Rechtspopulismus: Eine Bewegung von Narzissten

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Dynamis
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So 5. Jul 2026, 11:06

Andreas Püttmann hat geschrieben : Auf der anderen Seite erklären Linke die Rechtsradikalisierung traditionell mit sozialen Missständen. Ungerechtigkeit und Armut in kapitalistischen Systemen brächten notwendigerweise Faschismus hervor."
Diesen Punkt hatte ich schon vorher kritisiert:
Dynamis hat geschrieben :
Fr 5. Jun 2026, 16:18
Ich finde es auffällig, wie der Autor auf der einen Seite behauptet, dass "linke Erklärungsmuster" versagen würde, und auf der anderen Seite selbst ein Zitat bringt, welches darauf verweist, dass "neoliberale Denkstrukturen für die Ausprägungen von Anspruchsdenken verantwortlich sind". Linke kritisieren doch andauernd neoliberale Denkstrukturen, oder habe ich da etwas falsch verstanden? Außerdem sind neoliberale Denkstrukturen in einem Wirtschaftssystem, welches auf Konkurrenz und Ausbeutung setzt, nicht besonders überraschend. Ein materialistisch argumentierender Marxist würde jetzt sagen "Das Sein bestimmt das Bewusstsein."
Meine Aussage "Linke kritisieren doch andauernd neoliberale Denkstrukturen" hatte ich dann nachher noch mit einem Beispiel untermauert:
Gerd Wiegel hat geschrieben : "Vor dem Hintergrund des Zusammenbruchs des Realsozialismus, des Siegeszugs eines immer unbegrenzteren Kapitalismus und der weiteren Durchsetzung eines sich radikalisierenden Neoliberalismus erzielten in Österreich, Frankreich und Italien Parteien Erfolge, die eine modernisierte Form der extremen Rechten (vgl. Wiegel 2018) repräsentieren. Sie stießen nach und nach in Lücken vor, die vom etablierten Parteienspektrum und vor allem von den sozialdemokratischen Parteien gelassen wurden (vgl. Bathke/Spindler 2006, Butterwegge/Hentges 2008).

Die mit dem neoliberalen Modell einhergehende Vermarktlichung der gesellschaftlichen Beziehungen führte zur Etablierung von innergesellschaftlichen Konkurrenzmechanismen, die von dieser modernisierten extremen Rechten politisch aufgegriffen wurden. Wilhelm Heitmeyer u.a. haben in ihren Untersuchungen über ein Jahrzehnt (Heitmeyer 2001ff.) gezeigt, wie neoliberale Konkurrenzlogiken zu Ausgrenzungen verschiedener Gruppen der Bevölkerung führten. Die »gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit« richtet sich gegen Migrant*innen, Arbeitslose, Homosexuelle und andere Gruppen. Sie bildet bis heute die ideologische Basis des politisch erfolgreichen Teils der extremen Rechten."

In dieser Textstelle erwähnte Literatur:
Bathke, Peter/Spindler, Susanne (Hrsg.) (2006): Neoliberalismus und Rechtsextremismus in Europa.
Butterwegge, Christoph/Hentges, Gudrun (Hrsg.) (2008): Rechtspopulismus, Arbeitswelt und Armut. Befunde aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Heitmeyer, Wilhelm (2002-2011): Deutsche Zustände, 10 Bde.
Wiegel, Gerd (2018): Die modernisierte radikale Rechte in Europa. Ausprägungen und Varianten, in: Mario Candeias (Hrsg.), Rechtspopulismus, radikale Rechte, Faschisierung. Bestimmungsversuche, Erklärungsmuster und Gegenstrategien, Materialien Nr. 24 Rosa-Luxemburg-Stifung.
Die entsprechende Stelle, wo auf "neoliberale Konkurrenzlogiken" verwiesen wird, habe ich zu deiner Kenntnisnahme rot markiert.

Dieser Widerspruch in Püttmanns Argumentation fällt schon auf. Auf der einen Seite positioniert er sich gegen "die Linken", auf der anderen Seite bringt er aber selbst ein Argument, warum sie recht haben könnten.

Dir, Timberlake, unterläuft ebenfalls ein Widerspruch:
Timberlake hat geschrieben :
Sa 4. Jul 2026, 23:56
Nur glaube ich nicht daran, dass man "notwendigerweise" dadurch dem Faschismus das Wasser abgraben kann, in dem man gegen soziale Missstände Ungerechtigkeit und Armut in kapitalistischen Systemen vorgeht.
Wenn soziale Missstände die Ursache des Faschismus sind, dann impliziert dies doch eines: Man kann dem Faschismus das Wasser abgraben, indem man gegen soziale Missstände vorgeht. Wenn man soziale Missstände behoben hat und der Faschismus ist dann immer noch da, dann waren soziale Missstände eben nicht die Erklärung für den Faschismus.

Du sagst nun "Was mich betrifft, so gehöre ich zu dieser anderen Seite", also zu dieser anderen Seite, die in den Worten Püttmanns die Rechtsentwicklung "traditionell mit sozialen Missständen. Ungerechtigkeit und Armut in kapitalistischen Systemen" erklärt. Aber dennoch glaubst du nicht, dass man dem Faschismus das Wasser abgraben kann, indem man gegen soziale Missstände vorgeht. Das ist eben dein Widerspruch.

Dass dir dieser Widerspruch unterläuft, ist nicht verwunderlich. Schließlich hast du dich schon vorher Spenglers Analyse angeschlossen, indem über eine "lebendige Natur" gesprochen hast. Ich empfehle dir daher noch einmal die beiden verschiedenen Analyseansätze auseinanderzuhalten: Entweder betreibt man Kapitalismuskritik oder man erklärt die Geschehnisse in der Welt mit einer wie auch immer gearteten "Natur". Beides gleichzeitig geht nicht:
Dynamis hat geschrieben :
Mi 24. Jun 2026, 09:38
Der Witz an der Kapitalismuskritik ist ja eben die Ersetzung einer naturalistischen oder moralinsauren Sichtweise durch die systemische Sichtweise. Man erklärt ökonomische und politische Phänomene nicht mehr dadurch, dass man die "Natur des Menschen" dafür verantwortlich macht oder moralische Verfehlungen anprangert, sondern man erklärt sie dadurch, dass man sie als systemisch bedingt durch den Kapitalismus analysiert. Wenn du mit dieser Form von Systemkritik nichts anzufangen weißt, alles gut, dann bist du eben anderer Meinung als der Kapitalismuskritiker. Dann machst du eben stattdessen die "Ökonomie der Arterhaltung" für die massiven Zerstörungen, die in unserer Welt angerichtet werden, verantwortlich. Ist ja auch ein möglicher Analyseansatz.

Aber bitte vermische die beiden Ansätze, Naturalismus und Systemkritik, nicht.




Timberlake
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So 5. Jul 2026, 20:30

Dynamis hat geschrieben :
So 5. Jul 2026, 11:06
Andreas Püttmann hat geschrieben : Auf der anderen Seite erklären Linke die Rechtsradikalisierung traditionell mit sozialen Missständen. Ungerechtigkeit und Armut in kapitalistischen Systemen brächten notwendigerweise Faschismus hervor."
Diesen Punkt hatte ich schon vorher kritisiert:
Dynamis hat geschrieben :
Fr 5. Jun 2026, 16:18
Ich finde es auffällig, wie der Autor auf der einen Seite behauptet, dass "linke Erklärungsmuster" versagen würde, und auf der anderen Seite selbst ein Zitat bringt, welches darauf verweist, dass "neoliberale Denkstrukturen für die Ausprägungen von Anspruchsdenken verantwortlich sind". Linke kritisieren doch andauernd neoliberale Denkstrukturen, oder habe ich da etwas falsch verstanden? Außerdem sind neoliberale Denkstrukturen in einem Wirtschaftssystem, welches auf Konkurrenz und Ausbeutung setzt, nicht besonders überraschend. Ein materialistisch argumentierender Marxist würde jetzt sagen "Das Sein bestimmt das Bewusstsein."
Der Autor, also Andreas Püttmann, als Autor von "Rechtspopulismus: Eine Bewegung von Narzissten" behauptet, dass "linke Erklärungsmuster" versagen würden?
RosiG2 hat geschrieben :
Fr 5. Jun 2026, 14:48
Rechtspopulismus: Eine Bewegung von Narzissten
von Andreas Püttmann


"An der (wechselseitig) selbstbezichtigenden Defizitanalyse demokratischer Politiker wirken Rechtspopulisten eifrig mit, getragen von den Agitationswellen der sie unterstützenden Medienphalanx
[ ... ] Die Politiker der »Systemparteien« könnten es nicht, und deshalb wende sich das Volk völlig zu Recht von ihnen ab.

Auf der anderen Seite erklären Linke die Rechtsradikalisierung traditionell mit sozialen Missständen. Ungerechtigkeit und Armut in kapitalistischen Systemen brächten notwendigerweise Faschismus hervor. Herrschende und einflussreiche Superreiche müssten den Bedrückten nur einflüstern, dass Migranten, globalistische Eliten und »woke« Bildungsbürger an ihrem Elend schuld seien – und schon vertrauten sich die Massen den Verheißungen einer autoritären Führung an. Dagegen warnt die jüngste Mitte-Studie pointiert vor der »sich hartnäckig« haltenden These, die Anfälligkeit für rechtsextreme Einstellungen sei ökonomisch induziert: »Bei genauerem Hinsehen« zeige sich, dass »das Einkommen in einem wechselseitigen Verhältnis zum Bildungshintergrund« stehe, der entscheidender sein könne; zudem wirke sich »die subjektive Einschätzung der sozioökonomischen Lage, wie etwa das Gefühl, nicht gerecht behandelt zu werden, auf die Zustimmung zu rechtsextremen Aussagen aus«.2 Bauchgefühle und Lebenszufriedenheit sind aber ein schwankender Boden für die Feststellung tatsächlicher Benachteiligung."
...
Wenn man nund das von dir dazu vorgebrachte Zitat, als da wäre ..

"Auf der anderen Seite erklären Linke die Rechtsradikalisierung traditionell mit sozialen Missständen. Ungerechtigkeit und Armut in kapitalistischen Systemen brächten notwendigerweise Faschismus hervor."

.. zur Gänze, in diesem Kontext betrachtet, so wird von ihm lediglich festgestellt, dass auf der anderen Seite Linke die Rechtsradikalisierung traditionell mit sozialen Missständen erklären. Das seiner Meinung nach "linke Erklärungsmuster" versagen würden, ist jedenfalls aus diesem Zitat nicht ersichtlich. Ich würde sogar meinen, dass wenn er das behauptet , er sich widerspricht. Denn was würde denn dagegen sprechen, dass z,B. Herrschende und einflussreiche Superreiche den Bedrückten nur einflüstern müssten, dass Migranten, globalistische Eliten und »woke« Bildungsbürger an ihrem Elend schuld seien – und schon vertrauten sich die Massen den Verheißungen einer autoritären Führung an. Das passiert doch tatsächlich. Übrigens auch, dass .. die Politiker der »Systemparteien« :!: . .. es nicht könnten. Dazu nur mal zur Erinnerung ..
Timberlake hat geschrieben :
Sa 4. Jul 2026, 23:56




"Es wird sich nichts mehr ändern meine Damen und Herren, CDU CSU SPD FDP und die Grünen und auch die AFD das ist eine Einheitspartei.
Es kann sich nichts ändern meine Damen und Herren. Die haben sich diesem .. kapitalistischen System :!: .. verschworen.
Dynamis hat geschrieben :
So 5. Jul 2026, 11:06

Dir, Timberlake, unterläuft ebenfalls ein Widerspruch:
Timberlake hat geschrieben :
Sa 4. Jul 2026, 23:56
Nur glaube ich nicht daran, dass man "notwendigerweise" dadurch dem Faschismus das Wasser abgraben kann, in dem man gegen soziale Missstände Ungerechtigkeit und Armut in kapitalistischen Systemen vorgeht.
Wenn soziale Missstände die Ursache des Faschismus sind, dann impliziert dies doch eines: Man kann dem Faschismus das Wasser abgraben, indem man gegen soziale Missstände vorgeht. Wenn man soziale Missstände behoben hat und der Faschismus ist dann immer noch da, dann waren soziale Missstände eben nicht die Erklärung für den Faschismus.


Deshalb, weil diese soziale Missstände systemisch :!: , sind kann man übrigens dagegen nicht vorgehen. So das ich einmal davon ausgehe, dass vielmehr dir ein Widerspruch unterläuft, und zwar , weil man das deiner Meinung nach kann, ein Widerspruch zum kapitalistische System. Das ist diesem System inhärent.
Dynamis hat geschrieben :
Fr 5. Jun 2026, 16:18
Ich finde es auffällig, wie der Autor auf der einen Seite behauptet, dass "linke Erklärungsmuster" versagen würde, und auf der anderen Seite selbst ein Zitat bringt, welches darauf verweist, dass "neoliberale Denkstrukturen für die Ausprägungen von Anspruchsdenken verantwortlich sind". Linke kritisieren doch andauernd neoliberale Denkstrukturen, oder habe ich da etwas falsch verstanden? Außerdem sind neoliberale Denkstrukturen in einem ... Wirtschaftssystem .. , welches auf Konkurrenz und Ausbeutung setzt, nicht besonders überraschend. Ein materialistisch argumentierender Marxist würde jetzt sagen "Das Sein bestimmt das Bewusstsein."
Geht man danach, so würde ich sogar meinen , dass du dich mehr noch darin selbst widersprichst.




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Consul
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Mo 6. Jul 2026, 00:41

Dynamis hat geschrieben :
Fr 5. Jun 2026, 16:18
Linke kritisieren doch andauernd neoliberale Denkstrukturen, oder habe ich da etwas falsch verstanden?
Was ist der Neoliberalismus? Siehe: viewtopic.php?p=103543#p103543



"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding

Dynamis
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Mo 6. Jul 2026, 07:57

Timberlake hat geschrieben :
So 5. Jul 2026, 20:30
Der Autor, also Andreas Püttmann, als Autor von "Rechtspopulismus: Eine Bewegung von Narzissten" behauptet, dass "linke Erklärungsmuster" versagen würden?
Püttmann schreibt:
Püttmann hat geschrieben : Plausibler als konservative und linke Schuldzuschreibungen an demokratische Politiker ist dann doch folgende Annahme: Zunehmende rechtsradikale Gesinnung und Ressentiments haben wesentlich mit den Menschen selbst zu tun.
Dieser Satz, dass etwas "mit den Menschen selbst zu tun" hat, ist natürlich eine Leerformel. In der Politik geht es nun einmal um Menschen und nicht um Steine, daher hat alles irgendwie mit den Menschen selbst zu tun. Erklärt ist mit einer solchen Floskel allerdings noch nichts.

Timberlake hat geschrieben : Denn was würde denn dagegen sprechen, dass z,B. Herrschende und einflussreiche Superreiche den Bedrückten nur einflüstern müssten, dass Migranten, globalistische Eliten und »woke« Bildungsbürger an ihrem Elend schuld seien – und schon vertrauten sich die Massen den Verheißungen einer autoritären Führung an. Das passiert doch tatsächlich. Übrigens auch, dass .. die Politiker der »Systemparteien« :!: . .. es nicht könnten.
Die ersten Kommunisten, die sich mit Faschismus auseinandergesetzt haben, haben tatsächlich so vereinfachend gedacht wie du es hier jetzt tust. Und dann kam Clara Zetkin und hat sie eines Besseren belehrt:
Manfred Weißbecker hat geschrieben : Es war Clara Zetkin, die im Juni 1923 auf einer Tagung der Kommunistischen Internationale eine erste umfassende Analyse der neuen Erscheinung vorlegte. Sie schaute sowohl auf den Faschismus, der nach dem »Marsch auf Rom« im Oktober 1922 in Italien an die Macht gelangt war, als auch auf jene Kräfte, die aus Bayern gen »Berlin« marschieren und die Weimarer Republik zu Fall bringen wollten. Sorgfältig unterschied sie dieses Geschehen von Gewalterscheinungen des »weißen Terrors« in anderen Ländern. Faschismus sei mehr als nur das Wirken gewalttätiger Garden. Die neuen Dienste des Faschismus würden von der Bourgeoisie mit Kusshand angenommen werden, weshalb sie ihm weiteste Bewegungsfreiheit im Gegensatz zu all ihren geschriebenen und ungeschriebenen Gesetzen gewähre. Sie nähre, erhalte und fördere ihn »mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln des Geldschranks und der politischen Macht.« Generell galt ihr der Faschismus als »Ausdruck der Generaloffensive der Weltbourgeoisie in diesem Augenblick«, doch zugleich lenkte sie - im besten Sinne marxistisch, also dialektisch-materialistisch - den Blick auf gern übersehene, doch unübersehbare gewordene Tatsachen: Der Faschismus existiere als eine »Massenbewegung breiter Schichten nicht nur von Kleinbürgern und Kleinbauern, sondern auch von unaufgeklärten proletarischen Elementen«. Und sie schlussfolgerte: »Nur wenn wir verstehen, dass der Faschismus eine zündende, mitreißende Wirkung auf breite soziale Massen ausübt, die die frühere Existenzsicherheit und damit häufig den Glauben an die Ordnung von heute schon verloren haben, werden wir ihn bekämpfen können.«
Dieses Zusammenschauen auf Grundinteressen der herrschenden Klasse einerseits und andererseits auf die Möglichkeit, dass Faschisten Zustimmung und Unterstützung von größeren Teilen der Bevölkerung erhalten, beruhte auf einer nüchternen Analyse realer Vorgänge und Erscheinungen. Doch führenden Kommunisten ging das in den weiteren 1920er Jahren verloren. (Quelle: "Der historische Faschismus und frühe marxistische Deutungen - Schnee von gestern oder doch beachtenswert?" in: Z. Zeitschrift marxistische Erneuerung, Juni 2026.)
Die entscheidenden Teile habe ich für dich zur Kenntnisnahme rot markiert. Der Faschismus ist nicht einfach nur das Ergebnis geschickter Indoktrination durch die herrschende Klasse, da liegst du falsch. Er ist komplexer gedacht das Zusammenwirken von geschickter Indoktrination und Krisenbewusstsein und Unaufgeklärtheit. Das ist auch logisch. Die Herrschenden können dich nämlich nur indoktrinieren, wenn du dich auch indoktrinieren lässt. Aber du musst dich halt nicht indoktrinieren lassen. Du kannst die Herrschenden stattdessen auch einfach auslachen. Wenn das nicht getan wird, muss man sich natürlich die Frage stellen, warum das nicht getan wird, warum die Indoktrinationsbemühungen überhaupt ernst genommen werden.
Timberlake hat geschrieben : Deshalb, weil diese soziale Missstände systemisch :!: , sind kann man übrigens dagegen nicht vorgehen.
Das ist natürlich eine falsche und in sich selbst widersprüchliche Schlussfolgerung. Nehmen wir mal für einen kurzen Augenblick an, dass es unmöglich sei gegen ein System vorzugehen. Aber dann sind diese sozialen Missstände eben nicht systemisch, sondern eben durch diese von dir herausgestellte Unmöglichkeit bedingt. Deine Annahme, dass soziale Missstände systemisch bedingt seien, hätte sich dann also als falsch herausgestellt.




Dynamis
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Mo 6. Jul 2026, 08:37

Consul hat geschrieben :
Mo 6. Jul 2026, 00:41
Dynamis hat geschrieben :
Fr 5. Jun 2026, 16:18
Linke kritisieren doch andauernd neoliberale Denkstrukturen, oder habe ich da etwas falsch verstanden?
Was ist der Neoliberalismus? Siehe: viewtopic.php?p=103543#p103543
Consul, ich verweise noch einmal darauf, was Gerd Wiegel geschrieben hat:
Gerd Wiegel hat geschrieben : Vor dem Hintergrund des Zusammenbruchs des Realsozialismus, des Siegeszugs eines immer unbegrenzteren Kapitalismus und der weiteren Durchsetzung eines sich radikalisierenden Neoliberalismus erzielten in Österreich, Frankreich und Italien Parteien Erfolge, die eine modernisierte Form der extremen Rechten (vgl. Wiegel 2018) repräsentieren. Sie stießen nach und nach in Lücken vor, die vom etablierten Parteienspektrum und vor allem von den sozialdemokratischen Parteien gelassen wurden (vgl. Bathke/Spindler 2006, Butterwegge/Hentges 2008).
Die entscheidende Stelle ist für dich zur Kenntnisnahme rot markiert.

Wiegel würde vermutlich nicht bestreiten, was von dir gezeigt wird: Dass es in der Theorie verschiedene Varianten des Neoliberalismus gibt, darunter auch gemäßigte Varianten, welche verhindern wollen, dass aus dem Kapitalismus eine Art "Monopoly" wird. Er betont jedoch, dass wir es in der Realität "mit einem immer unbegrenzteren Kapitalismus" und einem "sich radikalisierenden Neoliberalismus" zu tun haben. Welche Beschränkungen und Einhegungen neoliberale Theorie auch immer vorsehen mag - in der Realität werden sie nach und nach abgebaut, ebendeswegen, weil der Kapitalismus immer unbegrenzter und der Neoliberalismus immer radikalisierter wird. Gerade in der Gegenwart ist das unübersehbar: Wir haben nun einmal Kapitalisten wie "The Art of the Deal"-Donald Trump oder Black Rock-Friedrich Merz als Regierungschefs. Ganz extrem ist das Beispiel Argentinieren, wo ein bekennender Anarchokapitalist gerade das Sagen hat.




Dynamis
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Mo 6. Jul 2026, 09:31

Consul hat geschrieben :
Mo 6. Jul 2026, 00:41
Dynamis hat geschrieben :
Fr 5. Jun 2026, 16:18
Linke kritisieren doch andauernd neoliberale Denkstrukturen, oder habe ich da etwas falsch verstanden?
Was ist der Neoliberalismus? Siehe: viewtopic.php?p=103543#p103543
Man darf auch nicht vergessen, dass mit Bernd Lucke ein Ökonomie-Professor immerhin Mitgründer der AfD und somit Türöffner für die Rechtspopulisten gewesen ist:
Philip Faigle hat geschrieben : Es ist die Zeit, in der aus dem Wissenschaftler Lucke der Politiker Lucke wird. Immer wieder meldet er sich mit politischen Positionen zu Wort. Die Rettung des Euros über den Krisenmechanismus ESM brandmarkt er als einen historischen Fehler und zieht in mehreren Aufrufen dagegen zu Felde. An der Universität Hamburg, wo Lucke noch immer lehrt, wird man langsam ungehalten – dort befürworten die meisten Ökonomen die Euro-Rettung. Als Lucke im Frühjahr 2013 die AfD gründet, drängt ihn die Uni zur Beurlaubung. Noch heute diskutiert man in Hamburg darüber, ob man Lucke nicht deutlicher widersprechen müsste.

Immerhin tritt Lucke weiter als Professor der Universität auf. Er sagt Sätze wie: "Das ist der neueste Stand der Forschung." Oder: "Was theoretisch falsch ist, kann nicht praktisch richtig sein." Doch wer seine Forschung kennt, weiß, dass die Verbindung zwischen dem Ökonomen Lucke und dem Politiker nur eine lose ist. Lucke hat weder zu den geldpolitischen Problemen gearbeitet, die sich durch die Politik der Europäischen Zentralbank ergeben, noch kennt er sich besonders gut mit Währungsunionen aus. "Er ist weniger von seiner Forschung getrieben", sagt ein Ökonom. "Es geht hier um politische Werteinstellungen."

Niemand streitet ab, dass Lucke ein guter Ökonom ist. Doch, was viele ärgert, ist, dass er seine Weltanschauung als ökonomisches Gesetz verkauft. Der Slogan seiner Partei lautet: "Mut zur Wahrheit!" Lucke glaubt noch heute an Regeln, die das menschliche Verhalten bestimmen, wie in seinen Modellen. Diese Regeln, sagt Lucke, gelten in der Wirtschaft, in der Politik, überall. Wenn die Politik mit Regeln bricht und etwa den Krisenstaaten im Süden mit Krediten beispringt, dann gilt es das zu verhindern – weil es ein Bruch mit den Regeln ist. Wenn die Europäische Währungsunion ökonomisch auseinanderdriftet, dann ist das für Lucke kein Zeichen dafür, dass sich die Regeln ändern müssen. Dann will er den Euro lieber gleich ganz abschaffen. Lucke ist ein Mann des Prinzips. (Quelle: https://www.zeit.de/wirtschaft/2014-05/ ... fd/seite-2)




Timberlake
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Mo 6. Jul 2026, 13:29

Dynamis hat geschrieben :
Mo 6. Jul 2026, 07:57


Die entscheidenden Teile habe ich für dich zur Kenntnisnahme rot markiert. Der Faschismus ist nicht einfach nur das Ergebnis geschickter Indoktrination durch die herrschende Klasse, da liegst du falsch.
Richtig der Faschismus ist m.E. nicht einfach nur das Ergebnis geschickter Indoktrination durch die herrschende Klasse. Indem du mir das unterstellst, also vielmehr du falsch liegst.
Timberlake hat geschrieben :
So 5. Jul 2026, 20:30
Übrigens auch, dass .. die Politiker der »Systemparteien« :!: . .. es nicht könnten. Dazu nur mal zur Erinnerung ..

"Es wird sich nichts mehr ändern meine Damen und Herren, CDU CSU SPD FDP und die Grünen und auch die AFD das ist eine Einheitspartei.
Es kann sich nichts ändern meine Damen und Herren. Die haben sich diesem .. kapitalistischen System :!: .. verschworen.

Deshalb, weil diese soziale Missstände systemisch :!: , sind kann man übrigens dagegen nicht vorgehen. So das ich einmal davon ausgehe, dass vielmehr dir ein Widerspruch unterläuft, und zwar , weil man das deiner Meinung nach kann, ein Widerspruch zum kapitalistische System. Das ist diesem System inhärent.
Dynamis hat geschrieben :
Fr 5. Jun 2026, 16:18
Ich finde es auffällig, wie der Autor auf der einen Seite behauptet, dass "linke Erklärungsmuster" versagen würde, und auf der anderen Seite selbst ein Zitat bringt, welches darauf verweist, dass "neoliberale Denkstrukturen für die Ausprägungen von Anspruchsdenken verantwortlich sind". Linke kritisieren doch andauernd neoliberale Denkstrukturen, oder habe ich da etwas falsch verstanden? Außerdem sind neoliberale Denkstrukturen in einem ... Wirtschaftssystem .. , welches auf Konkurrenz und Ausbeutung setzt, nicht besonders überraschend. Ein materialistisch argumentierender Marxist würde jetzt sagen "Das Sein bestimmt das Bewusstsein."



Denn , wie hier ersichtlich, der Faschismus ist meiner Meinung nach vielmehr "einfach nur" das Ergebnis eines kapitalistischen Systems..



.. und zwar, wenn man Volker Pispers glauben schenken darf, eines kapitalistischen Systems im Endstadium.

So einfach ist das.




Timberlake
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Mo 6. Jul 2026, 14:55

Übrigens ..
Dynamis hat geschrieben :
Fr 5. Jun 2026, 16:18
Ich finde es auffällig, wie der Autor auf der einen Seite behauptet, dass "linke Erklärungsmuster" versagen würde, und auf der anderen Seite selbst ein Zitat bringt, welches darauf verweist, dass "neoliberale Denkstrukturen für die Ausprägungen von Anspruchsdenken verantwortlich sind". Linke kritisieren doch andauernd neoliberale Denkstrukturen, oder habe ich da etwas falsch verstanden? Außerdem sind neoliberale Denkstrukturen in einem ... Wirtschaftssystem .. , welches auf Konkurrenz und Ausbeutung setzt, nicht besonders überraschend. Ein materialistisch argumentierender Marxist würde jetzt sagen "Das Sein bestimmt das Bewusstsein."
Wenn neoliberale Denkstrukturen in einem ... Wirtschaftssystem .. , welches auf Konkurrenz und Ausbeutung setzt, nicht besonders überraschend ist ..
Dynamis hat geschrieben :
So 5. Jul 2026, 11:06


Dir, Timberlake, unterläuft ebenfalls ein Widerspruch:
Timberlake hat geschrieben :
Sa 4. Jul 2026, 23:56
Nur glaube ich nicht daran, dass man "notwendigerweise" dadurch dem Faschismus das Wasser abgraben kann, in dem man gegen soziale Missstände Ungerechtigkeit und Armut in kapitalistischen Systemen vorgeht.
Wenn soziale Missstände die Ursache des Faschismus sind, dann impliziert dies doch eines: Man kann dem Faschismus das Wasser abgraben, indem man gegen soziale Missstände vorgeht.
.. dann sollte es meiner Meinung auch nicht besonders überraschend sein , dass man deshalb dem Faschismus das Wasser nicht abgraben kann, indem man gegen soziale Missstände vorgeht. Wie "gefragt" ..
Timberlake hat geschrieben :
Sa 4. Jul 2026, 23:56


Wenn man denn dagegen vorgehen könnte, warum machen das dann die "demokratischen Politiker" nicht?
Dazu ein Faktenchek ..

Merz stellt Deutschland auf weitere Reformen ein: „Jeder muss seinen Beitrag leisten“

Berlin – Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sieht nach eigenen Angaben bei den meisten Menschen in Deutschland die Bereitschaft zu Reformen. Es müsse aber „gerecht zugehen, und es muss jeder seinen Beitrag leisten“, sagte Merz auf dem Parteitag der CDU Nordrhein-Westfalen. Dort kündigte er auch einen Aktionsplan gegen Sozialleistungsmissbrauch an. Unterdessen sorgte das von der schwarz-roten Koalition am Mittwoch beschlossene Reformpaket weiter für Aufregung – besonders die Pläne zum Vorgehen bei Krankschreibungen riefen Kritik hervor.

Das Interview mit Merz im Faktencheck


Zur Vermögenssteuer sagte Merz nach Fragen der tagesschau-Community im Anschluss an das ARD-Sommerinterview: "Die Vermögenssteuer kommt gar nicht." Das Bundesverfassungsgericht habe das vor zig Jahren ausgesetzt, "weil die Vermögensteuer in Deutschland einfach nicht erhoben werden kann, weil jede Form einer Vermögenssteuer gegen den Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes verstößt." Doch das stimmt so nicht.

Die Vermögensteuer ist nicht verfassungswidrig - im Gegenteil: Im Artikel 106 des Grundgesetzes ist sie explizit als mögliche Steuereinnahmequelle genannt. Das Vermögensteuergesetz wurde nie abgeschafft. Die Abgabe wird jedoch nicht mehr erhoben, seitdem das Bundesverfassungsgericht 1995 die damalige Bemessungsgrundlage als unvereinbar mit dem Grundgesetz erkannt hatte - nicht jedoch die Steuer selbst. Dem Gesetzgeber wurde in der Entscheidung eine Frist eingeräumt, die Bemessungsgrundlage neu zu definieren, worauf er aber verzichtete.

AfD will Vermögensteuer abschaffen

Berlin: Die AfD-Fraktion fordert in einem Antrag die Abschaffung der Vermögensteuer. " Zwar habe das Bundesverfassungsgericht die Erhebung der Steuer ab 1996 für nicht anwendbar erklärt. „Das Vermögensteuergesetz hat allerdings bis heute formellen Bestand, daher dient die Abschaffung des Vermögensteuergesetzes der Rechtssicherheit“, begründen die Antragsteller ihr Vorhaben.
Dazu sollte man wissen ..

Wirtschaftsweise fordern Reform

So ungleich ist Deutschlands Reichtum verteilt

Was bedeutet das alles in absoluten Euro-Beträgen? Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) aus dem Jahr 2020 betrug das Durchschnittsvermögen eines Erwachsenen knapp 140.000 Euro. Das Median-Vermögen, der Betrag also, der die Bevölkerungen in eine ärmere und eine reichere Hälfte teilt, belief sich dagegen auf nur 22.800 Euro. Die Mitglieder dieser ärmeren Hälfte verfügten netto - das heißt nach Abzug von Schulden - im Durchschnitt jeweils gerade einmal über knapp 3700 Euro.




Dynamis
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Mo 6. Jul 2026, 15:31

Timberlake hat geschrieben :
Mo 6. Jul 2026, 13:29
Richtig der Faschismus ist m.E. nicht einfach nur das Ergebnis geschickter Indoktrination durch die herrschende Klasse. Indem du mir das unterstellst, also vielmehr du falsch liegst.
Du unterstellst mir fälschlicherweise, ich hätte dir bloß etwas unterstellt.

Gucken wir uns noch einmal an, was du geschrieben hast:
Timberlake hat geschrieben : Denn was würde denn dagegen sprechen, dass z,B. Herrschende und einflussreiche Superreiche den Bedrückten nur einflüstern müssten, dass Migranten, globalistische Eliten und »woke« Bildungsbürger an ihrem Elend schuld seien – und schon vertrauten sich die Massen den Verheißungen einer autoritären Führung an. Das passiert doch tatsächlich.
Die entscheidenden Stellen habe ich für dich zur Kenntnisnahme rot markiert. Da wird deutlich, dass du dich in deiner Analyse auf die Eliten beziehst. Mit den Worten "Das passiert doch tatsächlich" unterstreichst du außerdem, dass du das, was du da beschreibst, für eine Tatsache hältst. Die bösen Eliten müssen den armen Bedrückten nur etwas "einflüstern" und schwuppdiwupp fangen die armen armen Bedrückten an Konzentrationslager zu bauen. Nein, so einfach können sich die armen armen Bedrückten nun auch wieder nicht aus der Verantwortung stehlen, das wäre zu billig.
Timberlake hat geschrieben : Denn , wie hier ersichtlich, der Faschismus ist meiner Meinung nach vielmehr "einfach nur" das Ergebnis eines kapitalistischen Systems..
Das ist aber auch kein Automatismus. So wird das auch von Manfred Weißbecker analysiert:
Manfred Weißbecker hat geschrieben : Beim historischen Faschismus handelte es sich - so meine These - um eine der damaligen Zeit zuzuordnende Ausgeburt der auf kapitalistischen Fundamenten beruhenden Gesellschaft, um eine der möglichen Folgen des Dranges ökonomisch und politisch Mächtiger nach Maximalprofit und Expansion, um einen Versuch, immanente ökonomische und/oder politische Krisen mit allen Mitteln sowie mit nationalistisch-rassistischer Ideologie dauerhaft bewältigen zu wollen, um eine leider erfolgreich auf Zustimmung vieler Wählerinnen und Wähler stoßende Erscheinung im bürgerlichen Parteienwesen. Letztlich wurden Ziele verfolgt, die allein durch verbrecherische und völkerrechtswidrige Politik, durch Kriege und jedwede Aufhebung der ursprünglich aufklärerisch-humanistischen Anliegen des Bürgertums sowie durch eine Beseitigung aller sozialen und politischen Beschränkungen seiner Macht erreicht werden konnten. [Kursivsetzung im Original] (Quelle: "Der historische Faschismus und frühe marxistische Deutungen - Schnee von gestern oder doch beachtenswert?" in: Z. Zeitschrift marxistische Erneuerung, Juni 2026.)
Manfred Weißbecker verwendet extra Kursivsetzungen und den unbestimmten Artikel ("eine"), um dem Eindruck entgegenzuwirken, als ob er eine deterministische Faschismustheorie vertreten würden.

Weißbecker begründet hier auch, warum der Faschismus selbst innerhalb des Kapitalismus keine unausweichliche Reaktion ist. Er weist darauf hin, dass versucht wird Krisen "mit nationalistisch-rassistischer Ideologie" zu bewältigen. Und das ist nun einmal eine bescheuerte Idee, dass man versucht Krisen mit nationalistisch-rassistischer Ideologie zu bewältigen. Niemand ist gezwungen auf solche Ideen reinzufallen, deswegen ist niemand zum Faschismus gezwungen. So etwas wie einen Determinismus gibt es in diesem Punkt nicht. Da du also die Schuld auf die Eliten schiebst und so tust, als müssten die nur etwas "einflüstern", damit brutale Gewalt ausbricht, machst du einen Fehler und der muss deutlich kritisiert werden.




Timberlake
Beiträge: 3725
Registriert: Mo 16. Mai 2022, 01:29
Wohnort: Shangrila 2.0

Mo 6. Jul 2026, 15:57

Dynamis hat geschrieben :
Mo 6. Jul 2026, 15:31
Timberlake hat geschrieben :
Mo 6. Jul 2026, 13:29
Richtig der Faschismus ist m.E. nicht einfach nur das Ergebnis geschickter Indoktrination durch die herrschende Klasse. Indem du mir das unterstellst, also vielmehr du falsch liegst.
Du unterstellst mir fälschlicherweise, ich hätte dir bloß etwas unterstellt.

Gucken wir uns noch einmal an, was du geschrieben hast:
Timberlake hat geschrieben : Denn was würde denn dagegen sprechen, dass z,B. Herrschende und einflussreiche Superreiche den Bedrückten nur einflüstern müssten, dass Migranten, globalistische Eliten und »woke« Bildungsbürger an ihrem Elend schuld seien – und schon vertrauten sich die Massen den Verheißungen einer autoritären Führung an. Das passiert doch tatsächlich.
Die entscheidenden Stellen habe ich für dich zur Kenntnisnahme rot markiert. Da wird deutlich, dass du dich in deiner Analyse auf die Eliten beziehst. Mit den Worten "Das passiert doch tatsächlich" unterstreichst du außerdem, dass du das, was du da beschreibst, für eine Tatsache hältst. Die bösen Eliten müssen den armen Bedrückten nur etwas "einflüstern" und schwuppdiwupp fangen die armen armen Bedrückten an Konzentrationslager zu bauen. Nein, so einfach können sich die armen armen Bedrückten nun auch wieder nicht aus der Verantwortung stehlen, das wäre zu billig.

Danke, dass du mich darauf aufmerksam gemacht hast. Bietest du mir doch damit die Gelegenheit auf das zu kommen, was ich für das eigentliche Problem halte, und zwar, um das mal mit einer Metapher zu beschreiben, dass man diesbezüglich dazu neigt nicht sauber zwischen einer Krankheit und dessen Symptomen zu trennen.
  • "Denn was würde denn dagegen sprechen, dass z,B. Herrschende und einflussreiche Superreiche den Bedrückten nur einflüstern müssten, dass Migranten, globalistische Eliten und »woke« Bildungsbürger an ihrem Elend schuld seien – und schon vertrauten sich die Massen den Verheißungen einer autoritären Führung an. Das passiert doch tatsächlich.
Ja, das habe ich geschrieben, und ich stehe auch dazu. Nur halte ich das, was da tatsächlich passiert .. Aufgemerkt! .. symptomatisch für ein kapitalistisches System.
Dynamis hat geschrieben :
Fr 5. Jun 2026, 16:18
Ich finde es auffällig, wie der Autor auf der einen Seite behauptet, dass "linke Erklärungsmuster" versagen würde, und auf der anderen Seite selbst ein Zitat bringt, welches darauf verweist, dass "neoliberale Denkstrukturen für die Ausprägungen von Anspruchsdenken verantwortlich sind". Linke kritisieren doch andauernd neoliberale Denkstrukturen, oder habe ich da etwas falsch verstanden? Außerdem sind neoliberale Denkstrukturen in einem ... Wirtschaftssystem .. , welches auf Konkurrenz und Ausbeutung setzt, nicht besonders überraschend. Ein materialistisch argumentierender Marxist würde jetzt sagen "Das Sein bestimmt das Bewusstsein."
Wie ich übrigens auch neoliberale Denkstrukturen symptomatisch für ein kapitalistisches Wirtschaftsystem halte. Insofern dagegen vorzugehen in etwa soviel Sinn macht , wie das man gegen Zahnschmerzen , mit Schmerzmittel vorgeht. Mittlerweile sollte eigentlich feststehen, so wie der Zahn mittweile durch Karies in Mittleidenschaft gezogen wurde, nur noch eines hilft - raus damit. Den dazu erforderlichen Zahnarzt würde ich allerdings sehr viel mehr bei Nietzsches Zarathustra, als denn bei einem Rechtspopulismus, geschweigen denn einer Bewegung von Narzissten verorten. Auch der Linkpopulismus verschreibt übrigens nur Schmerzmittel. Dagegen reagiert man nun mehr allerdings -Glücklicherweise. Denn das , wohin der Linkpopulismus geführt hat, will man ganz sicher nicht ein zweites mal erleben. Dann doch schon lieber den Rechtspopulismus. Weil eine Bewegung von Narzissten , als Schmerzmittell übrigens sehr zu empfehlen




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Mo 6. Jul 2026, 22:58

Timberlake hat geschrieben :
Mo 6. Jul 2026, 13:29
Denn, wie hier ersichtlich, der Faschismus ist meiner Meinung nach vielmehr "einfach nur" das Ergebnis eines kapitalistischen Systems.
Hm…
Ist der Faschismus eine Folge des Kapitalismus?

Nein, der Faschismus ist keine zwingende oder automatische Folge des Kapitalismus, aber historische Krisen des kapitalistischen Systems bildeten den Nährboden für sein Entstehen. In der Geschichts- und Politikwissenschaft ist der genaue Zusammenhang bis heute Gegenstand intensiver Debatten. Während marxistische Theorien den Faschismus als direktes Werkzeug des kriselnden Kapitals sehen, betonen liberale und konservative Ansätze die Eigenständigkeit des Faschismus als extrem nationalistische, antiliberale und antimarktwirtschaftliche Ideologie.

## Die drei Hauptperspektiven der Forschung:
Die Beziehung zwischen beiden Systemen wird je nach theoretischem Ansatz unterschiedlich interpretiert:

* Die marxistische Perspektive (Agententheorie): Faschismus ist die „offene, terroristische Diktatur der am meisten reaktionären, chauvinistischen und imperialistischen Elemente des Finanzkapitals“ (Definition nach Georgi Dimitrow). Demnach nutzen Eliten den Faschismus, um die Arbeiterbewegung zu zerschlagen und Gewinne in Krisen zu sichern. [1, 2, 3]
* Die liberale Perspektive: Faschismus und Kapitalismus sind Gegensätze. Der Faschismus strebt nach totaler staatlicher Kontrolle über die Wirtschaft und bricht mit dem Prinzip des freien Marktes, des Eigentumsrechts und der Rechtsstaatlichkeit. Er wird eher als Folge von Modernisierungskrisen und Demokratieversagen gesehen. [4, 5, 6, 7, 8]
* Die synoptische Perspektive (historischer Konsens): Der Faschismus nutzte den Kapitalismus funktional, und kapitalistische Eliten nutzten den Faschismus aus Angst vor dem Kommunismus. Es handelte sich um ein Zweckbündnis (Bündnistheorie) auf Zeit, nicht um eine logische Weiterentwicklung des Kapitalismus. [9]

## Gemeinsamkeiten und Zweckbündnisse:
In der Praxis (wie im NS-Staat oder im faschistischen Italien) gab es starke Schnittmengen:

* Zerschlagung der Arbeiterbewegung: Gewerkschaften und linke Parteien wurden verboten, was Unternehmern absolute Kontrolle im Betrieb sicherte.
* Erhalt des Privateigentums: Im Gegensatz zum sowjetischen Kommunismus blieb das Privateigentum an Produktionsmitteln grundsätzlich bestehen. [10]
* Kriegswirtschaft und Profite: Große Industriezweige (z. B. die Rüstungsindustrie) profitierten massiv von staatlichen Aufträgen und Zwangsarbeit.

## Grundlegende Widersprüche:
Trotz der Kooperation unterscheidet sich die faschistische Ideologie fundamental von den Prinzipien des freien Kapitalismus:

* Primat der Politik: Die Wirtschaft hatte nicht das Ziel der freien Gewinnmaximierung, sondern musste sich radikal den ideologischen und militärischen Zielen des Staates unterordnen.
* Zerstörung des freien Marktes: Preise, Löhne und Importe wurden staatlich diktiert; es herrschte eine gelenkte Wirtschaft (Autarkiepolitik).
* Antikapitalistische Rhetorik: Faschistische Bewegungen nutzten (besonders in ihrer Frühphase) eine starke Rhetorik gegen das „internationale Finanzkapital“, um unzufriedene Bürger zu mobilisieren. [11]

## Fazit:
Der Kapitalismus bringt nicht zwangsläufig Faschismus hervor. Jedoch können schwere Wirtschaftskrisen innerhalb kapitalistischer Systeme (wie die Weltwirtschaftskrise 1929) soziale Abstiegsängste erzeugen. Wenn traditionelle Institutionen versagen, können faschistische Bewegungen diese Krisen nutzen, um mit Unterstützung verunsicherter Eliten und Bürger die Macht zu ergreifen. [12]

[1] [https://www.westfalen-blatt.de](https://www.westfalen-blatt.de/ueberreg ... mus-863246)
[2] [https://link.springer.com](https://link.springer.com/rwe/10.1007/9 ... 8373-2_7-1)
[3] [https://www.belltower.news](https://www.belltower.news/das-problem- ... iff-31632/)
[4] [https://www.libinst.ch](https://www.libinst.ch/denkanstoesse/ni ... italismus/)
[5] [https://asta-zeitung.de](https://asta-zeitung.de/artikel/das-lib ... faschismus)
[6] [https://www.libinst.ch](https://www.libinst.ch/news/faschismus- ... im-geiste/)
[7] [https://www.deutschlandfunk.de](https://www.deutschlandfunk.de/usa-trum ... s-100.html)
[8] [https://www.nzz.ch](https://www.nzz.ch/nzzas/nzz-am-sonntag ... -ld.132353)
[9] [https://www.sueddeutsche.de](https://www.sueddeutsche.de/kultur/gesc ... -1.4615229)
[10] [https://www.linksjugend-solid.de](https://www.linksjugend-solid.de/beschl ... lisierung/)
[11] [https://www.libinst.ch](https://www.libinst.ch/news/faschismus- ... im-geiste/)
[12] [https://www.sozialismus.info](https://www.sozialismus.info/2009/10/10089/)

Quelle: Google KI



"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding

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@Dynamis (und alle anderen):
Siehe: viewtopic.php?p=103575#p103575



"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding

Timberlake
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Di 7. Jul 2026, 00:18

Consul hat geschrieben :
Mo 6. Jul 2026, 22:58
Timberlake hat geschrieben :
Mo 6. Jul 2026, 13:29
Denn, wie hier ersichtlich, der Faschismus ist meiner Meinung nach vielmehr "einfach nur" das Ergebnis eines kapitalistischen Systems.
Hm…
Ist der Faschismus eine Folge des Kapitalismus?

Nein, der Faschismus ist keine zwingende oder automatische Folge des Kapitalismus, aber historische Krisen des kapitalistischen Systems bildeten den Nährboden für sein Entstehen. In der Geschichts- und Politikwissenschaft ist der genaue Zusammenhang bis heute Gegenstand intensiver Debatten. Während marxistische Theorien den Faschismus als direktes Werkzeug des kriselnden Kapitals sehen, betonen liberale und konservative Ansätze die Eigenständigkeit des Faschismus als extrem nationalistische, antiliberale und antimarktwirtschaftliche Ideologie.



Quelle: Google KI
.. eine antimarktwirtschaftliche Ideologie?

Gabler Wirtschaftslexikon

Definition: Was ist "Marktwirtschaft"?

Wirtschaftsordnung mit dezentraler Planung und Lenkung der wirtschaftlichen Prozesse, die über Märkte mittels des Preismechanismus koordiniert werden. Staatliche Mindestaufgaben sind Setzung der Rahmenbedingungen, innerhalb derer die wettbewerbliche Koordination wirkungsvoll erfolgen kann, sowie Bereitstellung öffentlicher Güter (Liberalismus).
Reden wir etwa beim Faschismus von einer Wirtschaftsordnung mit zentraler Planung und Lenkung der wirtschaftlichen Prozesse, wo die Märkte etwa nicht mehr mittels des Preismechanismus koordiniert werden? Das kannte ich eigentlich nur aus der DDR und das war ja wohl das ganze Gegenteil vom Faschismus.

Auch würde ich meinen, dass weder der rechtspopulistische Trump, noch die rechtspopulistische AfD dergleichen auch nur bloß in Betracht zieht. Wenngleich die Zollpolitik Trumps durchaus eine antimarktwirtschaftliche Tendenz aufweist. Mehr aber auch nicht.
Ist der Faschismus eine Folge des Kapitalismus?


* Die synoptische Perspektive (historischer Konsens): Der Faschismus nutzte den Kapitalismus funktional, und kapitalistische Eliten nutzten den Faschismus aus Angst vor dem Kommunismus. Es handelte sich um ein Zweckbündnis (Bündnistheorie) auf Zeit, nicht um eine logische Weiterentwicklung des Kapitalismus. [9]

## Gemeinsamkeiten und Zweckbündnisse:
In der Praxis (wie im NS-Staat oder im faschistischen Italien) gab es starke Schnittmengen:

* Zerschlagung der Arbeiterbewegung: Gewerkschaften und linke Parteien wurden verboten, was Unternehmern absolute Kontrolle im Betrieb sicherte.
* Erhalt des Privateigentums: Im Gegensatz zum sowjetischen Kommunismus blieb das Privateigentum an Produktionsmitteln grundsätzlich bestehen. [10]
* Kriegswirtschaft und Profite: Große Industriezweige (z. B. die Rüstungsindustrie) profitierten massiv von staatlichen Aufträgen und Zwangsarbeit.

## Grundlegende Widersprüche:
Trotz der Kooperation unterscheidet sich die faschistische Ideologie fundamental von den Prinzipien des freien Kapitalismus:

* Primat der Politik: Die Wirtschaft hatte nicht das Ziel der freien Gewinnmaximierung, sondern musste sich radikal den ideologischen und militärischen Zielen des Staates unterordnen.
* Zerstörung des freien Marktes: Preise, Löhne und Importe wurden staatlich diktiert; es herrschte eine gelenkte Wirtschaft (Autarkiepolitik).
* Antikapitalistische Rhetorik: Faschistische Bewegungen nutzten (besonders in ihrer Frühphase) eine starke Rhetorik gegen das „internationale Finanzkapital“, um unzufriedene Bürger zu mobilisieren. [11]



Quelle: Google KI
Das mag ja so sein. Deshalb würde ich übrigens zwischen dem Rechtspopulismus und dem Faschismus unterscheiden wollen.



So das, wenn der Rechtspopulismus das Endstadium des Kapitalismus ist , der Faschismus wiederum der des Rechtspopulismus. Da will ich durchaus einräumen, dass die Marktwirtschaft nicht mehr die ist, die sie vorher war. Jedoch immer noch weit von dem entfernt, was auf anderen Seite, dem s.g. real existierenden Sozialismus als Planwirtschaft praktiziert wurde. Schon allein deswegen, weil es dort kein Privateigentum an Produktionsmitteln gab. Da kam man deshalb quasi gar nicht umhin, als das man die Wirtschaft wie auch die Preise zentral plant und lenkt.




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Di 7. Jul 2026, 02:41

Timberlake hat geschrieben :
Di 7. Jul 2026, 00:18
…Deshalb würde ich übrigens zwischen dem Rechtspopulismus und dem Faschismus unterscheiden wollen.
Richtigerweise!
"Im Gegensatz zu Faschisten spielen Populisten meist nach den Regeln der Demokratie und geben die Macht nach einer Wahlniederlage schließlich ab. Das liegt daran, dass der Populismus – obwohl er sich wie der Faschismus mit der Nation und dem Volk gleichsetzt – diesen totalisierenden Anspruch, das Volk und die Nation zu repräsentieren, an Wahlergebnisse knüpft. Mit anderen Worten: Der Populismus vertritt ein plebiszitäres Politikverständnis und lehnt die faschistische Diktaturform ab.

Populismus ist eine autoritäre Form der Demokratie. Historisch betrachtet gedeiht er in Zeiten tatsächlicher oder vermeintlicher politischer Krisen, in denen er sich als „Anti-Politik“ inszeniert. Er beansprucht für sich, politische Arbeit zu leisten, und hält sich zugleich vom eigentlichen politischen Prozess fern. Demokratie bedeutet in diesem Sinne einerseits eine verstärkte politische Teilhabe tatsächlicher oder vermeintlicher Mehrheiten, andererseits aber auch den Ausschluss und die Beschneidung der Rechte politischer, sexueller, ethnischer und religiöser Minderheiten. Wie bereits erwähnt, begreift der Populismus das Volk als Einheit – nämlich als ein einziges Gebilde aus Anführer, Anhängerschaft und Nation. Diese Trias der Volkssouveränität wurzelt im Faschismus, wird jedoch durch Wahlen legitimiert. Der Populismus steht im Gegensatz zum Liberalismus, befürwortet aber das System der Wahlen. Man kann den Populismus daher besser verstehen, wenn man ihn als eigenständige historische Neuformulierung des Faschismus betrachtet, die erst nach 1945 an die Macht gelangte. Die homogenisierende Sichtweise des Populismus auf das Volk definiert politische Gegner als „Anti-Volk“. Aus Gegnern werden Feinde: Widersacher, die – bewusst oder unbewusst – für oligarchische Eliten und diverse illegitime Außenseiter stehen. Der Populismus propagiert einen „erleuchteten“ nationalistischen Anführer, der für das Volk spricht und entscheidet. Er relativiert die Gewaltenteilung, die Unabhängigkeit und Legitimität einer freien Presse sowie die Rechtsstaatlichkeit. Im Populismus wird die Demokratie zwar herausgefordert, aber nicht zerstört." [übersetzt von Google]

(Finchelstein, Federico. From Fascism to Populism in History. Oakland, CA: University of California Press 2017. pp. xxxviii-xxxix)

"Der moderne Populismus der Nachkriegszeit hatte einen faschistischen Ausgangspunkt, und doch ist Populismus nicht gleich Faschismus. Tatsächlich wandelte sich der Faschismus nach 1945 – insbesondere in Lateinamerika und später im übrigen der Welt – oft in Populismus, nicht umgekehrt. Wie dieses Buch gezeigt hat, konstituierte sich der Populismus zwar historisch oft als Absage an den Faschismus, stellte zugleich aber dessen demokratische Neuformulierung dar. Historisch irgendwo zwischen Faschismus und Liberalismus angesiedelt, griff der Populismus – sobald er sich als Regime etabliert hatte – beständig auf die Überreste des Ersteren zurück, um Letzteren herauszufordern. Zugleich hielt er an demokratischen Wahlverfahren fest. Dieser Postfaschismus griff jene Auseinandersetzung mit der Demokratie wieder auf, die sich die frühen Faschisten zu eigen gemacht hatten, bevor sie das demokratische System zerstörten. Das Ergebnis war ein erneuerter Autoritarismus, der die diktatorische Tradition des klassischen Faschismus in eine antiliberale und intolerante Form der Demokratie überführte.

Historisch gesehen war der postfaschistische Populismus die Wiederbelebung einer autoritären Demokratieauffassung und deren Überführung in ein Regime, das seinerseits auf einer faschistischen Vorstellungswelt gründet." [übersetzt von Google]

(Finchelstein, Federico. From Fascism to Populism in History. Oakland, CA: University of California Press 2017. pp. 247-8)

"Der Populismus ist sowohl genetisch als auch historisch mit dem Faschismus verknüpft. Man könnte ihn als Erben des Faschismus bezeichnen – als einen Postfaschismus für demokratische Zeiten, der ein eingeschränktes Bekenntnis zur Demokratie mit autoritären, antidemokratischen Impulsen verbindet. Die Gleichsetzung von Volk, Führer und Nation war für den Faschismus natürlich von zentraler Bedeutung. Im Gegensatz zum Populismus nutzte der Faschismus demokratische Verfahren zwar zunächst aus, verwarf sie dann jedoch voller Verachtung. Während seiner Herrschaft war er nicht nennenswert durch die Legitimität eingeschränkt, die aus echten Mehrparteienwahlen erwächst. Sowohl in der faschistischen Diktatur als auch in der populistischen Demokratie wird der Führer als Repräsentant und Verkörperung des Volkes – oder als Personifizierung von Volk, Nation und deren Geschichte – inszeniert. Doch auch wenn sowohl faschistische Massendiktaturen als auch populistische demokratische Regime das Bild eines Führers zeichnen, der womöglich besser als das Volk selbst weiß, was dieses tatsächlich braucht, unterscheiden sich beide grundlegend voneinander." [übersetzt von Google]

(Finchelstein, Federico. From Fascism to Populism in History. Oakland, CA: University of California Press 2017. pp. 251-2)

"In seiner klassischen Form der Nachkriegszeit entwickelte sich der Populismus zu einem Zwitterwesen zwischen zwei unterschiedlichen Traditionen der Repräsentation: der auf Wahlen basierenden und der diktatorischen. Diese Verbindung begründete die neue populistische Moderne. Dass populistische Akteure in Lateinamerika während der frühen Phase des Kalten Krieges beide Formen politischer Repräsentation miteinander verbanden, war sowohl dem Kontext als auch der Ideologie geschuldet. Der Doppelcharakter des Populismus bot schließlich Raum für demokratische wie diktatorische Traditionen – für Aufklärung und Gegenaufklärung, für parlamentarische Repräsentation und politische Theologie. Das Ergebnis dieser Synergie in der Nachkriegszeit war keine Massendiktatur, sondern eine neue, autoritäre Form der Demokratie." [übersetzt von Google]

(Finchelstein, Federico. From Fascism to Populism in History. Oakland, CA: University of California Press 2017. pp. 254-5)
"Der Populismus des 20. Jahrhunderts war der Versuch, die faschistische Erfahrung auf den demokratischen Pfad zurückzuführen, indem ein autoritäres Regime geschaffen wurde, das innerhalb der Demokratie agierte und soziale Teilhabe betonte, diese jedoch mit Intoleranz und der Ablehnung von Pluralität verband. In populistischen Regimen waren politische Rechte zwar stark eingeschränkt, wurden aber – anders als unter dem Faschismus – niemals vollständig beseitigt." [übersetzt von Google]

(Finchelstein, Federico. The Wannabe Fascists: A Guide to Understanding the Greatest Threat to Democracy. Oakland, CA: University of California Press, 2024. p. 15)

"Der Populismus kann nicht als diktatorisch gelten, da er – insbesondere nach 1945 – ausdrücklich den politischen Vorrang der demokratischen Repräsentation betonte. Moderner Populismus ist aus zwei Gründen keine Form der Diktatur: Erstens aufgrund der populistischen Ablehnung des faschistischen Diktaturterrors. Zweitens aufgrund der Nutzung parlamentarischer Repräsentation. Diese beiden Gründe sind von grundlegend ideologischer Natur und nicht bloß eine Frage von Stil oder Strategie.

Populismus und Diktatur schließen einander aus. Populistische Führer betrachteten die Diktatur als unvereinbar mit ihrer Politik. Faschisten wie Hitler und Mussolini hatten die Demokratie von innen heraus zerstört, um eine Diktatur von oben zu errichten. Frühe Populisten taten das Gegenteil. Populisten, die nach dem Krieg an die Macht kamen, waren zuvor Diktatoren, ehemalige Faschisten oder Mitläufer totalitärer Führer gewesen, hatten sich jedoch gewandelt und Demokratien geschaffen oder ausgebaut. So zerstörte Juan Domingo Perón die Diktatur von innen heraus, um eine Diktatur von oben zu errichten. Er war zwar der starke Mann der Diktatur von 1943 bis 1945 gewesen, rief jedoch freie Wahlen aus, die er 1946 gewann. Getúlio Vargas in Brasilien war von den 1930er Jahren bis 1945 Diktator gewesen und wurde 1951 demokratisch gewählter Präsident. In Bolivien waren Víctor Paz Estenssoro und seine Nationale Revolutionäre Bewegung (MNR) an der protofaschistischen Diktatur von Oberst Gualberto Villarroel (1943–1946) beteiligt gewesen; nach einem Umsturz wurde Estenssoro 1954 demokratisch gewählt. In Venezuela hatte Rómulo Betancourt eine Vergangenheit der Unterstützung von Diktaturen und stand 1945 einer Junta vor; später schuf er eine neue Demokratie und wurde 1950 demokratisch gewählt. Früher oder später erkannten all diese populistischen Führer, dass die Diktatur ein toxisches Überbleibsel der Vergangenheit war." [übersetzt von Google]

(Finchelstein, Federico. The Wannabe Fascists: A Guide to Understanding the Greatest Threat to Democracy. Oakland, CA: University of California Press, 2024. pp. 162-3)

"Populismus ist keineswegs Faschismus; das heißt, er ist nicht diktatorisch im faschistischen, anti-institutionellen und revolutionären Sinne. Historiker, die sich mit Faschismus und Nationalsozialismus befassen – wie etwa Paul Corner und Alan Steinweis, unter vielen anderen –, haben die repressiven, diktatorischen und gewalttätigen Elemente des Faschismus hervorgehoben. Diese Elemente markieren eine entscheidende Trennlinie, eine erkenntnistheoretische Grenze, zwischen Populismus und Faschismus." [übersetzt von Google]

(Finchelstein, Federico. The Wannabe Fascists: A Guide to Understanding the Greatest Threat to Democracy. Oakland, CA: University of California Press, 2024. pp. 163-4)



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Di 7. Jul 2026, 03:12

Timberlake hat geschrieben :
Di 7. Jul 2026, 00:18
[Der Faschismus als] eine antimarktwirtschaftliche Ideologie?

Reden wir etwa beim Faschismus von einer Wirtschaftsordnung mit zentraler Planung und Lenkung der wirtschaftlichen Prozesse, wo die Märkte etwa nicht mehr mittels des Preismechanismus koordiniert werden? Das kannte ich eigentlich nur aus der DDR und das war ja wohl das ganze Gegenteil vom Faschismus.

Auch würde ich meinen, dass weder der rechtspopulistische Trump, noch die rechtspopulistische AfD dergleichen auch nur bloß in Betracht zieht. Wenngleich die Zollpolitik Trumps durchaus eine antimarktwirtschaftliche Tendenz aufweist. Mehr aber auch nicht.
* Der Trumpismus ist nicht nur populistisch, sondern überschneidet sich auch mit dem pro-marktwirtschaftlichen libertären Konservatismus:
Gibt es eine Überschneidung zwischen dem Trumpismus und dem libertären Konservatismus?

Ja, es gibt deutliche Überschneidungen zwischen dem Trumpismus und dem libertären Konservatismus, vor allem in der Wirtschaftspolitik und im gemeinsamen Feindbild. Dennoch stehen sich beide Strömungen in Kernbereichen wie dem Außenhandel und der Einwanderung diametral gegenüber.
## Gemeinsamkeiten (Die Schnittmengen):
* Abbau von Regulierung: Beide Richtungen fordern den radikalen Rückzug des Staates aus der Wirtschaft. Trump setzte dies durch die Streichung zahlreicher Umwelt- und Finanzauflagen um.
* Steuersenkungen: Die Reduzierung von Unternehmens- und Einkommenssteuern (wie der Tax Cuts and Jobs Act 2017) ist ein zentrales gemeinsames Ziel.
* Gegnerschaft zum "Deep State": Beide Strömungen misstrauen etablierten staatlichen Institutionen und Bundesbehörden (wie FBI, EPA oder IRS) und wollen deren Macht beschneiden.
* Besetzung von Richterposten: Die Ernennung strikt verfassungstreuer, konservativer Richter (Originalisten) an Bundesgerichte eint beide Lager.

## Konflikte (Die Widersprüche):
* Handelspolitik: Libertäre fordern freien Welthandel ohne staatliche Eingriffe. Trumpismus basiert dagegen auf Protektionismus, Strafzöllen (America First) und Handelskriegen. [1]
* Einwanderung: Libertäre befürworten weitgehend offene Grenzen und den freien Fluss von Arbeitskräften. Trumpismus setzt auf strikte Grenzkontrollen und Einwanderungsbeschränkungen. [2]
* Staatsschulden: Libertäre fordern strikte Haushaltsdisziplin. Unter Trump stiegen die Staatsverschuldung und die Staatsausgaben massiv an. [3]
* Staatsgewalt und Exekutivmacht: Der Trumpismus befürwortet eine starke Exekutive und den Einsatz staatlicher Macht im Inland (z. B. Law-and-Order-Politik), was libertärem Antiautoritarismus widerspricht. [4]

[1] [https://www.freitag.de](https://www.freitag.de/autoren/dorian-b ... ktionismus)
[2] [https://www.derpragmaticus.com](https://www.derpragmaticus.com/r/usa)
[3] [https://www.economiesuisse.ch](https://www.economiesuisse.ch/meinung/t ... waere-mehr)
[4] [https://www.handelsblatt.com](https://www.handelsblatt.com/meinung/ko ... 92340.html)

Quelle: Google KI
"Libertärer Konservatismus

Obwohl der Konservatismus stark auf vorindustrielle Vorstellungen wie Organizismus, Hierarchie und Pflichtbewusstsein zurückgreift, wurde diese Ideologie auch maßgeblich von liberalen – insbesondere klassisch-liberalen – Ideen geprägt. Dies wird bisweilen als eine Entwicklung des späten 20. Jahrhunderts betrachtet, bei der Neoliberale den Konservatismus gewissermaßen im Sinne des klassischen Liberalismus „gekapert“ haben. Dennoch wurden liberale Lehren – vor allem jene, die den freien Markt betreffen – bereits seit dem späten 18. Jahrhundert von Konservativen vertreten; sie bilden gleichsam eine konkurrierende Tradition zum konservativen Paternalismus. Diese Ideen sind insofern libertär, als sie für ein Höchstmaß an wirtschaftlicher Freiheit und ein Mindestmaß an staatlicher Regulierung des gesellschaftlichen Lebens eintreten. Libertäre Konservative sind nicht einfach zum Liberalismus übergelaufen; vielmehr sind sie der Überzeugung, dass sich eine liberale Wirtschaftsauffassung mit einer eher traditionellen, konservativen Sozialphilosophie vereinbaren lässt, die auf Werten wie Autorität und Pflicht beruht. Dies zeigt sich im Werk von Edmund Burke, der einerseits als Begründer des traditionellen Konservatismus gilt, andererseits jedoch ein entschiedener Befürworter des wirtschaftlichen Liberalismus von Adam Smith war.

Libertäre Konservative sind jedoch keine konsequenten Liberalen. Sie treten für wirtschaftlichen Individualismus ein und fordern, dass sich der Staat aus der Wirtschaft heraushält; sie sind jedoch weniger bereit, dieses Prinzip der individuellen Freiheit auch auf andere Bereiche des gesellschaftlichen Lebens auszuweiten. Konservative – auch libertäre Konservative – haben ein eher pessimistisches Menschenbild. Ein starker Staat ist ihrer Ansicht nach notwendig, um die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten und die Achtung vor der Autorität zu gewährleisten. Tatsächlich fühlen sich libertäre Konservative in mancher Hinsicht gerade deshalb zu marktwirtschaftlichen Theorien hingezogen, weil diese eine Sicherung der gesellschaftlichen Ordnung versprechen. Während Liberale davon ausgingen, dass die Marktwirtschaft die individuelle Freiheit und Wahlfreiheit wahrt, sahen Konservative im Markt bisweilen ein Instrument gesellschaftlicher Disziplinierung. Marktkräfte regulieren und steuern wirtschaftliche und soziale Aktivitäten. So können sie beispielsweise Arbeitnehmer davon abhalten, Lohnsteigerungen zu fordern, indem sie mit Arbeitslosigkeit drohen. In diesem Sinne lässt sich der Markt als ein Instrument betrachten, das die soziale Stabilität sichert und neben den offensichtlicheren Zwangsmitteln – Polizei und Justiz – wirkt. Während einige Konservative befürchteten, der Marktkapitalismus könne durch ständige Innovationen und rastlosen Wettbewerb den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährden, fühlten sich andere zu ihm hingezogen, weil sie glaubten, er könne eine „Marktordnung“ schaffen, die nicht von der lenkenden Hand politischer Autorität, sondern von unpersönlichen „Naturgesetzen“ getragen wird. Dennoch vertiefte sich die Verbindung zwischen Konservatismus und wirtschaftlichem Libertarismus durch das Aufkommen des Neoliberalismus weiter." [übersetzt von Google]

(Heywood, Andrew. Political Ideologies: An Introduction. 7th ed. London: Red Globe/Macmillan, 2021. pp. 61-2)

"NEUE RECHTE: Die Neue Rechte ist eine Verbindung zweier scheinbar gegensätzlicher ideologischer Traditionen. Die erste davon ist die klassisch-liberale Wirtschaftslehre, insbesondere jene marktwirtschaftlichen Theorien, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts als Kritik an einem ‚großen‘ Staat sowie an staatlichen Wirtschafts- und Sozialinterventionen wiederauflebten. Dies wird als liberale Neue Rechte oder Neoliberalismus bezeichnet. Das zweite Element der Neuen Rechten ist die traditionell-konservative – und zwar explizit die vor-disraelische – Gesellschaftstheorie, insbesondere deren Eintreten für Ordnung, Autorität und Disziplin. Dies nennt man die konservative Neue Rechte oder Neokonservatismus. Der ideologische Zusammenhalt innerhalb der Neuen Rechten gründet sich auf das Eintreten für einen starken, aber auf das Nötigste beschränkten Staat: Während sie den Staat im wirtschaftlichen Bereich zurückzudrängen sucht, zielt sie darauf ab, ihn im gesellschaftlichen Bereich zu stärken." [übersetzt von Google]

(Heywood, Andrew. Political Ideologies: An Introduction. 7th ed. London: Red Globe/Macmillan, 2021. p. 62)
Fußnote:
Die (oben beschriebene) konservative Neue Rechte/New Right ist etwas anderes als die neofaschistische Neue Rechte/Nouvelle Droite.

* Populismus ≠ Faschismus, und Faschisten sind keine Freunde der freien Marktwirtschaft (im Sinn des Liberalismus):
Wie verhält sich der Faschismus zur freien Marktwirtschaft?

Der Faschismus lehnt die freie Marktwirtschaft fundamental ab, bewahrt jedoch das Privateigentum und nutzt kapitalistische Strukturen für staatliche und militärische Zwecke. Anstelle eines freien, unregulierten Marktes setzt der Faschismus auf eine organisierte, korporatistische Wirtschaft, bei der alle wirtschaftlichen Akteure den Zielen des Staates oder der nationalen Gemeinschaft bedingungslos untergeordnet werden. [1, 2, 3, 4, 5]
------------------------------
## Das wirtschaftliche Verhältnis im Überblick:

| Kriterium [6, 7, 8, 9]: Freie Marktwirtschaft || Faschistische Wirtschaftspolitik |
|---|---|---|
| Primärziel: Individuelle Gewinnmaximierung || Stärkung des Staates / Kriegsvorbereitung |
| Preise & Löhne: Marktregulation durch Angebot und Nachfrage || Staatliche Fixierung und Preiskontrollen |
| Eigentum: Garantiertes Privateigentum || Bedingtes Privateigentum (Nutzung nach Staatsvorgabe) |
| Gewerkschaften: Frei und unabhängig || Verboten (Ersetzt durch staatliche Einheitsfronten) |
| Wettbewerb: Freier Wettbewerb schützt Verbraucher || Kartellbildung und Monopole im Staatsinteresse |
------------------------------
## Kernmerkmale der faschistischen Wirtschaftsentwicklung:

* Zwangskorporatismus: Der Staat zwingt Arbeitgeber und Arbeitnehmer in gemeinsame, staatlich gelenkte Verbände (Korporationen). Klassenkämpfe und Streiks werden verboten. [4, 10, 11]
* Bedingtes Privateigentum: Unternehmer behalten ihre Fabriken und Profite, solange sie die staatlichen Produktionsvorgaben (z. B. Aufrüstung oder Autarkie) erfüllen. Verweigern sie die Kooperation, droht Enteignung oder Verstaatlichung. [1, 12]
* Die „Unheilige Allianz“: Es entsteht eine enge Verflechtung zwischen den faschistischen Machthabern und großen Industriekapitalisten. Großkonzerne stützen das Regime und profitieren im Gegenzug von Monopolstellungen, Rüstungsaufträgen und der Zerschlagung der Arbeiterbewegung. [5, 10]
* Drittes System (Wirtschaftsfaschismus): Historisch inszenierten sich faschistische Regime (wie im faschistischen Italien oder im Nationalsozialismus) oft als „Dritter Weg“. Sie grenzten sich rhetorisch sowohl vom Laissez-faire-Kapitalismus der westlichen Demokratien als auch vom sowjetischen Staatssozialismus ab. [1, 2]

[1] [https://www.libinst.ch](https://www.libinst.ch/news/faschismus- ... im-geiste/)
[2] [https://en.wikipedia.org](https://en.wikipedia.org/wiki/Economics_of_fascism)
[3] [https://en.wikipedia.org](https://en.wikipedia.org/wiki/Fascism)
[4] [https://de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Faschismustheorie)
[5] [https://www.reddit.com](https://www.reddit.com/r/SocialDemocrac ... ism/?tl=de)
[6] [https://www.youtube.com](https://www.youtube.com/watch?v=qSGY30d8xbc)
[7] [https://wirtschaftlichefreiheit.de](https://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=25172)
[8] [https://rp-online.de](https://rp-online.de/politik/ausland/ch ... d-11330283)
[9] [https://www.youtube.com](https://www.youtube.com/watch?v=0mW0uB540lo&t=18)
[10] [https://juso.ch](https://juso.ch/de/positionspapiere/kap ... aschismus/)
[11] [https://www.triple-c.at](https://www.triple-c.at/index.php/tripl ... /1850/1698)
[12] [https://link.springer.com](https://link.springer.com/article/10.10 ... 24-00117-2)

Quelle: Google KI



"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding

Dynamis
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Di 7. Jul 2026, 10:25

Consul, ich werde dir weiterhin hier antworten, auch wenn du mich für die Diskussion über die Terminologie auf einen anderen Faden verweist. In dieser Diskussion geht es nämlich um Phänomene wie Rechtspopulismus, Faschismus und das Verhältnis zwischen diesen Phänomenen. Begriffe wie "Neoliberalismus", "radikaler Liberalismus" usw. interessieren mich nur insoweit, wenn sie helfen diese Phänomene besser zu verstehen.
Consul hat geschrieben :
Mo 6. Jul 2026, 23:57
Der von Milei vertretene Anarchokapitalismus ist ein radikaler Libertarismus, der sich vom moderateren Neoliberalismus unterscheidet. In der medialen Berichterstattung werden solche Unterschiede oft übersehen oder bewusst übergangen.
Im Falle von Gerd Wiegel wurde aber nichts "übersehen oder bewusst übergangen". In seinem Artikel hat er eine ideologische Zuspitzung beschrieben, die mit dem Rechtspopulismus einhergeht. Dafür hat er den Begriff des "sich radikalisierenden Neoliberalismus" gewählt.

Du sagst ja selbst, dass der von Milei vertretene Anarchokapitalismus sich durch eine besondere Radikalität auszeichnet. Genau diese Radikalität ist das, worauf sich Wiegels Rede von einem "sich radikalisierenden Neoliberalismus" bezieht. Dass es daneben noch einen moderaten Neoliberalismus gibt, mag ja sein, aber Wiegels Pointe ist eben die, dass dieser moderatere Neoliberalismus zunehmend nur noch eine untergeordnete Rolle spielt, eben deswegen, weil sich die radikaleren Ideologievarianten durchsetzen.

Die Zeitschrift Z. aus der sich vorhin schon zitiert hatte, enthält auch einen Artikel, in dem auch der Mileismus beleuchtet wird. Dort wird beschrieben, wieso diese Radikalität für Mileis Wähler so anziehend erscheint:
Patrick Eser hat geschrieben : Milei ist es durch seine Symbolpolitik und ideologische Anrufung gelungen, die in Selbstunternehmertätigkeiten (Lieferservice, Dienstleistungen etc.) atomisierten und prekarisierten Bestandteile der Arbeiterklasse zu repräsentieren. Diese hatten bislang auf dem politischen Feld keine Repräsentation (und keine Interessensvertretung durch Gewerkschaften) - Mileis radikaler Aufruf zu mehr Freiheit und weniger Staat konnte an die Mentalität und das >unternehmerische Selbstbild< jener Gesellschaftssegemente andocken, die kaum mehr Hoffnung in den Staat setzen (vgl. Boris/Eser 2024a). (Quelle: "Die Rechtswende in Argentinien und der Mileismus im Lichte der Faschismustheorie - Erkenntnisfördernde Aktualisierung oder falsche Analogie?" in: Z. Zeitschrift marxistische Erneuerung, Juni 2026.)




Dynamis
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Di 7. Jul 2026, 10:31

Zum Verhältnis von Rechtspopulismus und Neoliberalismus/radikaler Liberalismus sind natürlich auch die Beziehungen zwischen der AfD und der Hayek-Gesellschaft interessant:
Katja Riedel und Sebastian Pittelkow hat geschrieben : Boehringer war schon lange vor seiner Zeit bei der AfD in der Hayek-Gesellschaft. Ein weiteres AfD-Mitglied, Beatrix von Storch, kam zu Hayek auf Betreiben Habermanns und noch vor der Spaltung und dem Rechtsruck der AfD im Sommer 2015; viele Liberale verließen die Partei. Beatrix von Storch blieb, in Partei und bei Hayek, fiel immer wieder durch provokante Positionen auf. Immerhin rang man sich bei Hayek nach langem Streit durch, Storch um ihren freiwilligen Austritt zu bitten. Sie blieb - und antwortete, dass sie Einladungen zu Vorträgen "unter dem Hayek-Schirm" abgelehnt habe, um kein Öl ins Feuer zu gießen. "Im Hinblick auf meine Person scheint ein verzerrtes Medienbild zu existieren", schreibt sie. "Es wäre daher besser gewesen, meine Positionen durch Vorträge bei Hayek-Veranstaltungen darzustellen". Inzwischen lässt sie die Mitgliedschaft ruhen - und beantwortet Fragen zu ihrer Mitgliedschaft nicht, genauso wenig wie Alice Weidel. Mit der AfD-Spitzenkandidatin, die ihr heutiger Kritiker Günter Ederer einmal selbst vorgeschlagen hatte, hat man bei Hayek trotz ihrer neuen Position kein Problem: Man zolle Weidel natürlich Respekt, heißt es seitens der Gesellschaft. (Quelle: https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ ... -1.3589049)




Dynamis
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Di 7. Jul 2026, 10:55

Consul hat geschrieben :
Di 7. Jul 2026, 03:12
Populismus ≠ Faschismus, und Faschisten sind keine Freunde der freien Marktwirtschaft (im Sinn des Liberalismus):
Es ist auf der einen Seite richtig vor einer Gleichsetzung zu warnen. Auf der anderen Seite lassen sich im Rechtspopulismus durchaus Elemente ausmachen, die man als "faschistisch" oder als "Faschisierung" bezeichnen kann, ohne deswegen gleich die gesamte Strömung in die Faschismus-Schublade zu stecken.
Gerd Wiegel hat geschrieben : Auch mit Blick auf die gegenwärtige Entwicklung in den USA ist zu fragen, ob die aktuellen Tendenzen in Richtung Faschismus weisen oder ob es sich nicht eher um autoritäre Formierungstendenzen eines krisenhaften und vom Anstieg bedrohten US-Kapitalismus handelt. McCarthyrismus, »Rassentrennung« und Ku-Klux-Klan stehen sicherlich nicht hinter der heute von der Trump-Administration ausgehenden Repression zurück, waren aber dennoch keine prozesshaften Elemente auf dem Weg zu einem Faschismus.

Von der AfD über die FPÖ bis zum Rassemblement National lassen sich ohne Zweifel eine Reihe von Elementen beobachten, die an faschistische Ideologie und Praxis anknüpfen. Sie zu benennen ist Aufgabe antifaschistischer Politik. Ob sich daraus im Falle der politischen Machterlangung eine faschistische Politik ergibt, hängt auch von den ökonomischen und politischen Umständen ab, in denen eine solche politische Formation Erfolg hat. Funktional war der Faschismus der Versuch der herrschenden Klasse, eine als existentiell wahrgenommene Krise mittels diktatorischer Politik im Sinne der Stabilisierung des herrschenden Blocks zu überwinden. Heutige Versuche dieser Stabilisierung bedienen sich eklektisch aus verschiedenen Elementen des konservativen Autoritarismus, darunter vereinzelt auch faschistischer, ohne bisher tatsächlich eine Politik zu betreiben, die sinnvoll mit dem Begriff Faschismus bezeichnet werden kann.
(Quelle: Gerd Wiegel, "Von Meloni bis Trump: Begriffliche Fassung und Ursachen der internationalen Rechtsentwicklung" in: Z. Zeitschrift marxistische Erneuerung, Juni 2026.)




Dynamis
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Di 7. Jul 2026, 11:11

Timberlake hat geschrieben :
Di 7. Jul 2026, 00:18
Reden wir etwa beim Faschismus von einer Wirtschaftsordnung mit zentraler Planung und Lenkung der wirtschaftlichen Prozesse, wo die Märkte etwa nicht mehr mittels des Preismechanismus koordiniert werden? Das kannte ich eigentlich nur aus der DDR und das war ja wohl das ganze Gegenteil vom Faschismus.
Beim Faschismus spielt ideologisch weniger das Moment der Planung, sondern vielmehr das Moment der gewaltvollen Durchsetzung nationaler Interessen eine Rolle. Die Interessensgegensätze zwischen den Marktakteuren und den Bevölkerungsschichten werden nicht tatsächlich überwunden, sondern vielmehr gewaltsam unterdrückt. Clara Zetkin hat das sehr klar beschrieben:
Clara Zetkin hat geschrieben : Tausendköpfige Massen strömten dem Faschismus zu. Er wurde ein Asyl für politisch Obdachlose, für sozial Entwurzelte, für Existenzlose und Enttäuschte. Und was sie alle nicht erhofften von der revolutionären Klasse des Proletariats und vom Sozialismus, das erhoffen sie als Werk der tüchtigsten, stärksten, entschlossensten, kühnsten Elemente“ aller Klassen, die zu einer Gemeinschaft zusammengefaßt werden müssen. Diese Gemeinschaft ist für die Faschisten die Nation. Sie wähnen, daß der ernste Wille, sozial ein Neues, Besseres zu schaffen, machtvoll genug sei, alle Klassengegensätze zu überbrücken, Das Mittel für die Verwirklichung des faschistischen Ideals ist ihnen der Staat. Ein starker, ein autoritärer Staat, der gleichzeitig ihr ureigenstes Geschöpf und ihr williges Werkzeug sein soll.

Hoch über allen Parteiunterschieden und Klassengegensätzen wird er thronen und die soziale Welt nach ihrer Ideologie, ihrem Programm gestalten. (Quelle: Der Kampf gegen den Faschismus - Bericht auf dem Erweiterten Plenum des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale (20. Juni 1923) https://www.marxists.org/deutsch/archiv ... schism.htm
Freilich wird in der faschistischen Agitation dann versucht diese Unterschiede zu verwischen. Das führt dann zu der allseits bekannten Konstruktion von Sündenböcken, bei denen man "den Juden, den Bolschewiken" und wer weiß nicht noch was alles den Schuld gibt. Da wird dann so getan, als ob die Interessensgegensätze nicht das Produkt kapitalistischer und politischer Konkurrenz seien, sondern auf das Werk finsterer Mächte zurückzuführen sind. Das führt zu einem wichtigen Punkt, den ich schon vorher erläutert habe:
Dynamis hat geschrieben :
Di 23. Jun 2026, 19:57
Na, "Selbstzweck" ist die Gewalt wohl nicht, wenn sie einen Zweck hat: Den "Beweis" der Handlungsfähigkeit des "Wir"s zu liefern und das Narrativ des "Wir"-Besitzers zu verifizieren. Also zeigt sich auch hier wieder, dass man den Faschismus nicht auf das Recht des Stärkeren runterbrechen kann, sondern diese komischen Identitätskonstruktionen (wie gerade bei Martin Sellner nachgewiesen) und diese Konstruktion eines "Wir" berücksichtigen muss. Das "Wir" ist der Zweck und Gewalt ist Mittel für diesen Zweck.
Durch die Gewalt wird ein einheitliches "Wir" erzeugt, welches vermeintlich die Gegensätze überwindet.

Dass Elemente der Planung in einer faschistischen Gesellschaft auch eine wichtige Rolle spielen, ist nicht von der Hand zu weisen. Ein schauerlicher Beleg dafür ist das System der Konzentrationslager, welches in der nationalsozialistischen Diktatur errichtet worden ist. Das Beispiel zeigt aber auch die Symbiose von Planung und Gewalt, die für den Faschismus charakteristisch ist.




Dynamis
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Di 7. Jul 2026, 13:00

Dynamis hat geschrieben :
Di 7. Jul 2026, 10:25
Wiegels Pointe ist eben die, dass dieser moderatere Neoliberalismus zunehmend nur noch eine untergeordnete Rolle spielt, eben deswegen, weil sich die radikaleren Ideologievarianten durchsetzen.
Ich habe gerade noch einmal über diese Pointe nachgedacht und dabei ist mir aufgefallen, dass sie sehr logisch ist. Es ist ja nun einmal so, dass die neoliberalen Erzählungen durch die Krisen der Gegenwart, allen voran der Ökozid, aber auch durch die systemische Konkurrenz zu China, durch die gegenwärtig in den USA grassierende Inflation oder durch die Demographie, mit der sich Merz gerade herumschlägt, zunehmend in Frage gestellt werden. Die Radikalisierung erfolgt dann als Negation der Negation: Die Erzählung, dass die Marktwirktschaft gedeihliche Verhältnisse schafft, soll weiterhin gelten und keineswegs durch die Krisen infragegestellt werden. Und wenn die Realität nicht im Einklang mit dieser Erzählung ist, dann liegt das nur daran, dass die Marktwirktschaft nicht konsequent genug implementiert worden ist. In den radikalen Varianten des Liberalismus führt diese Erzählung dann dazu, dass auf die hohe Staatsquote verwiesen wird. Aber auch Donald Trump und Friedrich Merz handeln im Einklang mit dieser Erzählung. Bei Trump merkt man das zum Beispiel daran, dass er "The Art of the Deal" auf die internationale Politik anwendet, was dann von klassisch denkenden Außenpolitikern als gravierender Bruch mit der bis dato bestehenden Weltordnung empfunden wird. (Zitat Tagesschau: "Spätestens jetzt - ein Jahr nach seinem Amtsantritt - ist klar, dass US-Präsident Trump die Weltordnung erschüttert hat.") Bei Merz merkt man das daran, dass seine bei BlackRock erlernten Anlagestrategien zur Lösung der Rentenfrage benutzt und eine kapitalgedeckte Altersvorsorge einführen möchte (wie er schon in der Regierungserklärung zum Antritt seiner Kanzlerschaft angekündigt hat).




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