Intuition

Dieses Unterforum beschäftigt sich mit dem Umfang und den Grenzen der menschlichen Erkenntnisfähigkeit sowie um die speziellen Gesichtspunkte des Systems der modernen Wissenschaften.
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Jörn P Budesheim
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Do 26. Feb 2026, 12:55

Was ist Intuition, philosophisch betrachtet?



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Consul
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Do 26. Feb 2026, 17:38

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Do 26. Feb 2026, 08:30
Consul hat geschrieben :
Mi 25. Feb 2026, 18:45
…rationaler Intuition …
Davon hab ich genaugenommen eigentlich gar nicht gesprochen. Ich erwähnte Vernunft und Intuition.
Man kann zwischen rationaler (logischer/noetischer) Intuition und irrationaler (mystischer/esoterischer) Intuition unterscheiden—wobei noch zu klären wäre, worin genau der Unterschied besteht.
Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Do 26. Feb 2026, 08:30
Ich würde vermuten, dass zum Beispiel Mathematik ein rationales Unternehmen ist – womöglich spielen dort auch Intuitionen eine Rolle. Dazu müsste man vielleicht Mathematiker befragen bzw. Philosoph:innen der Mathematik. Du hast oben Hegel erwähnt, er spricht von „anschauendem Verstand“. Andere Autor:innen haben ähnliche Ausdrücke verwendet. Ich halte das für plausibel. Die Wirklichkeit ist nach meiner Auffassung in sich selbst (auf vielfältige Weise) „informativ“.
Intuition gilt als Quelle apriorischer Glaubensrechtfertigung und apriorischen Wissens.
Zur Etymologie des Wortes:
"intueor, tuitus sum, ērī, genau auf etwas hinsehen, -hinschauen, etw. anschauen… I) …ins Angesicht schauen…II) übtr.: A) im allg., geistig auf etwas hinschauen, etw. anschauen, betrachten… B) insbes.: 1) mit Verwunderung auf jmd. hinsehen… 2) auf etwas Rücksicht nehmen, etw. im Auge haben, bedenken, beachten…"

GEORGES: http://www.zeno.org/Georges-1913/A/intueor?hl=intueor

"intuitus, ūs, m. (intueor), I) das Hinblicken, -schauen, das Ansehen, -schauen, der Hinblick, Anblick… II) das Sehen, die Sehkraft…"

GEORGES: http://www.zeno.org/Georges-1913/A/intuitus?hl=intueor



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Burkart
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Fr 27. Feb 2026, 00:32

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Do 26. Feb 2026, 12:55
Was ist Intuition, philosophisch betrachtet?
Ich weiß nicht genau, was für dich "philosophisch betrachtet" hier bedeutet.
Intuition ist schnelles, unbewusstes Wissen. Das heißt, man hat viel gelernt und verarbeitet und kann es nun schnell, quasi spontan nutzen.



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Jörn P Budesheim
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Fr 27. Feb 2026, 08:13

Burkart hat geschrieben :
Fr 27. Feb 2026, 00:32
Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Do 26. Feb 2026, 12:55
Was ist Intuition, philosophisch betrachtet?
Ich weiß nicht genau, was für dich "philosophisch betrachtet" hier bedeutet.
Consul hat dafür oben schon ein Beispiel gebracht.
Burkart hat geschrieben :
Fr 27. Feb 2026, 00:32
Intuition ist schnelles, unbewusstes Wissen. Das heißt, man hat viel gelernt und verarbeitet und kann es nun schnell, quasi spontan nutzen.
Ein Beispiel dafür wäre, dass eine gute Schachspielerin blitzen kann, das heißt, dass sie in kürzester Zeit, manchmal ohne nachdenken zu müssen, angemessene Züge findet: Sie hat viel gelernt und verarbeitet und kann es nun schnell, quasi spontan, nutzen. Allerdings könnte sie nach der Blitzpartie die Züge, die sie gemacht hat, auch „herleiten“. Aber wie ist es mit der intuitiven Einsicht, dass es nicht sein kann, dass P in derselben Hinsicht wahr und nicht wahr sein kann? Ich würde vermuten, dass es nicht darauf basiert, dass man viel gelernt und verarbeitet hat, und dass man es nun schnell, quasi spontan, nutzen kann. Oder? Das würde bedeuten, dass Intuition nicht generell „verdichtete Erfahrung“ (oder wie immer man es nennen mag) ist. Im zweiten Beispiel wäre Intuition als unmittelbare „rationale Einsicht“ in logische (oder begriffliche) Strukturen.



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Fr 27. Feb 2026, 09:41

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Fr 27. Feb 2026, 08:13
Burkart hat geschrieben :
Fr 27. Feb 2026, 00:32
Intuition ist schnelles, unbewusstes Wissen. Das heißt, man hat viel gelernt und verarbeitet und kann es nun schnell, quasi spontan nutzen.
Ein Beispiel dafür wäre, dass eine gute Schachspielerin blitzen kann, das heißt, dass sie in kürzester Zeit, manchmal ohne nachdenken zu müssen, angemessene Züge findet: Sie hat viel gelernt und verarbeitet und kann es nun schnell, quasi spontan, nutzen. Allerdings könnte sie nach der Blitzpartie die Züge, die sie gemacht hat, auch „herleiten“. Aber wie ist es mit der intuitiven Einsicht, dass es nicht sein kann, dass P in derselben Hinsicht wahr und nicht wahr sein kann? Ich würde vermuten, dass es nicht darauf basiert, dass man viel gelernt und verarbeitet hat, und dass man es nun schnell, quasi spontan, nutzen kann. Oder? Das würde bedeuten, dass Intuition nicht generell „verdichtete Erfahrung“ (oder wie immer man es nennen mag) ist. Im zweiten Beispiel wäre Intuition als unmittelbare „rationale Einsicht“ in logische (oder begriffliche) Strukturen.
Na ja, das mit dem Herleiten der Züge ist so eine Sache; man kann es versuchen, ob es wirklich der spontane Zuggrund war, ist unklar; man könnte ja inzwischen mehr bzw. besser nachgedacht haben. Aber macht ja nichts, das spricht ja nicht gegen die(se) Intuition.

"Aber wie ist es mit der intuitiven Einsicht, dass es nicht sein kann, dass P in derselben Hinsicht wahr und nicht wahr sein kann?"
Ist diese wirklich so intuitiv? Ist diese wirklich so klar? Und wenn ja, ab wann gilt das für uns und warum?
Z.B. könnte man diese klare Aussage womöglich erst so treffen, wenn man mit binärer Logik zu tun hatte, wo alles nur wahr (1) oder falsch (0) sein kann.
Oder der Mensch hat früh gelernt, dass z.B. etwas nur gut schmeckt oder eben nicht, dass etwas kratzt oder eben nicht usw. und daraus schließlich deine Einsicht abgeleitet zu der Intuition.



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Jörn P Budesheim
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Fr 27. Feb 2026, 10:07

Mein Punkt ist folgender: Wir haben es hier (vermutlich) mit zwei verschiedenen Formen von Intuition zu tun.

(1) Intuition als „un- oder halbbewusste“ Expertise aus Erfahrung. Man hat etwas gelernt und kann es nun „automatisch“ – wie etwa beim Blitzen im Schach.
(2) Einsicht in eine logische Form als rationale Intuition, die (tatsächlich oder vermeintlich) eine „rationale Einsicht“, nämlich das unmittelbare Erfassen der Notwendigkeit einer Behauptung, ist.

Ich kann mich an eine Online-Vorlesung zur Logik erinnern, wo das ein Punkt war. Der Prof meinte, dass einem eine bestimmte Einsicht keiner abnehmen kann, das muss man einfach sehen, wobei es da nicht um den Satz vom Widerspruch ging ... das ist aber für den Punkt eigentlich egal, weil man im Grunde immer an so einen Punkt kommt!



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Burkart
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Fr 27. Feb 2026, 10:51

Die Frage ist, wo (2) herkommen soll.
Vielleicht kann man unterscheiden zwischen einer langfristigen (Lebens-)Erfahrung, deren Basis sehr tief in uns ist (quasi seit Geburt gewachsen o.ä.), und einer, die auf einem irgendwann gelernten Axiomensystem beruht (Mathematik und Logik z.B.) und so Intuition nur auf diesem beruht (nur rein deduktive Ableitungen?); so könnte das von deinem Prof. eventuell gemeint sein.



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Jörn P Budesheim
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Fr 27. Feb 2026, 12:18

Burkart hat geschrieben :
Fr 27. Feb 2026, 10:51
.... auf einem irgendwann gelernten Axiomensystem beruht (Mathematik und Logik z.B.)
„Irgendwann gelernt“ kann nicht die Antwort sein, denn das ist ja gerade die Frage. Oder anders gesagt: Es verschiebt das Problem nur. Denn Lernen heißt ja in diesem Fall, zu der Einsicht in solche grundlegenden logischen Formen fähig zu sein. Und das kann man nicht mit einem vorgängigen Lernen erklären, weil sich dort die Frage nach der Einsicht erneut stellt. Man hat die betreffende Logik schließlich ohne diese Einsicht gar nicht gelernt. Zum Vergleich: Logische Formen zu verstehen ist nicht wie Vokabeln lernen, die man sich nur merken muss. Man kann nicht im hier fraglichen Sinn einsehen, dass ‚Hund‘ auf Englisch ‚dog‘ heißt.



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Fr 27. Feb 2026, 14:17

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Fr 27. Feb 2026, 12:18
Burkart hat geschrieben :
Fr 27. Feb 2026, 10:51
.... auf einem irgendwann gelernten Axiomensystem beruht (Mathematik und Logik z.B.)
„Irgendwann gelernt“ kann nicht die Antwort sein, denn das ist ja gerade die Frage. Oder anders gesagt: Es verschiebt das Problem nur. Denn Lernen heißt ja in diesem Fall, zu der Einsicht in solche grundlegenden logischen Formen fähig zu sein. Und das kann man nicht mit einem vorgängigen Lernen erklären, weil sich dort die Frage nach der Einsicht erneut stellt. Man hat die betreffende Logik schließlich ohne diese Einsicht gar nicht gelernt. Zum Vergleich: Logische Formen zu verstehen ist nicht wie Vokabeln lernen, die man sich nur merken muss. Man kann nicht im hier fraglichen Sinn einsehen, dass ‚Hund‘ auf Englisch ‚dog‘ heißt.
Dass wir unterschiedlich lernen, ist ja klar: Einfaches lernen wir auswendig wir Hund-dog, Abstraktes müssen wir erstmal verstehen wie z.B. die Zahl(en), zentrale Grundlage der Mathematik. So können wir z.B. Zahlen erst "irgendwann" lernen, nicht schon als Baby; das ist doch völlig ok. Ich weiß noch, dass ich den Sinn eines x in einer Gleichung als Kind erst einmal nicht sofort verstanden habe; das ist auch so eine Abstraktion, die erst einmal eine Einsicht benötigt.
Ich verstehe nur nicht, wo du dabei ein Problem siehst. Intuition bedarf halt tiefes WIssen und (ggf.) Verständnis, ob nun zu Einfachem oder Kompliziertem. So kann man gewisse Dinge schnell recht perfekt können (Hund-dog); Anderes braucht lange Zeit wie sehr gutes, intuitives Schachspielen.



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Consul
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Fr 27. Feb 2026, 14:32

Burkart hat geschrieben :
Fr 27. Feb 2026, 00:32
Ich weiß nicht genau, was für dich "philosophisch betrachtet" hier bedeutet.
Intuition ist schnelles, unbewusstes Wissen. Das heißt, man hat viel gelernt und verarbeitet und kann es nun schnell, quasi spontan nutzen.
Das ist eine Bedeutung: "Intuition = any quick insight, recognized immediately without a reasoning process; a belief arrived at unconsciously; – often it is based on extensive experience of a subject." / "Eine rasche, unmittelbare Einsicht ohne Nachdenken; eine unbewusst gewonnene Überzeugung – oft basiert sie auf umfangreicher Erfahrung in einem Fachgebiet." (Webster's 1013)

Dies entspricht weitestgehend der folgenden Auffassung von Intuitionen als "Glaubungen/Überzeugungen [beliefs] mit einer geeigneten Ätiologie. Eine solche Auffassung, die von vielen Psychologen und Philosophen mit naturalistischer Ausrichtung favorisiert wird, behandelt Intuitionen als Glaubungen/Überzeugungen ohne bewusste oder introspektiv zugängliche Schlussfolgerungsätiologie (Gopnik und Schwitzgebel 1998; Devitt 2006: 491; Kornblith 1998), wie in folgendem Beispiel:
[A2] S hat die Intuition, dass p genau dann, wenn S die gegenwärtige Glaubung/Überzeugung bildet, dass p, ohne sie bewusst aus einer anderen Glaubung/Überzeugung abzuleiten."
[übersetzt von Google] (Quelle: https://plato.stanford.edu/entries/intuition/)



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Jörn P Budesheim
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Burkart hat geschrieben :
Fr 27. Feb 2026, 14:17
Ich verstehe nur nicht, wo du dabei ein Problem siehst.
Kein Problem. Aber diese Bestimmung: „Intuition ist schnelles, unbewusstes Wissen. Das heißt, man hat viel gelernt und verarbeitet und kann es nun schnell, quasi spontan nutzen.“ deckt nur manche Fälle ab. Das Logik-Beispiel ist meines Erachtens damit nicht erklärt.



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Consul
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Fr 27. Feb 2026, 15:23

Consul hat geschrieben :
Do 26. Feb 2026, 17:38
Man kann zwischen rationaler (logischer/noetischer) Intuition und irrationaler (mystischer/esoterischer) Intuition unterscheiden—wobei noch zu klären wäre, worin genau der Unterschied besteht.
"Rationale Einsicht. Das vermeintliche direkte oder unmittelbare Erfassen der Wahrheit oder Notwendigkeit einer Aussage ohne Rückgriff auf Erfahrung. (Auch als rationale Intuition bezeichnet.) Laut Rationalismus ist diese Einsicht die grundlegende Quelle der apriorischen Rechtfertigung und des apriorischen Wissens." [übersetzt von Google & Consul]

(BonJour, Laurence. Epistemology: Classic Problems and Contemporary Responses. 2nd ed. Lanham, MD: Rowman & Littlefield, 2010. p. 316)



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Jörn P Budesheim
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Fr 27. Feb 2026, 15:37

Markus Gabriel hat geschrieben : ... Wir müssen in Kontakt mit Wirklichem stehen, das wir noch nicht logisch-mathematisch entschlüsselt haben, damit eine Entschlüsselung überhaupt einsetzen kann. Diesen jeder logisch-mathematischen Kodierung und Dekodierung vorgängigen Kontakt bezeichnet die Philosophie seither als Intuition beziehungsweise als Anschauung, was alltäglich auch als „Bauchgefühl“ bekannt ist.

Die Intuition ist Platon zufolge angeboren. Jeder Mensch steht von Geburt an in Wirklichkeitskontakt. Darin ist Platon zuzustimmen. Kinder könnten ja keine Sprache erlernen, wenn sie nicht spätestens nach der Geburt – natürlich beginnt dies alles schon im Mutterleib – imstande wären, Strukturen zu erfassen. Heute erklären wir dies freilich nicht mehr wie Platon unter Rekurs auf die Annahme einer unsterblichen Seele, die von Ewigkeit zu Ewigkeit mit Mustern ausgerüstet ist, die er bekanntlich als Ideen bezeichnet. Es genügt, der Natur selber Strukturen zu unterstellen, die sich in Lebewesen dank einer evolutionären Systembildung zu Musterkennungssystemen ausdifferenziert haben. ...

Quelle: Bildungsklick



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Fr 27. Feb 2026, 15:54

"Rationale Einsicht. Das vermeintliche direkte oder unmittelbare Erfassen der Wahrheit oder Notwendigkeit einer Aussage ohne Rückgriff auf Erfahrung. (Auch als rationale Intuition bezeichnet.) Laut Rationalismus ist diese Einsicht die grundlegende Quelle der apriorischen Rechtfertigung und des apriorischen Wissens." [übersetzt von Google & Consul]

(BonJour, Laurence. Epistemology: Classic Problems and Contemporary Responses. 2nd ed. Lanham, MD: Rowman & Littlefield, 2010. p. 316)
BonJour betont laut meinen Recherchen, dass solche intuitiven Einsichten nicht auf einer diskursiven Herleitung beruhen, sondern auf einem unmittelbaren geistigen Grasping (Ergreifen) der fraglichen Tatsachen.



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Fr 27. Feb 2026, 16:03

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Fr 27. Feb 2026, 14:56
Burkart hat geschrieben :
Fr 27. Feb 2026, 14:17
Ich verstehe nur nicht, wo du dabei ein Problem siehst.
Kein Problem. Aber diese Bestimmung: „Intuition ist schnelles, unbewusstes Wissen. Das heißt, man hat viel gelernt und verarbeitet und kann es nun schnell, quasi spontan nutzen.“ deckt nur manche Fälle ab. Das Logik-Beispiel ist meines Erachtens damit nicht erklärt.
Dein Logik-Beispiel ist doch "nur" eine Abstraktion bzw. Verallgemeinerung von bekannten Beispielen, wie ich sie schon aufgezählt habe: Es schmeckt oder eben nicht, es kratzt oder eben nicht... und so meint man dazu intuitiv zu kommen, dass nur das eine oder das andere gelten kann, ganz allgemein gesehen.



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Fr 27. Feb 2026, 16:49

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Fr 27. Feb 2026, 15:37
Markus Gabriel hat geschrieben : ... Wir müssen in Kontakt mit Wirklichem stehen, das wir noch nicht logisch-mathematisch entschlüsselt haben, damit eine Entschlüsselung überhaupt einsetzen kann. Diesen jeder logisch-mathematischen Kodierung und Dekodierung vorgängigen Kontakt bezeichnet die Philosophie seither als Intuition beziehungsweise als Anschauung, was alltäglich auch als „Bauchgefühl“ bekannt ist.…

Quelle: Bildungsklick
Wenn Rationalisten von Intuition als apriorischer, nichtempirischer Erkenntnisquelle sprechen, dann meinen sie damit kein "Bauchgefühl", keine "instinktive" Ahnung oder Vermutung.



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Fr 27. Feb 2026, 16:52

Spricht Gabriel denn an dieser Stelle wirklich von Ahnung und Vermutung?



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Fr 27. Feb 2026, 17:29

Burkart hat geschrieben :
Fr 27. Feb 2026, 16:03
Dein Logik-Beispiel ist doch "nur" eine Abstraktion bzw. Verallgemeinerung von bekannten Beispielen, wie ich sie schon aufgezählt habe: Es schmeckt oder eben nicht, es kratzt oder eben nicht...
Ich bezweifle, dass man Erfahrungen dieser Art überhaupt macht. Wenn man eine Frucht isst, dann erfährt man vielleicht, dass sie einem schmeckt. Aber man erfährt nicht, dass sie einem schmeckt „oder eben nicht“. Man erlebt einfach, dass sie schmeckt.

Dass sie nicht zugleich in derselben Hinsicht auch nicht schmecken kann, gehört nicht zur Erfahrung selbst. Das ist bereits ein gedanklicher Zusatz.

Deshalb ist das Erkennen logischer Formen keine bloße Abstraktion aus Erfahrungen. Das „oder eben nicht“ setzt die Einsicht in solche logischen Regeln schon voraus – es entsteht nicht erst aus vielen ähnlichen Erlebnissen.

Außerdem ist die Einsicht in die verschiedenen logischen Formen von einer anderen Art. Wenn ich sie einsehe, dann nicht, weil ich viele Beispiele gesammelt und daraus etwas geschlossen habe – denn auch das Schließen setzt Logik bereits voraus –, sondern weil ich in der logischen Form erkenne: Es kann gar nicht anders sein. Es ist eine Einsicht in zwingende logische Notwendigkeit – oder anders formuliert: eine Einsicht in die Gesetze der Wahrheit.



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Fr 27. Feb 2026, 18:41

Andreas Kemmerling, in philosophische Grundbegriffe, Intuition hat geschrieben : Als eine Intuition bezeichnet man in der philosophischen Tradition eine unmittelbare Erkenntnis, die mit einem Erlebnis größter Evidenz einhergeht. Dass sie unmittelbar ist, heißt, dass sie kein diskursives (d. h. insbesondere kein folgerndes) Erkennen ist. Das die Intuition begleitende Evidenz-Erlebnis stellt sicher, dass sie keinen Zweifel zulässt.

[...]

Für die moderne Philosophie war besonders René Descartes’ (Meditationes de prima philosophia, 1641) Berufung auf I. von nachhaltigem Einfluss. Sein Ego sum, ego existo (»Ich bin, ich existiere«) ist wohl das bekannteste Beispiel für das, was er eine I. nennt. Wer diesen Gedanken hat, so Descartes, sehe schlagartig und mit höchster Klarheit ein, dass er existiert. Dieser Gedanke kann nicht in Zweifel gezogen werden; wir sind, solange wir dies denken, gezwungen, das Gedachte für wahr zu halten. Wir sehen in der Helligkeit des »natürlichen Lichts« (d. h. durch den Verstand allein), dass es so ist, wie wir es denken. [...]



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Fr 27. Feb 2026, 22:03

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Fr 27. Feb 2026, 17:29
Burkart hat geschrieben :
Fr 27. Feb 2026, 16:03
Dein Logik-Beispiel ist doch "nur" eine Abstraktion bzw. Verallgemeinerung von bekannten Beispielen, wie ich sie schon aufgezählt habe: Es schmeckt oder eben nicht, es kratzt oder eben nicht...
Ich bezweifle, dass man Erfahrungen dieser Art überhaupt macht. Wenn man eine Frucht isst, dann erfährt man vielleicht, dass sie einem schmeckt. Aber man erfährt nicht, dass sie einem schmeckt „oder eben nicht“. Man erlebt einfach, dass sie schmeckt.

Dass sie nicht zugleich in derselben Hinsicht auch nicht schmecken kann, gehört nicht zur Erfahrung selbst. Das ist bereits ein gedanklicher Zusatz.
Es geht natürlich beim Geschmackstest nicht um dieselbe Frucht, sondern um eine weitere. Z.B. "Orange -> lecker, schmeckt mir (süß)", "Grapfruit -> bäh, mag ich nicht (bitter)".
Also Frucht X schmeckt mir oder eben nicht.
Deshalb ist das Erkennen logischer Formen keine bloße Abstraktion aus Erfahrungen. Das „oder eben nicht“ setzt die Einsicht in solche logischen Regeln schon voraus – es entsteht nicht erst aus vielen ähnlichen Erlebnissen.

Außerdem ist die Einsicht in die verschiedenen logischen Formen von einer anderen Art. Wenn ich sie einsehe, dann nicht, weil ich viele Beispiele gesammelt und daraus etwas geschlossen habe – denn auch das Schließen setzt Logik bereits voraus –, sondern weil ich in der logischen Form erkenne: Es kann gar nicht anders sein. Es ist eine Einsicht in zwingende logische Notwendigkeit – oder anders formuliert: eine Einsicht in die Gesetze der Wahrheit.
Wo kommt denn unsere Logik her? Meiner Ansicht nach kommt sie aus unserer Erfahrung: Aus "blauem Dreieck" lernen wir als "blau" UND "Dreieck", aus "rotem Quadrat" "rot" UND "Quadrat".
Oder wie erkennen wir Buchstaben? Ein O ist etwas schön Rundes UND Geschlossenes, ein D Geschlossen UND nicht-ganz-rund.
Uns sind keine "Gesetze der Wahrheit (Logik)" angeboren, auch wenn man das vielleicht glauben mag, sondern sinnliches Erkennen, das Lernen von damit verknüpfte Begriffe u.ä.



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