Im Anschluß an das Schelling-Zitat schreibt Hogrebe:
"Was gilt, ist diesem Geltungsursprung nach präsubjektiv. Nur deshalb tritt die Verbindlichkeit der Geltung in die Welt, nicht als deliberative
Konvention, sondern als operative
Passion, d.h. als überkommenes Widerfahrnis in Kontexten unseres Handelns. In unserem Tun und Handeln lassen wir in archaischer Weise zu, was nicht Produkt unseres Tun und Handelns ist und uns doch nötigt: aus ultimativen Hintergründen unserer Selbstfindung, die sich in der Erfahrung mit Gründen im Vordergrund 'gründlich' dieser Erbschaft bedienen. Martin Heidegger spricht hier von einer uns zuvorgekommenen
Wahrheitsvoraussetzung. Diese 'müssen wir <machen>, weil sie mit dem Sein des <wir> schon gemacht ist'."
Was Heidegger meint: Nicht wir setzen die Wahrheit voraus, sondern es ist die Wahrheit, die es überhaupt erst ermöglicht, daß "wir so
sein können, daß wir etwas voraussetzen. Wahrheit ermöglicht erst so etwas wie Voraussetzung" (
Sein und Zeit; S. 227f) Die Wahrheit des Seienden liegt ursprünglich beschlossen in der Existenz des Daseins. Das ist im Grunde die Umkehr der Vorstellung, daß wir die Wahrheit setzen. Die Wahrheit setzt uns.
Was Hogrebe meint: Geltungs
anspruch ist nicht Geltungs
ursprung. Was wir als wahr in Anspruch nehmen gründet sich "präsubjektiv" in einem Ursprung jenseits aller Subjektivität. Geltung (auf Wahrheit) ist zwar ein Anspruch, den wir erheben können, aber dieser Anspruch gründet sich nicht in einer bloßen Vereinbarung unter Menschen, einer "Konvention", sondern ihm geht voraus eine "Passion", d.h. die menschliche Subjektivität ist hier gar nicht aktiv beteiligt, sondern es "überkommt" sie, ein "Widerfahrnis". Es ist das Heidegger'sche Sein, welches für das Dasein Geltung hat und das die Konzeption einer setzenden Subjektivität "vergessen" hat, was aber aus den "Hintergründen unserer Selbstfindung" nur erschlossen werden kann.
Gar nicht so einfach.
Ich habe die dumpfe Ahnung, daß wir es in diesem Zusammenhang doch irgendwann mit den "Sterblichen" und den "Göttlichen" zu tun bekommen.
