wissen, Glauben, Begehren, Wollen, Wünschen, Hoffen, Fürchten…), die wir uns eben nicht frei ausgesucht haben.
Das betrifft eben nur den Willen im Anfangsstadium. Diese Betrachtung ist einseitig, die Verallgemeinerung eine Verabsolutierung. Was wird dabei übersehen? Menschen können über ihre Geisteshaltung reflektieren und sich dafür entscheiden, was sie wollen. Und wenn sie das tun, dann sind ihre Geisteshaltungen eben nicht vorgegeben, sondern Resultat von Entscheidungen.
Dein gesamter Überlegungs- und Entscheidungsvorgang wird von deiner bestehenden Geistesverfassung beeinflusst und gelenkt, die großteils selbst das Ergebnis von Faktoren ist, über die du keine Macht hast/hattest. Man kann es drehen und wenden, wie man will: Letzten Endes ist deine entscheidungs- und handlungsbestimmende geistige Beschaffenheit, dein Charakter, deine Persönlichkeit, dein psychischer Habitus als ein Gefüge von Dispositionen oder Tendenzen des Denkens, Glaubens, Wollens und Verhaltens/Handelns etwas Vorgegebenes, das du nicht frei bestimmt und geschaffen hast, und auch nicht frei gestalten konntest.
Dein Geist ist nie eine leere Tafel (tabula rasa) gewesen, die erst durch freie Akte absichtlich-bewusster geistiger Selbstgestaltung beschriftet wurde.



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Dynamis
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Sa 6. Jun 2026, 20:37

Consul, da gibt es zwei Punkte, die ich deiner Argumentation entnehmen kann:
  • Die Frage nach der Frage: Die Frage ist, was ist die Frage. Du behauptest:
    Consul hat geschrieben :
    Fr 5. Jun 2026, 23:15
    Selbst wenn Wollen eine Art von Handlung wäre, bliebe die Frage, ob ich wollen kann, was ich will, in dem Sinn, dass ich mein Wollen frei auswählen kann.

    Wenn du Handlungsfreiheit zugesteht und Wollen als eine Art von Handlung betrachtest, dann ist diese Frage schon beantwortet. Ja, du kannst dein Wollen frei auswählen. Das Auswählen ist eben jener Entscheidungsprozess, von dem ich vorhin gesprochen habe. Dieser Entscheidungsprozess kann auch als eine Handlung durchgeführt werden. Stell dir das mal ganz anschaulich vor: Wenn du mit deiner Freundin in ein Kleidungsgeschäft geht und ihr euch dann unterhaltet, welche Hose du unter dem verfügbaren Sortiment auswählen sollst, ist diese Unterhaltung natürlich auch eine Handlung. Und wenn du dein Wollen frei auswählst, ist das auch nichts anderes als wenn du deine Hose frei auswählst.
  • geistige Beschaffenheit:
    Consul hat geschrieben : Letzten Endes ist deine entscheidungs- und handlungsbestimmende geistige Beschaffenheit, dein Charakter, deine Persönlichkeit, dein psychischer Habitus als ein Gefüge von Dispositionen oder Tendenzen des Denkens, Glaubens, Wollens und Verhaltens/Handelns etwas Vorgegebenes, das du nicht frei bestimmt und geschaffen hast, und auch nicht frei gestalten konntest.
    Nur gibt es so etwas wie eine "entscheidungs- und handlungsbestimmende geistige Beschaffenheit" nicht. Es gibt "Dispositionen oder Tendenzen des Denkens, Glaubens, Wollens und Verhaltens/Handelns", das ja, aber kein bestimmendes "Gefüge", welches daraus resultiert. Darauf habe ich dich schon in der Diskussion zum Thema "Wer oder was ist "Ich"?" hingewiesen. Der Mensch ist keine Blume. Bei einer Blume kannst du die biologische Beschaffenheit im Bestimmungsbuch nachschlagen. Beim Menschen resultieren die Bestimmungen nicht nur aus biologischen oder psychologischen Fakten, sondern auch aus Entscheidungen.
    Dynamis hat geschrieben :
    So 31. Mai 2026, 10:09
    Man darf nicht den Fehler machen, dass man "Bestimmung" und "Determination" gleichsetzt. Sonst verirrt man sich in unergiebige Determinismus-Debatten. Ich habe gerade eine englische Übersetzung der GPR gefunden, wo diese Gleichsetzung auf gelungene Weise vermieden worden ist: Dort wird "Bestimmen" übersetzt als "distinct and definite establishment of a definite content and object". Das gefällt mir sehr gut. Für den Beginn kann man sich das vorstellen wie einen Biologen, der mit einem Pflanzenbestimmungsbuch arbeitet. Beim Wandern sieht er eine ihm unbekannte Blume. Diese ist zunächst einmal unbestimmt. Was macht er also? Er holt sich sein Buch heraus, schlägt die Merkmale der Pflanze nach und stellt dann fest: Aha, das ist die Blume so und so, damit hat er die Pflanze bestimmt. Wenn man sich dieses Beispiel vor Augen hält, dann vermeidet man auch, dass man sich bei diesem Thema in die Debatte Determinismus vs. Willensfreiheit verirrt. Der Übergang von Unbestimmtheit zur Bestimmung ist zunächst einmal einer, der auch für Biologen nachvollziehbar ist. Mein Vergleich mit der Pflanzenbestimmung wird auch von Hegel nahegelegt: Der von der Bestimmung erzeugte Inhalt kann einerseits "als durch die Natur gegeben" und andererseits als "aus dem Begriffe des Geistes erzeugt" bestimmt werden (§6, GPR). Im Falle der Blume ist der Inhalt der Bestimmung ausschließlich durch die Natur gegeben.

    Das ist beim Menschen anders. Der Unterschied zwischen Blumen und Menschen ist der, dass die Unbestimmtheit bei Blumen bloß aus Wissensmangel resultiert. Die Blume hat biologische Eigenschaften, die ihm durch seine Gene vorgegeben ist, daran kann die Blume nichts ändern. Unbestimmtheit ergibt sich nur daraus, dass wir es bisher nicht in einer geschafft haben die Blume in unserer Taxonomie so einzusortieren, dass dies unseren intellektuellen Ansprüchen genügt. Menschen haben biologische Eigenschaften, das auch, aber sie können auch Entscheidungen treffen, wer sie sein wollen. Das ist auch ein Aspekt ihrer Selbstbestimmung und zwar einer, der Blumen fehlt.




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Jörn P Budesheim
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So 7. Jun 2026, 09:12

Ja, dieser Aspekt der ‚Selbstbestimmung‘ in seinen beiden Bedeutungsnuancen – dem Feststellen und dem Festlegen – ist ein zentraler Bestandteil unserer Freiheit. Zu dieser Freiheit gehört schließlich auch, dass wir unsere gegebenen Möglichkeiten und unser jeweiliges ‚So-Sein‘ nicht nur hinnehmen, sondern sinnvoll entfalten, erweitern und gestalten können. Dazu zählt ebenso die Fähigkeit zu erkennen, was an ihnen gut oder schlecht, vernünftig oder unvernünftig ist. Das bedeutet, ein Leben also nicht nur zu haben, sondern es auch zu führen. Das zeigt zugleich, dass Freiheit immer auch von den Verhältnissen abhängt, die sie entweder einschränken oder fördern.



Das Thema interessiert dich? Was meinst du dazu? Wir freuen uns auf deine Meinung – melde dich an und diskutiere mit uns.“

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Consul
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Di 9. Jun 2026, 22:36

Dynamis hat geschrieben :
Sa 6. Jun 2026, 20:37
Consul hat geschrieben :
Fr 5. Jun 2026, 23:15
Selbst wenn Wollen eine Art von Handlung wäre, bliebe die Frage, ob ich wollen kann, was ich will, in dem Sinn, dass ich mein Wollen frei auswählen kann.
Wenn du Handlungsfreiheit zugesteht und Wollen als eine Art von Handlung betrachtest, dann ist diese Frage schon beantwortet. Ja, du kannst dein Wollen frei auswählen.
Es muss doch gründlicher hinterfragt werden, ob Wollen tatsächlich eine Art von Handeln oder Tun ist. Das äußere/laute Sagen oder das innere/stille Sagen (Denken) von "Ich will…" ist ein Tun; aber dieses ist—sofern es keine Lüge ist—wohl bloß der sprachliche Ausdruck eines Wollens als einer zugrunde liegenden Verhaltensdisposition, die als solche keine Handlung ist.

Es ist zu unterscheiden zwischen Verhaltensdispositionen und Handlungen als Manifestationen von Verhaltensdispositionen.
Das Sagen oder Denken von "Ich will…" kann selbst als eine Manifestation einer volitiven Verhaltensdisposition betrachtet werden: Wenn ich X tun will, dann bin ich nicht nur dazu disponiert, X zu tun (bzw. zu versuchen, X zu tun), sondern auch dazu zu sagen/denken, dass ich X tun will.

Ich meine nun, dass Wollen an sich keine sprachliche oder gedankliche Aktion ist, sondern eine Verhaltensdisposition; und wenn es so ist, dann kann ich mir mein Wollen nicht einfach frei aussuchen. Meine Veranlagungen und Einstellungen standen vor ihrem Vorhandensein nicht zur freien Auswahl meinerseits.
Dynamis hat geschrieben :
Sa 6. Jun 2026, 20:37
Das Auswählen ist eben jener Entscheidungsprozess, von dem ich vorhin gesprochen habe. Dieser Entscheidungsprozess kann auch als eine Handlung durchgeführt werden. Stell dir das mal ganz anschaulich vor: Wenn du mit deiner Freundin in ein Kleidungsgeschäft geht und ihr euch dann unterhaltet, welche Hose du unter dem verfügbaren Sortiment auswählen sollst, ist diese Unterhaltung natürlich auch eine Handlung. Und wenn du dein Wollen frei auswählst, ist das auch nichts anderes als wenn du deine Hose frei auswählst.
Wenn ich eine Hose kaufen will, dann ist diesem Wollen keine Entscheidung meinerseits für dieses Wollen vorausgegangen, sondern nur eine Erkennung meines gegebenen Wollens. Welche Hose ich kaufen will, wird von meinen ästhetisch-modischen Präferenzen bestimmt (vom ökonomischen Aspekt des Preises abgesehen), die ich mir nicht zuvor ausgesucht habe.
Dynamis hat geschrieben :
Sa 6. Jun 2026, 20:37
Consul hat geschrieben :
Fr 5. Jun 2026, 23:15
Letzten Endes ist deine entscheidungs- und handlungsbestimmende geistige Beschaffenheit, dein Charakter, deine Persönlichkeit, dein psychischer Habitus als ein Gefüge von Dispositionen oder Tendenzen des Denkens, Glaubens, Wollens und Verhaltens/Handelns etwas Vorgegebenes, das du nicht frei bestimmt und geschaffen hast, und auch nicht frei gestalten konntest.
Nur gibt es so etwas wie eine "entscheidungs- und handlungsbestimmende geistige Beschaffenheit" nicht. Es gibt "Dispositionen oder Tendenzen des Denkens, Glaubens, Wollens und Verhaltens/Handelns", das ja, aber kein bestimmendes "Gefüge", welches daraus resultiert. Darauf habe ich dich schon in der Diskussion zum Thema "Wer oder was ist "Ich"?" hingewiesen. Der Mensch ist keine Blume. Bei einer Blume kannst du die biologische Beschaffenheit im Bestimmungsbuch nachschlagen. Beim Menschen resultieren die Bestimmungen nicht nur aus biologischen oder psychologischen Fakten, sondern auch aus Entscheidungen.
Wie gesagt, wofür oder wogegen du dich (nach Überlegung oder spontan) entscheidest, wird von den oben genannten Faktoren bestimmt oder beeinflusst, für die du dich nicht durch bewusste Akte freier Selbstbestimmung entschieden hast. Ich liebe grünen Tee; aber ich habe mich nie dazu entschieden, grünen Tee statt schwarzen Tee zu lieben.
Kein Akteur oder Subjekt ist der freie Urheber seiner Präferenzen und Interessen, seines psychischen Charakters oder Habitus, weil eine solche Selbsturheberschaft grundsätzlich unmöglich ist. Strawsons diesbezügliches Argument ist hieb- und stichfest!



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Dynamis
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Mi 10. Jun 2026, 19:46

Consul hat geschrieben :
Di 9. Jun 2026, 22:36
Es muss doch gründlicher hinterfragt werden, ob Wollen tatsächlich eine Art von Handeln oder Tun ist. Das äußere/laute Sagen oder das innere/stille Sagen (Denken) von "Ich will…" ist ein Tun; aber dieses ist—sofern es keine Lüge ist—wohl bloß der sprachliche Ausdruck eines Wollens als einer zugrunde liegenden Verhaltensdisposition, die als solche keine Handlung ist.
Da hier niemand behauptet hat, dass das äußere oder innere Sagen eines Satzes identisch ist mit einem Wollen, ist dies kein Argument gegen irgendeine Position, die hier vertreten wurde.
Consul hat geschrieben : Es ist zu unterscheiden zwischen Verhaltensdispositionen und Handlungen als Manifestationen von Verhaltensdispositionen.
Das Sagen oder Denken von "Ich will…" kann selbst als eine Manifestation einer volitiven Verhaltensdisposition betrachtet werden: Wenn ich X tun will, dann bin ich nicht nur dazu disponiert, X zu tun (bzw. zu versuchen, X zu tun), sondern auch dazu zu sagen/denken, dass ich X tun will.

Auf den Punkt mit den Verhaltensdispositionen bin ich bereits eingegangen. Deswegen kann ich an dieser Stelle mich selbst zitieren:
Dynamis hat geschrieben :
Do 4. Jun 2026, 14:36
Consul hat geschrieben : Wenn Wollungen und Begehrungen Verhaltensdispositionen/-tendenzen sind, dann sind sie durch bestimmte Aktionen und Interaktionen (einschließlich Kommunikationen) veränderbar, insbesondere innerhalb einer therapeutischen Situation. Lernprozesse können Verhaltensdispositionen/-tendenzen in der Tat abwandeln (beseitigen, abschwächen oder verstärken).
Ja, philosophisch relevant sind diese Veränderungen dort, wo man Verhaltendispositionen durch Meta-Entscheidungen verändert. Einfaches Beispiel: Jemand entscheidet sich für eine vegane Ernährungsweise. Damit verändert er auch seine eigene Verhaltensdisposition. Dies zeigt sich von nun an bei jeder Gelegenheit, in der er im Restaurant sitzt und dort anhand der Speisekarte sich zwischen verschiedenen Gerichten entscheiden muss. Seine grundlegende Meta-Entscheidung determiniert also seine Entscheidungen, die er bei jedem Restaurant-Besuch zu treffen hat.
Nun ziehst du aus deiner Analyse des Wollens als Verhaltendisposition folgenden Schluss:
Consul hat geschrieben : Ich meine nun, dass Wollen an sich keine sprachliche oder gedankliche Aktion ist, sondern eine Verhaltensdisposition; und wenn es so ist, dann kann ich mir mein Wollen nicht einfach frei aussuchen. Meine Veranlagungen und Einstellungen standen vor ihrem Vorhandensein nicht zur freien Auswahl meinerseits.

In dieser Schlussfolgerung sind zwei Fehler drin:
  • Das "wenn es so ist, dann kann ich mir mein Wollen nicht einfach frei aussuchen" ist ein non sequitur und bereits von mir mit Verweis auf Meta-Entscheidungen widerlegt worden.
  • "Veranlagungen" haben nichts mit unserem Willen zu tun, sondern mit unserer Biologie, deswegen gehört das nicht in diese Diskussion.
Consul hat geschrieben : Wenn ich eine Hose kaufen will, dann ist diesem Wollen keine Entscheidung meinerseits für dieses Wollen vorausgegangen, sondern nur eine Erkennung meines gegebenen Wollens. Welche Hose ich kaufen will, wird von meinen ästhetisch-modischen Präferenzen bestimmt (vom ökonomischen Aspekt des Preises abgesehen), die ich mir nicht zuvor ausgesucht habe.
Wie gesagt, dieser Punkt ist bereits durch den Verweis auf die Möglichkeit von Meta-Entscheidungen widerlegt worden. Aber gerne können wir uns das an diesem konkreten Beispiel veranschaulichen. Gerade hinsichtlich der ästhetisch-modischen Präferenzen ist eine Meta-Entscheidung möglich, z.B. indem man eine prinzipielle Entscheidung trifft, ob man sich in seiner Kleidungswahl eher von ästhetisch-modischen Gesichtspunkten leiten lässt (und dafür auch mal mehr Geld ausgibt) oder eher von ökonomischen Gesichtspunkten (also Kleidung, die funktional und günstig und dafür nicht so hübsch ist, bevorzugt).
Dynamis hat geschrieben :
Sa 6. Jun 2026, 20:37
Consul hat geschrieben :
Fr 5. Jun 2026, 23:15
Wie gesagt, wofür oder wogegen du dich (nach Überlegung oder spontan) entscheidest, wird von den oben genannten Faktoren bestimmt oder beeinflusst, für die du dich nicht durch bewusste Akte freier Selbstbestimmung entschieden hast. Ich liebe grünen Tee; aber ich habe mich nie dazu entschieden, grünen Tee statt schwarzen Tee zu lieben.
Wenn Entscheidungen möglich sind, sind auch Meta-Entscheidungen möglich. Und deine Vorliebe für grünen Tee determiniert nicht, ob du den Tee lieber im Aldi oder im Gschwendner kaufst, auch da ist es eine Frage der Gewichtung, ob du ästhetische oder ökonomische Gesichtspunkte stärker gewichtest, also auch da ist eine Meta-Entscheidung möglich.
Consul hat geschrieben : Kein Akteur oder Subjekt ist der freie Urheber seiner Präferenzen und Interessen, seines psychischen Charakters oder Habitus, weil eine solche Selbsturheberschaft grundsätzlich unmöglich ist. Strawsons diesbezügliches Argument ist hieb- und stichfest!
Ich bin hier nur auf die Kritik eingegangen, die du an meiner Position geübt hast. Ich habe keine Ahnung, was "Strawsons diesbezügliches Argument" ist, weil ich mir nicht die Freiheit-Diskussion von Anfang bis Ende durchgelesen habe und auch nicht vor habe, es zu tun. Wenn das hier relevant ist, kannst du es gerne noch einmal zitieren und erläutern, inwiefern daraus eine Widerlegung meiner Position resultiert. Ich kann nicht alle Leute auf einmal widerlegen. Als du den Schopenhauer zum Thema "Wer oder was ist "Ich"?" zitiert hast, habe ich im Kontext dieser Diskussion eine Replik formuliert. Unsere Diskussion hier in diesem Faden ist eine Fortsetzung davon. Wenn wir uns darauf geeinigt haben, dass damit der Schopenhauer widerlegt ist, kann ich mir gerne als nächstes Strawson vornehmen.




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Consul
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Mi 10. Jun 2026, 21:47

Dynamis hat geschrieben :
Mi 10. Jun 2026, 19:46
Consul hat geschrieben :
Di 9. Jun 2026, 22:36
Kein Akteur oder Subjekt ist der freie Urheber seiner Präferenzen und Interessen, seines psychischen Charakters oder Habitus, weil eine solche Selbsturheberschaft grundsätzlich unmöglich ist. Strawsons diesbezügliches Argument ist hieb- und stichfest!
Ich bin hier nur auf die Kritik eingegangen, die du an meiner Position geübt hast. Ich habe keine Ahnung, was "Strawsons diesbezügliches Argument" ist, weil ich mir nicht die Freiheit-Diskussion von Anfang bis Ende durchgelesen habe und auch nicht vor habe, es zu tun.
Siehe: viewtopic.php?p=102092#p102092



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Do 11. Jun 2026, 07:53

Consul hat geschrieben :
Di 9. Jun 2026, 22:36
Wenn ich eine Hose kaufen will, dann ist diesem Wollen keine Entscheidung meinerseits für dieses Wollen vorausgegangen, sondern nur eine Erkennung meines gegebenen Wollens. Welche Hose ich kaufen will, wird von meinen ästhetisch-modischen Präferenzen bestimmt (vom ökonomischen Aspekt des Preises abgesehen), die ich mir nicht zuvor ausgesucht habe.
Gerade die Tatsache, dass wir unser „Wollen“ erkennen (ich vermute, das ist mit Erkennung gemeint) und dazu einen reflexiven Abstand einnehmen können, ist ein wichtiger Aspekt unserer Freiheit. Nehmen wir an, du bevorzugst helle Chinos. Diese Präferenz bewirkt aber keineswegs, dass du jedes Mal, wenn du eine solche Hose siehst, automatisch eine kaufst. Das wäre ein bloßes Reiz-Reaktions-Schema. Tatsächlich kannst du abwägen und dir klarmachen, dass du keine weitere Chino brauchst, weil bereits hundert davon im Kleiderschrank hängen.

Außerdem ist gerade der Umstand, dass wir unseren Präferenzen folgen können, aber nicht müssen, ein wichtiger Aspekt menschlicher Freiheit. Es ist beispielsweise kein Argument gegen Freiheit, dass jemand gemäß seinen Talenten und Präferenzen leben kann. Eher das Gegenteil. Präferenzen – auch solche, die wir uns nicht ausgesucht haben – können Gründe für unsere Entscheidungen liefern. Sie sind aber nicht prinzipiell Ursachen, die Entscheidungen zwangsläufig kausal hervorbringen.

Nebenbei: Die eigenen ästhetischen oder modischen Präferenzen sind übrigens keineswegs einfach etwas Gegebenes. Man kann sie bilden, kultivieren und verändern. Man kann sie als die eigenen akzeptieren oder auch kritisch hinterfragen und nach anderen Optionen Ausschau halten.



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Rudolf Pirnbacher
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Zu diesem Diskurs möchte ich noch mal auf folgenden Beitrag verweisen:
Rudolf Pirnbacher hat geschrieben :
Di 26. Mai 2026, 22:36
Bezüglich Beitrag von Consul: „Die Behauptung lautet folglich nicht, dass Menschen die Art, wie sie sind, nicht ändern könnten. Dies können sie durchaus in gewissen Hinsichten (die von Nordamerikanern tendenziell über- und von Europäern womöglich unterschätzt werden). Die Behauptung besagt lediglich, dass man von Menschen nicht erwarten kann, sich derart zu verändern, dass sie für die Art, wie sie sind – und mithin für ihre Handlungen –, wahrhaft oder letztendlich moralisch verantwortlich sind oder sein werden.“
Ich vertrete hier den Freiheitsbegriff von Julian Nida-Rümelin, der sich selbst als Libertarier bezeichnet. In seinem Buch „Über menschliche Freiheit“ beschreibt er Freiheit als „die spezifische Fähigkeit des Menschen Gründe abzuwägen und dieser Abwägung entsprechend zu handeln“. Bezeichnend ist auch seine Aussage:
„So ist die Frage ganz unerheblich, ob eine Person von ihrem Charakter her wirklich in der Lage wäre, ganz etwas anderes zu tun als sie tatsächlich tut, um sich als frei zu bezeichnen. Wichtig ist lediglich, dass für diese Person das Abwägen von Gründen eine für ihr Handeln und ihr Urteilen ausschlaggebende Rolle spielt.“
Im Sinne Nida-Rümelins geht es nur darum, dass ein Akteur grundsätzlich mehrere Optionen vorfindet, zu denen er sich entscheiden könnte, wenn er nur wollte. Ob er dies wegen seines Charakters auch tatsächlich tun könnte ist dagegen für Nida-Rümelin unerheblich.
Da der Freiheitsbegriff leicht missverstanden wird, möchte ich nochmals auf folgenden Beitrag verweisen:
Rudolf Pirnbacher hat geschrieben :
Do 28. Mai 2026, 21:40
Da der Begriff "Freier Wille" höchst unterschiedlich verstanden und interpretiert wird, sollte aus meiner Sicht besser das Begriffspaar "Selbstbestimmtes Wille" und "Fremdbestimmter Wille" verwendet werden. Je nachdem wie weit sich jemand selbst um möglichst objektive Erkenntnis bemüht nähert er sich einem selbstbestimmten Willen an. Dies im Sinne von Kant: „Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“
Selbstbestimmung hat sowohl mit einem ausgewogenen Sozialverhalten zu tun als auch mit dem Erkennen von Gründen, mit dem Verstehen von Abhängigkeiten, Vernetztheiten, und Zusammenhängen, mit dem Wissen um einer großen Anzahl von möglichen Handlungsalternativen und deren Auswirkungen oder allgemein gesagt mit dem Erkennen der Prinzipien der Vernunft und einem gut angenäherten Wissen
von der Realität. Die Realität sowie die Prinzipien der Vernunft umfassen dabei den gesamten Einflussbereich des Menschen, also neben der Natur alles Lebendige, insbesondere den Menschen und seine Kultur. Vieles kann der Mensch durch eigenes Beobachten erkennen, vieles wird durch Tradition und Erziehung vermittelt, aber nicht alles davon ist richtig oder vernünftig. Zur Überprüfung bzw. zur Vertiefung dieses Wissens können die Wissenschaften beitragen.

Dabei wird davon ausgegangen, dass es Wahrheit bzw. Annäherungen an die Wahrheit in wissenschaftlicher Hinsicht gibt, und dass es Prinzipien der Vernunft im Sinne einer universalistischen Ethik geben könnte. Ein Relativismus im Sinne von „alles ist wahr bzw. richtig und nichts ist falsch“ wird abgelehnt. Bezüglich eines globalen Zusammenlebens wird davon ausgegangen, dass sich das vernunftbegabte Wesen Mensch stetig diesen Prinzipien der Vernunft annähern kann.

Zur Thematik, wie ein selbstbestimmter Wille überhaupt realisiert werden kann, siehe folgenden Post aus dem Blog Prozess Ontologie:
posting.php?mode=quote&f=35&p=102727




Rudolf Pirnbacher
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Rudolf Pirnbacher hat geschrieben :
Do 11. Jun 2026, 09:33
Zu diesem Diskurs möchte ich noch mal auf folgenden Beitrag verweisen:
Rudolf Pirnbacher hat geschrieben :
Di 26. Mai 2026, 22:36
Bezüglich Beitrag von Consul: „Die Behauptung lautet folglich nicht, dass Menschen die Art, wie sie sind, nicht ändern könnten. Dies können sie durchaus in gewissen Hinsichten (die von Nordamerikanern tendenziell über- und von Europäern womöglich unterschätzt werden). Die Behauptung besagt lediglich, dass man von Menschen nicht erwarten kann, sich derart zu verändern, dass sie für die Art, wie sie sind – und mithin für ihre Handlungen –, wahrhaft oder letztendlich moralisch verantwortlich sind oder sein werden.“
Ich vertrete hier den Freiheitsbegriff von Julian Nida-Rümelin, der sich selbst als Libertarier bezeichnet. In seinem Buch „Über menschliche Freiheit“ beschreibt er Freiheit als „die spezifische Fähigkeit des Menschen Gründe abzuwägen und dieser Abwägung entsprechend zu handeln“. Bezeichnend ist auch seine Aussage:
„So ist die Frage ganz unerheblich, ob eine Person von ihrem Charakter her wirklich in der Lage wäre, ganz etwas anderes zu tun als sie tatsächlich tut, um sich als frei zu bezeichnen. Wichtig ist lediglich, dass für diese Person das Abwägen von Gründen eine für ihr Handeln und ihr Urteilen ausschlaggebende Rolle spielt.“
Im Sinne Nida-Rümelins geht es nur darum, dass ein Akteur grundsätzlich mehrere Optionen vorfindet, zu denen er sich entscheiden könnte, wenn er nur wollte. Ob er dies wegen seines Charakters auch tatsächlich tun könnte ist dagegen für Nida-Rümelin unerheblich.
Da der Freiheitsbegriff leicht missverstanden wird, möchte ich nochmals auf folgenden Beitrag verweisen:
Rudolf Pirnbacher hat geschrieben :
Do 28. Mai 2026, 21:40
Da der Begriff "Freier Wille" höchst unterschiedlich verstanden und interpretiert wird, sollte aus meiner Sicht besser das Begriffspaar "Selbstbestimmtes Wille" und "Fremdbestimmter Wille" verwendet werden. Je nachdem wie weit sich jemand selbst um möglichst objektive Erkenntnis bemüht nähert er sich einem selbstbestimmten Willen an. Dies im Sinne von Kant: „Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“
Selbstbestimmung hat sowohl mit einem ausgewogenen Sozialverhalten zu tun als auch mit dem Erkennen von Gründen, mit dem Verstehen von Abhängigkeiten, Vernetztheiten, und Zusammenhängen, mit dem Wissen um einer großen Anzahl von möglichen Handlungsalternativen und deren Auswirkungen oder allgemein gesagt mit dem Erkennen der Prinzipien der Vernunft und einem gut angenäherten Wissen
von der Realität. Die Realität sowie die Prinzipien der Vernunft umfassen dabei den gesamten Einflussbereich des Menschen, also neben der Natur alles Lebendige, insbesondere den Menschen und seine Kultur. Vieles kann der Mensch durch eigenes Beobachten erkennen, vieles wird durch Tradition und Erziehung vermittelt, aber nicht alles davon ist richtig oder vernünftig. Zur Überprüfung bzw. zur Vertiefung dieses Wissens können die Wissenschaften beitragen.

Dabei wird davon ausgegangen, dass es Wahrheit bzw. Annäherungen an die Wahrheit in wissenschaftlicher Hinsicht gibt, und dass es Prinzipien der Vernunft im Sinne einer universalistischen Ethik geben könnte. Ein Relativismus im Sinne von „alles ist wahr bzw. richtig und nichts ist falsch“ wird abgelehnt. Bezüglich eines globalen Zusammenlebens wird davon ausgegangen, dass sich das vernunftbegabte Wesen Mensch stetig diesen Prinzipien der Vernunft annähern kann.

Zur Thematik, wie ein selbstbestimmter Wille überhaupt realisiert werden kann, siehe folgenden Post aus dem Blog Prozess Ontologie:

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Nida-Rümelin, in "unaufgeregter Realismus" hat geschrieben : Der Realismus, für den ich plädiere, nimmt Gründe ernst. Weder werden Gründe als bloße Instrumente der Optimierung eines angenehmen Lebens begriffen [...]. Dieser Realismus geht davon aus, dass es empirische wie normative Tatsachen gibt, die für Überzeugungen, Handlungen, auch für emotive Einstellungen sprechen. Gründe sind nicht konstruiert, sondern real. Sie beziehen sich auf empirische und normative Tatsachen.
Ich habe das jetzt (endlich) mal rausgesucht, da Nida-Rümelin hier wiederholt herangezogen wurde.



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Do 11. Jun 2026, 20:25

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Do 11. Jun 2026, 07:53
Außerdem ist gerade der Umstand, dass wir unseren Präferenzen folgen können, aber nicht müssen, ein wichtiger Aspekt menschlicher Freiheit.
Man kann es auch so ausdrücken: Wenn eine Präferenz uns determiniert, dann hat sie eben nichts mit unserem Willen zu tun. Solche Fälle gibt es vermutlich: Wenn man einen Menschen stark genug foltert, bringt man ihn in einen Zustand, in dem er durch seine Präferenz so stark determiniert ist, dass er alles Erdenkliche tun wird, damit das Leid endlich aufhört. Aber das ist dann gerade ein Zustand, wo sein Willen gebrochen ist, wo er keinen Willen mehr hat. Wenn also unser Wille irgendetwas zu sagen hat, dann kann unser Verhalten nicht vollständig durch Präferenzen determiniert sein.




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Consul hat geschrieben :
Mi 10. Jun 2026, 21:47
Dynamis hat geschrieben :
Mi 10. Jun 2026, 19:46
Consul hat geschrieben :
Di 9. Jun 2026, 22:36
Kein Akteur oder Subjekt ist der freie Urheber seiner Präferenzen und Interessen, seines psychischen Charakters oder Habitus, weil eine solche Selbsturheberschaft grundsätzlich unmöglich ist. Strawsons diesbezügliches Argument ist hieb- und stichfest!
Ich bin hier nur auf die Kritik eingegangen, die du an meiner Position geübt hast. Ich habe keine Ahnung, was "Strawsons diesbezügliches Argument" ist, weil ich mir nicht die Freiheit-Diskussion von Anfang bis Ende durchgelesen habe und auch nicht vor habe, es zu tun.
Siehe: viewtopic.php?p=102092#p102092
Das Argument ist gegen moralische Verantwortung gerichtet. Sicher auch ein spannendes Thema, aber gerade ist es kein Thema, welches von mir diskutiert wird. Außerdem enthält das Argument einen infiniten Regress von derselben Bauart, wie man ihn bereits bei Schopenhauer findet. Zum Argument von Schopenhauer habe ich bereits eine Replik formuliert. Es gibt nun drei Möglichkeiten:
  • Meine Replik widerlegt das Argument von Schopenhauer nicht. Dann kannst du es mit Bezug auf Schopenhauer kritisieren und wir müssen nicht Strawson diskutieren.
  • Meine Replik widerlegt zwar Schopenhauer, aber nicht Strawson. Immerhin, ein Teilerfolg für mich. Dann kannst du erklären, was Strawson anders macht als Schopenhauer.
  • Mein Argument widerlegt Schopenhauers infiniten Regress und funktioniert genauso gut auch gegen Strawsons infiniten Regress. Umso besser für mich: Dann habe ich zwei Fliegen mit einer Kappe erschlagen.




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