Soziales Looping und Kognitive Disruption

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Forbitten
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Sa 28. Jun 2025, 13:30

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Sa 28. Jun 2025, 13:12
Das heißt, du glaubst, dass du in Wahrheit gar keine Musik machen willst und dir das bloß einredest? Denn wenn die Geschichten, die das Ich ausmachen fundamental Lügen sind, dann muss natürlich auch die Geschichte, dass du Musik machen willst, eine Lüge sein.
Das wäre so der harte Kern.

Ich setze mir dann die PunkRocker-Maske auf
und die Maske ist die Wahrheit

Und hinter dieser Maske ist weniger als NICHTS,
weil sich das der simbolischen Erkenntnis entzieht.



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Forbitten
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Sa 28. Jun 2025, 13:32

Quk hat geschrieben :
Sa 28. Jun 2025, 12:31
Forbitten hat geschrieben :
Fr 27. Jun 2025, 22:12
„Die Sprache ist das Haus des Seins. In ihrer Wohnung wohnt der Mensch.“
— Martin Heidegger
Wenn mit "Sprache" hier so etwas wie "Deutsch" oder "Englisch" gemeint ist, erscheint mir diese Aussage zu pauschal. Ich stimme ihr zu, wenn damit abstrakte Begriffe gemeint sind, wie etwa der Begriff "männlich": Hierfür gibt es Zillionen verschiedener Definitionen. Wenn man sich mithilfe solcher Wörter unterhält, schwebt man frei in einem Sprachgebäude, weil der entsprechende konkrete sinnliche Gegenstand beliebig interpretierbar oder gar völlig abwesend ist. Ich denke, Deine Theorie befasst sich exklusiv mit abstrakter Sprache; von dem her passt die obige Aussage wohl. Ich will nur hinzufügen, dass es -- erstens -- auch konkrete Begriffe gibt, wie etwa "Mutter" im herkömmlichen Sinn; da dient die Sprache nur als nebensächliches Etikett für etwas wahrhaftes, hier die Mutter als wahrhafte Mutter, die auch dann Mutter ist, wenn das heiderggersche "Sprachhaus des Seins" abwesend ist. Und zweitens, dass nicht jedes Ding einen Begriff braucht. Ich sehe ein neues Gesicht, habe noch keinen Namen dafür, und trotzdem ist das neue Gesicht da und sinnlich wiedererkennbar -- dafür brauche ich kein "Deutsch" oder "Englisch", und nicht einmal einen Eigennamen.

Forbitten hat geschrieben :
Sa 28. Jun 2025, 11:52
Kant:
Begriffe ohne Erfahrungen sind leer, Erfahrungen ohne Begriffe sind blind.
Diese Aussage kritisiere ich auch teilweise. Dem ersten Teil stimme ich zu: Begriffe ohne Erfahrungen sind leer. Aber den Rest würde ich so ausdrücken: Erfahrungen ohne Begriffe sind sprachlich nicht mitteilbar. Das Wort "blind" ergibt für mich keinen Sinn in diesem Kontext, weil beispielsweise eine visuelle Erfahrung überhaupt nicht blind ist, und gleichermaßen ist eine akustische Erfahrung nicht taub.
Also als Musiker kann ich bestätigen:
Wer NOFX schon 20000 Stunden gehört hat, der hört bereits viel mehr aus ihrer Musik heraus als jemand, der das nicht getan hat.



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Timberlake
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Sa 28. Jun 2025, 14:19

Forbitten hat geschrieben :
Sa 28. Jun 2025, 10:24
Timberlake hat geschrieben :
Sa 28. Jun 2025, 01:11
Forbitten hat geschrieben :
Fr 27. Jun 2025, 13:47
Theorie des Sozialen Loopings und der Kognitiven Disruption
Ein Beitrag zur Analyse subjektiver Wahrheitsproduktion in symbolischen Systemen

Fred (PunkRocker), Juni 2025
Indem ich einmal davon ausgehe, dass das hier die Diskussionsgrundlage dieser Ganzen, hier gespielten Partitur ist, so würde mich schon interessieren, wer Fred (PunkRocker) ist. Hat mich doch dieser Text neugierig auf ihn und auf mehr gemacht.
Vielen lieben Dank!
Das freut mich echt!
Ich bin 40 und mehr als mein halbes Leben schon an Philosophie interessiert. An dieser Theorie arbeite ich seit 5 Jahren.

Gerne auch meinen youtube-Kanal folgen, vielleicht kommt darüber mal mehr Content, d.h. vielleicht auch philosophische Videos.

https://m.youtube.com/@blownohmresistancebohr
Ich habe mir natürlich sogleich ein Blick auf deinen youtube-Kanal gegönnt.



Was mich allerdings schon "kognitiv disruptiert" hat, war der Handschuh der linken Hand, beim Abgreifen der Saiten. Für mich, der sich seit nun mehr fast 45 Jahren selbst mit akustischen Gitarren abmüht, unbegreiflich. Wenn es denn bei mir ein Problem gibt, dann mit den Fingernägeln der rechten Hand, beim Zupfen der Saiten. So das eigentlich künstliche Fingernägel notwendig wären.
Forbitten hat geschrieben :
So 22. Jun 2025, 13:47
So wie ein Dreiklang-Popsong verlässlich die Charts dominiert, so bestimmt auch eine „richtige“ Wahrheit das Klassenzimmer:
Der Lehrer fragt: „Was haben wir letzte Woche gemacht?“
Die Schüler antworten wahrheitsgemäß: „Gechattet.“ – „Laura verarscht.“ – „Nachrichten gelesen.“
Und doch sind es die „falschen“ Wahrheiten. Denn die Schule verlangt nicht Wahrheit, sondern Anerkennung: Die einzig gültige Antwort soll das Unterrichtsgeschehen sein. Alles andere ist Störgeräusch. Oder, mit Luhmann: überflüssige Komplexität – rauszufiltern.
Wenn es denn, wie hier beschrieben, falsche Wahrheiten gibt, kann es auch, so wie mit dem Handschuh der linken Hand oder ohne natürliche bzw. künstliche Nägel der linken Hand ein falsches Spiel mit einer Gitarre geben? Weil ansonsten "Störgeräusch" , zählt der Handschuh zu jener überflüssigen Komplexität, die es herauszufiltern bzw. natürliche bzw. künstliche Nägel zur notwendigen Komplexität, die es anzustreben gilt?
Forbitten hat geschrieben :
So 22. Jun 2025, 13:47

Žižek würde sagen: Ideologie zeigt sich gerade darin, dass wir weitermachen, obwohl wir es besser wissen.
Wie dem auch sei, was mich betrifft, demgemäß spiele ich auf meiner akustischen Gitarre weiter ohne künstliche Fingernägel, obwohl ich es besser weiß.
Forbitten hat geschrieben :
So 22. Jun 2025, 13:47
Die kognitive Disruption ist dann vielleicht der letzte Rest Subjektivität:
Viielleicht ist aber auch diese kognitive Disruption der letzte Rest meiner Subjektivität.




Jörn Budesheim

Sa 28. Jun 2025, 15:13

Forbitten hat geschrieben :
Sa 28. Jun 2025, 13:30
Jörn Budesheim hat geschrieben :
Sa 28. Jun 2025, 13:12
Das heißt, du glaubst, dass du in Wahrheit gar keine Musik machen willst und dir das bloß einredest? Denn wenn die Geschichten, die das Ich ausmachen fundamental Lügen sind, dann muss natürlich auch die Geschichte, dass du Musik machen willst, eine Lüge sein.
Das wäre so der harte Kern.

Ich setze mir dann die PunkRocker-Maske auf
und die Maske ist die Wahrheit

Und hinter dieser Maske ist weniger als NICHTS,
weil sich das der simbolischen Erkenntnis entzieht.
Dass eine Maske die Wahrheit sein oder zeigen kann, leuchtet mir durchaus ein, das sehe ich genauso. Aber das zeigt ja gerade nicht, "dass unser Ich, also die Geschichte, die wir uns selbst erzählen, fundamental gelogen ist." Oder?




Jörn Budesheim

Sa 28. Jun 2025, 15:44

Quk hat geschrieben :
Sa 28. Jun 2025, 12:31
Erfahrungen ohne Begriffe sind sprachlich nicht mitteilbar.
Nach meiner Ansicht gibt es keine Erfahrung ohne Begriffe. Allerdings sind nicht alle Begriffe unbedingt sprachlich mitteilbar, da die Begriffe der Sinnlichkeit oft weit feinkörniger sind als die der Sprache.

(Auch Lebewesen, die keine präpositionale Sprache wie wir sprechen, verfügen sicherlich über Begriffe. Begriffe ≠ Worte.)




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Sa 28. Jun 2025, 15:46

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Sa 28. Jun 2025, 15:13
Forbitten hat geschrieben :
Sa 28. Jun 2025, 13:30
Jörn Budesheim hat geschrieben :
Sa 28. Jun 2025, 13:12
Das heißt, du glaubst, dass du in Wahrheit gar keine Musik machen willst und dir das bloß einredest? Denn wenn die Geschichten, die das Ich ausmachen fundamental Lügen sind, dann muss natürlich auch die Geschichte, dass du Musik machen willst, eine Lüge sein.
Das wäre so der harte Kern.

Ich setze mir dann die PunkRocker-Maske auf
und die Maske ist die Wahrheit

Und hinter dieser Maske ist weniger als NICHTS,
weil sich das der simbolischen Erkenntnis entzieht.
Dass eine Maske die Wahrheit sein oder zeigen kann, leuchtet mir durchaus ein, das sehe ich genauso. Aber das zeigt ja gerade nicht, "dass unser Ich, also die Geschichte, die wir uns selbst erzählen, fundamental gelogen ist." Oder?
Ja doch.



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Jörn Budesheim

Sa 28. Jun 2025, 15:48

Warum?




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Sa 28. Jun 2025, 15:51

Der Handschuh ist nicht dazu da, um besser spielen zu können, im Gegenteil, man verliert Gefühl, aber er schützt Hand und Material.
Timberlake hat geschrieben :
Sa 28. Jun 2025, 14:19

Wenn es denn, wie hier beschrieben, falsche Wahrheiten gibt, kann es auch, so wie mit dem Handschuh der linken Hand oder ohne natürliche bzw. künstliche Nägel der linken Hand ein falsches Spiel mit einer Gitarre geben? Weil ansonsten "Störgeräusch" , zählt der Handschuh zu jener überflüssigen Komplexität, die es herauszufiltern bzw. natürliche bzw. künstliche Nägel zur notwendigen Komplexität, die es anzustreben gilt?
Forbitten hat geschrieben :
So 22. Jun 2025, 13:47
Die kognitive Disruption ist dann vielleicht der letzte Rest Subjektivität:
Viielleicht ist aber auch diese kognitive Disruption der letzte Rest meiner Subjektivität.
Die kognitive Disruption ist tatsächlich die letzte Offenbarung, dass es sich bei der Subjektivität um eine Simulation handelt.



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Sa 28. Jun 2025, 15:54

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Sa 28. Jun 2025, 15:48
Warum?
Sonst würde es nicht "Maske" heißen?

Und ... warum tragen wir eine Maske, selbst wenn wir von einem authentischen Selbst ausgehen?
Na, weil wir in gesellschaftlichen Zwängen leben.
Und genau da setzt meine Theorie an.

Wir haben immer nur eine Maske, die eine bequemer, die andere nicht
die Subjektivität selbst ist eine Simulation.

Was übrigens nicht bedeutet, dass wir nicht direkt mit der Wirklichkeit verfahren würden. Aber die Wirklichkeit ist halt eben dann so, würde ich sagen.

Natürlich freue ich mich darauf, wann und wo genau meine Theorie scheitert.



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Jörn Budesheim

Sa 28. Jun 2025, 16:19

Forbitten hat geschrieben :
Sa 28. Jun 2025, 15:54
Sonst würde es nicht "Maske" heißen?
Die Vorstellung, Masken würden etwas verstecken und nicht etwas zeigen oder hervorbringen, verdanken wir leider unter anderem der christlichen Ethik. Dies ist keineswegs selbstverständlich, wie du offenbar annimmst. In der christlichen Tradition wird das angebliche "Verbergen" oft als etwas Problematisches, mitunter sogar Sündhaftes gedeutet – besonders im Hinblick auf Authentizität und Wahrhaftigkeit.

Andere kulturelle Kontexte hingegen kennen Masken gerade als Ausdruck von Autonomie, Individualität, Transformation, Schutz, Sichtbarmachung und anderem mehr.

(Der Begriff der "Person" verdankt sich übrigens der Maske in antiken Theatern.)




Jörn Budesheim

Sa 28. Jun 2025, 16:26

Forbitten hat geschrieben :
Sa 28. Jun 2025, 15:54
Na, weil wir in gesellschaftlichen Zwängen leben.
Ich habe mir auch gerade dein Musikvideo angeschaut – sieht gut aus.

Zu den Zwängen: Diese Gesellschaft hat immerhin (zusammen mit dir und natürlich vielen anderen) die Musik hervorgebracht, die du anscheinend so schätzt, inklusive der (nahezu unendlich) vielen Voraussetzungen, um sie spielen zu können. Vom Prinzip her ist Gesellschaft der Ort, der Freiheit möglich macht. Das ist natürlich nie ideal realisiert, in manchen Gesellschaften geht es besser, in anderen leider schlechter. Wir sind meines Erachtens heute so wie fast noch nie gefordert, diese Freiheit zu bewahren.




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Sa 28. Jun 2025, 18:41

OK, danke jedenfalls! Und nochmals danke, danke und im voraus danke.

Ich möchte nur den Überblick erfassen (lassen):
theorie_soziales_looping_mindmap.png
theorie_soziales_looping_mindmap.png (112.48 KiB) 2439 mal betrachtet



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Sa 28. Jun 2025, 18:42

Theorie des Sozialen Loopings und der Kognitiven Disruption
Ein Beitrag zur Analyse subjektiver Wahrheitsproduktion in symbolischen Systemen

Einleitung

Diese Theorie geht von der Annahme aus, dass menschliche Wirklichkeit grundlegend durch sprachlich-symbolische Ordnungen vermittelt ist. In diesen Ordnungen wirken Wiederholungsmuster, die gemeinhin als „Trivialitäten“ erscheinen: Rollenbilder, Sprechakte, Wertvorstellungen, institutionelle Erwartungen. Gerade weil sie als selbstverständlich gelten, entziehen sie sich der bewussten Analyse. Sie sind – so die zentrale These – das Grundmaterial des „sozialen Loopings“.

Soziales Looping beschreibt einen Zustand symbolischer Selbstverstärkung, in dem konkurrierende Trivialitäten einander überlagern, ohne sich gegenseitig aufzuheben. In diesem Zustand treten kognitive Disruptionen auf: subjektive Störungen im semantischen Gefüge, die nicht pathologisch, sondern als produktive Erkenntnismomente verstanden werden. Ziel dieser Theorie ist es, den Begriff der Disruption als Ort epistemischer Offenheit neu zu denken.

1. Soziales Looping: Die Wiederholung der Überflüssigkeit

Soziales Looping bezeichnet die redundante Reproduktion symbolischer Ordnungen im Alltag. Was vordergründig wie Kommunikation erscheint, ist oft nur die Reaffirmation bestehender Sinnsysteme. Jede triviale Aussage („Wie geht’s?“ – „Gut.“) ist eine stille Zustimmung zum Bestehenden.

Im schulischen Kontext – etwa wenn ein Lehrer fragt: „Was haben wir letzte Woche gemacht?“ – und die Antworten lauten: „Gechattet“, „Laura verarscht“, „Nachrichten gelesen“, – erleben wir ein solches soziales Looping. Die Antworten sind wahr, aber nicht erwünscht. Erwünscht ist die Reproduktion der institutionell vorgezeichneten Linie des Unterrichts. Hier überschreiten Schüler die Grenze zwischen Alltag und institutioneller Semantik. Die Schule trivialisiert in diesem Moment das subjektive Erleben – zugunsten eines abstrakten Regelwerks.

2. Kognitive Disruption: Die Dissonanz der Bedeutungen

Kognitive Disruptionen entstehen, wenn konkurrierende Trivialitäten aufeinandertreffen und sich nicht harmonisieren lassen. Anders als eine Neurose – verstanden als pathologische Reaktion auf innere Konflikte – beschreibt die Disruption eine produktive Irritation:

Ein Subjekt erkennt, dass zwei symbolische Ordnungen unvereinbar nebeneinanderstehen. Beispiel: die mediale Wahrnehmung des Nahostkonflikts. Einerseits wird Israel als demokratischer Staat beschrieben, andererseits erscheint sein Vorgehen im Gazastreifen als völkerrechtswidrig. Beide Narrative zirkulieren – und erzeugen eine epistemische Dissonanz.

Diese Dissonanz ist kein Fehler, sondern ein Ort der Erkenntnis. Sie legt offen, dass keine Wahrheit „natürlich“ ist. Jede Bedeutung ist Ergebnis eines symbolischen Spiels, das jederzeit verschoben werden kann.

3. Wahrheit als Fiktion

Folgt man Lacan, so existiert das Subjekt nicht außerhalb des Symbolischen. Es ist ein Effekt des Sprechens, der Signifikanten, der diskursiven Strukturen. Jede Wahrheit, die ein Subjekt äußert, ist somit bereits durch das Symbolische vermittelt.

Lacan schreibt: „Die Wahrheit hat die Struktur einer Fiktion.“ Das heißt nicht, dass Wahrheit unwahr ist – sondern dass sie narrativ verfasst ist. Subjekte erzählen sich selbst und die Welt stets als Geschichte. Die kognitive Disruption markiert den Moment, in dem diese Geschichte ins Stocken gerät – ein Bruch im Narrativ.

4. Das Subjekt als Interpret: Plot Twists der Erkenntnis

Kognitive Disruptionen ermöglichen es dem Subjekt, die eigene Welterfahrung als Narrativ zu erkennen. Diese Erkenntnis eröffnet Handlungsfähigkeit:

Denn wer erkennt, dass Bedeutungen gemacht sind, kann sie auch anders machen.

Wie ein Film, der auch erzählt, wie er genossen werden soll, geben auch ideologische Strukturen die Formen vor, in denen Bedeutung erfahren wird. Die Disruption durchbricht diesen Automatismus – sie ist ein innerer „Plot Twist“.

5. Hermeneutik des Ereignisses: Disruption und Prognose

Disruptive Momente ermöglichen nicht nur retrospektive Analyse, sondern auch symbolische Prognostik. Wer die konkurrierenden Trivialitäten eines Diskurses erkennt – etwa im Nahen Osten – kann erahnen, wohin sich die Ordnung entwickelt. Symbolische Überladung zeigt an, wo Bedeutungen brüchig geworden sind – und wo ein Ereignis notwendig wird.

Disruptionen markieren jene Punkte, an denen das System neu justiert werden muss. Sie zeigen an, wo ein Übergang – ob in Diskurs, Institution oder Subjekt – bevorsteht.

Schluss: Komposition statt Auflösung

Diese Theorie begreift die kognitive Disruption nicht als Defekt, sondern als kreative Brüchigkeit des Symbolischen. Sie ist das Moment der Öffnung, nicht des Scheiterns.

Wie in der Musik ist es die Dissonanz, die Spannung erzeugt. Und manchmal ist es das Verstummen, das uns hören lehrt.

Wahrheit ist nicht das Ende der Geschichte, sondern ihre Form.

„Das Wahre ist das Ganze.“ – Hegel

Aber das Ganze ist eine Partitur, die stets neu gespielt werden muss.

Erweiterung: Resonante Emergenz

Resonante Emergenz beschreibt das Auftreten neuer, unerwarteter Muster in einem komplexen System durch verstärkte Wechselwirkungen seiner Elemente. Sie entsteht durch zwei Prozesse:

Emergenz: Neue Eigenschaften entstehen aus dem Zusammenspiel vieler Komponenten und lassen sich nicht auf Einzelelemente zurückführen.

Resonanz: Bestimmte Elemente treten in verstärkte Wechselwirkung – durch Frequenz, Rhythmus oder Affinität.

Beispiel: Neuronale Netzwerke, die durch Resonanz Bewusstseinsinhalte erzeugen, obwohl jede Zelle nur einfache Signale verarbeitet.

Resonante Emergenz zeigt, dass Disruptionen und Loopings nicht nur Desorientierung erzeugen, sondern auch kreative Neuanordnungen ermöglichen – neue Narrative, Praktiken, Wahrheiten.

Ausblick: Die Fermate

Die Fermate – der musikalische Moment des Innehaltens – wird zum abschließenden Begriff dieser Theorie. Sie bezeichnet die Pause im sozialen Rauschen, in der Resonanz hörbar wird.

Fermaten sind jene Momente, in denen das Subjekt innehält, lauscht, neu justiert. In ihnen wird resonante Emergenz möglich.

Diese Theorie endet nicht mit Auflösung, sondern mit einem Verstummen, das Neues einlädt.

Wie eine Fermate am Ende eines Satzes.

Oder am Anfang eines neuen Kapitels.


Ich denke, so hat es jeder auch begriffen, worum es mir geht?
Zuletzt geändert von Forbitten am Sa 28. Jun 2025, 19:09, insgesamt 2-mal geändert.



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Jörn Budesheim

Sa 28. Jun 2025, 18:53

Žižek schreibt: „Die Wahrheit hat die Struktur einer Fiktion.“ Bei Žižek und bei Google findet man allerdings, dass dieses Zitat von Lacan ist.




Quk

Sa 28. Jun 2025, 19:04

Forbitten hat geschrieben :
Sa 28. Jun 2025, 18:42
Ich denke, so hat es jeder auch begriffen, worum es mir geht?
Ich schätze, ich habe es verstanden.


Die Zeile mit der Frequenz würde ich streichen. Das ist vollkommen off-topic. Klingt wie KI-Müll :-)
Forbitten hat geschrieben :
Sa 28. Jun 2025, 18:42
3 Hz oder 4 GHz – es geht nicht um Tempo, sondern um Tiefe.




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Sa 28. Jun 2025, 19:07

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Sa 28. Jun 2025, 18:53
Žižek schreibt: „Die Wahrheit hat die Struktur einer Fiktion.“ Bei Žižek und bei Google findet man allerdings, dass dieses Zitat von Lacan ist.
Ja.

"Die Aussage "Die Wahrheit hat die Struktur einer Fiktion" ist ein bekanntes Zitat von Jacques Lacan, das auch von Slavoj Žižek aufgegriffen wurde."

Also ich setzte für meine Leser voraus, dass klar ist, dass
Zizek = Hegel + Lacan

Aber gut, ich ändere das vielleicht besser mal.



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Forbitten
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Sa 28. Jun 2025, 19:09

Quk hat geschrieben :
Sa 28. Jun 2025, 19:04
Forbitten hat geschrieben :
Sa 28. Jun 2025, 18:42
Ich denke, so hat es jeder auch begriffen, worum es mir geht?
Ich schätze, ich habe es verstanden.


Die Zeile mit der Frequenz würde ich streichen. Das ist vollkommen off-topic. Klingt wie KI-Müll :-)
Forbitten hat geschrieben :
Sa 28. Jun 2025, 18:42
3 Hz oder 4 GHz – es geht nicht um Tempo, sondern um Tiefe.
Das stimmt, also alles ab Emergenz: man merkt, ich habe dazu noch kaum was selbst geschrieben!



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Jörn Budesheim

Sa 28. Jun 2025, 20:28

Bild
KI-Bild: reve.art

Hier gibt es einen KI generierten Podcast zu dem Faden:
https://notebooklm.google.com/notebook/ ... 7721/audio




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Forbitten
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Sa 28. Jun 2025, 20:47

:D :D :D :D !!!!

Hahaha krieg ich das Video für meinen youtube-Kanal?



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Jörn Budesheim

Sa 28. Jun 2025, 20:51

Du kannst dir das Audio und das Bild runterladen, wenn du willst :) vielleicht machst du einen Verweis auf das Forum dazu, wenn du Lust hast, muss aber nicht sein.




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